Sonntag, 23. Dezember 2007

Endlich Ferien

  • Als die Kinder am Freitag mittag nach Hause kamen, brachen sie mit Öffnen der Haustür in einen minutenlangen Jubel-Schrei-Tanz aus. Danach geisterten sie eine Viertelstunde etwas ziellos durchs Haus und konnten sich gar nicht recht entscheiden, was sie mit der wiedergewonnenen Selbstbestimmung über ihre Zeit zuerst anfangen sollten. SimsCity-Städteplanung spielen? Die neue Erweiterung zum Gesellschaftsspiel "Siedler von Catan?" Fußballspielen im Garten? Oder auf der Straße? Oder auf dem Fußballplatz? Oder lesen? Oder gleich zu Freund K. rüber?
  • Sie entschieden sich dann für Fußball, und eine Stunde später brachten wir sie samt Bettdecken zu ihrem Freund, weil wir den Rest des Nachmittags und Abends mit unserem letzten Konzert vor Weihnachten abwesend waren. Moritz wurde dann von einem Mit-Posaunisten abgeholt zur letzten Probe des Posaunenchores inklusive Weihnachtsfeier. Um 22.30 kam er zeitgleich mit uns strahlend nach Hause - er hatte sich am üppigen Buffet gelabt, mit seinem eigenen Salatbeitrag Lob geerntet und die meiste Zeit mit zwei anderen Kindern in einem Nebenraum mit einem alten Portemonnaie Fußball gespielt. "Die sind so nett, Mama, und stell dir vor, ich habe sie neulich beim Fußballturnier auch getroffen, wir spielen im selben Verein, aber sie sind schon 13 und 15!"
  • Die Mutter dieser Kinder kommt aus Togo, im Frühling ist der Posaunenchor, leider ohne Moritz, nach Togo gefahren, und Moritz brennt darauf, beim nächsten Mal mitkommen zu dürfen. So viel zum Thema Integration und gelebte "Toleranz", die unsere Kinder angeblich ja nur in der Schule lernen können. (Moritz würde allerdings gar nicht verstehen, was ich meine, wenn ich ihm was von Toleranz erzählen würde. Wenn man zusammen aus freien Stücken Posaune und Fußball spielt, ist keinerlei Toleranz für andere Hautfarbe oder "Migrationshintergrund" erforderlich, höchstens für falsche Töne ;-))
  • Wir brachten ihn dann noch zu Freund K., am Samstag vormittag kehrten die Beiden vergnügt von dort zurück. Moritz hustet zwar noch wüst (nach fast zwei Jahren ohne Husten...), aber das aggressive Gemache haben sie schon fast ganz wieder abgelegt. Heute vormittag hörte ich mit, wie Moritz mit Thomas "verdoppeln" übte, ausgehend von 1. Bei der Verdoppelung von 2048 brauchte Thomas eine Weile und mehrere falsche Ergebnisse, aber Moritz sagte jedes Mal nur freundlich "Nein, aber schon fast richtig!" Ich hätte nie so viel Geduld gehabt, es dauerte Minuten der knirschenden Stille, bis Thomas mit "4096" herausrückte. Einfach nur so, aus Spaß.
  • Einen Vorteil hat die Schule gehabt: Thomas hat kleine Weihnachtsgeschenke (Bilder) für alle diesbezüglich relevanten Verwandten produziert. allerdings hat er das sonst von zu Hause aus auch getan. Moritz hat statt dessen heute die ja überwiegend von ihm gebackenen Weihnachtsplätzchen schön eingepackt. Seine Lehrerin hat ihm übrigens am letzten Tag gesagt, sie sei zufällig auf den Blog seiner Mutter gestoßen und was da berichtet werde über seine Schulerlebnisse, könne gar nicht stimmen, "so etwas" würden ihre Kinder nie tun. Diese Reaktion kann ich gut verstehen, aber Kinder untereinander sind wirklich eine Welt für sich, in dem Buch "Unsere Kinder brauchen uns" von Gordon Neufeld wird das bestens erklärt. Dort wird eine Geschichte berichtet, bei der 1997 die vierzehnjährige Reena Virk in British Columbia (Kanada) von ihren gleichaltrigen Schulkameradinnen misshandelt und ertränkt wurde, während zahlreiche andere Jugendliche tatenlos zusahen. Tagelang erfuhr kein Erwachsener von diesem Mord, und niemand hätte diesen eigentlich ganz normalen Teenagern etwas so Entsetzliches zugetraut.
  • Morgen werden wir zuerst gemeinsam den Weihnachtsbaum schmücken, den Tilman und die Kinder in einem Garten hier in der Nähe ausgesucht und geschlagen haben (natürlich mit Erlaubnis und gegen Entgelt). Dann werden wir zuerst Thomas' Chorgesang im Weihnachtsgottesdienst lauschen und dann nahtlos Moritz zu seinem Posaunenchor-Weihnachtsgottesdienst bringen.
  • Und dann werde ich ein paar Tage offline gehen und erst Anfang Januar wieder hier schreiben. In dieser Zeit werden wir in aller Ruhe darüber beraten, wie es im nächsten Jahr weitergehen soll. Das tun in diesem Jahr viele Homeschoolfamilien, denn der von dem BGH-Urteil ausgelöste Druck macht sich bereits im Vorgehen einzelner Behörden bemerkbar. Gleichzeitig habe ich gestern erfahren, dass wohl demnächst in Kanada erstmals eine deutsche Homeschoolerfamilie aufgrund der Verfolgung durch die deutschen Behörden politisches Asyl erhalten wird. Ist das nicht peinlich und traurig für unser Land?