Freitag, 20. April 2007

Thomas entdeckt den Comic-Zeichenkurs

Heute hat Thomas zum ersten Mal an einem Comiczeichenkurs der "Freien Kunstschule" teilgenommen. Tilman hatte die Ankündigung in der Briefkastenzeitung entdeckt, und Thomas war sofort begeistert von diesem Angebot. Zwar war der Kurs für 12-17jährige ausgeschrieben, under wird erst acht, aber der Künstler hat ihn gern genommen, ohne viel nachzufragen - so groß war den Andrang wohl nicht, außer Thomas zeichnen noch 1 Junge und 3 Mädchen im "richtigen" Alter mit.
Ich brachte ihn hin, und mir gefiel gleich sehr gut, dass der Kursleiter Thomas ohne großes Getue wie eine eigenständige Person behandelte und mit ihm sprach und nicht mit mir über meinen Sohn hinweg. Auch als ich Thomas dann zwei Stunden später wieder abholte, berichtete er mir nicht gleich augenzwinkernd, wie Thomas sich gemacht hatte, sondern redete mit mir über das, was mich anging - das Geld - und mit Thomas über seine Arbeit. Thomas hat die ganzen zwei Stunden an einem einzigen Bild gemalt (Donald Duck) und berichtete mir gleich begeistert von einigen der "Tricks", die er gelernt hatte: Um Rundung (z.B. beim Bauch) darzustellen, am Rand dunkler, der Mitte zu heller ausmalen. Er ist fest entschlossen, wiederzukommen, und bedauert heute schon, dass er nächste Woche den Kurs versäumen wird, weil wir zum Internationalen Homeschool-Kolloquium nach Burg Rothenfels fahren.
Tilman war derweil mit Moritz beim Posaunenunterricht, und weil er da eh meist wartet, weil es sich nicht lohnt heimzufahren, hat er jetzt mal ausprobiert, selbst Horn zu spielen. Moritz ist selig.
Übrigens fragte gestern die nette Journalistin, ob uns denn nicht etwas fehlen würde, wenn wir so unser ganzes Leben auf die Kinder ausrichten würden. Wir waren baff. Erstens sind wir gern mit unseren Kindern zusammen, und zweitens machen wir durchaus noch viele Sachen "für uns". Wir singen in zwei Chören, (einer davon regelmäßig jede Woche mindestens einmal mit ca. 10-12 Konzerten im Jahr!), der andere überregional), ich spiele in einem Blockflötenensemble Bassflöte und fahre mehrmals jährlich zu therapeutischen Fortbildungsseminaren, die mir sehr gut tun, wir arbeiten im Garten, treffen uns einzeln und gemeinsam mit Freunden und Freundinnen, empfangen Gäste und halten regen Großfamilien-Kontakt mit unseren Eltern, Geschwistern, Neffen und Nichten und so weiter - wir sind nicht der Typ Eltern, die außer ihren Kindern überhaupt nichts mehr haben im Leben. Kino und Konzerte besuchen wir allerdings selten, weil wir alle unsere Babysitter-Kapazitäten für die Chorproben und Konzerte verballern.
Die Zeit dafür sparen wir nicht bei unseren Kindern, sondern beim Fernsehen - wir haben all die Jahre, seit wir Kinder haben, ohne Fernseher gelebt. Jetzt soll ein "Mediacenter" angeschafft werden, wo wir gemütlich im Wohnzimmer (und nicht mehr nur im Büro) DVDs anschauen können, die Kinder ihr aktuelles PC-Spiel (derzeit FIFA WM 2006) und Lernprogramme spielen können, ohne uns zu nerven. Irgendwann, wenn wir uns auch noch eine Satellitenschüssel angeschafft haben, wird dann auch Fernsehen möglich sein.
So sparen wir jeden Tag 3.5 Stunden (das ist der durchschnittliche derzeitige Fernsehkonsum in Deutschland) - genug, um das Leben mit unseren Kindern zu genießen und trotzdem noch ein "erwachsenes" Eigenleben mit intensiven Hobbys zu führen.
Und noch etwas tun wir nicht: Wir gehen nicht shoppen.
Das spart nicht nur Zeit,. sondern auch noch Geld, und wir können es uns leisten, mit wenig Einkommen wunderbar zu leben.
Übrigens leben wir so nicht aus ideologischen prinzipiellen Erwägungen heraus. Es hat sich einfach so ergeben, weil es das Leben ist, das uns am meisten Freude macht.