Sonntag, 23. Dezember 2007

Endlich Ferien

  • Als die Kinder am Freitag mittag nach Hause kamen, brachen sie mit Öffnen der Haustür in einen minutenlangen Jubel-Schrei-Tanz aus. Danach geisterten sie eine Viertelstunde etwas ziellos durchs Haus und konnten sich gar nicht recht entscheiden, was sie mit der wiedergewonnenen Selbstbestimmung über ihre Zeit zuerst anfangen sollten. SimsCity-Städteplanung spielen? Die neue Erweiterung zum Gesellschaftsspiel "Siedler von Catan?" Fußballspielen im Garten? Oder auf der Straße? Oder auf dem Fußballplatz? Oder lesen? Oder gleich zu Freund K. rüber?
  • Sie entschieden sich dann für Fußball, und eine Stunde später brachten wir sie samt Bettdecken zu ihrem Freund, weil wir den Rest des Nachmittags und Abends mit unserem letzten Konzert vor Weihnachten abwesend waren. Moritz wurde dann von einem Mit-Posaunisten abgeholt zur letzten Probe des Posaunenchores inklusive Weihnachtsfeier. Um 22.30 kam er zeitgleich mit uns strahlend nach Hause - er hatte sich am üppigen Buffet gelabt, mit seinem eigenen Salatbeitrag Lob geerntet und die meiste Zeit mit zwei anderen Kindern in einem Nebenraum mit einem alten Portemonnaie Fußball gespielt. "Die sind so nett, Mama, und stell dir vor, ich habe sie neulich beim Fußballturnier auch getroffen, wir spielen im selben Verein, aber sie sind schon 13 und 15!"
  • Die Mutter dieser Kinder kommt aus Togo, im Frühling ist der Posaunenchor, leider ohne Moritz, nach Togo gefahren, und Moritz brennt darauf, beim nächsten Mal mitkommen zu dürfen. So viel zum Thema Integration und gelebte "Toleranz", die unsere Kinder angeblich ja nur in der Schule lernen können. (Moritz würde allerdings gar nicht verstehen, was ich meine, wenn ich ihm was von Toleranz erzählen würde. Wenn man zusammen aus freien Stücken Posaune und Fußball spielt, ist keinerlei Toleranz für andere Hautfarbe oder "Migrationshintergrund" erforderlich, höchstens für falsche Töne ;-))
  • Wir brachten ihn dann noch zu Freund K., am Samstag vormittag kehrten die Beiden vergnügt von dort zurück. Moritz hustet zwar noch wüst (nach fast zwei Jahren ohne Husten...), aber das aggressive Gemache haben sie schon fast ganz wieder abgelegt. Heute vormittag hörte ich mit, wie Moritz mit Thomas "verdoppeln" übte, ausgehend von 1. Bei der Verdoppelung von 2048 brauchte Thomas eine Weile und mehrere falsche Ergebnisse, aber Moritz sagte jedes Mal nur freundlich "Nein, aber schon fast richtig!" Ich hätte nie so viel Geduld gehabt, es dauerte Minuten der knirschenden Stille, bis Thomas mit "4096" herausrückte. Einfach nur so, aus Spaß.
  • Einen Vorteil hat die Schule gehabt: Thomas hat kleine Weihnachtsgeschenke (Bilder) für alle diesbezüglich relevanten Verwandten produziert. allerdings hat er das sonst von zu Hause aus auch getan. Moritz hat statt dessen heute die ja überwiegend von ihm gebackenen Weihnachtsplätzchen schön eingepackt. Seine Lehrerin hat ihm übrigens am letzten Tag gesagt, sie sei zufällig auf den Blog seiner Mutter gestoßen und was da berichtet werde über seine Schulerlebnisse, könne gar nicht stimmen, "so etwas" würden ihre Kinder nie tun. Diese Reaktion kann ich gut verstehen, aber Kinder untereinander sind wirklich eine Welt für sich, in dem Buch "Unsere Kinder brauchen uns" von Gordon Neufeld wird das bestens erklärt. Dort wird eine Geschichte berichtet, bei der 1997 die vierzehnjährige Reena Virk in British Columbia (Kanada) von ihren gleichaltrigen Schulkameradinnen misshandelt und ertränkt wurde, während zahlreiche andere Jugendliche tatenlos zusahen. Tagelang erfuhr kein Erwachsener von diesem Mord, und niemand hätte diesen eigentlich ganz normalen Teenagern etwas so Entsetzliches zugetraut.
  • Morgen werden wir zuerst gemeinsam den Weihnachtsbaum schmücken, den Tilman und die Kinder in einem Garten hier in der Nähe ausgesucht und geschlagen haben (natürlich mit Erlaubnis und gegen Entgelt). Dann werden wir zuerst Thomas' Chorgesang im Weihnachtsgottesdienst lauschen und dann nahtlos Moritz zu seinem Posaunenchor-Weihnachtsgottesdienst bringen.
  • Und dann werde ich ein paar Tage offline gehen und erst Anfang Januar wieder hier schreiben. In dieser Zeit werden wir in aller Ruhe darüber beraten, wie es im nächsten Jahr weitergehen soll. Das tun in diesem Jahr viele Homeschoolfamilien, denn der von dem BGH-Urteil ausgelöste Druck macht sich bereits im Vorgehen einzelner Behörden bemerkbar. Gleichzeitig habe ich gestern erfahren, dass wohl demnächst in Kanada erstmals eine deutsche Homeschoolerfamilie aufgrund der Verfolgung durch die deutschen Behörden politisches Asyl erhalten wird. Ist das nicht peinlich und traurig für unser Land?

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Vorletzter Schultag

  • Moritz hat wieder seinen Husten und seinen Stirnhöhlen-Dauerschmerz - es ist wie eine Erinnerung, ich hatte schon ganz vergessen gehabt, dass er früher, als er noch zur Schule ging, fast durchgängig gehustet hat. Er sieht bleich und elend aus. Gestern erzählte er Thomas von den tollen Witzen, die in der Schule auf seine Kosten gemacht werden: "Was macht ein Schulschwänzer zwischen lauter Kackwürsten im Klo? Er verteidigt sein Vaterland. - Was macht ein Schulschwänzer in der Kanalisation? Er sucht seine Freunde. - Was ist ein Schulschwänzer auf der Rutsche? Flitzkacke." Es ist wie im Lehrbuch zu sehen, dass er die Wahl hat, sich sein offenes Herz zu bewahren und unterzugehen oder "zuzumachen", ebenso cool zu werden. Natürlich könnte er diese Anpassungsleistung vollbringen, aber er will gar nicht so werden, es quält ihn, sich auf dieses Niveau zu begeben.
  • Dafür wollte Thomas gestern morgen nichts trinken. "Ich will da nicht aufs Klo gehen müssen!" Wieso nicht, was ist denn? "Wegen meiner langen Haare sagen sie, ich muss aufs Mädchenklo und darf bei ihnen nicht rein." Schon vor einigen Tagen wollte er SOFORT zum Friseur, um sich die Haare abschneiden zu lassen. "Mama, ich kann es nicht mehr ertragen, ständig meckern sie an meinen Haaren rum!" Sie sind die anderen Kinder. Komisch, auf der Waldorfschule gibt es mehrere Kinder mit langen Haaren, das sind wohl schulindividuelle Moden. Der jeweilige Anpassungsdruck scheint immens zu sein. Allerdings war das am Sonntag, und am Montag hatte Thomas sich schon überlegt, dass ja bald Weihnachten ist und er das jetzt noch durchhält.
  • Heute morgen erzählte Moritz mir, er habe scheußlich geträumt: "Ich ging durch die Stadt und verlor erst meine Jacke, dann meine Mütze, meine Handschuhe, sogar meine Schuhe. Dann lief ich da barfuß durch die Kälte und musste immer im Slalom den Kotze-Pfützen der anderen Leute ausweichen."
  • Abends, wenn wir den Tag besprechen ("Was war heute blöd? Was war schön? Schlecht gelungen? Gut gelungen? Und morgen?"), beklagen beide Kinder 1) die Brutalität der anderen Kinder 2) die Langeweile und 3) dass sie zu Hause nur noch so wenig Zeit haben. Thomas hat in den ersten zwei drei Tagen noch versucht, abends schnell ein bisschen an seinem aktuellen Comic weiterzumalen, aber inzwischen malt er nicht mehr - "Mama, in dem bisschen Zeit bis zum Abendbrot fällt mir nichts ein." Moritz berichtete, er habe in der Schule heimlich gelesen, drei Kapitel Tintenblut, nachdem er seine Englischvokabeln abgeschrieben hatte. Und die Deutscharbeit habe er wohl versägt, weil er von den grammatikalischen Bezeichnungen wie Komparativ und Superlativ und so weiter viele nicht kannte.
  • Beide Kinder sind ziemlich gereizt und aggressiv, auch untereinander. Offenbar müssen sie diese ganzen Äußerungen irgendwie loswerden und das eben auch mal alles sagen, in dem Tonfall und mit dem Ellenbogen dazu, besonders Moritz, der wohl mehr zu ertragen hat oder weniger Gelassenheit aufbringt. Meist kommt beim Abendbrot ein Punkt, wo einer von uns sagt: "Hallo, Schalter umlegen! Wir gehen hier anders miteinander um!"
  • Neulich sagte Thomas so nebenbei ohne besonderen Anlass zu mir: "Ey Alte, ich knall dich ab!" Ich schaute verblüfft, und er schaute auch ganz verwundert, was ihm da so aus dem Mund gefahren war. Dann lächelte er entschuldigend und sagte: "Ähm, Mama, weißt du, in der Schule muss man so sein. Wenn jetzt Ferien sind, sag ich sowas noch ein oder zwei Tage aus Versehen und dann nicht mehr."
  • Beide Kinder nehmen nach wie vor ihre Tischtennisschläger und einen Ball mit und treffen sich in den Pausen, um miteinander Tischtennis zu spielen, umlagert von vielen anderen Kindern, die auch spielen wollen, aber keine Schläger und Bälle haben. Anfangs haben Moritz und Thomas den Bitten nachgegeben und die anderen spielen lassen, mussten aber feststellen, dass sie dann überhaupt nicht mehr selber spielen können, weil sie die Schläger erst zurückkriegen, wenn die Pause um ist. Wie sie es jetzt machen, weiß ich gar nicht.
  • Insgesamt ist der Lerneffekt sehr hoch, nur, ebenfalls wie im Lehrbuch, die Lehrer spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Der eigentliche Stoff hat mit Englisch, Deutsch, Mathe etc. nichts zu tun und wird von den Mitschülern vermittelt. Er lautet: "Du musst so sein wie die anderen, darfst nicht auffallen. Das Leben ist hart und brutal, was du denkst und fühlst, versteck lieber. Sei cool, sonst wirst du fertiggemacht."
  • Und das ist eine Modellschule, die uns von Anfang an durch die besonders freundliche Atmosphäre aufgefallen ist, bei der Kinder, die uns im Flur begegnen, freundlich-interessiert grüßen und bei der vieles viel besser läuft als anderswo. Ich vermute, dass Erwachsene nur einen winzigen Bruchteil dessen mitbekommen, was sich unter Schülern abspielt. Unter den Schülern, sowie sie unter sich sind, etabliert sich der kleinste gemeinsame Nenner dessen, was viele Kinder offenbar zu Hause gelernt haben: Beschimpfungen, Drohungen und körperliche Gewalt.

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Viele Besucher

  • Donnerstag: Übrigens haben bis eben 3.859 User diesen Blog hier besucht, davon 1589 mehrmals, zu mehr als einem Drittel über zehnmal! Knapp 85 % dieser Besucher kommen aus Deutschland, die 15 restlichen % aus 18 anderen Ländern, hauptsächlich USA, Schweiz, Österreich, Frankreich und "Unknown". Vielen Dank für Ihr/Euer Interesse!
  • Seit gestern radeln die Kinder nachmittags allein zurück, als ich sie heute morgen hinbegleitete - im Dunkeln mit all dem Morgenverkehr und etlichen Straßenüberquerungen traue ich Thomas' Verkehrskünsten doch nicht so ganz über den Weg - wäre ich fast wüst vom Rad gestürzt. Mitten auf dem herrlichen Spazierweg am Schloss entlang war der Weg durch den starken Regen unterspült und wies riesige, tiefe Löcher auf. Im Dunkeln sah man das kaum. Moritz fuhr vor, hielt an, und ich war so damit beschäftigt, ihn anzugiften, warum er plötzlich ohne Vorwarnung anhalte, dass ich nicht auf den Weg achtete. Dass er einen triftigen Grund haben könnte, habe ich gar nicht erst unterstellt, typisch Mama.
  • Heute sprudelte Moritz gleich los: René hat Thomas ins Auge gepiekst, so dass er geheult hat. Voll eklig, er "küsst" seinen Finger und legt ihn dann den anderen Kindern irgendwo ins Gesicht, dabei hat er dann wohl mal eher versehentlich das Auge getroffen. Thomas nickte verlegen und konzentrierte sich dann darauf, schnell was zu essen, denn nach einer Viertelstunde zuhause mussten beide schon wieder los zu Fußballtraining und Comiczeichenkurs. Und wie wars bei dir, Moritz? "Sie mucken mich halt." - "Immer noch wegen Homeschooler?" - "Klar. Sie gehen an mir vorbei und rammen mir dabei den Ellbogen irgendwohin. Das tut manchmal ganz schön weh!" Gestern hatte Moritz noch erzählt, dass sie ihn beim Ellbogenkicken fragen würden "Schulschwänzer, ey Alter, warum schwänzt du denn die Schule?" - Und was hast du gesagt?" - "Ich hab gesagt: Ey Alter, siehst du nicht, dass ich hier bin? Was hast du denn, ich bin doch da?!" Tonfall, Stimme, Gestik und Mimik perfekt, so dass wir alle schallend lachen müssen. Immerhin können beide Kinder noch darüber lachen, aber es erfordert sicherlich ziemlichen Mut, sich jeden Tag wieder auf diese Aggressionen einzulassen. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste jeden Tag davon ausgehen, dass mir am Arbeitsplatz jemand den Ellbogen in den Magen rammt oder den Spuckefinger ins Gesicht schmiert - puh!

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Noch 7 Tage bis zu den Weihnachtsferien...

  • Wir ermuntern die Kinder, aus diesen paar Tagen das Beste zu machen und sich so gut es geht auf die Schule einzulassen. Das gelingt Thomas, der ja nur wenige Wochen seines Lebens in einer Schule war, mit mehr Gelassenheit als Moritz. Thomas klagt eigentlich nur über Langeweile ("wir machen so wenig Unterricht! Und ständig sind Pausen oder Frühstück oder im Kreis sitzen und reden. Und dann liest sie vor und wir müssen sagen, was dringestanden hat, das ist soo langweilig! Und dann mussten wir auf Arbeitsblättern beantworten, ob man mit einem Bus a) fahren, b) fliegen oder c) zeichnen kann und solche Sachen, Mama, in der 3. Klasse!! Für wie blöd halten die uns eigentlich?") und Brutalität ("Mama, ich kann da gar nicht hinschauen und denk dann immer nur, wo bin ich hier bloß gelandet!") Er berichtete gestern, er habe von 26 Rechenaufgaben alle richtig gehabt, und erzählte fasziniert von einem kleinen Mitschüler namens René, der die ganze Zeit stört, Sachen kaputtmacht und Kinder angreift, auch ihn ("aber Max und Elias haben mir geholfen").
  • Moritz empfindet den Druck der Klassenkameraden stärker, er muss jetzt morgens genau überlegen, was er anziehen kann, ohne ausgelacht zu werden (seine vielen fröhlich-roten Pullover zum Beispiel gehen offenbar gar nicht, und hinreichend unansehnliche dunkle Kapuzensweatshirts mit Aufdruck hat er nur eins, da reibt er jetzt morgens die Flecken heraus, um es wieder anziehen zu können).
  • Im Rechentest war er wieder Zweitbester der Jahrgänge 5+6 und merkt, dass er durch seine fehlende Schreibübung gehandicapt ist, weil er einfach länger braucht, um die Zahlen hinzuschreiben. ("Ich hab alle Aufgaben gerechnet, aber in 8 Minuten, der Beste war nach 3 Minuten fertig!") In Englisch kennt er die verlangten Vokabeln nicht ("Mama! Alle Wörter beziehen sich nur auf die Schule! Schreibetui, Tafel, Kreide, Füller, Schreibheft und sowas! " Oje, die kenn selbst ich als professionelle Übersetzerin nicht alle auf Anhieb. Kommt halt im richtigen Leben selten vor.) und ärgert sich, dass seine Fähigkeit, Sätze zu verstehen ihm nichts nützt, sondern es nur um die Vokabeln geht. Wir versuchen, ihm klarzumachen, dass er nicht der Beste sein muss und es doch klar ist, dass er diese Vokabeln halt jetzt nicht kennt, aber er ist ehrgeizig und will zeigen, dass er als Freilerner nicht blöd ist.
  • Heute morgen wollte Moritz zunächst nicht frühstücken. "Um 9 ist in der Schule schon wieder Frühstück, und dann habe ich einfach noch keinen Hunger wieder. Aber wenn sie immer sehen, dass ich nichts zum Frühstück esse, denken sie bestimmt, ich bin doch magersüchtig, und dann nehmen sie uns das Sorgerecht weg..." Die Verdächtigung des Sportlehrers, er sei magersüchtig, hat ihn offenbar nachhaltig beeindruckt. Wir konnten ihn aber beruhigen, so dass er dann doch was aß.
  • Beide Kinder jammern, weil nach der Schule ruckzuck schon Abend ist und sie kaum dazu kommen, ihre eigentlichen Projekte weiterzuverfolgen. Sie zählen die (Schul-)Tage bis zu den Ferien. Wir auch.

Montag, 10. Dezember 2007

Beugen statt brechen

  • So macht es ja die Natur - Gräser wie Bäume geben dem Wind nach, ohne ihren Standpunkt zu verlassen, und vermeiden so, sich brechen zu lassen. Angesichts von 7500 Euro Zwangsgeld plus der massiven Drohungen mit weiteren Zwangsmaßnahmen verbringen unsere Kinder den heutigen Tag in der Schule.
  • Wohlmeinende Freunde schrieben uns zwar, wir sollten doch durchhalten, denn "jetzt vor Weihnachten" würden die Behörden doch sowas Unweihnachtliches wie Erzwingungshaft, polizeiliche Zuführung, Sorgerechtseinschränkung oder "Fremdplatzierung" nicht machen. Dazu kann ich nur sagen: Welcher Zeitpunkt ist für solche Sachen geeigneter als eine Zeit, in der fast alle Leute damit beschäftigt sind, Geschenke zu kaufen und sich in gemütliche Stimmung zu bringen? Wer will diese Feststimmung mit hässlichen Berichten über hässliche Dinge stören? Man betrachte nur mal, welche Gesetze während der Fußballweltmeisterschaft im letzten Sommer still und leise verabschiedet wurden, während das ganze Land in fröhlicher Feierlaune war. Und warum ist die parlamentarische Lesung und Debatte zur Änderung des Gentechnikgesetzes neulich auf die Zeit zwischen 3 und 4 Uhr morgens gelegt worden? Sicher nicht, weil diese Gesetzesänderung doch niemanden interessiert!
  • Heute morgen war Moritz extrem unleidlich, giftig und aggressiv. Zuerst sagte ich ihm: "Du brauchst jetzt nicht auf diese Weise deutlich zu machen, dass du nicht zur Schule willst, das wissen wir, und wir vergessen es auch nicht, wenn du jetzt gelassen damit umgehst." Als es dann nicht besser wurde, sagte ich: "Darf ich dich daran erinnern, dass diejenige, die du jetzt so angiftest, sich seit zwei Jahren mit erheblichem Aufwand dafür einsetzt, dass du nicht zur Schule musst? Falsche Adresse!" Moritz grinste und sagte "War nur'n Test, Mama, zum Üben für gleich, wenn die mich wieder alle anmucken!" und hörte auf zu giften.
  • Thomas weinte nochmal bitterlich, als ihm klar wurde, dass heute Schulschwimmen ist - "Da müssen wir immer so lange anstehen und warten und dürfen nur ins kalte Becken, und dann friere ich so furchtbar!". Eigentlich sind beide Kinder Wasserratten und trainieren seit Monaten für das jeweils höhere Schwimmabzeichen und springen wie die Weltmeister, gestern waren sie gerade mit Papa schwimmen , privat können sich die beiden dünnen Heringe allerdings immer wieder zwischendrin im warmen Solebecken aufwärmen und müssen nur warten, wenn sie für die Rutschen anstehen.
  • Unterwegs - es regnete und war stockfinster, und ich erlaubte mir den Luxus, sie hinzufahren, zumal die Radwege unterwegs in einem grauenvollen, lebensgefährlichen Zustand sind oder ganz fehlen - lachten sie darüber, dass sie heute wieder würden aussuchen dürfen, mit wem sie sich in Zweierreihe aufstellen, um zum Mittagessen zu gehen ("Mama, das sind gerade mal 50 Meter und IN einem Gebäude!").
  • Sag noch einer, unsere Kinder haben keine Wahl. Sie dürfen doch wählen, mit wem sie sich in Zweierreihen aufstellen! Gehört vermutlich zur Erziehung in Demokratie. Nein nein, ich weiß schon und verstehe auch, dass es eine Maßnahme ist, um den Lärmpegel erträglich zu halten. Demokratie lernen sie wann anders. Wann und wie? Naja. Mehr theoretisch halt, in Gemeinschaftskunde, und natürlich noch nicht in der Grundschule. Warum nur fällt mir dabei "Harry Potter und der Orden des Phönix" ein, wo "Verteidigung gegen die dunklen Künste" auch nur theoretisch gelehrt werden darf, weil ja eine reale Bedrohung (angeblich) nicht existiert?
  • In unserem Teenager-Befreiungs-Handbuch, das in wenigen Tagen endlich in Druck gehen wird (man kommt ja zu nichts!), gibt es einen herrlichen Satz: "Ich ging zur Freien Schule XY. Mag ja sein, dass die Schule frei war, aber ich war jedenfalls drin eingesperrt." Die vielen bewegenden Schilderungen aus dem Alltag von Hunderten von Home- und Unschoolern in diesem Buch haben uns in den vergangenen Wochen unglaublich gestärkt, insofern war es genau richtig, dass wir es gerade jetzt zum Druck vorbereiten mussten.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Neue Zwangsgelder - jetzt sind wir bei 7500 €

Tja, das war eine kurze Atempause! Heute erreichten uns die bekannten gelben Umschläge ("Förmliche Zustellung") - obwohl die bisherigen 4500 € Zwangsgeld ja noch gar nicht eingetrieben werden konnten und die Freigabe der Konten zu signalisieren schien, dass dieser Versuch, vielleicht aufgrund der massiven Proteste, nicht weitergetrieben werden sollte.

Das heißt, es handelt sich inzwischen um Zwangsgelder in Höhe von insgesamt 7500 €. Falls unsere Kinder ab dem 10. 12. 2007 nicht regelmäßig die Schule besuchen, werden, so heißt es im Behördenschreiben, "weitere Zwangsmittel, die zur Sicherung des Schulbesuchs Ihrer Kinder Anwendung finden" eingeleitet werden.

Unser Anwalt wird sofort gegen dieses Zwangsgeld, wie auch gegen alle bisherigen Zwangsgelder geschehen, Widerspruch einlegen. Wir sind angesichts unserer Einkommensverhältnisse ebensowenig in der Lage, 7.500 € zu bezahlen wie 4.500. Die Eintreibung dieses Zwangsgeldes kann nur geschehen, indem unser Einkommen über viele Monate hinweg gepfändet wird, während wir von HartzIV leben (sofern uns das bewilligt würde) oder indem wir unser 90qm-Häuschen per Zwangsversteigerung verlieren. Und das alles, um die Erteilung einer Genehmigung zu vermeiden, die in einem Einzelfall die modifizierte Form der Schulpflichterfüllung ermöglicht, wie bereits mit nachweislich gutem Erfolg durchgeführt.

Wie heißt es im Schreiben? "Die Anordnung der sofortigen Vollziehung liegt im überwiegenden öffentlichen Interesse und im Interesse Ihrer Kinder."

Übrigens gibt es jetzt unter http://www.secret.tv/artikel4925745/Familie_Neubronner_Schulverweigerung einen ausführlichen (23 Minuten) Zusammenschnitt der Pressekonferenz, die wir gemeinsam mit unserem Anwalt Matthias Westerholt am Freitag 23.11. 2007 gegeben haben. Der Beitrag ist gebührenpflichtig (ca.3 €), dafür sind in 20 Minuten sehr viele relevante Informationen und Argumente zusammengefasst.

Wir haben ein vergnügtes Wochenende plus Montag hinter uns und schon 4 Sorten Weihnachtsplätzchen gebacken, Moritz in vorderster Front. Am Sonntag haben wir nach Leibeskräften Adeventsmusik gemacht, Moritz mit Posaune, ich mit Flöte, Tilman hat gesungen, Kalle und unser Freundin Mira haben Gitarre gespielt und gesungen, Thomas hat mit Darmgrippe schlaff auf Tilmans Schoß gesessen und leise mitgesungen. Heute gehts ihm wieder gut. Gestern hat Moritz außerdem ganz allein Milchreis gekocht, und Thomas hat verkündet, dass es jetzt noch ein gutes Jahr dauern wird, bis sein neues Comic fertig ist. "Ich habe beschlossen, dass ich jetzt an jedem Bild ganz lange male, richtig wie ein Gemälde, dann schaffe ich nur zwei Bilder pro Tag." Moritz übt im Moment buchstäblich stundenlang jeden Tag Posaune - am 16. ist Weihnachtliche Bläsermusik mit seinem Orchester, da will er alles mitspielen.

Samstag, 1. Dezember 2007

Briefwechsel mit dem deutschen Botschafter

Hier ist der Brief des südafrikanischen Homeschool-Verbandes an den deutschen Botschafter in Pretoria und die Antwort. Ein Meisterwerk der präzisen Nachfrage und ein Meisterwerk der ausweichenden Antwort.
Hier also die Anfrage:

Abs:
Association for Homeschooling
Postnet 165
Private Bag X855
0001
Tel.
(082) 907 9696 / Fax. 0866577216
Email :
contact@sahomeschoolers.org

TO:
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
P.O. Box
2023
Pretoria
0001
Fax: (012) 343 3606
Email: germanembassypretoria@gonet.co.za

Sehr geehrter Herr Haack!
Die Association for Homeschooling hat in der Vergangenheit zweimal an die Deutsche Botschaft geschrieben und außerdem ein Telefongespräch mit Herrn Dr. Bodo Schaff geführt. In unserem Brief vom 13/1/2005 machten wir Sie darauf aufmerksam, dass Homeschooling erwiesenermaßen ein Erfolgsweg ist und die südafrikanische wie internationale Gesetzgebung das Recht von Eltern anerkennt, ihre eigenen Werte an ihre Kinder weiterzugeben. Dieselben Punkte wurden in unserem Brief vom 4.12.
2006 erneut angesprochen.

Presseberichte, die der Association for Homeschooling vorliegen, lassen darauf schließen, dass die Bundesregierung die Verfolgung homeschoolender Eltern intensiviert hat und sich zunehmend in Widerspruch zur internationalen und europäischen Gesetzgebung stellt. Auch scheint die Deutsche Regierung ihre Verfolgung des Homeschoolings auf Bürger anderer Länder ausgedehnt zu haben.

In diesem Zusammenhang verfolgt der vorliegende Brief einen zweifachen Zweck:

1) Wir möchten die Haltung der Bundesregierung zum Thema Elternrechte besser verstehen.

2) Wir möchten klären, welchen Rat die Association for Homeschooling Eltern geben soll, die einen längeren Besuch in Deutschland planen.

Besseres Verständnis:

In seiner Antwort auf unseren Brief im Jahr 2006 machte Dr. Bodo Schaff folgende Aussagen:

· “Täglicher Kontakt mit anderen Schülern aus allen Lebensbereichen fördert Toleranz, ermutigt den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Kulturen und hilft Schülern, verantwortliche Bürger zu werden.“

· “Die Öffentlichkeit hat ein legitimes Interesse daran, der Entstehung von Parallelgesellschaften entgegenzuwirken, die auf Religion oder durch abweichende Weltsichten entstehen, und Minderheiten in die Gesamtbevölkerung zu integrieren.”

Um diese Aussagen besser verstehen zu können, bitten wir höflich um Antwort auf folgende Fragen:

A) Aus welchen empirischen Forschungsergebnissen schließt die Deutsche Bundesregierung, dass Kinder eine Schule besuchen müssen, um Toleranz, Dialogfähigkeit und staatsbürgerliche Verantwortung zu lernen?

B) Aus welchen empirischen Forschungsergebnissen schließt die Bundesregierung, dass Homeschooler die oben genannten Qualitäten nicht genauso gut wie oder besser als institutionalisierte Schüler erwerben?

C) Auf welche rechtliche, philosophische oder moralische Grundlage gründet sich der Machtanspruch des deutschen Staates, der Entstehung von Parallelgesellschaften durch die Anwendung von Gewalt (wie gegen Homeschool-Eltern ausgeübt) entgegenzuwirken, um Minderheiten in die vom Staat definierte Mehrheitskultur zu integrieren?

D) Wie rechtfertigt die deutsche Bundesregierung ihre materielle und moralische Unterstützung für Deutsche Schulen und deutsches Homeschooling in Südafrika und seinen Nachbarländern angesichts der Unterdrückung entsprechender Bildungsmöglichkeiten auf deutschem Territorium?

E) Was versteht die Deutsche Bundesregierung unter Religionsfreiheit, wenn der deutsche Gesandte es für vertretbar hält, “die religiösen Überzeugungen der Familie in Einklang mit der unabänderlichen Notwendigkeit des Schulbesuchs zu bringen“?

F) In welchem Ausmaß beabsichtigt die Deutsche Bundesregierung, die Europäische und internationale Gesetzgebung zu berücksichtigen, nach der Kinder das Recht haben, eine Bildung der Religion/Philosophie und den Traditionen ihrer Familie gemäß zu erhalten, und Eltern das Recht, eine Bildung für ihre Kinder zu wählen, die in Einklang mit ihren eigenen Überzeugungen steht?

Rat an südafrikanische Eltern

Da die unten genannten Presseberichte deutlich machen, dass die Deutsche Bundesregierung ihre Verfolgung homeschoolender Familien auf in Deutschland ansässige ausländische Eltern ausgeweitet hat, ist es wichtig, dass südafrikanische Homeschool-Eltern über die Risiken informiert werden, die mit einem in Erwägung gezogenen längeren Besuch Deutschlands verbunden sind. Zur Unterstützung der Homeschooling Association bei dieser Aufgabe bitten wir höflich um die Beantwortung folgender Fragen:

G) Welche Rechte haben südafrikanische Homeschool-Eltern in Deutschland hinsichtlich der Bildung ihrer Kinder?

H) Welche Unterlagen sollten südafrikanische Homeschool-Eltern zu einem Aufenthalt in Deutschland mitnehmen, um ihre Rechte deutlich zu machen, sofern solche Rechte existieren?

I) An wen können südafrikanische Homeschool-Eltern sich in Deutschland wenden, wenn ein uniformierter Staatsbediensteter ihre diesbezüglichen Rechte, sofern solche Rechte existieren, verletzt?

Wenn Sie es für nützlich halten, ist die Association for Homeschooling gern bereit, die Deutsche Botschaft aufzusuchen und einen Dialog zu führen, um mögliche Missverständnisse zwischen der südafrikanischen Homeschool-Gemeinschaft und der deutschen Bundesregierung aufzuklären.
Mit freundichen Grüßen
Bouwe van der Eems

(Vorsitzender der Association for Homeschooling)

Und hier die Antwort:

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich beantworte Ihre Email bezüglich der Schulbesuchspflicht in Deutschland. Über das hinaus, was Ihnen bei früheren Anlässen erläutert wurde, möchte ich Ihnen gern zusätzliche Informationen zugänglich machen und gehe davon aus, dass diese Ihre Frage beantworten.


Gemäß Grundgesetz Artikel 7 steht das gesamte Schulsystem unter der Aufsicht des Staates und stellt so sicher, dass die Regierung jedem Bürger Bildung zugänglich macht. Wie Dr. Bodo Schaff erwähnt hat, mag Homeschooling genauso effektiv sein im Hinblick auf Testergebnisse. Es ist jedoch wichtig zu berücksichtigen, dass die Schule nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Sozialverhalten.
Der tägliche Kontakt mit anderen Schülern aus allen Lebensbereichen fördert Toleranz, ermutigt den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Kulturen und hilft Schülern, verantwortliche Bürger zu werden.


Tatsächlich ist Homeschooling nicht vollkommen verboten, denn es gibt bestimmte Ausnahmen für Schüler mit bestimmten Behinderungen und für Kinder, die krankheitsbedingt längere Schulausfallzeiten erleiden oder in Gegenden leben, wo ein regelmäßiger Schulbesuch nicht ermöglicht werden kann.
Das Bildungsniveau öffentlicher Schulen in Deutschland ist hoch, und in fast allen Landesteilen sind Schulen in zumutbarer Nähe zu erreichen.
Das Bundesverfassungsgericht hat diese Gesetze in mehreren Fällen bestätigt ( zuletzt am 20.7.2006), als gegen Homschool-Eltern vorgegangen wurde, und ausgeführt, dass es das verfassungsgemäße Recht und die Pflicht der Deutschen Bundesregierung sowie das legitime Interesse der Öffentlichkeit ist, der Entstehung von Parallelgesellschaften entgegenzuwirken, die auf Religion oder durch abweichende Weltsichten entstehen, und Minderheiten in die Gesamtbevölkerung zu integrieren. Die Schulbesuchspflicht ist als der richtige Weg angesehen worden, die Erziehungsauftrag zu erfüllen, dieser umfasst auch das Sozialverhalten.


Die Einschränkung der persönlichen Freiheit der Eltern ist angemessen, weil der Einfluss, den sie außerhalb der Schule haben, vom Gericht als ausreichend angesehen wird. Im Hinblick auf Ihre Frage, was südafrikanischen Homeschool-Eltern berücksichtigen sollten, wenn sie Deutschland für länger Zeit besuchen, so sollten diese Eltern wissen, dass Schulbesuch in Deutschland verpflichtend ist, abgesehen von den oben erwähnten Ausnahmen. Es ist ein Prinzip des Internationalen Rechts, dass jede Person, die den Einflussbereich eines Landes besucht, der Rechtsprechung dieses Landes unterworfen ist. Dasselbe gilt natürlich auch für Deutsche, die nach Südafrikareisen oder dorthin umziehen.
Ich hoffe, dass diese Erläuterung Ihnen hilft, dass deutsche System der Schulbesuchspflicht besser zu verstehen. Im Prinzip existieren auf der Welt verschiedene Regelungen im Hinblick auf private und öffentliche Schulen und auf das Homeschooling nebeneinander und unterscheiden sich in ihrem gesellschaftlichen und geschichtlichen Bezug. Sie sind Bestandteil der souveränen Rechte der Völker und Nationen, auf diesem Gebiet Gesetz zu erlassen. Solange weder das deutsche Bundesverfassungsgericht, noch der Europäische Gerichtshof noch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden haben, dass diese Gesetze eine Verletzung (grundlegender) Rechte darstellen, müssen diese Gesetze genauso respektiert werden wie jedes andere Gesetz. Dies mag unerwünscht sein, ist aber ein Ergebnis des demokratischen Prinzips.

Zusätzlich gebe ich Ihnen die Kontaktadresse des deutschen Bildungsministeriums:
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Dienstsitz Bonn
Heinemannstr. 2
53175 Bonn
Telefonnummer: 0228/9957-0
Faxnummer: 0228/9957- 83601

Hochachtungsvoll,
Andreas Haack
Botschaftsrat
Leiter der Kultur-Abteilung

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
180 Blackwood Street, Arcadia 0083
P.O. Box 2023, Pretoria 0001
South Africa

Tel: +27-12-4278906
Fax: +27-12-3433606
E-mail: ku-1@pret.diplo.de


Bilder vom südafrikanischen Protest










Fotos von der Mahnwache vor der Deutschen Schule in Pretoria. Die englischen Plakate zum Thema Polizeieinsatz und Zwangspsychiatrisierung beziehen sich vor allem auf Fälle wie den von Melissa Busekros.
Was die südafrikanischen Homeschooler offenbar besonders erbost, ist die Tatsache, dass die Deutschen in Afrika durchaus das Recht für sich in Anspruch nehmen, mit eigenen Schulen, Kindergärten und Fernschul-Empfehlungen "Parallelgesellschaften" zu bilden, dies jedoch Ausländern in Deutschland und ihren eigenen Bürgern im Inland verweigern. Außerdem stützen homeschoolende Familien sich auf internationale "Evidence", also wissenschaftliche Beweise für die Güte dieser Bildungsform, die deutschen Behörden jedoch offenbar allein auf "prejustice", Vorurteile. Das ist ja auch der Punkt, an dem wir immer wieder schier verzweifeln. Was haben wir der Bremer Bildungbehörde schon stapelweise Studienergebnisse etc. vorgelegt, immer in dem Gefühl "Daran können sie nicht vorbei". Doch, können sie, indem sie einfach jede inhaltliche Diskussion konsequent verweigern. Wie lange noch?

Thomas beim Bürgermeister und Protest-Kundgebung in Südafrika


  • Unter http://www.bremen-memorial.org/ steht jetzt ein Bericht über die Protestkundgebung von gestern im Netz. Die südafrikanischen Homeschooler entfalten eine große Aktivität, um uns zu helfen, haben den deutschem Botschafter kontaktiert, eben diese extra Seite für uns angelegt und wollen sich nicht nur an die politischen Entscheidungsträger wenden, sondern auch an international tätige Firmen, die in Südafrika und Deutschland vertreten sind und ein Interesse daran haben, dass südafrikanische Mitarbeiter, die ihre Kinder frei bilden, bereit sind, auch mal eine Zeit in Deutschland zu arbeiten, ohne gleich das Sorgerecht zu riskieren.
  • Im Telefongespräch teilte mir der Vorsitzende der südafrikanischen Homeschooler-Association Bouwe van der Eems mit, dass es in Südafrika geschätzte 50.000-100.000 Homeschooler gibt - da sie nicht registriert werden, weiß das niemand so genau. Unter dem Apartheid-Regime war Homeschooling verboten, von Nelson Mandela wurde es dann 1996 erlaubt. Auf der Homepage kann man auch eine Petition unterschreiben. Toll!
  • Wir geraten derweil in den ganz normalen Adventsstress - Moritz muss zu den Proben und Weihnachtskonzerten seines Blechbläserorchersters (und zu den vorweihnachtlichen Fußballevents), Thomas zu den Weihnachtsaktivitäten des Knabenchores , Tilman hat ständig Domchorproben, und ich bin mit der Bassflöte in Bremen-Nord unterwegs.
  • Am Donnerstag hat Thomas beim Bürgermeister gesungen und war prompt in der Zeitung zu sehen. "Mama, ich hab mir das ganz anders vorgestellt, ich dachte, wir singen da so auf dem Flur für den Bürgermeister in seinem Büro, aber es war ein großer Saal mit ganz viel Publikum." Moritz hatte Thomas empfohlen, den Bürgermeister doch mal darauf anzusprechen, dass er ihm und seinem Bruder das freie Lernen erlauben soll - "aber das ging nicht, Moritz, der hat nach dem Singen nur gesagt "Das war Spitze", und dann mussten wir wieder rausgehen." (Stille Erleichterung bei Muttern, denn aus Zeitgründen war Thomas zwar mit vorschriftsmäßigem weißem Hemd, aber ungekämmt und ungewaschen mit Jeans losgestürzt, und eine hilfreiche Seele beim Chor hatte eine viel zu große, umgekrempelte schwarze Hose aus dem Fundus mangels Gürtel mit einem Damennylonstrumpf an ihm befestigt - schon besser, wenn er in dieser Aufmachung nicht mit dem Bürgermeister diskutiert!)
Auf dem Bild ist er das rechte Kind mit Stirnband und langen Haaren ("langhaarige Strupel" schrieb eine Dame in einer der weniger freundlichen Mails, die uns nach der letzten Sterntv-Sendung erreichten).

  • Heute vormittag waren die Kinder und ich gerade mitten im Plätzchenbacken, als Tilman merkte, dass Moritz eigentlich schon seit 1 Stunde bei einem Freundschaftsturnier seiner Fußballmannschaft gebraucht wurde, uff, schnell schnell. Morgen ist Moritz schon wieder beim Fußball, Thomas muss zum Chor - wie schaffen das bloß die Kinder, die zur Schule gehen?
  • Aber wir erleben es ja bei unseren Freunden und Chorkollegen - bei denen, die es schaffen, wirbelt meist im Hintergrund eine motorisierte Vollzeitmutter mit Managmentqualitäten und Hausaufgabenbegabung, und sie haben kaum je Zeit, um einfach nur so frei zu spielen. Ob das die heimliche Ursache für die in Deutschland so extreme Kopplung zwischen Bildungserfolg und Sozialstatus der Eltern ist?