Mittwoch, 12. Dezember 2007

Noch 7 Tage bis zu den Weihnachtsferien...

  • Wir ermuntern die Kinder, aus diesen paar Tagen das Beste zu machen und sich so gut es geht auf die Schule einzulassen. Das gelingt Thomas, der ja nur wenige Wochen seines Lebens in einer Schule war, mit mehr Gelassenheit als Moritz. Thomas klagt eigentlich nur über Langeweile ("wir machen so wenig Unterricht! Und ständig sind Pausen oder Frühstück oder im Kreis sitzen und reden. Und dann liest sie vor und wir müssen sagen, was dringestanden hat, das ist soo langweilig! Und dann mussten wir auf Arbeitsblättern beantworten, ob man mit einem Bus a) fahren, b) fliegen oder c) zeichnen kann und solche Sachen, Mama, in der 3. Klasse!! Für wie blöd halten die uns eigentlich?") und Brutalität ("Mama, ich kann da gar nicht hinschauen und denk dann immer nur, wo bin ich hier bloß gelandet!") Er berichtete gestern, er habe von 26 Rechenaufgaben alle richtig gehabt, und erzählte fasziniert von einem kleinen Mitschüler namens René, der die ganze Zeit stört, Sachen kaputtmacht und Kinder angreift, auch ihn ("aber Max und Elias haben mir geholfen").
  • Moritz empfindet den Druck der Klassenkameraden stärker, er muss jetzt morgens genau überlegen, was er anziehen kann, ohne ausgelacht zu werden (seine vielen fröhlich-roten Pullover zum Beispiel gehen offenbar gar nicht, und hinreichend unansehnliche dunkle Kapuzensweatshirts mit Aufdruck hat er nur eins, da reibt er jetzt morgens die Flecken heraus, um es wieder anziehen zu können).
  • Im Rechentest war er wieder Zweitbester der Jahrgänge 5+6 und merkt, dass er durch seine fehlende Schreibübung gehandicapt ist, weil er einfach länger braucht, um die Zahlen hinzuschreiben. ("Ich hab alle Aufgaben gerechnet, aber in 8 Minuten, der Beste war nach 3 Minuten fertig!") In Englisch kennt er die verlangten Vokabeln nicht ("Mama! Alle Wörter beziehen sich nur auf die Schule! Schreibetui, Tafel, Kreide, Füller, Schreibheft und sowas! " Oje, die kenn selbst ich als professionelle Übersetzerin nicht alle auf Anhieb. Kommt halt im richtigen Leben selten vor.) und ärgert sich, dass seine Fähigkeit, Sätze zu verstehen ihm nichts nützt, sondern es nur um die Vokabeln geht. Wir versuchen, ihm klarzumachen, dass er nicht der Beste sein muss und es doch klar ist, dass er diese Vokabeln halt jetzt nicht kennt, aber er ist ehrgeizig und will zeigen, dass er als Freilerner nicht blöd ist.
  • Heute morgen wollte Moritz zunächst nicht frühstücken. "Um 9 ist in der Schule schon wieder Frühstück, und dann habe ich einfach noch keinen Hunger wieder. Aber wenn sie immer sehen, dass ich nichts zum Frühstück esse, denken sie bestimmt, ich bin doch magersüchtig, und dann nehmen sie uns das Sorgerecht weg..." Die Verdächtigung des Sportlehrers, er sei magersüchtig, hat ihn offenbar nachhaltig beeindruckt. Wir konnten ihn aber beruhigen, so dass er dann doch was aß.
  • Beide Kinder jammern, weil nach der Schule ruckzuck schon Abend ist und sie kaum dazu kommen, ihre eigentlichen Projekte weiterzuverfolgen. Sie zählen die (Schul-)Tage bis zu den Ferien. Wir auch.

Kommentare:

Anitz hat gesagt…

Ich lese gerne von euren Berichten hier und hoffe es geht alles gut.

Wir haben vor im Frühjahr die Kinder von der Schule zu befreien, um für 5 Monate nach Kanada zu gehen... Da komme ich her und ich habe dort einiges was noch persönlich erledigt werden muss.

Ich bange, denn die Schule verlangt, daß die Kinder nur befreit werden, wenn ich einen Stempel, Anschrift usw. von eine Schule in Kanada habe, wo sie angemeldet sind.

Und ich dachte: Vielleicht lässt die Schule (hier) auf eine Art privates Fernschule ein (also die momentane Lehrer begleiten das Kind während der Auslandsaufenthalt). Als Ersatz hätte ich die Deutsche Fernschule oder ILS vorgeschlagen. Aber puste Kuchen. Ihr ahnt es schon:

Das Kind muß in irgendein Schulgebäude sitzen. Drei Monate lang.

Mir wurde der Grund genannt: Das Kind ist in der Orientierungsphase (5. Klasse) und wir mussen sichergehen, daß es weiter kommt.

Auf meine Gegenfrage: Wie wollen wir sicher gehen, daß die örtliche Schule den gleichen Stoff durchgeht in diesen Zeitrahmen? Konnte mir kein geeignete Anwort gegeben werden.

Dann sind sie doch auf meine Frage angesprungen: Das stimmt, vielleicht kann dieses Kind nicht mit der Familie mitreisen, da nicht gewährleistet werden kann, dass es schulisch mitkommt.

Das Gespräch war zu Ende bevor ich solche Fragen stellen konnte, z.B.:

Welchen Grund hätte es, das Kind in der Englischsprachige Schule zu schicken, wenn man nicht gewährleisten kann, daß es den geeigneten Stoff dort lernt?
Etwa um Englisch zu lernen? Dazu hätte ich von der Schule gewusst, wieviel Englisch sie meine Tocher bis jetzt beigebracht hat... denn sie liest Romane auf Englisch, und das nicht weil sie auf einmal Englischunterricht hat!

Oh, Moritz, ich kann dich gut verstehen. Meine Tocher hat alles mögliche an Vokabeln in Englisch gelernt... ich übrigens auch. Bis dieses Jahr wusste ich nicht, was ein Brio ist, was ein Form ist... Und ich bin englisch Muttersprachlerin!

Lernt weiter! Auch (und vor allem) ohne Schule)! Und alles gute!

Dagmar Neubronner hat gesagt…

Hallo Anitz,
und Clonlara funktoniert auch nicht? Ich weiß allerdings von Stefanie Mohsennia, dass ihr Sohn in den letzten Wochen (!) vor der Emigration hier zur Schule gehen sollte, obwohl er schon in Kanada angemeldet war und nur noch als Tourist mit Reisepass hier in Deutschland war. Vielleicht kann sie dir weiterhelfen? www.leben-ohne-schule.de

Anitz hat gesagt…

Danke für den Tipp, ich schaue jetzt nach!!!

Solé hat gesagt…

Hallo Anitz,

warum meldest du dich für die Zeit nicht einfach aus Deutschland ab? oder nur deine Tochter, sie könnte bei einer Freundin oder Verwandte in Kanada angemeldet werden. Solange sie hier nicht angemeldet ist, braucht auch niemand irgendwas nachweisen. Danach meldest du sie in der Schule einfach wieder an, wenn sie wieder in Deutschland ist.

Grüße
Johanna

Anitz hat gesagt…

So einfach ist das nicht mit dem Abmelden... da hängen Visen usw. alles damit zusammen. Bis Dienstag möchte ich meinen Schreibsel an der Schule fertig haben, dann sehen wir, wie das weiter geht.
Zunächst soll die Schule mal antworten auf die Fragen geben, danach gibt es einen offiziellen Antrag auf Befreiung.
Steht noch so ziemlich alles in den Sternen, aber ich bin zuversichtlich, daß ich mit allen 5 Kindern nach Kanada reisen werde... Allerdings, wenn ich hier und anderswo lese...

Chili hat gesagt…

Das ist sehr seltsam, da lohnt sich vielleicht nochmal der Blick direkt ins Schulgesetz oder die Vorsprache beim Ministerium.
Ich habe neulich von einer Frau (sie ist beruflich öfter ein halbes Jahr im Ausland) die Information bekommen, dass die Schulpflicht angeblich nur dann greift, wenn man sich auf deutschem Boden befindet. Diese Information kam vom Kultusminister eines Landes (ich glaube, es war das Saarland, weiß es aber nicht mehr genau).
Ich hatte mir da also ganz gute Hoffnungen gemacht. *lach*

Haltet durch, Neubronners!
Ein Hoch auf die Jungs.

Anitz hat gesagt…

Darf ich hier etwas zu unsere Situation schreiben? Oben sagte ich, daß wir außerlandes reisen wollen und die Schule darauf besteht, daß die Kinder sich während der Schulzeit in einer Schulgebäude aufhalten...

Den ersten Brief an beide Rektorinnen ist diese Woche raus (noch keine Rückmeldung), worin ich die DF und ILS (siehe oben) als unsere bevozügte Schulersatz/möglichkeit erwähne und bitte um Stellungnahme.

Inzwischen habe ich eine hübsch von den Kanadischen Wälder an einer ruhigen See gelegene Schule die sowohl die Kinder als fulltime Schüler, parttime Schüler oder gar als Freundschaftshomeschool Schüler aufnehmen würde... also, vielleicht für die Schulen hier ein Kompromiss: DF/ILS plus part time Schüle?

Wenn das Ganze geklärt ist, dann blogge ich bei mir darüber. Wollte nur hier eine kleine Rückmeldung geben. Möchte nicht von den wunderbaren und manchmal zutiefst traurigen Beiträgen ablenken.

Frohe Weihnachten,
Anitz

Anonym hat gesagt…

Eine Familie, die Schwierigkeiten hat, 1500€ zu zahlen, lässt den Vater als Privatlehrer seiner Kinder ins Ausland reisen, wo er wahrscheinlich beruflich nicht arbeiten kann, da er mit dem Lehren seiner beiden Kinder (wie in Bremen?)voll beschäftigt ist. Wird er im EU-Ausland seine Kinder, da er doch wohl arbeiten und Geld verdienen muss, in eine dieser verhassten Schulen mit „Schulzwang“ schicken?
Ist der Hauptberuf des Vaters tatsächlich „Privatlehrer“? eine feine Sache z.B. auf den Kanarischen Inseln. - Welche Familie kann sich das leisten? In welcher Welt leben diese Leute, dass sie die Gesetze des Landes, in dem sie Bürger sind,auf dem Rücken ihrer massiv beeinflussten Kinder ändern wollen; und wenn das im Rahmen dieser gesetzlichen Vorgaben nicht gelingt, diesen Staat mit ihrer „Flucht“ „strafen“?