Donnerstag, 20. Dezember 2007

Vorletzter Schultag

  • Moritz hat wieder seinen Husten und seinen Stirnhöhlen-Dauerschmerz - es ist wie eine Erinnerung, ich hatte schon ganz vergessen gehabt, dass er früher, als er noch zur Schule ging, fast durchgängig gehustet hat. Er sieht bleich und elend aus. Gestern erzählte er Thomas von den tollen Witzen, die in der Schule auf seine Kosten gemacht werden: "Was macht ein Schulschwänzer zwischen lauter Kackwürsten im Klo? Er verteidigt sein Vaterland. - Was macht ein Schulschwänzer in der Kanalisation? Er sucht seine Freunde. - Was ist ein Schulschwänzer auf der Rutsche? Flitzkacke." Es ist wie im Lehrbuch zu sehen, dass er die Wahl hat, sich sein offenes Herz zu bewahren und unterzugehen oder "zuzumachen", ebenso cool zu werden. Natürlich könnte er diese Anpassungsleistung vollbringen, aber er will gar nicht so werden, es quält ihn, sich auf dieses Niveau zu begeben.
  • Dafür wollte Thomas gestern morgen nichts trinken. "Ich will da nicht aufs Klo gehen müssen!" Wieso nicht, was ist denn? "Wegen meiner langen Haare sagen sie, ich muss aufs Mädchenklo und darf bei ihnen nicht rein." Schon vor einigen Tagen wollte er SOFORT zum Friseur, um sich die Haare abschneiden zu lassen. "Mama, ich kann es nicht mehr ertragen, ständig meckern sie an meinen Haaren rum!" Sie sind die anderen Kinder. Komisch, auf der Waldorfschule gibt es mehrere Kinder mit langen Haaren, das sind wohl schulindividuelle Moden. Der jeweilige Anpassungsdruck scheint immens zu sein. Allerdings war das am Sonntag, und am Montag hatte Thomas sich schon überlegt, dass ja bald Weihnachten ist und er das jetzt noch durchhält.
  • Heute morgen erzählte Moritz mir, er habe scheußlich geträumt: "Ich ging durch die Stadt und verlor erst meine Jacke, dann meine Mütze, meine Handschuhe, sogar meine Schuhe. Dann lief ich da barfuß durch die Kälte und musste immer im Slalom den Kotze-Pfützen der anderen Leute ausweichen."
  • Abends, wenn wir den Tag besprechen ("Was war heute blöd? Was war schön? Schlecht gelungen? Gut gelungen? Und morgen?"), beklagen beide Kinder 1) die Brutalität der anderen Kinder 2) die Langeweile und 3) dass sie zu Hause nur noch so wenig Zeit haben. Thomas hat in den ersten zwei drei Tagen noch versucht, abends schnell ein bisschen an seinem aktuellen Comic weiterzumalen, aber inzwischen malt er nicht mehr - "Mama, in dem bisschen Zeit bis zum Abendbrot fällt mir nichts ein." Moritz berichtete, er habe in der Schule heimlich gelesen, drei Kapitel Tintenblut, nachdem er seine Englischvokabeln abgeschrieben hatte. Und die Deutscharbeit habe er wohl versägt, weil er von den grammatikalischen Bezeichnungen wie Komparativ und Superlativ und so weiter viele nicht kannte.
  • Beide Kinder sind ziemlich gereizt und aggressiv, auch untereinander. Offenbar müssen sie diese ganzen Äußerungen irgendwie loswerden und das eben auch mal alles sagen, in dem Tonfall und mit dem Ellenbogen dazu, besonders Moritz, der wohl mehr zu ertragen hat oder weniger Gelassenheit aufbringt. Meist kommt beim Abendbrot ein Punkt, wo einer von uns sagt: "Hallo, Schalter umlegen! Wir gehen hier anders miteinander um!"
  • Neulich sagte Thomas so nebenbei ohne besonderen Anlass zu mir: "Ey Alte, ich knall dich ab!" Ich schaute verblüfft, und er schaute auch ganz verwundert, was ihm da so aus dem Mund gefahren war. Dann lächelte er entschuldigend und sagte: "Ähm, Mama, weißt du, in der Schule muss man so sein. Wenn jetzt Ferien sind, sag ich sowas noch ein oder zwei Tage aus Versehen und dann nicht mehr."
  • Beide Kinder nehmen nach wie vor ihre Tischtennisschläger und einen Ball mit und treffen sich in den Pausen, um miteinander Tischtennis zu spielen, umlagert von vielen anderen Kindern, die auch spielen wollen, aber keine Schläger und Bälle haben. Anfangs haben Moritz und Thomas den Bitten nachgegeben und die anderen spielen lassen, mussten aber feststellen, dass sie dann überhaupt nicht mehr selber spielen können, weil sie die Schläger erst zurückkriegen, wenn die Pause um ist. Wie sie es jetzt machen, weiß ich gar nicht.
  • Insgesamt ist der Lerneffekt sehr hoch, nur, ebenfalls wie im Lehrbuch, die Lehrer spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Der eigentliche Stoff hat mit Englisch, Deutsch, Mathe etc. nichts zu tun und wird von den Mitschülern vermittelt. Er lautet: "Du musst so sein wie die anderen, darfst nicht auffallen. Das Leben ist hart und brutal, was du denkst und fühlst, versteck lieber. Sei cool, sonst wirst du fertiggemacht."
  • Und das ist eine Modellschule, die uns von Anfang an durch die besonders freundliche Atmosphäre aufgefallen ist, bei der Kinder, die uns im Flur begegnen, freundlich-interessiert grüßen und bei der vieles viel besser läuft als anderswo. Ich vermute, dass Erwachsene nur einen winzigen Bruchteil dessen mitbekommen, was sich unter Schülern abspielt. Unter den Schülern, sowie sie unter sich sind, etabliert sich der kleinste gemeinsame Nenner dessen, was viele Kinder offenbar zu Hause gelernt haben: Beschimpfungen, Drohungen und körperliche Gewalt.

Kommentare:

Angela&Olli hat gesagt…

Hi Dagmar,
bin schon vor einiger Zeit über dies Blog gestolpert und lese seitdem mit. Ich habe einen - ehemalig krebskranken - Jungen in der 3. Klasse.
Wenn Ihr Schule momentan - aus welchen Gründen auch immer - nicht vermeiden könnt, würde ich im neuen Jahr an Eurer Stelle mal einen oder ein paar Tage hospitieren. Gerade wenn Ihr schon so eine Modellschule habt, sind die Lehrer bestimmt kooperativ, eure Jungs zu integrieren. Und damit meine ich nicht, dass deine Jungs sich ändern sollen, sondern der Rest der (Schul-)welt....
Ich kenne Fälle, da sind ehemals schwerkranke Kinder ganz toll wieder aufgenommen worden und über lange Zeit liebevoll begleitet worden.
Vielleicht könntest Du ja auch mal einen Tag in die Schule gehen und in den entsprechenden Klassen berichten, wie Ihr zuhause normalerweise lernt. Oder Du bietest für Interessierte einen Homeschool-Saturday bei Euch zuhause an. Oder Ihr macht als Klassenausflug einen Homeschool-Bücherei-Ausflug, oder, oder, oder...
Pack den Stier bei den Hörnern oder gewinn im Lotto...
Gruss Angela

moca hat gesagt…

ich habe feuchte augen beim lesen bekommen.

verrückt was wir unseren kindern zumuten, tja und das sind die erwachsenen von morgen ...

am verrücktesten finde ich immer wieder, dass nur so wenige die zumutung überhaupt sehen. und die vorstellung, dass die meisten kinder, durch dieses system schule ohne sie wirklich unterstützende bezugspersonen durch müssen macht mich gruseln.


seufz, seufz...

hoffentlich habt ihr das bald hinter euch.

Anitz hat gesagt…

Wie Moca, habe ich feuchte Augen beim lesen bekommen.

Das ist traurig. Nur einzelne Lichtblicke bekomme ich inzwischen von unsere Schulen mit (3 Kinder auf 2 Schulen)... es macht mich traurig, wütend, und wildentbrannt meine Kinder noch mehr schützen zu wollen.

Heute las ich in unsere Tageszeitung, die beiden Schulen, wo meine Kinder eingeschrieben sind, sollen Ganztagsschulen werden. Müssen sie es dann dort DEN GANZEN TAG aushalten?

Der Gedanke ans Auswandern wird immer größer... leider denken meinen Mann und ich nicht gleich darüber.

Oh, haltet durch! Habt ihr schon Pläne fürs neue Schuljahr? Ich wünsche Euch, daß die Buben so lernen können, wie sie wollen.

Und fröhliche Weihnachten! Besinniliche Tage zusammen als Familie,
wünscht
Anitz

Anonym hat gesagt…

Was ich lange nicht wußte, auf dem Schulhof gelten die Gesetze, wie im richtigen Leben. Das bedeutet eigentlich, dass ihr Anzeige erstatten könntet. Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Verletzung der Aufsichtspflicht.
Lehrer ignorieren das leider (siehe Krapp, Pädagogische Psychologie Kapitel 6) und stufen das falsch ein. Nichtsdestoweniger sind das Verbrechen.
Ob euch das hilft und die Mobbingatmosphäre verbessert ist natürlich die andere Frage.
Wie sieht es eigentlich mit eurer Klage aus, Berufung, o.ä. ?

Anonym hat gesagt…

Liebe Neubronners,
ich bin ausgesprochen froh, dass es euch gibt, dass Ihr diesen Kampf für eure Söhne ausgefochten habt und damit für alle, die sich das nicht trauen, wie wir. Das Schulleid unserer Tochter liegt Monate zurück und ich habe die schlimmen Details schon ausgeblendet. Das merke ich an eurem Bericht "Vorletzter Schultag". Die neue Schule von M. (vierte Klasse) ist eine ganz andere Umgebung, nicht anders oder abgetrennt von unserem Alltag und sie muss zu Hause nicht aufgearbeitet werden. Kein Kind dort muss sich mit fremden Maßstäben messen lassen oder nach dem Gutdünken anderer dieses oder jenes lernen - was für ein Unsinn, etwas lernen zu sollen, wo doch schon bei Humboldt der Lernende Subjekt ist und nicht Objekt sein kann. Unser Kind ging zweieinhalb Jahre auf eine normale Grundschule, die wir Eltern ausgesucht haben, weil die Schule von außen betrachtet einen besseren Eindruck gemacht hat als die zugewiesene Grundschule. Auch ihre Selbstdarstellung ließ Besserers erhoffen. Die Schule wolle sich den Kindern anpassen und nicht umgekehrt die Kinder schulfähig machen - so stand es in einem Faltblatt. Wir wussten von anderen Eltern, dass Leistung nicht oberste Priorität hätte, dass zwei Lehrer in den Hauptfächern in einer Klasse unterrichten würde. So sah anfangs auch alles ganz gut aus: zwei nette Lehrerinnen in der ersten Klasse, zwei Jahre keine Hausaufgaben und keine Noten und ab der dritten Klasse Noten nur deshalb, weil das Niedersächs. Schulgesetz es forderte, eine Schulleiterin, die mit ihrem Kollegium den Film "Treibhäuser der Zukunft" gesehen hatte und bei der Einschulung auf mich so wirkte, als entschuldige sie sich beinah für die Schulpflicht und wolle mit unseren Kindern das Beste daraus machen. Die Schulleiterin ging leider im zweiten Schuljahr in Rente, so dass ich mich bei den ab da auftauchenden Problemen nicht mehr an sie wenden konnte, sondern mit den jüngeren Kolleginnen Vorlieb nehmen musste. Die alten Lehrerinnen an der Schule mussten wohl keine großen Anhängerinnen der verrenteten Schulleiterin gewesen sein, denn ich konnte sie, wenn ich auf dem Schulflur stand, im Klassenzimmer die Kinder anbrüllen und maßregeln hören. Die jungen hatten ihren Enthusiasmus, mit dem sie das Lehrerinnendasein vielleicht einmal angetreten hatten, schon wieder verloren. In der zweiten Klasse musste plötzlich vieles, wo ein Jahr zuvor den Eltern erklärt worden war, sie sollten ihre Kinder nur nicht unter Druck setzen, durchgedrückt werden. Aber schon das Herstellen einer "normalen" Schulatmosphäre rechtfertigte Disziplinierungsmaßnahmen: ein ernstes Wörtchen reden, das Bloßstellen eines Kindes vor der Klasse, Titulierungen, Platzverweise etc. Briefe an die Lehrerinnen brachten zutage, dass die Mathelehrerin doch in erster Linie Mathe unterrichten müsse und sich nicht mit den pädagogischen Feinheiten auseinandersetzen könne. Und die Klassenleiterin unterstellte uns, dass wir sinngemäß mit unserem frisch in unserer Ausbildung bzw. unserem Studium angelernten modischen Detail-Pseudo-Wissen rumprotzen würden. Dabei hatten wir einen wichtigen Gedanken von Alice Miller "ins Feld geführt". Dass wir A. Miller weder in der Ausbildung noch im Studium "gehabt" hatten, haben wir daraufhin gesagt, aber das kam bei der Lehrerin nicht an. Wie die Lehrerinnen ihre Schüler behandelten, wurde meinem Eindruck nach unter den Schülern weitergegeben. Anekdoten meiner Tochter belegen, wie sich Lehrerinnen der Hackordnung innerhalb einer Klasse bedienten, um Einzelne zu disziplinieren und/oder ihnen ihren Platz zuzuweisen. Wir haben unser Kind vor bestimmten Dingen schützen können, indem wir verbindlich darum gebeten haben, diese Dinge zu unterlassen. Am Ende gibt es aber viel mehr Dinge an so einer Schule, die wir nicht ändern können. Und wie sollte sich ein Kind dieser Schulatmosphäre entziehen können, diesem verglichen werden und gemessen werden zum Beispiel. Selbst wenn es schon im zweiten Schuljahr in der Lage wäre zu sagen, das sind fremde Maßstäbe, die nichts mit mir SELBST zu tun haben. Es ist ja z.B. auch ein Maßstab, dass man eine bestimmte Zeit lang fest auf einem bestimmten Stuhl an einem bestimmten Tisch sitzen muss, wo man nicht mal auf die Knie trommeln darf. Wie sollte sich ein Kind dieser realen Welt, auch wenn sie noch so verrückt ist, entziehen können? Unvermittelt kommt der Schluss.

Viele Grüße,

Ruth Sumpffuß und Guiki (undercover)

Phoenixe hat gesagt…

Hallo!

wir haben über Jahre Teenager betreut und per Fernschule zu Hause beschult, die absolute schulverweigerer und auch sonst ziemlich verhaltensoriginell waren. Ich fand ja meine Schulzeit schon von Stil und Inhalt her unmöglich, aber wie und was da an Lehrbüchern und Lehr inhalt verlangst wurde, hat mich täglich zum wilden Wahnsinn getrieben. Ich habe dann die Bücher so weit wie möglich weggelassen und meinen ganz eigenen Unterricht gemacht - lebendig, lustig, lebensbezogen. Jugendamt, eltern und alte Lehrer konnten es gar nicht fassen: die bösen, bösen Schulverweigerer haben allein an Allgemeinbildung die anderen bald in den Schatten gestellt und: als beste den Quali bestanden!!! Mir ist echt schleierhaft, wie man Kindern die Lust am Lernen so austreiben kann und so am Leben vorbei lehrt!! Mit unserer anderen Art Unterricht wurden unsere "Kids" auch viel lebenstüchtiger, konnten sich plötzlich viel eher verbal als handgreiflich wehren und haben einfach allgemein verinnerlicht, was man mit "Denken" alles machen kann. Ich war so stolz auf diese Werdewesen und ganz baff, was da entstanden ist.
Ach ja, auch für uns ist viel daraus entstanden: wir haben nämlich auch gemerkt, wie sehr Jugendlichen ein Übergangsritual fehlt, das ihnen hilft, aus den Kinderschuhen heraus ihren ganz eigenen Weg in die Erwachsenenwelt zu finden. wir machen das seit 2 Jahren mit Kids und es ist jedesmal unglaublich .... unglaublich anrührend und bewegend und vor allem etwas bewegend. Wir müssten in unserer Gesellschaftskultur und dem "Fahrplan" für unsere Jugendlichen echt eine Menge ändern!

Phoenixe hat gesagt…

Hallo!

wir haben über Jahre Teenager betreut und per Fernschule zu Hause beschult, die absolute schulverweigerer und auch sonst ziemlich verhaltensoriginell waren. Ich fand ja meine Schulzeit schon von Stil und Inhalt her unmöglich, aber wie und was da bei der Beschulung der Kids an Lehrbüchern und Lehrinhalt verlangt wurde, hat mich täglich zum wilden Wahnsinn getrieben. Ich habe dann die Bücher so weit wie möglich weggelassen und meinen ganz eigenen Unterricht gemacht - lebendig, lustig, lebensbezogen. Jugendamt, Eltern und alte Lehrer konnten es gar nicht fassen: die bösen, bösen Schulverweigerer haben allein an Allgemeinbildung die anderen bald in den Schatten gestellt und: als beste den Quali bestanden!!! Mir ist echt schleierhaft, wie man Kindern die Lust am Lernen so austreiben kann und so am Leben vorbei lehrt!! Mit unserer anderen Art Unterricht wurden unsere "Kids" auch viel lebenstüchtiger, konnten sich plötzlich viel eher verbal als handgreiflich wehren und haben einfach allgemein verinnerlicht, was man mit "Denken" alles machen kann. Ich war so stolz auf diese Werdewesen und ganz baff, was da entstanden ist.
Ach ja, auch für uns ist viel daraus entstanden: wir haben nämlich auch gemerkt, wie sehr Jugendlichen ein Übergangsritual fehlt, das ihnen hilft, aus den Kinderschuhen heraus ihren ganz eigenen Weg in die Erwachsenenwelt zu finden. wir machen das seit 2 Jahren mit vielen Kids und es ist jedesmal unglaublich .... unglaublich anrührend und bewegend und vor allem etwas bewegend. Wir müssten in unserer Gesellschaftskultur und dem "Fahrplan" für unsere Jugendlichen echt eine Menge ändern!

Jörg hat gesagt…

Es tut einem wirklich in der Seele weh mit ansehen zu müssen, was den Kindern dort in der Schule angetan wird. Diese Erlebnisse, die ihr hier schildert, bestätigen nur meinen Entschluß das meinen Kindern niemals antun zu müssen und wenn ich notfalls bis ans Ende der Welt auswandern müsste. Wir machen weiter - wenn nicht hier, dann woanders. Ich wünsche es Euch sehr, dass Eure Kinder bald aus dieser Zwangsjacke Schule wieder rauskommen.

Anonym hat gesagt…

Hi Neubronners,
I was shocked to read that your gorgeous children have been forced back into school.


The need for the German government to separate children from their parents was addressed by Frederick Douglass, the American run-away slave. The slaveholders in Maryland always took the one-year old slave away from its mother to destroy any natural affection the child and mother had for each other thus making the slaves easier to rule.

We see a similar grab for control by the German government in increasing schools to "all day" and forcing them in at age 6 months.

Maybe one state in Germany can become a "free state" and secede from the union?

carol wyper

ElisaMari hat gesagt…

Ich freue mich für und mit Euch und vor allem Euren Jungs, daß jetzt erstmal Weihnachtsferien sind. Ein Frohes Fest und viel Zeit zum Auf- und Durchatmen und Krafttanken wünscht Euch Neubronners

Elisabeth

ElisaMari hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Dagmar Neubronner hat gesagt…

Vielen Dank für die vielen konstruktiven, interessanten und bewegenden Kommentare! Nur so kann sich die Welt unserer Kinder zum Positiven ändern: indem lauter einzelne Menschen aus Einsicht in ihrem persönlichen Umfeld Dinge anders tun, viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten und so. Das ist besser und viel wirksamer (und macht viel mehr Spaß) als gegen "die da oben" zu kämpfen. Wie das funktioniert, wurde mir neulich im Weihnachtskonzert von Thomas' Knabenchor so deutlich: An den leisen Stellen hörte man von draußen den Lärm des ätzenden Weihnachtsmarkt-Rummels hereindringen. Der Gesang der Kinder erschien wie eine andere, viel schönere Welt. Wie schade wäre es gewesen, wenn diese Kinder, statt zu singen, in der gleichen Zeit mit Plakaten auf dem Weihnachtsmarkt gegen den Rummel protestiert hätten! Dann wären sie ein Teil des Rummels gewesen, so haben sie einfach etwas Schönes anderes getan und nicht nur selbst Freude gehabt, sondern Hunderten Zuhörern starke Eindrücke vermittelt.
Allerdings ist im Unterschied zum Freilernen Singen im Knabenchor nicht direkt verboten - wird aber durch die Einführung der Ganztagsschule immer schwieriger. Protest ist also nicht völlig überflüssig - nur darf uns das Protestieren nicht die Zeit und Kraft für das rauben, was wir eigentlich leben wollen.

Anonym hat gesagt…

Mich überrascht, wie wenig die Schreiberin reflektiert, was sie selbst und ihr Mann zu diesem Verhalten der Kinder beigetragen haben mögen. Die ständigen Hinweise auf die Besonderheit der Kinder, auf deren Begabungen, die impliziten Hinweise auf das Negative, was schulische Gemeinschaft auch beinhalten kann bleiben sicherlich nicht ohne Wirkung auf die Kinder. Sie werden indirekt in ihrer ablehnenden Haltung von den Eltern gesteuert.
Soll die vorgefundene Welt ganz neu erschaffen werden, bevor sie für diese Kinder taugt? Kinder in Fernsehsendungen für die pädagogischen Auffassungen der Eltern auftreten zu lassen, erscheint gerade in pädagogischer Hinsicht mehr als bedenklich.
Warum soll sich der Jüngere nicht zum Friseur begeben, wenn er sich dazu durch seine Klassenkameraden gedrängt fühlt? Gilt die Meinung anderer gar nichts? Warum wird der Junge, da er die Schule nicht nur schrecklich findet, nicht von seinen Eltern unterstützt, zur Schule zu gehen? Warum diese ständige Flucht des älteren Jungen in irgendwelche Krankheiten? Sind derartige Rückkopplungen, ist die Kenntnisnahme anderer Sichtweisen junger Menschen, der Mitschüler nämlich, nicht ein wesentlicher Einfluss auf die eigene allgemeine Sozialisation?
Wollen diese Eltern sogar das Land verlassen, das doch auch Heimat ihrer Kinder geworden ist? Geht es nur um die Vorstellungen dieser Eltern ohne Rücksicht auf die Verwurzelung ihrer Kinder in ihre jetzige Umgebung?
Diese Eltern mögen ihre Auffassungen gezielt weiterhin vertreten, kaum einer wird das anstößig oder gar unsinnig finden, aber nicht in dieser Form, nicht auf dem Rücken der gezielt eingesetzten Kinder.
Es wird Zeit, das wieder gutzumachen, was hier von Eltern an ihren Kindern fehlgesteuert wurde.
Hoffentlich ist es noch nicht zu spät für die Kinder.

giordano

Anonym hat gesagt…

Mich überrascht, wie wenig die Schreiberin reflektiert, was sie selbst und ihr Mann zu diesem Verhalten der Kinder beigetragen haben mögen. Die ständigen Hinweise auf die Besonderheit der Kinder, auf deren Begabungen, die impliziten Hinweise auf das Negative, was schulische Gemeinschaft auch beinhalten kann in all’ den häuslichen Gesprächen bleiben sicherlich nicht ohne Wirkung auf die Kinder. Sie werden zweifellos indirekt in ihrer ablehnenden Haltung von den Eltern gesteuert.
Soll die vorgefundene Welt ganz neu erschaffen werden, bevor sie für diese Kinder taugt? Kinder in Fernsehsendungen für die pädagogischen Auffassungen der Eltern auftreten zu lassen, erscheint gerade in pädagogischer Hinsicht mehr als bedenklich.
Warum soll sich der Jüngere nicht zum Friseur begeben, wenn er sich dazu durch seine Klassenkameraden gedrängt fühlt? Gilt die Meinung anderer gar nichts? Warum wird der Junge, da er die Schule nicht nur schrecklich findet, nicht von seinen Eltern unterstützt, zur Schule zu gehen? Warum diese ständige Flucht des älteren Jungen in irgendwelche Krankheiten? Sind derartige Rückkopplungen, ist die Kenntnisnahme anderer Sichtweisen junger Menschen, der Mitschüler nämlich, nicht ein wesentlicher Einfluss auf die eigene allgemeine Sozialisation?
Wollen diese Eltern sogar das Land verlassen, das doch auch Heimat ihrer Kinder geworden ist? Geht es nur um die Vorstellungen dieser Eltern ohne Rücksicht auf die Verwurzelung ihrer Kinder in ihre jetzige Umgebung?
Diese Eltern mögen ihre Auffassungen gezielt weiterhin vertreten, kaum einer wird das anstößig finden, aber nicht in dieser Form, nicht auf dem Rücken der gezielt eingesetzten Kinder.
Es wird Zeit, das wieder gutzumachen, was hier von Eltern an ihren Kindern fehlgesteuert wurde.
Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.

giordano

Anonym hat gesagt…

Hi Giordano,

It is a little difficult to crush the desire for freedom out of some people.
Other people seem to be pretty happy in a cage and cannot understand the need for anyone else to wish to unlock the door and get out (I am referring to, ummm, you.)
Carol

Wort Bild Gedanke hat gesagt…

Gute Nacht,

aber jetzt in den Schulferien geht uns hier 'mal wieder ein Licht nach dem anderen auf.

Die Lehrer (meist ja Damen) sind nett und auch auf unserer Linie, der Direx auch (der andere auch), alles in allem sind die Schulen nicht so schlecht, allerdings auch nicht so toll. Aber 'was immer ist, ist die Meute. Die gnadenlose Gleichmacherei der Demokratie gerade auch in der Schule - im staatlich verwesten Schulsystem. Prokrustes ist also auch der Patron der Schulen. Vor allem der Schulhöfe. Aber das kommt davon, wenn man unreife Gleichaltrige zusammenpfercht. Sie sind aus dem echten Lebenszusammenhang herausgerissen, beraubt um eine Lernumgebung mit Älteren und Reiferen, die ihr Ziel, ja Vorbild - wenigstens aber in irgendeiner Form - ihre Orientierung sein könnten. Und so leistet der Schulzwang den bildungshungrigen und wißbegierigen jungen Menschen, den verletzlichen Kindern, einen Bärendienst. Die wehen Spuren seiner Pranken verunstalten Millionen von Kindern immer wieder aufs neue - mit jedem weiteren Schultag. Grausam. Nicht immer. Aber allzuoft.

Das kann man ändern.

Stefan

Dagmar Neubronner hat gesagt…

Ganz genau, Stefan!
Die Gleichaltrigenorientierung ist das zentrale Problem in der Schule, wie es ja in dem tollen (etwas dicken) Buch "Unsere Kinder brauchen uns" von Gordon Neufeld genau erklärt wird. Und sie entsteht, weil viele Eltern ihre Kinder, meist ohne dass es ihnen klar ist, alleinlassen, ihnen nicht die Bindung geben, die sie brauchen und nicht dafür sorgen, dass Kinder sich an den Fremdbetreuungsorten wirklich geborgen fühlen. Unser Leben hat sich in den letzten 50 Jahren massivst verändert, und die instinktiven Bedürfnisse der Kinder sind dabei auf der Strecke geblieben, weil sie uns nicht bewusst waren. Jetzt lernen wir das als Gesellschaft auf dem mühsamen, schmerzlichen Weg bitterer Erfahrungen (Mobbing und Gewalt an den Schulen, sinkende Leistungsbereitschaft und -Fähigkeit der Kinder, Entfremdung, Beziehungslosigkeit, "Parallelgesellschaften" wildgewordener Jugendlicher, Amokläufe usw.)
Wirklich praktizierte Jahrgangsmischung hilft schon ein bisschen - am natürlichsten ist es, wenn Kinder einfach normal im "Rudel" aus Erwachsenen und Kindern verschiedensten Alters aufwachsen dürfen, gemäß der afrikanischen Weisheit "Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf". Dieses Bindungsdorf haben wir meist nicht mehr, wir müssen es bewusst herstellen. Wie gesagt, schlag nach bei Neufeld.
Und noch etwas tritt zu Tage: Unsere Erwachsenenwelt ist so scheußlich geworden, dass Kinder normalerweise darin überhaupt keinen Platz haben. Würden sie ihre Kinder an ihren Arbeitsplatz mitnehmen, würde den meisten Menschen erst bewusst, wie stressig, entfremdet, gehetzt und freudlos ihr Alltag ist, wie hässlich und gefährlich. Wir haben uns in einem Spiel von Technik, Effizienz, Geld, Karriere, Konsum, Geschwindigkeit usw. verirrt und wollen dieses Spiel ungestört spielen, wie Computerjunkies. Also schieben wir die Kinder immer früher in Anstalten aller Art ab. Die Kinder wollen aber uns, als lebendige Wesen.

Gaby hat gesagt…

Hallo Dagmar,
beim Lesen sind auch in mir viele Erinnerungen wach geworden -- meine Kinder gingen vor langer Zeit auch in diese Schule. Ich erinnere mich genau, wie entsetzt sie waren, dass auf dem Schulhof Prügeleien an der Tagesordnung waren, vom Umgangston ganz zu schweigen. Als ich fragte, ob keine Pausenaufsicht da ist, die sie um Hilfe bitten könnten, wenn sie so etwas sehen, antworteten sie: "Aber Mami, die interessiert das doch gar nicht. Sie sagen immer: 'Ach....., das ist ja nicht so schlimm, das müssen die auch alleine hinbekommen.'" So. Und heute beklagt unsere Gesellschaft, dass wir ein Volk der "Weggucker" sind. Ja, es wird ihnen, den kleinen Menschen, ja auch früh vorgelebt. Es ist schwierig junge Menschen immer wieder zu motivieren nicht wegzuschauen, auch wenn sie erfahren haben, dass es oft vergeblich war /ist.
Gruß, Gaby