Mittwoch, 31. Oktober 2007

Freimarkt-Mäuse

  • Trotz all der Dramatik des behördlichen Vorgehens haben wir ja auch noch einen Alltag, und der ist nach wie vor sehr schön.
  • So waren wir gestern mit unseren Kindern auf dem Bremer Freimarkt. Für die Kinder war es schon der zweite Besuch, und sie wollten unbedingt nochmal mit ihren Eltern das riesige neue, 55 m hohe Kettenkarussell genießen. Gulp, sehr schöner Ausblick, wenns auch der alten Mutter im Magen zog! Thomas neben mir wurde geradezu poetisch in seinen Versuchen, mir die Schönheit dieser Fahrt bewusst zu machen. "Schau nur, die Krake sieht aus wie ein Spielzeug, und dahinten sieht man sogar die Lampenmasten vom Weserstadion! Und dieser herrliche Wind, und du kannst von oben auf die Bäume vom Bürgerpark draufgucken, Mama!"
  • Eine wirklich neue Überraschung war eine "Mäuseshow mit 400 Mäusen, die ohne Zwang akrobatische Kunststücke vorführen". Wir betraten den Raum, und im ersten Moment dachte ich "Nepp!", denn es handelte sich "bloß" um ein riesiges Terrarium mit Seilen, Treppen, Laufrädern, einem Riesenrad, einer (für Mäuse) hohen Rutsche, mehreren Burgen, Schiffen und luftigen Kokosnuss-Höhlen, in dem die 400 Mäuse tatsächlich völlig "frei", also ohne Dompteur, herumwuselten. Wir haben dann aber mindestens eine halbe Stunde dort verbracht und begeistert den Mäusen zugeschaut, die tatsächlich ganz ohne Zwang über luftige Seile balancierten, gemeinsam das Riesenrad in Schwung brachten und sich in den Laufrädern die Fersen abrannten, eine schaffte es sogar, erst ganz schnell zu laufen und dann mit dem Schwung der Massenträgheit einen Überschlag im Rad zu produzieren. "Schau mal, Papa, die schlafen alle im Familienbett!", es gab auch eine Mäusemutti mit Babys, eine kranke Maus, die von einer anderen übel bedrängt wurde, häufig Streit um die Wassertrinkplätze und ganz ganz viele andere Interaktionen und "Kunststücke" der Tierchen. Thomas stand allein 10 Minuten mit Hauptaugenmerk auf der Rutsche und wartete, bis endlich mal eine Maus das Schliddern wagte, anstatt doch lieber über die Treppe abzusteigen. Wir haben ganz viele spannende Sachen beobachtet und viel über Mäuse und Säugetiere und Rudelwesen und Tierbeobachtung gelernt. Auffällig war für mich, dass während unseres Aufenthaltes die anderen Zuschauer mindestens 5 x gewechselt haben. Die Intensität, Begeisterung und Ausdauer, mit der unsere Kinder zugeschaut haben, ist offenbar überdurchschnittlich. Oder lag es an den ungeduldigen Erwachsenen? Auch bei Neubronners waren es die Eltern, die nach einer guten halben Stunde an die noch ausstehende Fahrt mit der Krake erinnerten.
  • Die Kinder hatten von den Großeltern Freimarkt-Geld bekommen, das sie äußerst preisbewusst horteten. Die Mäusevorstellung hatten wir spendiert, 2x Krake und einmal Riesen-Kettenkarussell sowie Wilde Maus leisteten sich die Kinder, der Rest wurde nur interessiert betrachtet und erwogen, aber letztlich verworfen, obwohl wir Eltern uns dabei ertappten, unsere Kinder zum Geldausgeben zu animieren, "nun spart doch nicht alles! Ihr habt's doch für den Freimarkt gekriegt!" Keine Chance, lieber aufheben für "was Richtiges". Tilman und ich haben als Kinder bei solchen Gelegenheiten alles auf den Kopf gehauen, keine Ahnung, warum sie da so moderat sind. Aber direkt zum Grämen ist es ja nun nicht...
  • Auf besonderen Wunsch von Moritz haben wir dann noch die Werder-Fanartikelabteilung bei Karstadt Sport genauestens besichtigt. Auch hier wurde nichts gekauft, sondern Moritz erzählte mir hinterher, dass er sich zwar ein neues Trikot wünscht, aber erst, wenn er aus seinen jetzigen rausgewachsen ist. Thomas begeisterte sich auf dem Rückweg zum Bahnhof für einen Mann, der aus langen Lufballonschlangen alle möglichen fantasievollen Dinge bastelte, und das, du liebe Zeit, nicht für Festpreis, sondern gegen Spende. Thomas wusste genau, was er wollte, ein orangenes Schwert aus einer einzigen Luftballonschlange, und lieh sich von seinem Bruder Kleingeld, um nach reiflicher Beratung 60 Cent zu geben. Er machte sich dann viele Gedanken, was der Mann macht, wenn andere Leute gar nichts geben oder nur 1 Cent?
  • Heute abend spielt Moritz anlässlich des Reformationstages mit seinem Blasorchester in der Kirche, in der sein Lehrer Kantor ist. Solche Anlässe erhöhen die Übungsmotivation immer sehr deutlich - es macht halt am meisten Spaß, für einen "echten" Anlass zu üben und nicht nur vage fürs Leben.

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