Montag, 5. November 2007

Bruchrechnung und negative Zahlen

  • Vor ein paar Tagen waren wir im Towabu, ein Indoor-Spielplatz, jetzt zur Ferienzeit grässlich laut und voll. Aber Moritz und Thomas fanden es toll, sie konnten den Fußballplatz benutzen und haben etliche Stunden in verschiedenen Kombinationen mit anderen, (bis auf einen Freund, mit dem sie verabredet gewesen waren, unbekannten) Kindern dort gespielt. Thomas war im Tor, er hatte sich extra seine Handschuhe mitgebracht und trug trotz der Hitze einen dicken Fleece-Pulli, um sich beim Hinschmeißen nicht zu verletzen. Auch Oma kam nachmittags dazu, mit Spendierhosen. Die Kinder waren begeistert, ich war abends wie taub von dem Lärm. Meine Mutter fand es empörend, dass Kinder heutzutage in eine solche Kunstwelt ausweichen müssen "Wir haben doch früher einfach draußen gespielt, auch im Winter! Aber na klar, so wie viele Leute heute wohnen und mit dem gefährlichen Verkehr!" Es erinnerte mich fatal an die Mäusewelt auf dem Freimarkt. Trotzdem ist es für unsere Zwecke praktisch, Kinder und Eltern können sich treffen und miteinander spielen und arbeiten.

  • Moritz hilft nach wie vor gern beim Kochen und lernt neue Rezepte. Am Samstag ging es um Kidneybohnen mit Kokosflocken und Joghurt. 250 ml Jogurt, unsere Becher haben 150 ml. Moritz musste gar nicht nachdenken, wie aus der Pistole geschossen sagte er, klar, ein Becher 150, dann fehlen noch hundert, also noch zwei Drittel vom zweiten Becher. Peng, das kann er einfach, offenbar in verschiedenen Alltagssituationen herausgefunden. Klar, eine einfache Aufgabe, aber er hat das Prinzip verstanden und kann es anwenden. Alles andere kann zu gegebener Zeit darauf aufbauen.
  • Am Samstag abend spielten wir Wizzard, ein aufwändiges Kartenspiel mit vielen Runden, Trümpfen, Stichen und sowas, Moritz notierte die Punkte. Ich habe haushoch verloren, Kartenspielen ist nicht so mein Begabungsschwerpunkt. Als alle schon hunderte von Punkten hatten, dümpelte ich immer noch bei -20, Null, +10 . Die Kinder rechneten nach jeder Runde wonnevoll aus, wer Erster, Zweiter, Dritter, Vierter ("Mama!!") war, ich regte mich künstlich auf, brach verzweifelt zusammen, und wir hatten viel Spaß. Mittendrin wurde mir klar, dass Thomas die ganze Zeit völlig problemlos zwischen positiven und negativen Zahlen hin- und her rechnete. Mama war bei -10 Punkten, jetzt hat sie drei Stiche, das sind +20, aber sie hatte nur einen Stich angesagt, sind Null Punkte. Stimmt, er hat nicht seitenweise Übungsaufgaben gerechnet, sondern nur im Spiel vielleicht 10- oder 12mal - dann war auch ich endgültig im positiven Bereich. Aber er hat das Prinzip kapiert, einfach so, wie ein Kind plötzlich Verben benutzt oder Nebensätze. Ist das nicht das Entscheidende?
  • Heute morgen ist es teuer, dass die Kinder nicht zur Schule gehen, 3000 € sind uns angedroht. Aber da einmal hingehen, eine Woche oder ein Monat ja nichts nützt und zur Schule bringen und nicht dazubleiben zwingen auch nichts, sind wir uns einig, dass wir uns und der Schule diesen Aufwand ersparen. Die Kinder wollen ausdrücklich weiter zu Hause lernen, und wir sehen inhaltlich keinerlei Grund, ihnen das zu verwehren. Dann muss das jetzt wohl seinen Gang gehen. Gestern abend saßen wir alle friedlichst im Wohnzimmer, der Ofen knisterte, die Kinder übten nacheinander ihre Instrumente, Tilman las, ich strickte, da klingelte das Telefon. Der BVNL Bundesverband Natürlich Lernen hat beschlossen, uns zu Ehrenmitgliedern zu machen aufgrund unseres Einsatzes für die Bildungsfreiheit. Huch, da kommt man ja ganz durcheinander, sind wir jetzt Kriminelle oder Helden? Natürlich weder noch, wir sind einfach wir selbst und haben viel Spaß.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hat mir nicht geholfen
sehr sehr sehr schlecht
>:(

Dagmar Neubronner hat gesagt…

Was (oder wer?) hat dir nicht geholfen und ist so schlecht?

Bruno hat gesagt…

Schöner Artikel!
Werde in meinem Blog über Bruchrechnen
auch hierher verweisen!
LG