Freitag, 20. Juli 2007

Erste Homeschool-Zeugnisse

Inzwischen haben die Jungs ihre Zeugnisse erhalten. Das für Thomas klingt richtig begeistert, das für Moritz etwas verhaltener - ich habe kurz vorher noch etwas erlebt, das mir die Sinnlosigkeit und Willkür solcher Bewertungen vor Augen geführt hat:
Wie shcon letztes Jahr haben die Jungs eine von mir getippte Einladung in alle Briefkästen der Straße verteilt, mit folgendem Text:

"Nachdem es letztes jahr so nett war, wollen wir dieses Jahr wieder ein Nachbarschaftstreffen anregen. Wo? Diesmal auf dem neu gestaltete Spielplatz auf der anderen Seite ... zwischen W-Straße Haus Nr. 29 und Nr. 27. Wann? Am Donnerstag, den 12. Juli 2007 um 18 Uhr...."

So weit, so gut, mal eben so hingeschrieben zwischen tausend anderen Dingen ohne jeglichen schriftstellersichen Ehrgeiz. aber ich bin ja Homeschoolmutter... Prompt lag einer der Zettel im Briefkasten, mit roter Tinte aren Korrekturen eingefügt: Es muss selbstverständlich wzischen Hasu Nr. 27 und Nr. 29 heißen, und noch unverzeihlicher: Es heißt entweder Am Donnerstag, dem 12. Juli oder Donnerstag den 12. juli.
Darunter stad: "Vielen Dank!
Kleine Berichtigung von (voller Name)
3. Grundschulklasse.
Frdl. Grüsse !

Ich war zunächst vollkommen baff, dann musste ich sehr lachen: Offenbar fand diese Dame, dass jemand, der solche Schnitzer macht, nicht in der Lage sein kann, seine Kinder selbst zu unterrichten. Nun ist es aber so, dass ich nicht nur Abitur und Studium mit Auszeichnung habe, sondern speziell im Formulieren von Texten jahrzehntelang beruflich sehr erfolgreich bin.
Damit will ich nicht sagen, dass die von ihr angestrichenen Mängel in diesem eiligen Zufallstext keine sind, sie sagen nur überhaupt nichts über meine textgestalterischen Fähigkeiten aus. Hätte sie mich aufgrund dieses "Tests" beurteilt, wäre ihr Zeugnis vermutlich schlecht ausgefallen. Und die Aussagekraft dieses Zeugnisses wäre ziemlich gleich Null gewesen. Und genau so sind alle Zeugnisse für Kinder eben auch: Absolute Zufallsprodukte, bei denen weder die Intention der Kinder noch ihr eigentliches Können und wollen Berücksichtigung findet.
Leider ist die Dame dann nicht zu dem Nachbarschaftstreffen erschienen, schade. Ich hätte ihr gern gesagt, dass sie daran ja mal sehen kann, wie schlecht Schule funktioniert, dass selbst studierte Akademiker nicht in der Lage sind, eine simple einladung mängelfrei zu gestalten...

Kommentare:

Großstadtpflanze hat gesagt…

Traurig. Eine Lehrerin, die es nicht schafft, ausserhalb der Schule mal aus ihrer Lehrerrolle rauszuschlüpfen. Die nur den völlig unwichtigen Rechtschreibfehler sieht, aber nicht die Botschaft (in diesem Falle eine Einladung) dahinter. Was ist das für ein zwanghaftes Verhalten! Aber so ist ja leider unser ganzes Schulsystem: zwanghaft, unfrei, ungerecht.

scatty hat gesagt…

Ich wette, sie dachte, den Zettel wurde von den Jungs getippt, nicht von dir, und deswegen hat sie ihn korrigiert. Ein klassisches Beispiel von wie Leute immer versuchen, freie Lerner über ihre Schulfähigkeiten auszufragen oder korrigieren.