Dienstag, 27. November 2007

Schon lange wieder schulfrei

Erst aufgrund einer Zuschrift habe ich gemerkt, dass es in den Einträgen hier nicht richtig deutlich wird: Unsere Kinder sind nur letzten Montag und Dienstag zur Schule gegangen. Danach war klar, dass die anwaltliche Schutzschrift wirksam ist, und "nur" wegen des Geldes waren sie nicht bereit, weiter hinzugehen. Inzwischen sind diese zwei Tage schon fast vergessen.
Moritz übt wie ein Besessener Posaune im Moment. Am 16. ist Konzert, und er will alle Lieder und Stücke mitspielen können. Außerdem hat er in den letzten Wochen vermehrt nicht mehr nur den Sportteil der Zeitungen gelesen, und heute bat er mich um Rat, er wolle wissen, "wie Politik funktioniert". Das hatten wir bald eingeengt auf "Politische Struktur der Bundesrepublik", und er hat sich aus Wikipedia eine super Übersichtsgrafik ausgedruckt. Da wir keinen Farbdrucke haben, hat er die Pfeile und Felder per Hand nachkoloriert und sich dabei die Bedeutungen der einzelnen Farben gleich gemerkt. Auf eigene Faust hat er dann noch die Sitzverteilung des Bremer Senats ausgedruckt und ebenfalls politisch korrekt farblich markiert - Grüne grün, SPD rot, CDU schwarz, Linke äh lila und DVU braun. Fasziniert hat ihn die Info, dass die BiW (Bürger in Wut) den Einzug in den Senat um 1 Stimme verpasst haben.
Außerdem trainieren wir alle viel Tischtennis auf der geliehenen Platte, und heute hat Moritz mich zum ersten und zweiten Mal geschlagen.

Samstag, 24. November 2007

Konten wieder frei.

  • Froh und dankbar kann ich dies melden. Wir sind darüber nicht informiert worden und haben es zufällig entdeckt, als wir versuchten, mit dem Finanzamt zu klären, warum selbst die Stromrechnung nicht abgebucht werden konnte, obwohl ja Geld in Höhe des Kinder- und Wohngeldes auf unseren Antrag hin freigegeben worden war. Der Finanzbeamte war sehr erstaunt und behauptete, die Konten seien doch freigegeben! Wir probierten es aus und konnten die ersten Rechnungen wieder bezahlen. Die Stromrechnung hatte wohl gerade vor der Freigabe abgebucht werden sollen, auch die konnten wir jetzt per Hand überweisen. Wie man sich über Sachen freuen kann, die vorher einfach selbstverständlich waren! Die Gründe für die Freigabe kennen wir nicht und werden da auch nicht groß nachfragen.
  • Ich habe sofort das Geburtstagsgeschenk für Moritz bestellt, SimCity3000Deutschland, ein Stadtplanungs- und Entwicklungsprogramm, dass er sich gewünscht hat - Sims2 ist den Beiden inzwischen langweilig geworden, nachdem sie es geschafft haben, erfolgreich ein paar Kinder großzuziehen und reich zu werden.

Freitag, 23. November 2007

Links für Homeschooler-Erfolge

Am 21. hat "anonym" darum gebeten, Belege für meine Behauptungen für das gute Gedeihen von Homeschoolern hier zu bringen. Die Studien, die ich meine, sind z.B. folgende, allerdings aus naheliegenden Gründen in Englisch. Ich habe einiges davon übersetzt und erläutert, kann ich auf Wunsch gern per email zusenden. Die Untersuchungen stammen aus England und den USA und beantworten sowohl die Frage nach dem weiteren Wohlergehen von Freilernern als auch die nach dem Gedeihen von Kindern "ungebildeter" Eltern. Denn das ist ja grad das Tolle, dass Homeschooling nur insofern elitär ist, als liebevolle, präsente Eltern(teile) gefragt sind - und andere Familien entscheiden sich offenbar sowieso nicht für diesen Weg. Der supergute Erfolg des Homeschooling ist ansonsten unabhängig von Einkommen der Eltern, Bildung der Eltern, pädagogischer Bildung der Eltern usw. Also hier die links,

Donnerstag, 22. November 2007

Freies Lernen

Heute war herrliches Wetter, und ich bin mit Moritz und Thomas auf dem Weserdeich Inliner gefahren. Moritz raste vorneweg, Thomas mit weitem Abstand hinterher (Sport), und ich fuhr immer mal zwischen den beiden hin und her und kam so tempomäßig auch auf meine Kosten. Und - ich hatte, wenn ich mit Thomas fuhr, Gelegenheit, ihm zuzuhören, ohne dass der große Bruder dazwischenredete. "Hier haben wir doch letztes Mal den Kranich gesehen, nä?"(Biologie) - "Mhm." - "Mama, Moritz hätte jetzt wieder gesagt, 'das heißt nicht nä, das heißt gell!' Aber wir sind doch jetzt in Norddeutschland, und da heißt es nä und Brötchen und nicht gell und Semmel." - "Mhm." - Pause. - "Mama, weißt du. wie 'nä' entstanden ist?" - "Mhm?" - "Also: Zuerst hieß es 'Nicht wahr'. Dann wurde daraus 'Nicht?', dann 'nich', dann 'näch' und dann 'nä' - ist doch logisch, oder?" (Deutsch) Ich war fasziniert, was für linguistische, 'dialektologische' Überlegungen Thomas so für sich angestellt hat - und wie viel ich davon nicht mitkriege, weil ich mir nicht oft genug die Zeit nehme, ihm ganz allein intensiv zuzuhören.

Dann sahen wir noch einen riesigen Pott auf der Weser fahren, überlegten, sprachen über die Containerladung und das Prinzip (Arbeitskunde), überlegten, wo er hinfuhr (Erdkunde), beobachteten die merkwürdigen Bugwellen (Physik), sprachen darüber, wieso er eine libanesische Flagge trug (Wirtschaft, Politik) und wieso jetzt nur noch so selten Schiffe hier fahren (Heimatkunde, Geschichte). Pause machten wir auf der Bank an einer Wasserfläche, die "Große Brake" heißt. Ein Schild erklärt, dass hier 1572 oder so der Deich brach (Geschichte, Physik) und ein Dorf bis auf ein einziges Haus mit sich fortriss. Vorher waren uns schon die unzähligen Mäuselöcher und Maulwurfshügel im Deich aufgefallen, wir hatten kurz besprochen, warum die so gefährlich für den Deich sind (Biologie, Erdkunde, Physik). Als wir zurückfuhren, merkten wir, dass wir jetzt Rückenwind hatten und uns das wie Windstillstand vorkam (Physik, Biologie) , und so könnte ich den ganzen Tag weiter beschreiben und immer die Schulfächer dahintersetzen. Lauter winzige kleine Puzzlestücke, die aber gemeinsam einen Sinn ergeben, mit konkreten, emotional belegten Erinnerungen verbunden sind und daher abrufbar bleiben und sich zu einem sinnvollen Ganzen vernetzen.
Thomas findet, er lernt nie was, er weiß eigentlich gar nicht, was Lernen ist. Genau. Sein Lernen ist für ihn selbst unsichtbar, und es ist mühelos, auch wenn er ein intensiver, fleißiger, ausdauernder Arbeiter ist. Muss Lernen wehtun?

Dienstag, 20. November 2007

... und das war das Wochenende!

Am Samstag nachmittag entdeckte ich die Pressemitteilung zu einem katastrophalen Urteil des Bundesgerichtshofs
Aus ihr geht hervor, dass nun - jedenfalls bis dieses Urteil revidiert worden sein wird - in Deutschland die Tatsache, dass Kinder frei lernen, die Eltern schon das Sorgerecht oder einen Teil davon, das Aufenthaltsbestimmungsrecht, kosten kann. Bisher wurde diese Maßnahme zwar auch schon hin und wieder eingesetzt, aber die Behörden versuchten vorher wenigstens, eine Kindeswohlgefährdung namhaft zu machen. Mit diesem Urteil ist freies Lernen zu einem "Missbrauch der elterlichen Sorge" geworden. Die Familie, der dieses Urteil gilt, ist zwar eine religiös argumentierende, aber die Urteilsbegründung, soweit sie aus der Pressemitteilung hervorgeht, differenziert hier nicht. Sie sagt, dass Eltern nicht das Recht haben, ihre Kinder anders als in der Schule zu bilden, AUCH WENN sie religiöse Gründe haben. Da Religionsfreiheit eine der wichtigsten Artikel im Grundgesetz ist, muss das wohl im Sinne von "selbst wenn" interpretiert werden - alle anderen Gründe sind damit ebenfalls hinfällig. Jedenfalls könnte dieses Urteil eventuell böswilligerweise so interpretiert werden, und ich bekam einen Riesenschrecken. Im Hinblick auf das, was Melissa Busekros passiert ist, fand ich es nach Rücksprache mit Anwalt und mehreren bewanderten Mitstreitern nicht übertrieben, die Kinder woanders übernachten zu lassen für den Fall, dass es plötzlich an der Tür klingelt und uns wegen "Gefahr im Verzug" ausnahmsweise ohne vorherige Anhörung die Kinder entzogen werden sollen. Was nützt es uns, wenn sich dann ein halbes Jahr später rausstellt, dass die Behörden das nicht gedurft hätten? Irgendwie fand ich es zwar unwahrscheinlich, dass die Bremer Behörde ebenfalls solche Kapriolen schlagen sollte, aber dieses "irgendwie" war mir zu vage. Wenn's um die Kinder geht, hört der Wagemut bei mir auf.
Als Tilman spät abends von der Verdi-Probe nach Hause kam, stimmte er mir nach einigen Überlegungen und Diskussionen zu, dass in diesem Fall "Sicherheit vor Seltenheit" gehe. Nur was tun? Erstmal drüber schlafen, hilft immer.
Am nächsten Morgen waren wir beide zu dem Empfinden gekommen, dass unser Entschluss, allen Eventualitäten vorzubeugen, richtig war, eine überstürzte Ausreise kurz vor Weihnachten und mit gesperrten Konten jedoch nicht die richtige Antwort. Die einzige andere Alternative: Die Kinder gehen ab sofort wieder zur Schule, bis wir alle Vorbereitungen getroffen haben oder sich die Lage anderweitig entschärft hat. Moritz und Thomas kamen fröhlich von ihrem Nachtquartier zurück, und wir eröffneten ihnen die Neuigkeiten. Blankes Entsetzen sowohl über die Aussicht des Schulbesuchs als auch des Wegzuges, wobei Moritz noch untröstlicher war als Thomas, er ist mit seinen fast 11 Jahren eben schon mehr auch außerhalb der Familie verwurzelt.

Ich schrieb eine Pressemitteilung, in der ich die Schlüsse, die wir aus diesem BGH-Urteil ziehen, erläuterte - sofort lief das Telefon heiß. Am nächsten Morgen fuhren wir mit den Kindern zur Schule, wurden kurz von stern-tv interviewt und gingen zunächst zur Schulleiterin und dann mit jedem Kind zu seiner Klasse. Da Thomas noch einen Zahnarzttermin hatte, nahm ich ihn allerdings gleich wieder mit und brachte ihn dann um 9.30 "endgültig" hin. Um 15.00 (es handelt sich um eine gebundene Ganztagsschule) holten wir sie zusammen mit dem Fernsehteam wieder ab. Thomas hatte rote Bäckchen und strahlte: "Es war toll! Ich habe gemalt und getöpfert, und naja, alle haben sich total Mühe gegeben, dass es mir gefallen soll. Ich geh morgen wieder hin, ich will doch meinen Nikolausstiefel weitertöpfern, und der muss dann auch noch gebrannt werden...!"
Moritz war bleich und wütend. Die anderen Kinder hatten ihn wohl ständig gepiesackt, warum er denn nicht zur Schule gehe, und das wollten doch wohl nur seine Eltern, und er solle denen doch den Stinkefinger zeigen und sich wehren. Im Sport hatte er beim Umziehen sein Hemd ausgezogen und war daraufhin ausgiebig befragt worden, ob er magersüchtig sei, ob er sich oft vor dem Spiegel anschauen würde, ob er sich zu dick finde und abnehmen wolle - für jemanden, der sich als aktiver Fußballer redlich bemüht, sichtbare Muskeln an sein Knochengestell zu trainieren, und der seine magere Konstitution vom Vater übernommen hat, schon entnervend.

Inzwischen hatte unser Rechtsanwalt uns versichert, dass auf die von ihm hinterlegte Schutzschrift, die einen Sorgerechtsentzug nicht ohne vorherige Anhörung sichern soll, wirklich Verlass sei. Ich fand zwar bei Lektüre des entsprechenden Paragraphen, dass die Formulierung "schwerwiegende Gründe" und "Gefahr im Verzuge" einigen Spielraum bietet, aber nun gut. Vom Gesetzgeber gemeint sind hier mit Sicherheit akute Misshandlungen durch die Eltern a la Fall Kevin.

§ 50a [1] [Persönliche Anhörung der Eltern in Sorgerechtsverfahren]

(1) 1Das Gericht hört in einem Verfahren, das die Personen- oder Vermögenssorge für ein Kind betrifft, die Eltern an. 2In Angelegenheiten der Personensorge soll das Gericht die Eltern in der Regel persönlich anhören. 3In den Fällen der §§ 1666 und 1666a des Bürgerlichen Gesetzbuchs sind die Eltern stets persönlich anzuhören, um mit ihnen zu klären, wie die Gefährdung des Kindeswohls abgewendet werden kann.

(2) Einen Elternteil, dem die Sorge nicht zusteht, hört das Gericht an, es sei denn, daß von der Anhörung eine Aufklärung nicht erwartet werden kann.

(3) 1Das Gericht darf von der Anhörung nur aus schwerwiegenden Gründen absehen. 2Unterbleibt die Anhörung allein wegen Gefahr im Verzuge, so ist sie unverzüglich nachzuholen.

(4) Die Absätze 2 und 3 gelten für die Eltern des Mündels entsprechend.



Samstag, 17. November 2007

So war unsere Woche

Kontenpfändung hin oder her, unser Leben geht ja weiter, und das Lernen der Kinder auch. Wir haben die Mahlzeiten inzwischen zur politikfreien Zone erklärt. Zwar schaffen wir es nicht hundertprozentig, aber meistens reden wir dann lieber über Fußball oder andere kinderrelevante Themen, als aus den neuesten Artikeln über uns zu zitieren oder weitere rechtliche Möglichkeiten zu diskutieren.
Moritz und Thomas genießen, dass nach den Herbstferien endlich wieder Schulzeit ist, denn das bedeutet: Juchhuh, Fußballtraining, Posaunenunterricht, Zeichenkurs, Gitarrenunterricht, Kinderchor, niemand ist verreist, und vormittags sind die Indoor-Spielplätze schön leer! Denn im Garten darf im Winter nicht mehr gebolzt werden, damit der Rasen erhalten bleibt. Da das Trampolin auch feucht und blättrig ist und die Beiden nicht so die Fahrradfans sind, hatte ich bei Ebay nach einer Tischtennisplatte Ausschau halten wollen, aber unsere Liquidität ist ja derzeit nahe Null.

Gestern nachmittag fiel mir die tolle neue Tischtennisplatte unserer Nachbarn ein, die jetzt im Winter ungenutzt und abgedeckt herumsteht. Ich trabte hinüber und schlug das Projekt "Ressourcensharing" vor - kurz darauf schoben Tilman und ich das Monstrum über die holperige Straße, während Moritz eifrig die überdachte, leergeräumte Terrasse fegte und Thomas erklärte, er werde sowieso nie Tischtennis spielen und brauche daher nicht zu helfen.
Jetzt haben wir also einen wind- und regengeschützten, lichten, beleuchtbaren Tischtennis-"Freiraum", den auch die Nachbarn benutzen können. Das Tollste: "Man schwitzt nicht, Mama, weil es so kalt ist!" ;-) , und erst Anfang Februar wollen die Nachbarn die Leihgabe zurückhaben. Natürlich will Thomas jetzt doch Tischtennis spielen lernen, und wir haben schon ordentlich gefetzt, auch mit Nachbars und Oma.
Heute Vormittag war Generalprobe für unser Blockflötenensemble-Konzert nächste Woche, wo ich Bass spiele. Tilman ist große Teile des Wochenendes zur Chorprobe (nächste Woche Verdi-Requiem mit dem Bremer Domchor), im Dezember folgen etliche kleine Flötentermine sowie Weihnachtsoratorium und eine Gesangsprojektwoche des Alsfelder-Vokalensembles mit zwei Konzerten, wo wir beide mitsingen wollen. Insofern sind wir sehr erleichtert, dass die Sprecherin der Bildungssenatorin in der Zeitung verkündet hat, man wolle keine Märtyrer schaffen und von Erzwingungshaft absehen, denn all diese Konzerte samt dazugehöriger Proben zu verpassen wäre wirklich ein großes Leid für uns gewesen. Musikmachen hält uns im Gleichgewicht und in der Freude in diesem anstrengenden Abenteuer.
Sehr bewegend sind all die Anrufe und Emails von Freunden, Verwandten, Freilernern und "Wildfremden", die uns ihre Solidarität und Hilfsbereitschaft bekunden. Das Netzwerk Bildungsfreiheit hat sogar eine Sonderseite für uns eingerichtet, auf der die wichtigsten Dokumente veröffentlicht sind.

Wir müssen uns am Montag unbedingt erkundigen, ob wir eigentlich Einladungen zum Essen annehmen dürfen, ohne dass sich dies nachteilig für den "Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem zweiten Buch Sozialgesetzbuch" auswirkt. Noch haben wir Vorräte im Keller, um uns und unsere Kinder vorbildlich zu versorgen, aber ewig reicht das natürlich nicht, und die Stromrechnung, Winterschuhe und Benzin lassen sich so auch nicht bezahlen.
Das Dilemma dabei ist offenbar: Wenn wir verhungert sind, bis wir das Geld, das jetzt von unseren Geschäftskonten, sowie es eingeht, gepfändet werden soll, in Form von Sozialhilfe zurückerhalten, haben wir nichts mehr von der "Hilfe zum Lebensunterhalt" (und uns könnte am Ende gar das Sorgerecht entzogen werden, weil wir ja unsere Kinder nicht versorgen können). Wenn wir bis dahin nicht verhungert sind, könnten die Behörden daraus schließen, dass wir ja offenbar keine Hilfe zum Lebensunterhalt benötigen, denn sonst wären wir ja verhungert...
Aber solche Überlegungen, wie gesagt, halten wir von unseren Mahlzeiten fern. Gerade sind die Kinder mit ihrem Freund und dessen Eltern auf einem Schulbasar, da gibt' s ja meist leckerste Sachen. Das Projekt "Moritz lernt kochen" befindet sich gerade in der Phase "Moritz lernt Plätzchen backen", er fiebert dem ersten Termin entgegen.
Gestern abend fragte Moritz, ob es nicht eigentlich was Peinliches sei, wenn die Konten gepfändet werden und man ins Gefängnis muss. Ich erklärte ihm, dass dies schon peinlich ist, wenn es daran liegt, dass man mit seinem Geld nicht gut gewirtschaftet oder etwas Schlimmes getan hat. Aber wenn der Grund so ist wie bei uns, weil wir uns für die Rechte unserer Kinder einsetzen, ist es gar nicht peinlich, und deswegen würden bei uns all die Leute anrufen und uns ermutigen. Das leuchtete ihm sehr ein.

Freitag, 16. November 2007

Pressekonferenz

Heute von 11.30 bis ca. 12.30 fand bei unserem Rechtanwalt Matthias Westerholt eine Pressekonferenz statt, bei der wir Auskunft darüber gegeben haben, wie jetzt der Stand ist. Vier Fernsehteams (Radio Bremen, rtl, stern-tv und secret-tv) sowie etliche regionale und überregionale Zeitungen waren der Einladung gefolgt.
Die Situation ist folgende: Sämtliche Konten sind gesperrt, und da wir Selbstständige sind, nützt uns auch der eigentlich vorgesehene Pfändungsfreibetrag zur Sicherstellung des Lebensunterhaltes nichts. Denn unseren Lebensunterhalt beziehen wir ja, indem wir von unseren Geschäftskonten Geld für den Eigenbedarf auf unser Privatkonto überweisen. Die Geschäftskonten sind aber vollständig blockiert.
Das bedeutet für uns:
  • 1) Unser Verlag ist lahmgelegt, wir können unsere Rechnungen z.B. der Druckerei nicht bezahlen, die an uns bezahlten Rechnungen werden sofort für das Bremer Finanzamt abgezweigt. Unseren Kunden gegenüber erscheinen wir als insolvent (und sind es ja auch tatsächlich). Unsere wirtschaftliche Existenzgrundlage wird also systematisch vernichtet. Die Behörde hat sich sogar an Fremdfirmen gewandt, bei denen wir Außenstände haben könnten, und per Verfügung dafür gesorgt, dass diese Außenstände uns nicht ausgezahlt werden.
  • 2) Wir erhalten nur Zugriff auf Kindergeld und Wohngeld. Das sind 530 € im Monat und reicht noch nichtmal für Strom, Wasser, Krankenversicherung.
  • 3) Deswegen mussten wir jetzt HartzIV beantragen, also dem Staat auf der Tasche liegen, um unseren Unterhalt zu sichern. Wenn dieser Antrag nicht genehmigt wird, können wir eigentlich nur noch in der Fußgängerzone betteln gehen. Wenn er genehmigt wird, entsteht ein Finanzierungskreislauf, bei dem die Bildungsbehörde uns das mit unserer selbstständigen Arbeit verdiente Geld vollständig wegnimmt, das wir über Hartz IV dann wieder ausbezahlt kriegen.
  • 4) Wir erhalten unglaublich viel Unterstützung aus der ganzen Welt, die Menschen spenden für die Anwaltskosten, damit wenigstens unser Anwalt uns weiter vertreten kann, gestern morgen um kurz nach 8 stand der erste Nachbar vor der Tür, wedelte mit der Zeitung und fragte, wie er uns helfen könne. Nachbarn, Familie, Freunde, andere Freilerner-Familien und viele Unbekannte aus Deutschland und aller Welt schreiben uns ermutigende Briefe, schicken Kopien ihrer Protestbriefe an die Bildungsbehörde usw. Ein Teil der wichtigsten Protestbriefe an die Bildungssenatorin, die uns zur Kenntnis gelangt sind, ist auf der Neubronner-Sonderseite unter "Aktuelles" bei www.netzwerk-bildungsfreiheit.de eingestellt, im Laufe der nächsten Tage sollen weitere Briefe, die Pfändungsverfügungen usw. ebenfalls dort zugänglich gemacht werden. Dort steht auch die Kontonummer für Spenden. Auf der Netzwerk-Seite Seite gibt es übrigens auch ein öffentliches Forum, auf dem noch nicht viel los, ist, weil es erst seit wenigen Tagen eingerichtet ist - bitte sehr, Beiträge willkommen!
Uns geht es gut, wir fühlen uns nicht als Opfer, sondern als mündige Bürger, die ihre gesetzlichen Spielräume zur Gestaltung der lebendigen Demokratie ausschöpfen und von ihrer Meinunsgfreiheit, Redefreiheit, Versammlungsfreiheit etc. Gebrauch machen. Natürlich ist dieses ganze Procedere sehr anstrengend (und teuer...), aber es kann doch nicht so weitergehen, dass alle deutschen Homeschooler entweder im Ausland oder im Untergrund leben müssen.

Die Kinder haben wir heute nicht mitgenommen zu der Pressekonferenz. Sie sollen Kinder bleiben dürfen und sind eh schon belastet durch das Ganze - aber in Maßen, weil sie uns nicht als verzweifelt und ängstlich oder wütend erleben, sondern als schwungvoll, überzeugt und durchaus mit Humor bei der Sache. Später mehr, jetzt gehe ich erstmal mit den Kindern raus in den stürmischen Herbst...

Mittwoch, 14. November 2007

Kontenpfändung! Alle Konten gesperrt

Es ist wirklich peinlich, vor allem gegenüber den zahlreichen Menschen im In- und Ausland bis hin nach Japan, die in den letzten Wochen an die Bildungssenatorin (und an uns!) geschrieben haben und bereits ihr basses Erstaunen bzw ihre Empörung zum Ausdruck brachten oder mit wunderbaren Berichten und Argumenten ihre bitte vortrugen, die Bildungssenatorin möge doch jetzt endlich einen Schritt nach vorn tun.

Stattdessen lässt sie uns sämtliche Konten pfänden und sperren, das heißt, unser Verlag Verlag ist blockiert, wir können keine Rechnungen bezahlen und kein Geld abheben. Ich habe sofort eine Pressemitteilung geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Bildungsfreiheit!

Offenbar ist die Bildungsbehörde wild entschlossen, den eingeschrittenen Weg der eisernen Verfolgung weiterzugehen. Heute erhielten wir von der GLS Gemeinschaftsbank sowie von der Postbank Nachricht, dass aufgrund einer Pfändungs- und Einziehungsverfügung unsere sämtlichen Konten mit sofortiger Wirkung gesperrt sind. Dies betrifft auch unsere Geschäftskonten, das heißt, unser Verlag ist nicht mehr funktionsfähig. Wir können keine Rechnungen begleichen und kein Bargeld abheben. Inwiefern es dem Wohl unserer Kinder dient, dass wir wirtschaftlich ruiniert werden und den Lebensunterhalt für uns und unsere Kinder nicht bestreiten können, ist uns unklar.

Selbstverständlich werden wir sämtliche rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um uns dieser brutalen, existenzbedrohenden Maßnahmen zu erwehren. Man bedenke, dass diese Pfändungen (das festgesetzte Zwangsgeld beträgt 4500 € zzgl. diverse Gebühren) sich auf eine Ordnungswidrigkeit mit einem Streitwert von 5000 € beziehen. Das Berufungsverfahren, das uns wegen der grundsätzlichen und übergeordneten Bedeutung des Falles zugestanden wurde, steht noch aus, und unsere Kinder, wie per Zeugnis nachgewiesen, sind bestens versorgt. Es besteht also keinerlei Anlass, mit derartiger Brutalität vorzugehen. Der einzig denkbare Grund ist, dass hier offenbar ein Exempel statuiert werden soll.

Die Bildungssenatorin hat in den letzten Wochen zahlreiche Schreiben aus aller Welt erhalten, in denen sie aufgefordert wird, unseren Kindern Bildungsfreiheit zuzugestehen. Es ist bedauerlich, dass sie meint, uns mit derartigen Repressionen in die Knie zwingen zu müssen. Die Einführung der Bildungsfreiheit auch in Deutschland lässt sich so nicht aufhalten.

Bitte berichten Sie über diese Verschärfung und nennen Sie auch das Treuhandkonto unseres Anwalts, auf das Menschen, die unser Anliegen unterstützen wollen, Spenden einzahlen können:
Rechtsanwalt Matthias Westerholt
Konto 10226348 bei der Sparkasse Bremen (29050101)
BIC-/SWIFT-Code: SBREDE22
Stichwort: Neubronner Bildungsfreiheit
Einzahlung auch möglich über www.moneybooker.com an Emailadresse westerholt@die-rechtsanwaelte.com

Sonntag, 11. November 2007

Die sterbende Maus



Als Tilman die trockenen Holzscheite für den Winter umräumen wollte, stieß er auf ein scheinbar fest schlafendes Mäuschen. Die Kinder waren nebenan bei ihrem Freund, kamen aber nach telefonischer Alarmierung schnell mit ihm angelaufen. Komisch, die Maus wachte und wachte nicht auf, sondern lag mit geschlossenen Augen, unruhig mit den Pfoten zuckend, manchmal wie seufzend - oder keuchend? - und rührte sich nicht, auch nicht, als wir ihr Haferflocken hinhielten.
Große Beratung. Halten Mäuse Winterschlaf? Mama? Nein, eigentlich nicht. Ob sie krank ist? Nach ca. zehn Minuten, als sich nichts änderte, beschlossen die Kinder, den Karton zum Schutz vor dem Kater in den Schuppen zu stellen. Kann die Maus auch unter der Tür durch, wenn sie aufwacht? Ja, der Spalt ist breit genug. Und der Kater kommt nicht rein?
Zwei Stunden später, ich hatte das Mäuschen schon ganz vergessen, meldeten die Jungs: Mama, sie ist tot! Dann war sie wohl doch krank, und was wir für niedlichen festen Schlaf und lebhaften Traum gehalten hatten, war der Todeskampf des kleinen Wesens gewesen. Wie lange leben Mäuse? Woran sterben sie? Und so ganz allein? Keine große Betroffenheit, aber sie sind doch beeindruckt und werden sich daran erinnern.

Noch mehr Bilder

Statik-Versuche: Aus Kappla-Bausteinen (also eigentlich Parkettklötzchen aus dem Baumarkt, die aber dieselbe Funktion zu einem Achtel des Preises bestens erfüllen) haben die Beiden eine Treppe gebaut, mit fragiler Seitenkonstruktion. Wird sie trotzdem Thomas' Gewicht halten? Behutsam steigt Thomas das Treppchen hoch bis zum Ende und strahlt - es klappt! Zum Schluss bricht die Konstruktion dann zusammen - macht nichts, gebaut, getestet, gestaunt über die Stabilität - Thema vorerst erledigt.


Das neue Fußballtor






Es wurde schon dunkel, aber das neue Fußballtor mit echter Breite von 7,32 m musste unbedingt noch zusammengeschraubt werden, anhand der Anleitung und mit hoher Ausdauer...



Gemischte Bilder

Endlich habe ich ein paar Fotos rausgesucht, aber wenn ich jetzt jeweils die Blogeinträge dazu suche, dauert das ewig, daher hier eine bunte Mischung mit kurzem Kommentar.

Moritz und Thomas mit ihrem besten Freund beim Fifa07-Spielen am Computer.
Das gehört zum Werder-Blogeintrag, Thomas und Moritz beim historischen 8:1 Sieg
Leo (6) und Adrian (4) beim Spielen mit Thomas
Leo und Thomas, im Hintergrund links an der Wand eine von Thomas gemalte 3dimensionale Hogwarts-Karte

Donnerstag, 8. November 2007

Kölner Dom, viele Emails und neue Zwangsgelder

  • Gerade sind wir aus Köln von der stern-tv-Sendung zurückgekommen, nach einer kurzen Nacht im Hotel. Es war nett bei stern-tv, wir waren diesmal viel weniger aufgeregt als vor einem Jahr und hatten rund um unseren kurzen Auftritt im Prinzip einen gemütlichen Plausch- und Fernsehabend mit den RedakterurInnen in dem "Wartezimmer", in dem man dort die Zeit vor und nach dem Auftritt verbringt. Als dann die Sendung endlich zu Ende war und es das Büffet gab, war Thomas bereits todmüde, und wir haben uns nach ganz kurzer Zeit zurück ins Hotel bringen lassen. Bis wir die Sendung selbst zu sehen bekommen, werden wohl noch einige Tage vergehen.
  • Heute vormittag haben wir uns den Kölner Dom angeschaut. Eigentlich wollten wir auf einen Kirchturm hinauf, aber die vielen wunderbaren farbigen Glasfenster, Altäre und Mosaike haben uns so lange beschäftigt, dass es dann schon Zeit war, zum Zug zu gehen. Tilman war mit Moritz unterwegs, ich mit Thomas, und Thomas, der sich ja sehr für Malerei interessiert, hat sich alles genau angeschaut und viele Fragen gestellt. Wir haben viel darüber gesprochen, dass die verschiedenen Fenster deutlich aus verschiedenen Eopchen stammen, die Farben bei den ältesten Fenstern am schönsten und leuchtendsten sind und auch die Bilder je neuer je gröber werden, komisch! Dazu habe ich ihm die Motive erklärt, die ganzen Beweinungen, Kreuzabnahmen, Marienverehrungen, Himmelfahrtszenen und Evangelistendarstellungen. Auch haben wir uns alle vier noch mit einem Priester unterhalten, der uns einen frisch restaurierten golden leuchtenden Altar erklärt hat. Er besaß einen riesigen Schlüssel, mit dem er zum Schluss die Pforte hinter uns zuschloss, nur von innen; der Schlüssel, der von außen schließt, sei noch viel länger, ungefähr so lang wie Thomas Unterarm. Die Kinder durften den schweren goldenen Schlüssel halten. Wir gingen dann noch halb über die Rheinbrücke und schauten den Dom aus der "Ferne" an. Auf der Fahrt haben wir wieder Phase 10 gespielt.
  • Am Bremer Bahnhof haben wir uns die Bildzeitung gekauft, in BILD Bremen ist ein langer Artikel mit großem Bild über uns. Auch die Bildungssenatorin ist abgebildet, samt ihrer Argumentation: "In Deutschland herrscht Schulpflicht, so ist das nun mal. Wir werden das nach Recht und Gesetz durchziehen." Der Tenor des Artikels ist, wir würden jetzt erwägen, nach Österreich auszuwandern. Ähnliches steht auch im Bremer Anzeigeblatt, wir würden jetzt wohl nach Österreich, Belgien oder Irland auswandern. Die können's ja wohl gar nicht erwarten, uns loszuwerden.
  • Im Briefkasten lagen die nächsten beiden Zwangsgeldfestsetzungen für Tilman und mich, so dass wir jetzt bei 4.500 € sind. Wirklich unglaublich. Na gut, der für uns zuständige Senatsrat geht angeblich in wenigen Tagen in vorzeitige Rente, er zumindest ist uns los. Ebenfalls im Briefkasten lag der Widerspruch unseres Anwalts gegen die Androhung des jetzt festgesetzten Zwangsgeldes. Heute abend lauschen wir einem Vortrag mit Diskussion des Fraktionsvorsitzenden der CDU Bürgerschaftsfraktion in Bremen, Thomas Röwekamp.

Dienstag, 6. November 2007

Neubronners am 7.11. um 22.15 bei stern-tv (auf rtl)

  • Heute waren zwei Herren vom Finanzamt da, die unsere Reichtümer pfänden wollten - zu Thomas' Enttäuschung trug der Gerichtsvollzieher doch keine Krawatte. Wie es bei aufrechten Kleinstverlegern mit Programm weitab vom Mainstream halt vorkommt, befindet sich in unserem Haushalt nullkommanix Pfändbares, über unser Auto (9 Jahre, 210.000 km) hat er nur müde gelacht. Wir haben ein Protokoll unterzeichnet - jetzt kann die Behörde noch versuchen, unsere Konten zu pfänden, auf denen es zwar ehrsam zugeht, größere Summen aber auch nicht vorkommen, oder eine Zwangshypothek auf unser Häuschen einzutragen, oder einen von uns verhaften. Die Gerichtsvollzieher schien es eher zu erleichtern, dass sie uns das alte Klavier nicht wegnehmen mussten - sie erzählten, wie brutal es in ihrem Job oft zugeht (der eine war denn auch recht stattlich gebaut) und wie sie beschimpft und bedroht werden.
  • Wie es der Zufall wollte, rief gerade die Redakteurin von stern-tv an, und innerhalb kürzester Zeit stand ein Kamerateam vor der Tür, so dass die Herren Vollstrecker morgen in stern-tv auch zu sehen sein werden. Sie haben auch schon mal bei einem Tatort mitgespielt, erzählten sie beim Kaffeetrinken.
  • Ich musste dann los und 4 Knaben zum Chor fahren, während Tilman die unentwegt klingelnden Telefone bediente. Morgen fahren wir nach Köln ins Studio zu Günther Jauch, das erste Mal ist fast auf den Tag genau 1 Jahr her. Dabei wird Herr Dieter Bohlen mit uns in einer Sendung auftreten - die Kinder jammern, weil der sie nun gar nicht interessiert, sie aber für ihr Leben gern die 3 Fragezeichen kennen gelernt hätten, die letzte Woche bei stern-tv waren.
  • Moritz hörte die ganze Zeit interessiert zu, Thomas malte mit stoischer Ruhe an seinen Comics weiter, während die Vollstreckungsbeamten uns erklärten, wie das alles funktioniert. Erst zum Schluss kam Thomas plötzlich etwas blass um die Nase zu mir: "Mama, wollen die uns jetzt in echt was wegnehmen? Oder ist das nur fürs Fernsehen?!" Ich erklärte, ihm dass es schon in echt sei, dass sie aber nichts gefunden hätten, was so viel wert sei wie die Summe, die uns abgezwackt werden solle.
  • Tilman sagte zu Moritz: "Hör gut zu, das ist Staatsbürgerkunde vom Feinsten!" Da fiel mir der Witz ein, wo der Meister zum Lehrling sagt: "So, jetzt melden wir mal Konkurs an, dass du das auch mal gesehn hast!" Nachmittags war ich dann sehr froh, als mir während der Chorprobe meine Mutter in einem schönen warmen Café ein Stück Schwarzwälder Kirsch spendierte - es ist ja doch erstmal ein Schreck, so Amtspersonen im Haus. Immerhin habe ich darauf bestanden, dass sie sich legitimieren, denn das wird im Fernsehen ja immer falsch dargestellt: Wenn der Kommissar klingelt, wird er ohne Nachfrage, ohne dass er einen Durchsuchungsbefehl oder sonstwas vorlegen muss, hereingelassen und alles wird ihm erzählt. Nicht mit uns!
  • Tja, was stellen die Damen und Herren bei der Behörde sich nun vor, wie es weitergehen soll?
  • Zu unserer moralischen Stärkung ist am 4.11. ein wunderbarer langer Artikel in der FAS mit dem Titel "Warum ist die staatliche Schulpflicht unnötig?" von Rainer Hank erschienen, leider bisher noch nicht online abrufbar, jedenfalls nicht frei. Ebenfalls zu unserer moralischen Stärkung wurde uns gestern die Ehrenmitgliedschaft im Bundesverband Natürlich lernen www.bvnl.de zuerkannt, und wir erhalten täglich viele unterstützende, begeisterte (bzw. wütende, aber nicht auf uns) Emails und Anrufe aus dem In- und Ausland. Wir wissen auch von zahlreichen Briefen aus der ganzen Welt, die inzwischen bei der Behörde eingegangen sind und für uns sprechen, und viele weitere sind noch unterwegs.
  • In unserer Tageszeitung war jetzt ein empörter Leserbrief von einem Professor zu unserem Fall - endlich müssen wir die Leserbriefe nicht mehr alle selber schreiben ;-)
  • Wir wissen natürlich auch nicht, was bei alldem herauskommt, aber wir können ja nur Schritt vor Schritt setzen und darauf vertrauen, dass die Einführung der Bildungsfreiheit in Deutschland (naja, erstmal Bremen) einfach sowas von überfällig ist, dass es schon klappen wird. "Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist..."

Montag, 5. November 2007

Bruchrechnung und negative Zahlen

  • Vor ein paar Tagen waren wir im Towabu, ein Indoor-Spielplatz, jetzt zur Ferienzeit grässlich laut und voll. Aber Moritz und Thomas fanden es toll, sie konnten den Fußballplatz benutzen und haben etliche Stunden in verschiedenen Kombinationen mit anderen, (bis auf einen Freund, mit dem sie verabredet gewesen waren, unbekannten) Kindern dort gespielt. Thomas war im Tor, er hatte sich extra seine Handschuhe mitgebracht und trug trotz der Hitze einen dicken Fleece-Pulli, um sich beim Hinschmeißen nicht zu verletzen. Auch Oma kam nachmittags dazu, mit Spendierhosen. Die Kinder waren begeistert, ich war abends wie taub von dem Lärm. Meine Mutter fand es empörend, dass Kinder heutzutage in eine solche Kunstwelt ausweichen müssen "Wir haben doch früher einfach draußen gespielt, auch im Winter! Aber na klar, so wie viele Leute heute wohnen und mit dem gefährlichen Verkehr!" Es erinnerte mich fatal an die Mäusewelt auf dem Freimarkt. Trotzdem ist es für unsere Zwecke praktisch, Kinder und Eltern können sich treffen und miteinander spielen und arbeiten.

  • Moritz hilft nach wie vor gern beim Kochen und lernt neue Rezepte. Am Samstag ging es um Kidneybohnen mit Kokosflocken und Joghurt. 250 ml Jogurt, unsere Becher haben 150 ml. Moritz musste gar nicht nachdenken, wie aus der Pistole geschossen sagte er, klar, ein Becher 150, dann fehlen noch hundert, also noch zwei Drittel vom zweiten Becher. Peng, das kann er einfach, offenbar in verschiedenen Alltagssituationen herausgefunden. Klar, eine einfache Aufgabe, aber er hat das Prinzip verstanden und kann es anwenden. Alles andere kann zu gegebener Zeit darauf aufbauen.
  • Am Samstag abend spielten wir Wizzard, ein aufwändiges Kartenspiel mit vielen Runden, Trümpfen, Stichen und sowas, Moritz notierte die Punkte. Ich habe haushoch verloren, Kartenspielen ist nicht so mein Begabungsschwerpunkt. Als alle schon hunderte von Punkten hatten, dümpelte ich immer noch bei -20, Null, +10 . Die Kinder rechneten nach jeder Runde wonnevoll aus, wer Erster, Zweiter, Dritter, Vierter ("Mama!!") war, ich regte mich künstlich auf, brach verzweifelt zusammen, und wir hatten viel Spaß. Mittendrin wurde mir klar, dass Thomas die ganze Zeit völlig problemlos zwischen positiven und negativen Zahlen hin- und her rechnete. Mama war bei -10 Punkten, jetzt hat sie drei Stiche, das sind +20, aber sie hatte nur einen Stich angesagt, sind Null Punkte. Stimmt, er hat nicht seitenweise Übungsaufgaben gerechnet, sondern nur im Spiel vielleicht 10- oder 12mal - dann war auch ich endgültig im positiven Bereich. Aber er hat das Prinzip kapiert, einfach so, wie ein Kind plötzlich Verben benutzt oder Nebensätze. Ist das nicht das Entscheidende?
  • Heute morgen ist es teuer, dass die Kinder nicht zur Schule gehen, 3000 € sind uns angedroht. Aber da einmal hingehen, eine Woche oder ein Monat ja nichts nützt und zur Schule bringen und nicht dazubleiben zwingen auch nichts, sind wir uns einig, dass wir uns und der Schule diesen Aufwand ersparen. Die Kinder wollen ausdrücklich weiter zu Hause lernen, und wir sehen inhaltlich keinerlei Grund, ihnen das zu verwehren. Dann muss das jetzt wohl seinen Gang gehen. Gestern abend saßen wir alle friedlichst im Wohnzimmer, der Ofen knisterte, die Kinder übten nacheinander ihre Instrumente, Tilman las, ich strickte, da klingelte das Telefon. Der BVNL Bundesverband Natürlich Lernen hat beschlossen, uns zu Ehrenmitgliedern zu machen aufgrund unseres Einsatzes für die Bildungsfreiheit. Huch, da kommt man ja ganz durcheinander, sind wir jetzt Kriminelle oder Helden? Natürlich weder noch, wir sind einfach wir selbst und haben viel Spaß.