Donnerstag, 20. September 2007

Zwangsgeld festgesetzt!

  • Gestern kamen wieder zwei der aufregenden gelben Briefumschläge - förmliche Zustellung! Was unser Postbote sich wohl so denkt? Wir lasen und lachten - das Zwangsgeld ist jetzt festgesetzt worden, und toll, sie haben die Summe halbiert. Nach ganz genauem Lesen merkten wir, dass uns sogar nur ein Viertel der angedrohten Summe von 6000 € abverlangt werden, um uns zu "beugen". Der Beamte vermutet im Anschreiben, dass uns das angesichts unserer finanziellen Verhältnisse weh genug tut, und recht hat er. 1500 € sind ein Monat Leben für uns, mit allem. Das Zwangsgeld ist von "existenzvernichtend" auf "existenzgefährdend" herabgestuft worden. Und wie sie es uns wohl abnehmen werden? Das Kindergeld einbehalten? Unser Geschäftskonto pfänden? Das Auto wegnehmen? (Es ist gerade gestern durch den TÜV gekommen). Die Maßnahme dient, so schreibt der Beamte, "dem überwiegenden Wohl Ihrer Kinder". Wenn wir gezwungen sind, ins Ausland zu gehen, um unsere Existenz zu retten, müssen die Kinder ihre Freunde, ihre Sportvereine, ihre Instrumentallehrer, ihre zahlreichen Verwandten inklusive Großeltern, ihren geliebten Garten - ihr Zuhause, vielleicht sogar ihren Kater Schnurr zurücklassen. Und das, wo sie nachweislich (per Zeugnis!) bestens versorgt und gebildet sind, während gleichzeitig Tausende von Kindern in Bremen jahrelang vernachlässigt und ohne Bildungschancen der Schule fernbleiben. Für uns klingt "Wohl der Kinder" wie Hohn. Allerdings haben unsere Kinder sofort die Konsequenzen gezoge und erklärt, dass sie, wenn es sowieso nichts gegen das Zwangsgeld nützt, jetzt auch nicht mehr zu einzelnen Schulstunden gehen werden.
  • Vergnügt hocken Moritz und Thomas heute morgen auf dem Bett und erzählen sich selbsterfundene Geschichten, sie spinnen da ihre eigenen Welt. Ich höre da eigentlich nie zu, jetzt gehe ich mal kurz an die Tür: "Du hast gerade eine halbe Milliarde ausgegeben, um in der Sahara Bäume zu pflanzen, um die ganzen Arbeiter anzustellen, damit in der Sahara wieder Bäume wachsen." Ich bin betroffen und gerührt. Was hab ich denn gedacht? Ich hab gedacht, sie erzählen sich da "irgendwelchen Blödsinn" halt. (2 Minuten später gehe ich nochmal hin: Thomas erzählt gerade, wie er sich ganz viele Comicgeschichten ausdenkt und Leute hat, die das alles für ihn zeichnen, und er ganz viel Geld verdient. Moritz: "Aber Mama hat noch mehr, denn ihr gehört ja der ganze Wolkenkratzer! Und Papa ist Erster Vorsitzender.") Also doch nicht nur Edelmut pur, das ist erleichternd, und ich höre lieber nicht weiter zu. Eure Kinder wohnen im Haus von Morgen, zu dem ihr keinen Zugang habt, nicht einmal in euren Träumen... (Khalil Gibran)