Mittwoch, 31. Oktober 2007

illegale Bremer Schule Körnerwall heute abend in stern-tv!

  • Und wieder interessiert es bei der Behörde niemanden, einmal genauer hinzuschauen, was für Ergebnisse dieses Bremer Bildungsexperiment denn eigentlich gebracht hat. Alle Kinder wurden erfolgreich in andere Schulen integriert? Die SchülerInnen äußern sich zufrieden über ihre Zeit in der Picobello-Schule? Völlig uninteressant, Wildkraut = Unkraut => Basta. im Zusammenhang mit der Körnerwallschule hat die Bildungssenatorin per Zeitungsinterview geäußert, dass sie auch das, was die Neubronners in Bremen-Nord machen, keinesfalls dulden werde, und sich damit leider auf einen Konfrontationskurs festgelegt. Schade! Wenn wir nur verstehen würden, worum es eigentlich genau geht? Die Leistung unserer Kinder kann es nicht sein, die ist laut staatlichem Zeugnis okay. Die Sozialisation kann es auch nicht sein, denn unsere Kinder waren bei ihren sporadischen Schulbesuchen nach den Sommerferien, höflich, freundlich, und andere Kinder fragten mindestens Moritz (Thomas hat nichts erzählt) gleich, ob er nicht zum Essen bleiben wolle und ob er denn morgen wiederkäme. Moritz äußerte zwar den Verdacht, dass ihnen das aufgetragen worden sei, denn "Mama, die haben so übertrieben die Nudeln gelobt, und ich weiß doch, wie die schmecken!" Aber mehr Teamfähigkeit, als in einem Orchester und einer Fußballmannschaft mitzuspielen (Moritz) bzw. 2x wöchentlich in einem Chor zu singen (Thomas), einen allerbesten Freund und mehrere gute Freunde zu haben, kann eigentlich nicht Mindestziel des Schulbesuchs sein. Worum geht es also?

Kommentare:

Jürgen hat gesagt…

Es geht um die Macht, darum, ob ein auf allen Ebenen, von allen Gerichten bestätigtes Recht auch Recht bleibt und sich durchsetzen läßt.

Die Schulsenatorin hat einen Eid auf die Verfassung geschworen und kann gar nicht anders handeln. Sie handelt nicht als Mensch sondern als Schulsenatorin, als Amtsperson.

Ist es Euch das wirklich Wert, mehrere tausend Euro Bußgeld zu bezahlen und die Zeit und den Streß.

Gibt es keine anderen Wege, die Euer Leben weniger beeinträchtigen?

Ich bin selbst nicht für die Schulpflicht und habe auch sehr viel Kritik an Schule und kenne die 'hohe Behörde' leider recht gut.

Überlegt Euch sehr gut, was Ihr machen wollt!

Jürgen

Anonym hat gesagt…

Hallo, Sie schrieben: "Aber mehr Teamfähigkeit, als in einem Orchester und einer Fußballmannschaft mitzuspielen (Moritz) bzw. 2x wöchentlich in einem Chor zu singen (Thomas), einen allerbesten Freund und mehrere gute Freunde zu haben, kann eigentlich nicht Mindestziel des Schulbesuchs sein. Worum geht es also?"
Nun bin ich nicht die Schulbehörde, aber bei Gesetzen geht es nun mal nicht darum, daß Sie als Individuum sich die aussuchen können, die Sie sinnvoll finden, und die anderen umgehen können.
Außerdem besteht die Sozialisation in der Schule nicht aus nur aus dem Gewinnen bester Freunde und der Teamfähigkeit in Spiel und Gesang, sondern auch in der Befähigung zur Leistung in einem heterogenen, von außen zusammengesetzten Team und nicht in einer selbstgewählten Neigungsgruppe.

Dagmar Neubronner hat gesagt…

Hallo "Jürgen":
Die Senatorin könnte sehr wohl anders, denn im Grundgesetz steht nichts von Schulpflicht, und das Bremer Schulgesetz bietet ihr mit §53 problemlos die Möglichkeit, uns nach ihrem Ermessen eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen, wie wir es Januar 2006 beantragt haben. Dafür braucht kein Buchstabe am Bremer Schulgesetz geändert zu werden. Die Behörde kann in eigenem Ermessen Ausnahmegenehmigungen erteilen und könnte sich also jede beantragende Familie genau anschauen: Sind die Kinder gut versorgt? Gibt es Anhaltspunkte für Isolation/Parallelgesellschaft? Wenn nein, Ausnahmegenehmigung, eventuell mit jährlicher Leistungsprüfung wie in Österreich (und wie wir es im letzten Schuljahr schon erfolgreich praktiziert haben), wenn ja, keine Genehmigung.
Es liegt also nicht am Gesetz und dass sie nicht anders könnte, sondern an der irrige Überzeugung der Senatorin und vieler anderer Amtspersonen, Bildungsfreiheit sei gefährlich, elitär, asozial, schädlich und was sonst noch. Diese Irrtümer versuche wir seit zwei Jahren mit einem Berg an sachlichen Informationen, Studien aus den Ländern, die viel Erfahrung mit Freilernen haben usw. aufzulösen.
Die jetzige Methode beeinträchtigt unser Leben bis jetzt deutlich weniger als die beiden einzigen anderen Möglichkeiten, die uns bekannt sind, nämlich ins Ausland zu gehen oder die Kinder in die Schule zu zwingen. Und wir kriegen so viel Unterstützung aus dem In- und Ausland - die Senatorin kriegt dieser Tage sehr viel internationale Post, das kannst du mir glauben! Wir hoffen, dass sie ihre Blockadehaltung aufgibt und den Mut fasst, einen neuen Schritt zu tun.

Dagmar Neubronner hat gesagt…

Hallo "anonym":
"Befähigung zur Leistung in einem heterogenen, von außen zusammengesetzten Team und nicht in einer selbstgewählten Neigungsgruppe"

Ist das so? Wieso schneiden dann Homeschooler nicht nur viel viel besser ab, sondern kommen auch nach der "Schulzeit" international so hochsignifikant besser im Leben klar? (Studie kann ich Ihnen gern zuschicken).
Orchester und Fußballverein bestehen aus Leuten, die sich dafür interessieren, sind aber ansonsten absolut "von außen zusammengesetzt". Berufskollegen bestehen auch aus Leuten, die ihr Tätigkeitsziel gemeinsam haben, ansonsten völlig unterschiedlich sind, wo ist denn da der Unterschied zu einem Orchester?
Ein bisschen klingt Ihre Email für mich so, als dürfte das Lernen nicht zu viel Spaß machen, damit man hinterher aufs grausige Berufsleben schon mal vorbereitet ist.
Mein Berufsleben ist nicht grausig, sondern faszinierend, ich arbeite in einer "selbst gewählten Neigungsgruppe" und habe bei aller intensiven und anstrengenden Arbeit viel Spaß. Warum sollen meine Kinder es schlechter haben?

Jürgen hat gesagt…

Ja klar schon, aber sie können grundsätzlich

1. auch aus der 'von außen zusammengesetzten' Gruppe austreten - Schüler nicht
2. sie bewerben sich für eine bestimmte Firma oder für ein bestimmtes Orchester - Schüler nicht

und

3. hat die Industrie genau hier ein Problem und versucht mit vielen Mitteln einen Teamgeist zu beschwören.

Und beim Orchester: Das wird erst richtig gut, wenn die Chemie stimmt a) unter den Musikern und b) zwischen
Musikern und Dirigenten. Außerdem - wenn man gemeinsam Musik macht ist das in hohem Maße abhängig
vom Teamgeist - man hört nämlich jeden Patzer. Eine schlecht gebaute Brücke halt mitunter trotzdem Jahr-
zehnte.

Da kann man, wenn man Schule ansieht, wirklich den Eindruck haben, als täte sie viel dafür, daß der Spaß nicht überhand nimmt.

Schön für Dich, wenn es am Arbeitsplatz funzt - nur ist es wohl in der überwiegenden Anzahl der Fälle so, daß die Angestellten infolge von miserabler Führung in der inneren Kündigung sind und das kollegiale Miteinander durch Konkurrenz steuern (z.B. Gehalt, Privilegien, das 'DU' im Umgang,
...) Nicht um sonst ist Mobbing eines der Hauptprobleme in Firmen. In Schulklassen wohl auch. Auch hier wird hauptsächlich über Konkurrenz gesteuert (Noten, Versetzung).

Gürgen

Anonym hat gesagt…

Frau Neubronner, Sie schrieben:
"Wieso schneiden dann Homeschooler nicht nur viel viel besser ab, sondern kommen auch nach der "Schulzeit" international so hochsignifikant besser im Leben klar? (Studie kann ich Ihnen gern zuschicken). "

Schön, her mit dem link! (dann können alle mitreden).
Interessant wäre vor allem, zu erfahren, wie "zurechtkommen " definiert wird...
Außerdem ist es so, daß die wenigsten Zuhauselerner aus dem Prekariat, oder wenn Sie so wollen, bildungsfernen Schichten stammen, und somit die Vergleichbarkeit nicht gegeben ist.
Ich freue mich, daß sie Freude im Beruf haben. Was aber ist, wenn Ihre Kinder entdecken, daß sie nicht an einem Heimarbeitsplatz glücklich werden, sondern Ihren Berufswunsch und Glück in der Berufswelt finden wollen und entdecken, daß ihnen hier die Fertigkeiten fehlen, die in der Schule erlernt werden?
Wieso soll dieses Lernen keine Freude bereiten?
Wieso denken Sie ich fände das Berufsleben grausig? Gerade weil ich an meinem Berufsleben in einem sehr heterogenen und von außen zusammengesetzten Team viel Freude habe, fürchte ich das Ihre Kinder hier viele Chancen einbüssen sich, so wie Sie, zwischen einem selbständigen Berufsleben zuhause mit dem Partner und der Familie oder eben einer Laufbahn in der Zusammenarbeit mit anderen zu entscheiden. Ich fände das für Ihre Kinder schade, Sie nicht?

Jürgen hat gesagt…

Es ist immer wieder interessaant, daß Allternativen zur Regelschule alle Probleme lösen müssen und für jeden erdenklichen Fall ausbilden müssen.
Dabei wird übersehen, daß die Regelschule diesen Anspruch selbst nicht einlösen kann. Man denke nur an die vielen Schüler, die trotz Regelschule (oder gerade deswegen!) auch keinen Abschluß bekommen und noch mehr, die trotz eines Abschlusses keinen Ausbildungsplatz.
Ganz zu schweigen von denen, die die Regelschule zwar besuchen, aber mit keinem guten Abschluß verlassen.
Und zu schweigen davon, daß die Regelschule als Plichtschule auch ihren (erheblichen) Anteil am Zustand für unsere heutige Gesellschaft hat. Die Gesellschaft heute ist ja das Erziehungsergebnis der Regelschule gestern.

Mir ist daher unverständlich, warum die Regelschule als die Institution verteidigt wird, die alle Zwangsbeglückt und das auch weiterhin tun soll - sogar wenn es denn gute Alternativen gibt. Alterntiven, die in fast allen europäischen Ländern ganz legal sind.

Warum brauchen die Deutschen unbedingt die Regelschule mit ihrer ausschließlichen Schulpflicht. Hat man Angst, daß die Erziehung aus dem Ruder läuft? Das tut sie doch mit der Regelschule und der Schulpflicht auch. Oder muß die Schule die Obrigkeitshörigkeit einüben? Zweifelhafter Erfolg Oder soll geht es darum, daß Bildungsgefälle aufrecht zu erhalten - damit unten bleibt, was unten ist?

Das schafft die Regelschule sehr erfolgreich, sogar durch PISA belegt.

Bleibt die Frage, wer das will und warum? Aber das kann man sich wahrscheinlich selbst beantworten.