Dienstag, 12. Juni 2007

Schulaufgaben-Logik und Unlogik

Ich habe heute versehentlich auf "Blog melden" geklickt. Habe ich damit meinen eigenen Blog als obszön gemeldet? Und wie kann ich das wieder rückgängig machen?
Gerade haben die Kinder ganz eigenständig im Internet die Bravo-Sport-Seite aufgesucht und in das Mailformular einen Text-Vorschlag eingetragen für diese Sprechblasen in Sportlerfotos. Vorher haben sie offenbar verschiedene Varianten überlegt, dann haben sie genau geprüft, wie sie den Text so kurz halten können, dass er in die Sprechblase passt.
Vorher habe ich (Freitag ist ein weiterer Prüfungstermin mit Tests - Zeugniszeit naht...) mit Moritz ein Aufgabenheft "Deutsch 4. Klasse. Das muss mein Kind wissen" weitgehend durchgearbeitet. Aus Zeit- und Langeweilegründen haben wir Vieles nur mündlich durchgespielt. Das Entscheidende ist, dass Moritz lernt, zu erkennen, was gewünscht ist. wenn da zum Beispiel steht: "Setze in den Text die richtige Form der Namenwörter und ihrer Begleiter ein" und dann "Jeden Tag geht Herr Meier früh mit (sein/Hund)_________Maxl los. Sie streifen durch (der/Wald)________ usw.", dann hat er Schwierigkeiten, drauf zu kommen, dass die Aufgabe darin besteht, zu wissen, dass es "Sie streifen durch den Wald" heißen muss, und es nervt ihn, sowas ausfüllen zu müssen. Oder er verzweifelt an der Unlogik: Über der Aufgabe steht dick und fett "Nach kurzem Selbstlaut steht immer ss, nach langem Selbstlaut und nach Doppellauten steht ß." Dann folgen die Aufgaben, als achtes Wort "Ei_". Tja, eindeutig Doppellaut, Eis wird aber mit "s" geschrieben. Das weiß Moritz natürlich, aber selbst ich war von dieser Aufgabe so verunsichert, dass ich im allerneusten Duden nachschlug, ob sich das vielleicht neuerdings geändert hat (hat es nicht. Schwierig ist auch, dass Moritz viele Bibliotheksbücher und andere gebrauchte Bücher ausleiht, die schon älter sind - daher fällt ihm die Unterscheidung alte/neue Schreibweise schwer.
Na gut, das ist derzeit der Preis der Freiheit, ich hoffe, er kann sich bis Freitag beim Test merken, dass der 4. Fall Akkusativ heißt (Eselsbrücke: 4 Silben) und der dritte Dativ (zweimal D).
Gestern hat Moritz von sich aus angefangen, auszurechnen, wie es denn so ist, wenn man wie in der antiken Geschichte auf jedes Feld eines Schachbretts doppelt so viel legt wie auf das vorherige. Bei 4096 wurde es ihm zu mühsam, aber allein dass ihn das so interessiert hat, fand ich doll - ich hab das als Kind immer geglaubt ohne nachzuprüfen.
Letzte Woche waren wir mit Kusin und Kusine, die eine Woche zum Ferienbesuch waren, zum Lehrerinnen-Termin in der Schule. Das war nett, die Kinder hatten in den Tagen zuvor neue surreale Geschichten geschrieben und an die Bäume der Umgebung gepinnt mit Reißzwecken. Als die abgerissen wurden, haben sie Zettel in die Briefkästen verteilt. Um Feedback zu ermöglichen, haben sie sogar eine eigene Mailadresse eingerichtet, bescheuerte_Helden@web.de. Auf meinen Vorschlag hin haben sie dann am Freitag früh schnell die Rollen verteilt (Der Erzähler wechselt 4 mal, damit alle ähnlich viel zu lesen haben), nach dem Frühstück noch schnell einen Probedurchlauf gemacht und dann in der Schule den Lehrerinnen vorgetragen. So richtig viel damit anfangen konnten diese nicht, die Geschichten sind aber auch wirklich sehr gewöhnungsbedürftig und passen in kein Lehrplankonzept ("Erfinde eine verrückte Geschichte mit dadaistischen Elementen!"). Auf der Rückfahrt sagte Thomas enttäuscht: "Die Lehrerinnen haben an keiner Stelle gelacht. Mama hat wenigstens an den allerwitzigsten Stellen gelacht!" Ich habe dann die 13jährige Kusine als Triebfeder, magebliche Autorin und Protokollantin gefragt, ob sie so eine Geschichte schon mal in ihrer Schule zum Besten gegeben hätte. Sie schaute mich an, als hätte ich den Verstand verloren, und sagte nur: "Nein, natürlich nicht." Schade!

1 Kommentar:

akinom hat gesagt…

die geschichte würde ich ja gerne mal lesen...

moca