Freitag, 19. Dezember 2008

weihnachtswünsche

Ein Aufruf vom "Educating Germany"-Webring:

"Dear Friends,
I would like to write a post of all the christmas wishes that (ex-) German Homeschoolers/Freilerners have.
If you would like to reply to this message with your "wish" i will add it to the list with whatever name or pseudonym you want to use.
English or German.
For example:"My Christmas wish is for our fines to be dropped by the local authorities. Helga"
OR
"I wish our German governement would stop treating us like imbeciles and respect that we know how to raise and educate our own children. Helmut"
Please feel free to pass this request onto others that you know so that all the voices may be heard.
Thanks :)
Kinderlehrer "


"Liebe Freunde,

Ich möchte einen Beitrag über alle Weihnachtswünsche von (ehemaligen) deutschen Heimschülern/Freilernern schreiben.
Falls du auf diese Nachricht mit deinem "Wunsch" antworten möchtest, werde ich ihn der Liste hinzufügen - mit dem Namen oder Pseudonym deiner Wahl.
Englisch oder Deutsch.
Zum Beispiel: "Mein Weihnachtswunsch ist es, dass unsere Bussgelder von den Behörden erlassen werden. Helga."
ODER
"Ich wünsche mir, dass unsere deutsche Regierung aufhört, uns wie Idioten zu behandeln und respektiert, dass wir wissen, wie wir unsere Kinder aufzuziehen und zu unterrichten sind. Helmut"
Ihr könnt diese Anfrage gern an alle, die ihr kennt, weiterschicken, so dass alle Stimmen gehört werden können.
Danke :)
Kinderlehrer



Schickt eure Wünsche per EMail an Kinderlehrer.

Freitag, 12. Dezember 2008

homeschooler-stundenplan

heute mal etwas von einer in australien lebenden, deutschen familie - die 6-jährige tochter lernt zu hause. unbelastet von schulerfahrungen, weil sie gerade noch rechtzeitig umgesiedelt sind. in australien müssen homeschooling-familien sich registrieren lassen & einen stundenplan haben. der darf offenbar selbst zusammengestellt werden, aber sollte wohl schon befolgt werden. doch mit ein bisschen übung lassen sich nahezu alle tätigkeiten des alltags auf die schulfächer abbilden. ein paar beispiele?
- ein kuscheltier hat ein loch & muss genäht werden = handarbeit/werken
- gemeinsame gartenarbeit = schulgarten
- singen selbstausgedachter lieder im bad = musik
- besuche in der bibliothek, anhören von radiosendungen für kinder = englisch
- rennen, trampolin springen = sport

Samstag, 15. November 2008

Briefe schreiben

Was für eine ergiebige Tätigkeit ... vor ein paar Tagen kam ein Brief von C's Freundin aus Australien. Mit einer schönen Briefmarke drauf. Die wird aufgehoben für den Opa, der sich immer über neue Stücke für seine Sammlung freut. Heute soll nun der Brief beantwortet werden. Nach der Klärung des Formats - zuerst wollte sie eine Pferdekarte verschicken, hat sich dann aber für Bibi-und-Tina-Briefpapier, gefunden auf der entsprechenden Website, entschieden. Da sind ausser Pferden & Bildern der beiden Titelheldinnen auch Linien drauf. Auf denen entlang C dann sehr ordentlich, wenn auch nur für sie selbst lesbar, lange geschwungene Zeichenketten "geschrieben" hat. Ich durfte im Anschluss noch ein paar Zeilen in "meiner" Schrift ergänzen - Inhalte nach ihren Vorgaben natürlich. Über jeden Satz haben wir lange gesprochen. Ihre Vorstellungen dessen, worüber sie schreiben möchte, sind teilweise ganz andere als meine. Noch ein - sorgfältig ausgewähltes - Foto mit in den Umschlag, zukleben und adressieren. In Tasmanien sind sie jetzt - das ist die kleine Insel südlich vom australischen Festland. Ganz weit unten & rechts auf der Weltkarte - so ein weiter Weg. Am Montag werden wir den Brief zur Post bringen, damit er dann mit dem Flugzeug verschickt werden kann. Ich erinnere mich, vor vielen Jahren mal in der Sendung mit der Maus einen Beitrag über die Wege der Briefe gesehen zu haben. Ob ich den wohl noch als Podcast finden kann? Hm, leider nicht, jedenfalls nicht auf Anhieb. Schade, hätte jetzt gut gepasst.

Weil es das Briefpapier im 4er-Pack gab, hat C gleich noch 3 Briefe geschrieben, an andere pferdebegeisterte FreundInnen. Beim Adressieren der Briefe fallen C die Nachnamen auf. Die sie bei allen Kindern noch nicht kannte & sehr spannend findet. Bei jedem Kind gehen wir auch gleich durch, wie denn die Eltern dazu heissen. Warum haben manchmal alle denselben Nachnamen, manchmal nicht? Wieso hat eine der Mütter einen Doppelnamen? In einer Familie heissen alle - beide Elternteile & beide Kinder - unterschiedlich. 4 verschiedene Nachnamen für 4 Personen.

Wir bekleben dann noch die Umschläge - ich mit Briefmarken, C mit Pferdestickern - und ab gehts zum Briefkasten.

Montag, 3. November 2008

der weg zum lesen

c ist 3 jahre alt & vermutlich wird es noch eine ganze weile dauern, bis sie wirklich lesen & schreiben wird. aber - sensibilisiert durch die lektüre von u.a. olivier keller ("denn mein leben ist lernen") - beobachte ich gespannt ihre schritte auf dem weg in die welt der buchstaben. oder besser: der schriftzeichen. vor kurzem sassen wir im fitnesstudio unter dem in grossen blockbuchstaben an die wand gepinselten schriftzug "STARK!". c guckte eine weile und meinte dann: "mama, die haben das falsch gemacht; der punkt gehört doch eigentlich über den strich!". .... schon seit mehreren monaten möchte sie immer mal wieder, dass ich ihr buchstaben oder ziffern aufschreibe. oder ihr bei allen möglichen schriftzügen, denen wir so begegnen (ladenschilder, schilder im bus, worte in büchern/zeitungen/flyern usw), die einzelnen buchstaben und ziffern benenne. .... letzte woche fing sie an zu telefonieren. ich sollte ihr die nummern diktieren & zunächst auch noch zeigen, welche taste jeweils dazu gehört, sie hat dann gewählt. (dieses spiel haben wir relativ schnell auf ein spielzeug-telefon umgeleitet, weil sich zeigte, dass sie gar nicht mit den angerufenen reden wollte. es ging nur ums wählen.) .... heute auf einer autofahrt, bei der wir, wie häufig, ein hörspiel hörten: "in hörspiel kommt ein "s" vor, oder?" - "ja, genau". - "und ein i" - "ja" - "welche noch?" - das ganze dann noch mit ein paar anderen worten. ich glaube, in der grundschule nennen sie das 'lautieren'. ...

Samstag, 25. Oktober 2008

alltagsschnipsel

doch, wir sind am leben, im lande & es gibt diesen blog noch. das echte leben nimmt mich nur grad sehr in anspruch ... aber damit hier mal wieder was passiert, hier ein paar schnipsel aus dem alltag meiner freilernenden kinder:

- einkauf im bioladen, c probiert sich wie üblich durchs sortiment an obst, gemüse & grünzeug (sie betrachtet das immer als eine art all-you-can-eat-buffet). sie kennt alles was dort angeboten wird - im gegensatz zu mancher kassiererin, die nicht mal die rote bete identifizieren kann. vor dem laden stehen kräutertöpfe. c erkennt hier sofort die "fette henne", die sie diesen sommer von ihrer freundin p (6 jahre alt) kennengelernt hat. von der hat sie übrigens auch gelernt, den giftigen fingerhut sowie einige andere (essbare) pflanzen zu identifizieren.

- besagte freundin ist vor kurzem mit ihrer familie ausgewandert, nach australien - homeschoolers wellcome!
und hat damit, zwar schmerzlich vermisst, den flecken auf der weltkarte eine neue bedeutung gegeben. und den dimensionen der erde - 21 stunden flug, da staunte auch der grosse! anlass für fragen wie die, ob flugzeuge so lange durchfliegen (tun sie nicht), wo & wie oft sie zwischenlanden zum tanken usw ... ausserdem haben wir über die klimazonen, die landessprache, die dortige fauna und einiges mehr gesprochen.

- uns zieht es ja mehr nach mittelamerika. m ist allerdings noch nicht so begeistert von der aussicht auf eine ganz neue sprache (spanisch). seine englisch-kenntnisse hat er dank englischsprachiger spiele & internet im letzten jahr erkennbar erweitert. vokabeln hat er seit seiner schulzeit nicht mehr gelernt, damals auch nur äusserst widerwillig, und abfragen lassen wollte er sich da auch immer nur ungern. jetzt kam er plötzlich und bat darum, dass ich ihn "abfrage" - ich sollte irgendwelche worte nennen & er lieferte die englische übersetzung. hat ihm spass gemacht :) und er wusste mindestens 90%, konnte die worte sogar überwiegend richtig buchstabieren (auch das war seine idee, nicht etwa meine!)

- ein regennachmittag & zwei durchgebrannte glühbirnen (relativ spezielle) ... auf zu ikea. c will heute mal mit durch den verkaufsbereich laufen (normalerweise zieht sie es vor, im "smaland" zu bleiben). erste enttäuschung: es gibt keine leihbaren buggies mehr. also laufen. es gibt im markt mehrere spielstationen mit computerspielen mit touchscreeens (ausmalspiel, memories etc). an der ersten ist das spiel besetzt, an der zweiten defekt. c: "wenn wir keins mehr finden, hat sich die fahrt hierher gar nicht gelohnt" - aha, jetzt weiss ich endlich, weshalb wir hier sind ;)
aber der dritte computer ist frei & funktionstüchtig. ich suche mir einen platz auf dem fussboden & mache es mir mit meinem notizbuch gemütlich während c. voller begeisterung das ausmalspiel spielt. nach ca 20 minuten kommen 2 ältere mädchen (ca. 7-8 jahre alt) dazu. die mädchen spielen noch eine weile zusammen weiter, die grossen übernehmen zunächst die regie, beziehen aber c weiterhin mit ein. die lässt sich das zunächst gefallen, besteht dann nach einer weile doch auf ihren vorstellungen. die drei finden aber problemlos eine einigung. nachdem die anderen mädchen wieder weg sind, spielt c noch immer weiter, probiert jetzt auch die anderen spiele - memory, zeichnen mit den fingern, unterschiede suchen. sie ist total vertieft, insgesamt verbringen wir fast eine stunde dort.

... fortsetzung folgt

Mittwoch, 13. August 2008

Menschenverschmutzung

Schon Beckmann bekannte sich zu Schule: Soviel Schlechtes, daran kann man reifen.
Kann man nicht - und mag man nicht.
Wer mag schon Menschenverschmutzung.

Donnerstag, 31. Juli 2008

ein sommertag

unser gestriger tag war in weiten teilen ziemlich typisch dafür, wie wir jetzt im sommer unsere zeit verbringen:

c fragt gleich nach dem aufwachen, früh um 7, ob sie heute ins kinderhaus muss. meine antwort: "nein, du musst heute nicht" (zur erklärung: ich habe mein büro zwar bei uns im haus, aber mit der 3-jährigen c um mich herum klappt das konzentrierte arbeiten meist noch nicht so richtig gut & gelegentlich hab ich halt auch termine ausser haus ... naja, und im interesse der zu bezahlenden miete etc geht c halt an mehreren tagen in der woche ins kinderhaus, meistens geht sie auch gern, manchmal halt auf meine bitte hin. oft bleibt sie aber eben auch daheim ... und ich mache dann notfalls nachtschichten ;) ).
gestern jedenfalls hat sie sich dann entschieden, hier zu bleiben. da ich schon auf und am schreibtisch war, hat sie sich gleich ein paar stifte von mir geliehen & sich zum malen an ihren tisch gesetzt. nach dem frühstück will sie sich das video von lars, dem kleinen eisbären ansehen. da sind unmengen kurzer geschichten drauf. nach ca. 10 minuten ausschliesslichem gucken, holt sie sich ihre schminkfarben & beginnt, ihr gesicht zu bemalen. natürlich vor dem fernseher. als ich sie das nächste mal sehe, ist ihr gesicht komplett schwarz.

zwischendurch, so gegen 9, taucht auch m auf. ausgeschlafen. frühstück gibt es bei ihm immer erst später. er verzieht sich erstmal wieder an seine xbox & spielt eine runde. das nächste mal erscheint er mit der frage nach der flagge von turkmenistan ... beim online-spielen sind neben den namen der anderen spieler immer die landesflaggen zu sehen & da ist eine, die er für die von turkmenistan hält. ich weiss nicht auswändig, wie diese flagge aussieht, erinnere aber an unsere in der küche hängende weltkarte, auf der sämtliche flaggen abgebildet sind. m stellt fest, dass die fragliche flagge nicht die von turkmenistan ist. auf der suche nach der richtigen bleibt er an der israelitischen flagge hängen ... "der stern dadrauf sieht ja aus wie das satanische pentagramm???" "der davidsstern .. ?" ich bezweifle das & wir schauen gemeinsam im internet nach & stellen fest, dass das pentagramm doch ein bisschen anders aussieht, mit 5 zacken eben. dass das eigentlich auch schon aus dem namen (penta, griechisch, bedeutet fünf) zu hören ist. und das die bedeutung des zeichens je nach dem, wer es verwendet variiert - schutzzeichen vor bösen mächten oder grad das gegenteil. was der davidstern bedeutet, weiss m schon, darüber will er nichts mehr lesen.

anschliessend fahren wir alle gemeinsam einkaufen: zum supermarkt, wasser holen, &, weil unser schon recht betagter videorekorder allmählich aufgibt - nach einer halben stunde spätestens funktioniert er nicht mehr, wie c grade wieder feststellen muss - zum mediamarkt. wir suchen gemeinsam einen günstigen dvd-player aus. diskutieren noch darüber, ob wir den für 49 euro hier kaufen oder lieber einen ähnlichen für 35 euro bei amazon bestellen ... m stimmt für amazon, weil günstiger. ich gebe die versandkosten zu bedenken sowie die abwicklung im evtl reklamationsfall. c möchte vor allem möglichst bald die gestern aus der bücherhalle geliehenen filme sehen. schliesslich entscheiden wir uns für den kauf hier. m schaut sich danach bei den xbox-spielen um, c bei den kinderfilmen & hörspielen. wir kaufen noch zwei hörspiele aus den lieblingsreihen der beiden: für m eine folge der drei ???, für c bibi & tina, dann fahren wir wieder heim. wo sich beide erstmal zum hören in ihre zimmer verziehen & ich mich zum arbeiten ins büro.

nachmittags treffen c und ich mich mit freundinnen. die kinder dort sind erst 1 und 6 jahre alt, weswegen m es vorzieht, daheim zu bleiben. wir verbringen den nachmittag zum grössten teil im nsg boberg. die kinder fahren fahrrad bzw laufrad. c kann noch nicht selbst rad fahren, lässt sich aber von ihrer freundin auf deren rad ein bisschen schieben. unterwegs finden & naschen wir hagebutten, brombeeren, weiden- & lindenblätter, springkraut & eibenbeeren. bei letzteren muss man sehr vorsichtig sein - das fruchtfleisch der beeren ist das einzige an der eibe, was nicht giftig ist. die kerne darf man aber auf keinen fall mitessen und auch nicht reinbeissen, da sie wirklich SEHR giftig sind. dafür schmecken die beeren süss & lecker! springkraut ist lustig - kennt ihr das? die pflanze hat um die blüten herum mehrere sproßachsen mit verdickten enden, in denen die samen stecken. wenn sie reif sind, schleudern sie bei leichter berührung die samen aus. mit ein bisschen übung lassen die sich einfangen. sie sind auch essbar & sehr lecker! ausserdem klettern die mädchen auf bäumen herum, spielen im sand & auf einer wiese, sammeln äste, schneckenhäuser & ähnliche schätze. wir entdecken mauselöcher & kaninchenhöhlen & sehen sogar 2 rehe, die allerdings sehr schnell weglaufen. nach ein paar stunden geht es zurück zu unseren freunden nach hause. die mädchen duschen & spielen dort noch & nach einem gemeinsamen abendessen fahren c &ich gegen 9 uhr abends wieder nach hause.

m erwartet uns schon sehnsüchtig - er hat den nachmittag mit spielen, fernsehen & internet verbracht. nach gegenseitigem erzählen begleite ich c, die inzwischen sehr müde ist, ins bett. danach lesen m und ich gemeinsam, noch immer im letzten harry-potter-band ... wir lesen schon seit monaten darin, weil wir in letzter zeit so selten zeit zum lesen finden. zu anfang war das buch auch derart langweilig & zäh, dass wir immer nur kurze stücke gelesen haben. inzwischen ist es aber spannender geworden. so spannend sogar, dass m, als ich am ende des kapitels das vorlesen beende, tatsächlich selbst noch weiter liest, weil er nicht bis zum nächsten mal warten kann. bemerkenswert, denn normalerweise liest er nicht. höchstens comics oder im internet, aber keine bücher. bisher :)

Mittwoch, 9. Juli 2008

zahlenspiele

ich finde es grad spannend zu beobachten, wie c sich mit zahlen/zählen beschäftigt. sie zählt schon relativ sicher im bereich bis zu 10. momentan zeigt sie gern zahlen mit den fingern - 3 finger = "so bin ich". "mama, zeig mir 7", "zeig mir 17" ... immer öfter kommen dabei jetzt zahlen über 10, so dass ich unser beider hände benutzen muss zum zeigen. deshalb hab ich ihr jetzt unseren abakus gezeigt. der hat 5 stangen mit je 10 scheibchen, jeweils 5 gelbe & 5 rote. ich hab ihr gezeigt, dass das jeweils so viele sind wie finger an einer hand. das fand sie aber nicht so spannend & wollte dann nicht mehr "17" damit gezeigt bekommen, sondern lieber die scheibchen durchzählen. hat sie auch gemacht. die ersten zwei, drei stangen, 1 bis 10 gezählt. dann wurde es ihr wohl langweilig ... jedenfalls fragte sie sich laut "was kenne ich denn noch für zahlen?" & zählte in der nächsten reihe weiter: "1 2 40 70 22 17 30 ...."

Sonntag, 6. Juli 2008

70 Jahre Schulzwang

Pressemitteilung vom Netzwerk Bildungsfreiheit e.V. Nürnberg vom 4.7.2008

Frei lernt es sich besser

70 Jahre Schulzwang sind genug – ein Relikt hat sich überlebt

Als am 6. Juli 1938 die nationalsozialistische Führung unter Adolf Hitler und Reichsminister Dr. Rust in Berchtesgaden das Reichsschulpflichtgesetz unterzeichnete, konnte sie nicht ahnen, dass die wesentlichen Bestandteile dieses Gesetzes auch 70 Jahre danach noch ihre Gültigkeit haben würden. Mit dem Untergang des vermeintlich „tausendjährigen Reiches“ verschwanden zwar die meisten Gesetze und Verordnungen aus jener Zeit, der europaweit einmalige deutsche Schulzwang, der es dem Staat ermöglicht, Schüler mit Hilfe der Polizei und notfalls unter Einsatz von Gewalt der Schule zuzuführen, blieb unverändert. Die Schulgesetze der meisten Bundesländer übernahmen den Paragraphen fast wörtlich in ihre Gesetzgebung.

Der 6. Juli 1938 stellte eine historische Zäsur dar, waren doch bis zu diesem Tag auch schulfreie, alternative Bildungswege möglich und wurden, wenn auch in bescheidenem Maße, praktiziert. Obwohl 1717 in Preußen die Schulpflicht eingeführt wurde, konnte man in der Reichsverfassung vom 28.3.1849 noch lesen: „Der häusliche Unterricht unterliegt keiner Beschränkung“. Die bestehende Schulpflicht wurde bis 1938 immer im Sinne einer Unterrichtspflicht verstanden und ließ Ausnahmen zu. Die meisten demokratisch verfassten Staaten der Welt kennen daher bis heute keinen Schulzwang, sondern praktizieren eine Bildungspflicht, die Raum für eine Vielzahl von Alternativen bietet, wie Kinder heute lernen.

Der im Kern gewalttätige Schulzwang hat in Deutschland solch abstruse Blüten getrieben, dass 2007 die 15-jährige Tochter einer vorbildlichen Erlanger Familie zwangsweise mit einem Großaufgebot an Polizei und Jugendamt in die Psychiatrie verbracht wurde. Ihr Vergehen: Sie wurde zu Hause individuell unterrichtet und gefördert, statt weiter die öffentliche Schule zu besuchen, wo ihr das Lernen zunehmend Schwierigkeiten bereitete.
Die Akademikerfamilie Dudek aus dem hessischen Archfeld wird ihre Vorliebe für freie Bildungsformen in Kürze mit Gefängnis bezahlen müssen. Der älteste Sohn lernte zwar zu Hause so gut, dass er jetzt seinen Realschulabschluss als Klassenbester mit der Note 1,1 absolvierte, der Geist des Reichsschulpflichtgesetzes forderte jedoch seinen Tribut in Form von je 3 Monaten Haft für Vater und Mutter.
Andere Freilernerfamilien verlassen Deutschland und ihr gewohntes Umfeld, erfreuen sich aber nun der wiedergewonnen Freiheit in unseren europäischen Nachbarstaaten.

Dass eine Atmosphäre des Zwangs und Drucks kein nachhaltiges, erfolgreiches Lernen fördert, ist in der Fachwelt mittlerweile unumstritten. Dass deutsche Bildungspolitiker unter allen Umständen auf der Präsenz in einem Schulgebäude bestehen, obwohl Lernen an anderen Orten und anderen Umständen häufig mindestens genauso gut, wenn nicht besser gelingt, ist weder nachvollziehbar noch zeitgemäß.
Es ist an der Zeit, eindeutige Vorgaben des UN-Sonderbeauftragten Vernor Munoz umzusetzen, der bei seinem Besuch in Deutschland gefordert hatte, dass „Bildung nicht auf reine Schulanwesenheit reduziert werden darf“. Vielmehr seien „Fernlehrmethoden und Homeschooling .... gültige Optionen..., die unter bestimmten Umständen weiterentwickelt werden können.“

Das Netzwerk Bildungsfreiheit fordert den deutschen Schulzwang nach 70 Jahren endgültig zu beerdigen und die gesetzlichen Grundlagen dafür zu schaffen, dass vielfältige schulische und schulfreie Bildungswege möglich werden, die zueinander in Konkurrenz treten und sich gegenseitig bereichern. Wir halten Freiheit und Vielfalt anstelle von staatlichen Monopolen für den besten Ausweg aus der deutschen Bildungsmisere. Bundeskanzlerin Merkels Motto „Mehr Freiheit wagen“ sollte endlich auch für den Bildungsbereich gelten.

Das "Netzwerk Bildungsfreiheit" ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Organisationen, Elterninitiativen und Einzelpersonen, denen das Recht auf freien Zugang zur Bildung, freie Wahl und freie Gestaltung des individuellen persönlichen Bildungsweges unter Zuhilfenahme öffentlicher wie privat initiierter Ressourcen ein Anliegen ist.

Verantwortlich: Netzwerk Bildungsfreiheit e.V. Nürnberg – Kuratorium und Vorstand

Ansprechpartner für Rückfragen: Jörg Großelümern, Am Hahnengraben 8, 90592 Schwarzenbruck Telefon (0163) 162 7301, Telefax: (0721) 151 500 152, E-Mail: info@netzwerk-bildungsfreiheit.de Internet: www.netzwerk-bildungsfreiheit.de

Freitag, 4. Juli 2008

Leben und freies Lernen bei uns

Nachdem ich schon einige Beiträge gepostet habe, möchte ich mich nun auch vorstellen. Erst mal vielen lieben Dank an Cecilia für die Einladung, in diesem Blog mitzuschreiben. Das ehrt mich.

Ich lebe mit meinem Mann und unserem kleinen Sohn zusammen, der zur Zeit vierheinhalb Jahre alt ist. Als mein Sohn einige Monate alt war, stieß ich durch Zufall auf die Idee, Kinder zu Hause lernen zu lassen, ohne dass sie in die Schule gehen müssen. Für mich war dieses Konzept das, was ich in meinem Leben immer gesucht und nie gefunden hatte. Wir beschlossen, unserem Sohn diese Möglichkeit zu bieten.

Nun führt mein Sohn ein freies Leben zu Hause, ohne den Zwang, jeden Morgen früh aufzustehen und in den Kindergarten zu gehen. Wir treffen uns sehr oft mit anderen Menschen, Erwachsenen und Kindern, die zu hause lernen, und ich sehe, wie mein Sohn davon profitiert.

In dem Buch von Gordon Neufeld "Unsere Kinder brauchen uns" fand ich meine Gedanken und Befürchtungen bestätigt, die ich bezüglich des Kindergartens und der Schule schon immer hatte. Endlich hatte es jemand ausgeprochen und sogar wissenschaftich erforscht und dokumentiert. Dadurch habe ich gelernt, selbstbewusst zu meiner Entscheidung zu stehen und sie zu vertreten.

Mein Sohn hat sich sämtliche Buchstaben selber erarbeitet und ist kurz davor, lesen zu lernen. Er spielt gerne Lernspiele am Computer, wo er das Lesen und Rechnen üben kann. Wir gehen viel im Wald spazieren und er kennt viele Pflanzen, weiss welche essbar und welche giftig sind. Aber am allerliebsten spielt er mit allen Arten von Flugzeugen oder anderen Dingen, die fliegen können. Im Moment sind Luftballons aktuell. Er verbringt Stunden damit, sie aufzublasen und dann die Luft wieder herauszulassen, so dass die Luft wie eine Düse wirkt und der Ballon in wilden Loopings durch die Gegend fliegt.

Ich freue mich darauf, unsere kleinen Alltagsgeschichten hier zu posten und hoffe, dass sie auch für andere, an freiem Lernen interessierte Menschen interessant sind.

Alltagsgespräche oder "Bio, Medienwissenschaften, Physik"

Unterwegs im Auto von Hamburg nach Hannover. M und ich kommen irgendwie auf das Thema Paar- & Familienbeziehungen bei Tieren. Gänse z.B. bleiben ihr Leben lang mit dem gewählten Partner zusammen. Bei den Elefanten dagegen leben die Mütter mit den Kindern in der Herde zusammen, während die Väter meist als Einzelgänger unterwegs sind. Sie treffen sich nur gelegentlich mal. (Wie bei uns, meint C dazu ;) ) Bei den Seepferdchen legt die Mutter die Eier in die "Bauchtasche" des Vaters, der sie dann befruchtet & bis zum Schlüpfen der Jungen spazierenträgt. Die Jungen brauchen dann keinerlei elterliche Betreuung mehr & keineR von uns weiss, ob die Mutter sich noch mal wieder blicken lässt??? Bei Pinguins kümmern sich beide Eltern abwechselnd um ihren Nachwuchs & wärmen ihn, während der jeweils andere Elternteil auf Nahrungssuche geht. Bei Schwalben sind wir uns nicht sicher, ob beide Eltern ihre geschlüpften Jungen gemeinsam füttern? Sah jedenfalls so aus, als ob da 2 Vögel immer zum Nest und wieder wegflogen, als wir das kürzlich mal bei Freunden auf dem Land beobachtet haben. Müssen wir mal im Tierlexikon nachlesen. Oder im Internet. Wenn wir wieder daheim sind. M erzählt von den "Fortpflanzungsmethoden" irgendwelcher kleinen Monster aus einem Film, den er gesehen hat. Die vermehren sich wohl, indem ihr Nachwuchs einfach aus ihnen raus"ploppt". Klonen sich auf die Art. Ich hab den Film nicht gesehen, aber stelle mir das vor wie bei den Gremlins bzw den Mogwai "damals" (erinnert sich noch jemand an Gizmo???). Also Thema Filme. M liebt Science Fiction, Star Wars (die kennt er, glaube ich, komplett auswändig. Wir haben schon Stunden (Tage?) mit dem Surfen durch die entsprechenden Enzyklopädien im Web & dem Stöbern im "Andere Welten"-Laden verbracht), Stargate usw.
... über die Reisen durch "Sternentore" kommen wir auf Zeitreisen & deren mögliche Auswirkungen; was passiert mit der Gegenwart wenn in der Vergangenheit etwas geändert wird? Existiert Zeit überhaupt in dieser Form, als Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft, nacheinander? Oder ist alles gleichzeitig? Alles ist relativ, Relativitätstheorie ... schon sind wir bei Einstein ... der ja auch nicht wirklich schulbegeistert war & die Schule im Alter von 15 Jahren verlassen hat. Für den für das von ihm angestrebte Studium benötigten Abschluss ist er dann aber später doch noch wieder hingegangen. Was uns zur Frage des Schulabschlusses brachte ... M, der ja erst seit 1,5 Jahren unschoolt (freilernt? frei lernt?) und vorher 4,5 Jahre Schulerfahrung hinter sich gebracht hat & sich von so manchem "lieben" Verwandten Krititisches (um es mal milde zu formulieren) zu seiner Entscheidung, die Schule zu verlassen, anhören musste, ist da noch verunsichert. Auch noch immer weit von einem natürlichen Verhältnis zum "lernen" entfernt. Zumindest, wenn wir es so nennen. "Lernen" ist etwas, was man in der Schule tut. Unfreiwillig. Stoff pauken. Ich selbst habe keinen Zweifel daran, dass Leben Lernen ist, dass auch er das wieder entspannter wird sehen können & vor allem, dass er alles (& noch viel mehr) tun, sein, werden kann & wird, was er will & bei Bedarf alles dafür notwendige LERNEN wird :) Bzw jetzt schon lernt. Ob er das nun so nennt oder nicht.

Wie der Mond zu seinem Leuchten kam

Nachdem wir schon ins Bett gegangen waren, bekam mein Sohn noch mal Hunger und wollte was essen. Wir gingen also in die Küche und ich machte ihm was zu essen. Während er aß, wollte er eine Geschichte hören. Ich sagte ihm, ich müsse überlegen, welche ich ihm noch nicht erzählt habe. Er sagte aber: "Nein, du sollst dir selber eine ausdenken!" Und das um ein Uhr nachts...

Es war nicht einfach. Ich erzählte im mehrere kleine Geschichten von Tieren, die sich gegenseitig helfen. Er fand die Geschichten alle ganz toll, aber mir selbst gefielen sie noch nicht so gut. Als er die vierte Geschichte hören wollte, sagte ich: "Ok, ich denke mir noch eine einzige aus, denn gehen wir schlafen." Dann erzählte ich ihm folgende Geschichte:

Es gab mal eine Zeit, wo der Mond noch nicht leuchtete. Nacht für Nacht stand er am Himmel, aber er war ganz dunkel und nicht zu sehen. Er wünschte sich sehr, auch leuchten zu können, wusste jedoch nicht, wie er es anstellen sollte. Eines Abends ging er zu den Sternen, um sie zu fragen, wie sie leuchten konnten.
"Jeder Stern hat ein Sternenkind, welches im das Licht gibt", sagten die Sterne zu ihm.
"Aber wo soll ich denn ein Sternenkind finden?" fragte der Mond verzweifelt, denn er hatte noch nie ein Sternenkind gesehen.
"Die Sternenkinder kommen von selber", sagten die Sterne. Wenn du geduldig bist und wartest, kommt irgendwann auch zu dir eines."
Der Mond wurde ganz traurig, denn er hatte schon so lange gewartet und sich gewünscht, leuchten zu können, aber niemals war ein Sternenkind zu ihm gekommen. So stand er also wieder am Himmel und war dunkel. Aber eines Nachts sah er unten auf der Erde ein kleines Licht herumfliegen. Er betrachtete es eine Weile und fragte dann: "Wer bist du?"
"Ich bin ein Glühwürmchen", sagte das Licht.
"Hast du auch ein Sternenkind, welches dir das Licht gibt?" fragte der Mond neugierig.
"Aber nein", lachte das Glühwürmchen, "ich brauche kein Sternenkind. Mein Körper macht das Licht."
Der Mond wurde wieder traurig, denn er wusste, dass sein Körper kein Licht erzeugen konnte. "Dann werde ich wohl nie leuchten können," sagte er zu dem Glühwürmchen, "denn mein Körper kann kein Licht machen. Und zu mir kommt auch kein Sternenkind, ich warte schon so lange..."
Das Glühwürmchen dachte nach. Dann sagte es: "Weisst du, es gibt noch eine dritte Möglichkeit, um zu leuchten. Du musst dich nur von jemandem beleuchen lassen, der genug Licht für sich selbst und dich dazu hat. Ich bin zu klein dafür, aber die Sonne müsste es schaffen, dich durch ihr Licht leuchten zu lassen!"
Da schöpfte der Mond wieder Hoffnung. Gleich am nächsten Morgen ging er zur Sonne und fragte sie, ob sie ihn leuchten lassen könne.
"Aber natürlich!" sagte die Sonne. "Ich habe so viel Licht, dass ich die ganze Erde bescheinen kann, da reicht es auch für dich. Wende mir nur einfach dein Gesicht zu, wenn du leuchten willst, und ich bescheine dich mit meinem Licht, und du wirst leuchten."
Da freute sich der Mond sehr, und am Abend wendete er der Sonne sein Gesicht zu. Und siehe da: er leuchtete hell und klar in der Nacht. Und manchmal konnte er vom Leuchten gar nicht genug bekommen. Dann wendete er sein Gesicht auch am Tage der Sonne zu. Und deshalb kann man manchmal auch am Tag den Mond sehen.

Während ich meinem Sohn diese Geschichte erzählte, passierten mehrere Dinge gleichzeitig mit uns. Ich merkte, wie seine Augen anfingen, zu leuchten. Er hörte mir gebannt zu und hampelte nicht herum, wie er es oft tut, wenn ich ihm eine Geschichte vorlese. Nach und nach machte sich ein Lächeln in seinem Gesicht breit und ich konnte sehen, dass ich ihm mit dieser Geschichte das gab, was er wirklich wollte: etwas Neues, Schönes, Kreatives. Etwas, das ich nur für ihn selbst gemacht hatte, ein Geschenk von mir an ihn.

Mit mir selbst passierte auch etwas, während ich erzählte. Ich hatte die Geschichte angefangen, ohne zu wissen, wie sie enden würde. Sie entwickelte sich, während ich erzählte. Ich genoss es, alle Barrieren, die mein Denken einschränkten, zu sprengen und einfach weiter zu spinnen. Es war egal, wie die astronomische Wirklichkeit aussah, nur die Geschichte war wichtig. Es war ein Gefühl von wiedergefundener, lange vermisster Freiheit.

Als ich die Geschichte beendet hatte, wurde mir bewusst, dass ich noch niemals vorher in meinem Leben so etwas getan hatte. Die freien Aufsätze in meiner Schulzeit hatten Titel wie "Mein schönstes Ferienerlebnis" oder "Unser Ausflug in den Wald". Sie mussten aus Einleitung, Hauptteil und Schluss bestehen. Sie waren alle absolut langweilig! Sogar als ich später, als Erwachsene, mal bei einer Schreibwerkstatt der Volkshochschule mitmachte, waren die "Geschichten" so aufgebaut, wie ich es in der Schule gelernt hatte: langweilig.

Warum lassen wir die Kinder nicht schreiben, was sie wollen? Wir haben uns gerade ein Abo für die Leihbücherei geholt. Ich wollte hauptsächlich Märchenbücher ausleihen. Damit ist es nun vorbei, die brauchen wir nicht mehr. Mein Sohn hat mich gelehrt, wie man selber Märchen macht.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Telefon-Einschulung

Heute erlebte ich eine interessante Situation, die sehr deutlich gezeigt hat, dass Erwachsene niemals einverstanden wären unter denselben Bedingungen wie Schüler in der Schule zu lernen.

Wir bekommen in der Firma eine neue Telefonanlage und daher auch neue Telefone. Damit wir diese gut bedienen können, bekamen wir heute eine Einschulung. Im Ein-Stunden-Takt fanden sich also immer 20 Mitarbeiter ein und bekamen die Funktionsweisen und Details der neuen Telefone erklärt.

Die ganze Situation gestaltete sich sehr schulähnlich: wir saßen auf unseren Plätzen, ein "Lehrer" vorne erklärte anhand eines Telefons, er war bei manchen schwer zu hören, manche konnten das Telefon nicht so gut sehen, weil sie weiter hinten saßen...... und alle waren danach mit dieser Form der Einschulung total unzufrieden.

Der Konsens war, dass die Einschulung unbefriedigend war, weil zu viel Leute im Raum waren, es keine Gelegenheit gab, die Funktionen selbst auszuprobieren, es nicht besonders viel Zeit für Fragen gab (weil ja die nächste Gruppe wartete) und weil der Typ vorne viel zu schnell erklärt hat. Das Fazit war, dass alle ein Bedienungshandbuch haben wollten und eine Hotline bei der sie im Zweifelsfall mal anrufen können.

Genau diese Situation machen Kinder jeden Tag in der Schule mit. Unsere Gruppe wäre sogar eine kleine Klasse gewesen, denn in den meisten Schulklassen befinden sich mehr als 20 Kinder. Keiner der Teilnehmer war mit dem Ergebnis der Einschulung zufrieden, aber Kinder müssen sich zufrieden geben mit dem was ihnen vom Lehrer vorne geboten wird. Sie können nicht einfach nach dem Handbuch und einer Hotline fragen, obwohl vielen damit mehr gedient wäre als mit Hausaufgaben und Tests.

Es war sehr interessant die frustrierten Reaktionen der Erwachsenen auf so eine Schul-Situation zu beobachten. Schade, dass Schulen Lehrer nicht in solch lehrreiche Einschulungen und Seminare schicken, das würde bei manchen eine Menge helfen.

Dreidimmensional zeichnen

Gestern fand mein Sohn einen schönen Glitzerstift und bat uns um ein Blatt Papier, weil er ein Haus malen wollte. Wir sagten ihm, wo er eines finden könne, er holte es sich und begann zu malen. Mein Mann und ich saßen gerade am Tisch beim Frühstück (unser Sohn hatte noch keinen Hunger) und in unseren Köpfen entstand ein Bild von einem Haus, wie wir es malen würden: ein Rechteck mit einem Dreieck als Dach und kleinen Rechtecken als Fenster und Türen. Ein wenig wunderte es mich, dass mein Sohn gerade ein Haus zeichnen wollte, denn bisher hatte er nur Sonnen gemalt.

Als er mit dem Bild fertig war, kam er und zeigte es uns. Ich war erstaunt. Das Bild bestand aus einem großen Rechteck, das rechts und links ein wenig schraffiert war. In der Mitte war ein kleines Rechteck mit einem kleinen Strich oben: ein Bild, das an der Wand hängt. In dem Bild hatte er sogar kleine Formen angedeutet.

Mein Mann fragte unseren Sohn, von welcher Seite man das Haus denn sehen könne, und er antwortete: von oben. Man sah also von oben durch das Dach hinein und dann sozusagen um die Ecke auf eine Wand mit einem Bild.

Ich habe noch meine Zeichnungen aus der Zeit, wo ich so alt wie mein Sohn war. Natürlich ging ich damals in den Kindergarten. Ich weiss, dass ich niemals auf die Idee gekommen wäre, ein Objekt zu zeichnen, das man gleichzeitig von mehreren Seiten betrachtet. Es war alles zweidimmensional. Mein Vater hatte mir gezeigt, wie man schöne Kreise malen kann, wenn man den Bleistift um den Rand einer Münze führte. So malte ich die Köpfe der Menschen.

Es gibt hier alle möglichen Vorschulmaterialien für Kinder, wo sie Buchstaben nachzeichnen können und dergleichen. Aber wenn es ums Malen geht, beinhalten sie wirklich nichts kreatives. Entweder die Kinder sollen vorgezeichnete Formen abzeichnen oder nach einem bestimmten Muster ergänzen. Sie sollen Formen ausmalen und dabei nicht über den Rand hinaus malen. Es ist natürlich alles nur Vorbereitung auf die Schule. Die Kinder sollen lernen, bestimmte Dinge auf Kommando zu tun, ohne Möglichkeit für eigene Kreativität. Sogar beim Kinderarzt, bei der letzten Kinderuntersuchung, gab es Kommandos: male doch mal ein Haus. Male doch mal eine Sonne. Male doch mal ein Auto. Mein Sohn verweigerte dies alles. Na ja, die Sonne hat er gemalt, denn er malt gerne Sonnen. Leider verscherzte der Arzt es sich mit meinem Sohn, als er sagte: Alle Kinder in deinem Alter, die ich kenne, gehen in den Kindergarten. Gehst du auch in den Kindergarten?

Um zurück zum Thema zu kommen... Unsere Kinder haben schon im zartesten Alter die künstlerischen Fähigkeiten von Menschen wie z. B. Picasso oder Paul Klee. Sie können die Dinge gleichzeitig von mehreren Seiten betrachten und ihre Beobachtungen wiedergeben. Sobald sie in den Kindergarten kommen, wird ihnen diese Fähigkeit abtrainiert. Sie müssen nach Vorlagen zeichnen, bestimmte Regeln einhalten usw. Ich habe mich schon immer gefragt, wie denn in der Schule ein Fach wie Kunst benotet werden soll...

Wenn die Kinder es schaffen, ihre natürliche, unerzogene Kreativität bis ins Erwachsenenalter zu bewahren, oder sie später wieder aktivieren können, werden sie berühmte Künstler, Das, was sie malen, ist für die erwachsenen Menschen so unbekannt und seltsam, dass sie glauben, der Künstler müsse die kompliziertesten Techniken verwenden um so zu malen. Dabei tut er nur das, was die meisten von uns von Geburt an beherrschen: dreidimmensional sehen.

Mein Sohn bat mich um eine Schere und Klebeband und befestigte sein Bild an der Wohnzimmertür. Er war sehr stolz darauf und fand es schön. Und er befestigte es natürlich in SEINER Augenhöhe.

22.06.2008

Wie sehen blinde Menschen?

Wir saßen heute beim Frühstück und auf dem Tisch standen noch vom letzten Abendessen eine Flasche Olivenöl und eine Flasche Essig. Beide Flaschen haben am unteren Rand kleine erhabene Punke. Mein Sohn (viereinhalb Jahre) entdeckte die Punkte, verglich sie auf beiden Flaschen und stellte fest, dass es die gleiche Reihenfolge war. Er fragte mich, was das für Punkte seien. Ich hatte die Punkte vorher noch nie bemerkt, sah sie mir an und meinte, es sehe aus wie Buchstaben in Blindenschrift. Darauf wollte mein Sohn wissen, was denn die Blindenschrift sei. Ich erklärte ihm, dass es Menschen gibt, die nicht sehen können, entweder weil ihre Augen durch eine Krankheit oder einen Unfall beschädigt sind oder weil etwas in ihrem Gehirn nicht in Ordnung ist. Manche Menschen werden irgendwann im Laufe ihres Lebens blind und manche können von Geburt an nicht sehen.

Mein Sohn dachte eine Weile darüber nach, dann fragte er, ob die Menschen denn irgendwann wieder sehen könnten. Ich sagte, dass die Sicht bei manchen von selber wieder zurück kommt, bei anderen nach einer Operation, und das manche aber auch gar nicht mehr sehen können. "Aber wie sehen diese Menschen denn, wenn die Augen krank sind?" fragte mein Sohn.

Tja, wie sehen sie? Ich musste auch überlegen. Wie sehen Menschen, die nicht sehen können? Sie sehen mit den anderen Sinnen. Sie sehen mit den Händen, mit den Ohren, mit der Nase, mit der Haut, mit den Gedanken. Ich erklärte meinem Sohn, wie blinde Menschen ihre anderen Sinne benutzen, um die fehlende Sicht zu ergänzen bzw. zu ersetzen.

Sie können mit den Fingern lesen und dafür zeigte ich ihm die Blindenschrift auf einem Geldschein - und den Flaschen. Sie können mit den Ohren sehen, wo sie sich befinden. Wenn sie in einem Gebäude sind, können sie anhand der Geräusche, die sie hören, feststellen, was es für ein Gebäude ist. In einer Bibliothek ist es leise, es sind nur flüsternde Gespräche zu hören, immer wieder werden Bücher aus Regalen genommen und wieder hineingestellt, es werden Seiten umgeblättert. In der Kinderabteilung ist es vielleicht lauter, die Kinder rufen und lachen, laufen herum oder spielen.

In einem Bahnhof ist es laut, sehr viele Menschen gehen umher, unterhalten sich, es gibt viel Hall weil der Raum so groß ist, es werden Züge per Lautsprecher angekündigt, Züge fahren ein oder aus dem Bahnhof hinaus. Wenn man draussen ist, z. B. im Wald, gibt es ganz andere Geräusche als in einem Bahnhof. Man hört das Rauschen der Blätter, die Stimmen der Vögel und Tiere, das Knirschen der Steinchen unter den Füßen auf dem Weg. Und wenn man draussen auf der Straße ist, dann hört man Autos, Straßenbahnen, Busse, Fahrräder, Motorräder. Man kann hören, wenn ein Auto über eine Brücke fährt oder ob es anhält. Wenn man an einer Ampel steht, die für Sehbehinderte ausgestattet ist, dann hört man ein Klicken. Wenn man mit der Hand dem Klicken folgt, dann fängt etwas an zu vibrieren wenn die Ampel auf Grün schaltet. So können die blinden Menschen erkennen, wann sie über die Straße gehen können.

So ging es immer weiter. Mein Sohn wollte immer mehr wissen und ich durfte nicht aufhören, zu erzählen. Er lernte, wie sich blinde Menschen in der Stadt bewegen, wie sie mit Hilfe ihres Taststabes den Weg auf Hindernisse abtasten oder sich von einem Blindenhund führen lassen. Er lernte, wie sie sich anhand von Geräuschen, Gerüchen und ihres Gedächtnisses orientieren, dass es besondere Uhren für Blinde gibt, welche die Zeit mit einer Stimme ansagen, besondere Bücher und besondere Computer.

Irgendwann kamen wir dann auch zu anderen Behinderungen, z. b. Menschen, die nicht hören können oder nicht gehen. Er lernte etwas über die Gebärdensprache und über Rollstühle und Gehhilfen, über Tiere, die nicht sehen können und andere Tiere, welche besondere Sinnesorgane haben, und wieder andere Tiere, die mit ihren Sinnesorganen andere Dinge wahrnehmen als Menschen. Ich machte dann noch den Vorschlag, dass wir uns einen Teil eines Films anschauen ("What the Bleep do we know"), in dem eine taubstumme Schauspielerin mitspielt und wo man die Gebärdensprache beobachten kann. Ich zeigte ihm auch einige Gebärdensprache-Zeichen, die ich selbst in meinem Versuch, mit ihm per Babyzeichen zu kommunizieren, gelernt hatte.

Dies alles lernte mein Sohn in einem Gespräch, das vielleicht insgesamt 15 Minuten dauerte. Danach war die Zeit, die er diesem Thema zu dem Zeitpunkt widmen wollte, zu Ende. Er hatte entschieden, was er lernen wollte und wie viel er davon wissen wollte. Und er zeigte mir auch klar und deutlich, als er genug hatte, indem er einfach das Thema wechselte.

19.06.2008

Mittwoch, 2. Juli 2008

Ein Sommertag

Kurz vor dem Ende der Erdbeer-Saison wollten wir heute noch einmal zum Pflücken aufs Feld. An der Auffahrt ein Schild, das Selberpflücken sei beendet ... hm, aber da wir schon mal da waren, machten wir uns dennoch auf die Suche. (Bekanntlich halten wir uns ja auch sonst nicht immer an die Regeln ;) ) Und wurden fündig - 2 Körbe voll haben wir zusammengesucht. Dauerte allerdings deutlich länger als noch vor 2 oder 3 Wochen. Zwischen den Erdbeeren haben wir ausserdem einige ebenfalls essbare Wildpflanzen entdeckt: Guten Heinrich (eine Melden-Art), Löwenzahn, Klee. Die Melden haben jetzt auch schon üppige Samenstände entwickelt ... vielleicht eine Möglichkeit, sie in unserem Garten anzusiedeln? Also mal wieder experimentieren (ExpertIn im Gärtnern ist keineR von uns bislang): einen Teil der Samen haben wir einfach mal so abgestreift & in ein Beet gestreut & begossen. Ausserdem haben wir welche auf einem Teller zum Trocknen & anschliessenden Aufbewahren ausgebreitet. Denn eine kurze Internet-Recherche hat ergeben, dass es sich bei der Melde um Kaltkeimer handelt, die im November/Dezember ausgesät werden sollen.

Nachmittags hat M sich dann wieder mit seiner XBox und der Strategie zur Sicherung von Rohstoffen beschäftigt. C hatte ihre erste Voltigierstunde - wir haben vor kurzem angefangen, zusammen Reitstunden zu nehmen. Ein paar Stunden, in denen wir uns auf dem Pferd abgewechselt haben, haben wir schon hinter uns und C hat sich inzwischen fürs Voltigieren entschieden. Sie stellt sich sehr geschickt an dabei & Spass macht es natürlich eh. So sehr, dass sie nun bei jeder Gelegenheit auf allem möglichen (Schaukelpferd, Wipptiere, mitspielende grosse Menschen) voltigiert :)
Rund um das Reiten bzw Voltigieren selbst haben wir schon einiges über Pferde im allgemeinen und die Norwegerstute, auf der wir reiten, im speziellen gelernt: über die Körperpflege; dass die Haare in Schweif & Mähne zwar wachsen, aber nur sehr viel langsamer als unser Kopfhaar: die Schweifhaare brauchen ca 6 Jahre um ihre Länge zu erreichen; dass Pferde dauerhafte, enge Beziehungen eingehen & beim Verlust des Pferde-Freundes durchaus vor Kummer sterben können. Dass Norweger geduldig & nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen sind, aber auch sehr stur & eigensinnig ...

Montag, 30. Juni 2008

gleichgesinnte

in der aktuellen ausgabe des "unerzogen"-magazins habe ich ein interview mit rina groeneveld, deren 4 kinder seit jahren frei lernen (leben), gelesen - mein herz lacht, so sehr hat mich die beschreibung des lebens der familie gefreut. das ist ja wie bei uns :)
auch die fragen & unsicherheiten, die rina beschäftigt haben, sind die gleichen, mit denen ich mich befasst habe.

da wird gespielt, lego gebaut, gelesen, im internet gesurft ... im gegensatz zu erzählungen anderer unschooler, die scheinbar dauernd grössere projekte durchführen, folgen diese kinder auch einfach ihren interessen, leben ihr leben.

nicht sehr spektakulär, aber glücklich.

Auswanderungsgrund Deutsche Bildungs- und Familienpolitik

Die FAZ läd Auswanderer dazu ein, an auswandern@faz.de den wichtigsten Grund für die Auswanderung zu schreiben und ein Foto zu schicken. Es wäre gut, wenn viele Homeschoolauswanderer hinschrieben und auch andere gute Gründe für das Auwandern genannt werden, auch wenn es erst geplant ist!

Dienstag, 17. Juni 2008

Schulpflicht vs Recht auf Lernen

Einen schönen Text zum Thema 'Schule' von Jan Moewes habe ich heute entdeckt, dank eines Hinweises auf der unerzogen-Mailingliste ... Den ich gern mit euch teilen möchte. Hier mal ein Auszug:

" Tatsächlich hat die Regelschule von heute das Lernen zum Vorwand degradiert. Was auf dem Stundenplan steht, ist egal - gelernt wird immer das Gleiche, und das taucht nicht einmal im Lehrplan auf. Gelernt wird zum Beispiel, egal ob bei Mathe, Erdkunde oder Handarbeit, dass die Stunde erst zu Ende ist, wenn es klingelt. Und dass man bis dahin sitzen zu bleiben hat. Gelernt wird, dass man sich keine Gedanken machen muss, was man morgen tun möchte, weil es sowieso klar ist. Gelernt wird, dass es nicht darum geht, was du willst, sondern um das, was man von dir verlangt. Gelernt wird, dass eine musikalischer Einfall in der Mathestunde nichts zu suchen hat und dass es völlig egal ist, ob du weißt, dass der Typ da vor dir doof ist.
Hält denn jemand im Ernst unsere Kinder für so blöd, dass sie nicht alleine rausfinden würden, wie die Hauptstadt von China heißt - falls es sie interessieren sollte.[...]
Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass es hier anders aussehen würde, hätten wir nicht alle so brav gelernt, jeden Morgen um die gleiche Zeit an den gleichen Ort zu rennen und das Gleiche wie Gestern zu tun. Von alleine käme kein Mensch auf so was!
Wahrscheinlich käme kaum jemand auf die Idee, im Winter vor Sonnenaufgang aufzustehen. Was würden wir Strom sparen, wahrscheinlich mehr als mit der Sommerzeit. Kein Mensch würde von alleine stundenlang etwas tun, was ihn anödet; niemand ruhig anhören, was ihn ankotzt. Kaum ein Mensch würde bei schönem Wetter drinnen sitzen und noch weniger würden bei schlechtem Wetter rausgehen.
Hätten wir nicht alle in der Schule gelernt, die Eigenverantwortung gleich mit dem Mantel an der Garderobe aufzuhängen und uns in das Unvermeidliche zu fügen, hätten wir wahrscheinlich ganz andere Fabriken - oder gar keine. Wir hätten auch keine Schulen - oder ganz andere. Ohne diese Schule hätten wir auch diesen Staat nicht - und deshalb haben wir die Schulpflicht statt des Rechts auf Lernen. "

Montag, 9. Juni 2008

outdoor-schooling

heute habe ich in thousand sunny's blog eine interessante liste gefunden: 200 gründe gegen die schulpflicht

... ganz anders als im grund nr. 1 ("ein blick in die gesichter von kindern, die morgens in die schule gehen") freuen sich die mit mir lebenden kinder morgens beim aufstehen auf den neuen tag & fangen nach dem ausschlafen einfach an mit dem, was sie gerade tun wollen.

bei dem phantastischen wetter waren wir in den letzten tagen überwiegend draussen unterwegs, zum beispiel am see in einem nahe gelegenen naturschutzgebiet. dort gibt es einen kleinen "strand", also sand & niedriges wasser ... was braucht mensch mehr?

aus dem heutigen "lernplan":

  • erfahren mit allen sinnen von unterschiedlichen naturmaterialien (sand, wasser, holz, steine)

  • unterschiede von nassem & trockenem sand - beim bauen & auf der haut

  • löcher buddeln & kanäle anlegen. mit plastik-schaufeln, holzbrettern, händen -> erfahrungen mit unterschiedlichen werkzeugen

  • wir haben fische, schwäne, libellen (leuchtend blaue!), eine raupe, einen regenwurm, eine eidechse gesehen.

  • am see wachsen wasserbinsen. wenn man deren grüne "außenhaut" abschält, lässt sich das innere des stengels herausschieben & kann angeblich, in schälchen mit öl gelegt, als docht verwendet werden. das rauspulen des "dochts" ist ziemlich fisselig, weil der sehr leicht reisst. aber wir werden den einsatz als docht auf jeden fall noch ausprobieren!


nebenbei waren die kinder ständig in bewegung, in sonne & frischer luft.
und haben dabei - sozial isoliert, wie homeschooler ja sind, ne ;) - problemlos kontakte zu anderen menschen, grossen & kleinen, geknüpft.

Donnerstag, 5. Juni 2008

"diebe sind grüner ... " oder biologie & philosophie

inspiriert durch unseren vor einiger zeit endlich eingetroffenen clonlara-ordner mal der versuch, einige unserer beschäftigungen den schulischen themengebieten zuzuordnen:


biologie:

c hat neulich aus der bücherhalle ein buch über schmetterlinge ausgeliehen, in dem sehr schön & ausführlich in form der lebensgeschichte eines schmetterlings jede menge wissen über schmetterlinge vermittelt wird. heute sind wir dann in den schmetterlingsgarten gefahren & haben uns dort unmengen wunderschöner, leuchtend bunter schmetterlinge angesehen. auch deren puppen (die sich übrigens je nach art auch deutlich voneinander unterscheiden). die schmetterlinge fliegen dort einfach um einen herum - bzw wir laufen einfach durch den lebensraum der schmetterlinge hindurch. wir haben beobachtet, wie sie an blumen naschen & an bereitgestellten früchten. in einer ecke auf dem boden haben wir einen toten schmetterling gefunden & ihn mit nach hause genommen, in der becherlupe genau angesehen & mithilfe von m's umfangreichen unterlagen (er hat sich vor ein paar jahren auch mal sehr für schmetterlinge interessiert & viel dazu gesammelt) versucht, diesen zu bestimmen.


ebenfalls aus dem bereich der biologie hatten wir übrigens grade - unfreiwillig - eine menge anschauungsmaterial zu hause: ameisen hatten nämlich unsere küche, in der immer sehr viele frische früchte herumliegen, als nahrungsquelle entdeckt. als sie dann an einem wochenende, an dem wir verreist waren & m es vorher versäumt hatte, herumliegende brotkrümel & eine schale mit rosinen wegzuräumen, ausserdem noch in seinem zimmer unterwegs waren (& zwar wirklich! viele), stürzte er sich er - nach der gemeinsamen saubermach-aktion - erstmal ins internet, um zu recherchieren, was wir gegen unsere mitbewohner unternehmen könnten. er hat jede menge gefunden zu giften & anderen tötungsmöglichkeiten, ausserdem technische als auch hausmittelchen, die die ameisen einfach nur vertreiben sollen. es gibt sogar diverse seiten für leute, die ameisen als haustiere halten - mit nützlichen informationen über verhalten und nahrungsvorlieben. da wir die ameisen nicht töten wollten, haben wir gemeinsam eine strategie entwickelt, die darauf basiert, dass die ameisen über duftstoffe (pheromone) kommunizieren & sich damit auch ihre wege markieren & die im wesentlichen aus einem ziemlich peniblen umgang mit essensresten & schmutzigem geschirr, sehr häufigem müll-rausbringen, abwaschen etc & dem verstreuen von zimt bestand.

und weil ja jeder anlass für einen gemeinsamen ausflug taugt :) sind wir dann mal wieder zu globetrotter gefahren & haben uns die x-tausend blattschneiderameisen (im glaskasten) dort angesehen & uns gefreut, dass die bei uns zuhause nicht mal halb so gross waren :)

übrigens auch sonst ein schönes ausflugsziel in hamburg: neben einer kletterwand gibt es dort z.b. eine kältekammer, in der mensch temperaturen von ca -17 grad celcius bei schnee & eis ausprobieren kann, eine regenkammer, in der verschiedene niederschlagsstufen getestet werden können und noch vieles mehr :)
von dort haben wir auch eine riesengrosse weltkarte mitgebracht, die in unserer küche hängt & vor der sowohl wir als auch besucher viel zeit verbringen.


philosophie

seit wochen, nein monaten, zentrales thema bei m ist die frage nach gut & böse. was ist was, wer darf was tun & vor allem was nicht. neben stundenlangen philosophischen diskussionen hier dazu, bringen uns deren konkrete anlässe aber auch immer wieder zur beschäftigung mit politischen, biologischen, geschichtlichen, marketing-technischen .... usw fragen.


konkreter sieht das beispielsweise so aus: m spielt an der xbox bevorzugt spiele, in denen er sich zwischen gut & böse sein entscheiden muss. er hat da z.b. gerade das märchen "fable" entdeckt: ein genremix aus rollenspielen, adventure & lebenssimulation, bei dem sich jede aktion auf die moral des protagonisten auswirkt. zu anfang des spiels schlüpft der spieler in die rolle eines kleinen jungen, den er dann im laufe des spiels (= seines lebens) nach den eigenen vorstellungen & wünschen formen kann. die wahl der aktionen entscheidet, ob aus diesem jungen ein guter mensch & held wird oder ob alle vor ihm fliehen, weil er sich zur bosheit in person entwickelt.

m hat das spiel zuerst mehrfach als "guter" durchgespielt, dann lange (laut) darüber nachgedacht, wie er es "böse" spielen könnte & schliesslich auch dies ausprobiert.


ansonsten werden in vielen seiner spiele irgendwelchen virtuellen figuren abgeschossen - was seitens der familie (grosseltern, onkels/tanten etc) häufig zu kritik führt - und m beim letzten familientreffen zielsicher zu der frage, wieso sie sich alle so darüber aufregen, wenn er virtuelle aliens erschiesst, während sie minuten vorher gemeinschaftlich ein echtes, getötetes lamm verzehrt haben (ja, wir leben vegan bzw vegetarisch).

auch ein zufällig gemeinsam im fernsehen gesehener beitrag über die zubereitung von brathühnchen brachte uns wieder zum thema. c fragte beim anblick des toten "küchenfertigen" huhns, was das denn sei - m erklärte - und keins der kinder (ich ja auch nicht) kann wirklich begreifen, warum menschen so etwas tun. "das ist böse, die dürfen das nicht!" - so der tenor (in diesem fall beider kinder).

die neue

ich habe selbst so lange mit so viel begeisterung in diesem blog dagmars berichte gelesen & sie immer auch als sehr unterstützend empfunden ... nun freue mich über die möglichkeit, diesen blog hier, zusammen mit den anderen schreibenden, weiterführen zu können!
als erste "amtshandlung" habe ich den untertitel des blogs etwas gekürzt und die einschränkung "im grundschulalter" rausgenommen ... da mindestens meine kinder (wie ihr meiner vorstellung unter dem von dagmar geposteten link entnehmen könnt) älter bzw. jünger sind & sich freies lernen ja ohnehin nicht auf die jahre von 6-10 beschränkt.

ich hoffe sehr, dass es mir (uns) gelingt, diesen blog wieder mit leben, besonders mit berichten aus unserem schulfreien alltag, zu füllen! 

Dienstag, 3. Juni 2008

Neue Administratorin dieses Blogs ist Cecilia

Liebe Blogger und LeserInnen, nachdem mein Buch erschienen ist,
in dem ich meine Blogeinträge mit verwendet habe, ziehe ich mich aus dem Blog hier als Administratorin zurück. Übernommen hat Cecilia
und ist ab sofort für alle technischen und sonstigen Fragen Ansprechpartnerin.
Ich freue mich sehr, dass der Blog weitergeht. Ich selbst möchte hier nicht mehr en detail über unser Leben schreiben, denn da ich den Blog unter meinem richtigen Namen angefangen habe, war zusammen mit all den Medienberichten über uns so etwas wie eine gläserne Familie entstanden, und das ist auf die Dauer nicht schön.
Daher nur so viel: Wir haben einen wunderschönen neuen Ort zum Leben in Frankreich gefunden, an dem wir uns sehr wohlfühlen. Ich bin immer wieder auch in Bremen, des Verlages wegen, und die großen Feste wie Ostern und Weihnachten feiern auch unsere Kinder im Schoß der Bremer Großfamilie. Wir setzen uns auch aus dem Ausland nachhaltig für Bildungsfreiheit in Deutschland ein, hauptsächlich mit Veröffentlichungen wichtiger Bücher zum Thema (nächste Projekte: "Lernen zu Hause" von John Holt und Pat Farenga, sowie eine deutsche Version von "The Underground History of American Education" von John Taylor Gatto, der Hammer!); außerdem durch Artikel, Vorträge, aber auch durch die Fortführung der juristischen Auseinandersetzung um das Recht unserer Kinder, frei zu lernen. Wir warten nach wie vor auf den Termin für den Berufungsprozess vor dem Oberverwaltungsgericht Bremen, und über neue juristische Entwicklungen werde ich natürlich auch hier berichten.
Ansonsten brauchen wir jetzt nach all dem Trubel etwas Privatheit.
Also, aurevoir
Dagmar

Montag, 2. Juni 2008

Behutsamer Lernen

Der erzliberal-Blog macht auf einen Artikel auf Spiegel-Online aufmerksam:
Stanislas Dehaene vom College de France in Paris und seine Kollegen hatten 33 Munduruku im Kindes- und Erwachsenenalter vor einen solarbetriebenen Laptop gesetzt. Auf dem Monitor befand sich ein Schieberegler, den die Probanden hin- und herbewegen konnten. Eine Skala fehlte, nur linkes und rechtes Ende der Strecke waren mit 1 und 10 bezeichnet. Die Probanden bekamen dann Zahlen vorgegeben, entweder als Wort oder als Menge von Punkten, und sollten den Regler an die passende Position auf der Strecke zwischen 1 und 10 schieben.

Das verblüffende Ergebnis: Die Munduruku ordneten die Zahlen nicht linear an, sondern wie auf einer logarithmischen Skala. Kleinere Zahlen wie 2 oder 3 bekamen deutlich mehr Abstand untereinander zugewiesen als größere, etwa 8 und 9. Ein ähnliches Phänomen hatten Forschern bei früheren Studien mit Kindern aus westlichen Ländern beobachtet, die sich noch im Vorschulalter befanden. Auch sie ordneten die Zahlen logarithmisch. Erwachsene aus dem Raum Boston, mit denen das Team von Dehaene den im Dschungel durchgeführten Test wiederholte, nutzten hingegen die uns eher vertraute lineare Einteilung.
[...]
Dieser Gedanke leuchtet ein: Die Unterscheidung, ob zwei oder drei Mitglieder eines feindlichen Stammes sich nähern, ist wichtiger als die Frage, ob eine größere Angreifergruppe nun aus 25 oder 30 Personen besteht. Je größer die Zahlen sind, umso mehr kommt das Prinzip Pi mal Daumen zum Tragen - auch aus praktischen Gründen.

Und der Logarithmus steckt nach wie vor in uns drin: Selbst Schule und Studium können das nichtlineare Denken nicht völlig auslöschen. Die Erwachsenen aus dem Raum Boston, die den Schiebereglertest machten, nutzten nämlich unter Umständen immer noch eine verzerrte Skala, wie die Forscher herausfanden. Und zwar immer dann, wenn sie statt konkreter Zahlen eine Haufen Punkte als Vorgabe bekamen, deren genaue Menge sie nicht überblicken konnten.

Er zieht hier Parallelen zum ökonomischen Gesetz des Grenznutzens. Das gefundene anthropologische Phänomen macht aber auch deutlich, wie leicht Lernen gleichzeitig auch Verlernen ist. Und dies macht deutlich, wie riskant Lernen ist und wie behutsam man bedacht darauf sein sollte, was man lernt. Lernen ist also nicht automatisch gut, es ist mit Risiko verbunden, welches bedacht sein will. Es zeigt sich einmal mehr, daß Bildung mehr ist als Lernen. Mit der notwendigen Behutsamkeit in Sachen Lernen verträgt sich nicht die Anmaßung, eigene Lehrpläne und Lernziele allen anderen verbindlich vorzuschreiben. Wie leicht hat man sich geirrt! Oder hätten Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, gedacht, daß das verlernte logarithmische Denken wertvoll ist, ja alltägliches Lösungspotential birgt? Und: Wieviele Schüler verstehen Logarithmik in der Schule nicht (mehr)?
Wenn nun Lernen auch Verlernen ist, dann bedarf es unbedingt einer Vielzahl individueller Lernziele und Bildungswege. Politik, die hier - eine Schulpflicht postulierend - alles für alle vorschreibt, muß fehlgehen. Dieses Risiko ist zu hoch und schon gar nicht kann die Durchsetzung dieser Anmaßung via Staatsgewalt und Schulzwang sinnvoll und nützlich sein. Nur bei vielfältigen Bildungswegen bleibt uns allen das Wissen derer erhalten, die das eine nicht verlernten, weil sie anderes nicht lernten.
Wie wertvoll das Engagement für uns alle ist, nach Bildungsfreiheit zu streben, diese zu verteidigen und auch den eigenen Kindern zu ermöglichen, wird auch an diesem Beispiel sichtbar: Die Bildungsfreiheit des Einzelnen ist Gewinn für uns alle.
In solcher Gesellschaft möchte ich leben.

Montag, 26. Mai 2008

Schule als Schlüsselfaktor für Alkoholkonsum

Einer irischen Studie zufolge, ist die Schule maßgeblich Schuld am Alkoholkonsum speziell der männlichen Jugendlichen:

http://www.independent.ie/national-news/schooling-a-key--factor-in-heavy-drinking-study-1386994.html

Was soll man dazu noch sagen?

Sonntag, 25. Mai 2008

Musikunterricht

Musik europäisch. Zu Habsburgerzeiten normal. Und außergewöhnlich:

Musik.

Freitag, 2. Mai 2008

Die vonderLeyens

Diese kleinen Sketche, in denen Familienministerin Ursula von der Leyen auf die Schippe genommen wird, haben mich sehr erheitert.

Samstag, 19. April 2008

Zwischenbericht von Neubronners

Liebe Leute, endlich bin ich mit meinem Freilerner-Buch soweit fertig, und Tilman sitzt am Layout. So wie es aussieht, hat das Buch nun mit allen Anmerkungen, Zitaten aus Behördenschreiben und Gesetzestexten, Briefen an uns suw. doch gut 300 Seiten. Der größte Teil des Buches beinhaltet natürlich meinen Bericht.Wir sind seit kurz nach Ostern hier in Südfrankreich. Leider ist das Internet hier so langsam (Modem), dass ich es nicht mal schaffe, mich in diesen BLog hier einzuloggen. Dabei haben Tilman und sein neuer Nachbar schon Stunden auf dem Dach vebracht, um die Satellitenschüssel auszurichten, während ich im Büro mit die Computerstimme angehört habe, die ständig"Null... Null...Null" sagte. Wenn sie was anderes gesagt hätte, wäre es meine Aufgabe gewesen, laut zu schreien.Es geht uns wunderbar, wir wohnen bei Freunden auf einem großen Hof und haben mehr Platz als vorher. Wir haben zwar den Plan, uns auch noch England und Irland anzuschauen und vor allem dort all die vielen Freilerner kennenzulernen, noch nicht aufgegeben, aber da muss es schon sehr schön sein, um Tilman und die Kinder hier wieder wegzulocken. Die Kinder und ich sind dabei, reiten zu lernen, Moritz übt täglich Bogenschießen und hat angefangen, eine lange lange Geschichte zu schreiben. In den ersten Tagen lud er mich täglich ein zu lesen, was er neu geschrieben hatte, allerdings nur unter der Bedingung, dass ich auf keinen Fall veröffentliche oder darüber erzähle. Beide arbeiten gemäß einer Vereinbarung mit unseigenständig mit dem PC-Programm "Martins Lernwerkstatt", damit sie in Mathejahrgangsgemäß fit bleiben. Da gibt es ein Protokoll, aus dem ersichtlich ist, wann sie was gearbeitet haben, so dass sie und wir jederzeit den Überblick haben, was noch zum Stoff der jeweiligen Klasse gehören würde. Jetzt, wo der Druck weg ist, entwickeln sie von sich aus den Wunsch, auf dem LAufenden zu bleiben. Der Sohn unseres deutschen Nachbarn ist elf wie Moritz, und die Drei haben schon komplexe neue Spiele enwickelt. Wie es darüber hinaus weitergeht, wissen wir noch nicht. Jetzt sind wir erstmal hier und genießen die Freiheit, die Schönheit, den Platz, die Natur und all das in vollen Zügen. Unsere Petition an die Bremische Bürgerschaft, bis zur gerichtlichen Klärungunseres Anliegens der Bildungsfrieheit verfolgungsfrei in Bremen bleiben zukönnen, ist abgelehnt worden. Es sei deutlich geworden, dass wir im Falle einer negativen Gerichtsentscheidung uns dieser nicht beugen, sondern ins Ausland gehen bzw. dort bleiben wollten, und insofern gebe es keinen Anlass für eine Übergangsregelung. Schade! Wir würden nach wie vor am liebsten in Bremen leben, keine Frage. Aber vorerst müssen Tilman und die Kinder sich wohl im Exil einrichten. Es ist, wie gesagt, ein Luxus-5-Sterne-Exil, aber Zuhause ist Zuhause... Herzliche Grüße soweit von Dagmar

Sonntag, 30. März 2008

Sozialisation und Fundamentalismus

Immer wieder werden Bedenken angemeldet, ob Sozialisation mit oder ohne Schule besser gelingt. Immer wieder stellen sich Fragen zu Fundamentalismus als gewaltträchtig auch in Deutschland. Diesen Fragen gilt es nachzugehen und Widersprüche und vermeintlich Unvereinbares aufzulösen.

Hier mein Beitrag: Schule, Sozialisation, Streetschooling, Homeschooling und Unschooling

Donnerstag, 27. März 2008

Buch-Tipp: Der talentierte Schüler und seine Feinde

Dieses Buch von Andreas Salcher ist zur Zeit einer der Bestseller in unserem Land.

Andreas Salcher zeigt die Probleme in der Schule aus der Sicht des talentierten Schülers... einem Wesen von dem viele Lehrer behaupten, dass es so was gar nicht gibt. Er zeigt auch auf, wie wichtig es ist, dass Eltern die Verantwortung für ihr Kind und dessen Talente übernehmen. Ein insgesamt recht interessant zu lesendes Buch.

Unter anderem stellt er folgende Theorie auf:
Würde man einen Chirurgen 50 Jahre in die Vergangenheit schicken und verlangen, dass er in einem OP-Saal eine Operation durchführt, würde er das wohl als Aufforderung zur fahrlässigen Tötung auffassen.
Versetzt man einen Lehrer 50 Jahre zurück in ein Klassenzimmer, könnte er nahtlos weiterunterrichten, denn geändert hat sich seither nicht so viel: Die Anordnung im Klassenzimmer ist meist immer noch dieselbe und auch die Anforderungen an die Schüler.

An der Theorie könnte schon was Wahres dran sein.
Das Diktat der Mittelmäßigkeit, das an unseren Schulen herrscht, ist schon so eingefahren, dass es wohl ein Wunder braucht, um es zu ändern.

Freitag, 7. März 2008

Auswandern und Arbeitssuche in Österreich

Nachdem das Thema hier durchaus immer wieder aktuell werden kann, hier ein kleiner Tipp zur Arbeitssuche in Österreich:

Unser Arbeitsamt (www.ams.at) hat sich in den letzten Jahren zu einer recht guten Servicestelle entwickelt. Man kann sich hier auch dann als arbeitssuchend melden, wenn man in einem Arbeitsverhältnis steht oder z.B. auch noch nicht in Österreich wohnt.
Auf der Seite des AMS hat man die Möglichkeit online nach Stellen zu suchen und selbst mehrere Profile (also für unterschiedliche Berufsbilder) für suchende Arbeitgeber zu erstellen.
Wohnt man in Österreich, bekommt man dann auch interessante (und damit meine ich auch wirklich interessante) Stellenangebote zugeschickt.
Die Leute sind (zumindest hier in Salzburg) sehr freundlich und hilfsbereit.

Die meisten Stellenangebote und offene Wohnungen findet man in Salzburg in der Wochenendausgabe der "Salzburger Nachrichten", in Kärnten und Steiermark in der "Kleinen Zeitung" und in Wien im "Standard". Für die anderen Bundesländer weiß ich leider nicht so genau Bescheid.
Die Salzburger Nachrichten haben auch eine online-Präsenz: http://www.salzburg.com/nwas/index.php

Links in der Leiste findet man unter "Marktplatz" sowohl den Stellenmarkt als auch den Immobilienmarkt.

Heute hab ich in der Zeitung gelesen, dass sich hier in Salzburg einige Familien für eine montessorigeführte Homeschool-Gruppe zusammengeschlossen haben. Sie haben Räume angemietet und wollen versuchen, nächstes Jahr als Privatschule anerkannt zu werden. Vorläufig gilt der Unterricht dort als Hausunterricht und die Kinder müssen die Prüfungen ablegen am Schulende. Leider stand keine Kontaktadresse in dem Artikel.

Donnerstag, 6. März 2008

Kurzer Nachruf

Ich muss das einfach ganz kurz schreiben:
dieses Posting widme ich einer Familie die diesen Monat unser Ländle verlassen wird! Zum Glück mit Job und zum Glück noch mit grade so abgewendetem Behördenärger. Das ist vor allem der Tochter zu verdanken, die trotz Krankheiten und Fehlzeiten sich immer wieder zur Schule quälte. Und der Mutter, die sich trotz unsrer vielen Ratschläge immer wieder auf ihr Gefühl verließ und auf die Wendung hoffte. Zwar gehen sie nun, aber sie flüchten nur indirekt. Sie haben Arbeit und werden sicherlich Freilernen können, haben ein deutschsprachiges Land erwischt was auch für die Kinder einfacher werden wird und sogar einen ihnen durch langen Urlaub bekannten Ort was ein wenig Heimatgefühl mitbringt. Ich freute mich heute morgen so sehr und gratulierte von Herzen und doch blieb ein Wehgefühl zurück. Wir kennen uns seit so langer Zeit - doch nur per Telefon! Haben Leid und Freude geteilt, kennen Familiengeschichte und Behördengeschichten, die Direktoren und Lehrer. Wussten schon, vor den Ferien wird es wieder losgehen. Oder vor Weihnachten wird es ruhiger. Überlegten Strategien und ärgerten uns gemeinsam über unverständliche Ämter. Ihr Lieben, ihr werdet mir fehlen!

Aber es spornt auch wieder an weiter zu machen für alle die noch da sind - ich summe schon den ganzen Tag unser Lieblingslied: " Eine Änderung braucht unser Land, eine Änderung dafür sind wir bekannt, eine Änderung wär allen Recht, eine Änderung fänd keiner schlecht. Wir bringen euch Europaideen, ein völlig reformiertes Schulsystem. Wir gehn an den Start! Fangen einfach an! Es ist an der Zeit zu tun was man kann."
Ein guter Freund hat einmal am Telefon gesagt,:... weißt du ich liebe mein Land und deshalb lasse ich mich auch nicht hinauswerfen.

Nun lieber kurz zum Lernen.
M. beschäftigt sich ja zur Zeit viel mit einem Spiel im Internet. Heute musste er fast 40.000 Goldstücke für eine Hose ausgeben. Eigentlich wollte er sich das Geld sparen um sich im Spiel fortzubilden. Aber heute war unser neuer Versuch der Familienentlastung für einen Tag in der Woche zu Besuch um zu schauen ob und wie sie wohl mit M. sich verstehen würde. Sie fragte interessiert nach seinen Interessen weil ihr Sohn ebenso alt sei wie er, also 12 und wir machten aus, sie kommt einmal die Woche um mit M. Karten zu spielen. Er liebt das und ich hasse das, ich spiele gern, nur eben nicht Karten und ich finde es prima jemanden gefunden zu haben, die dies mit ihm machen wird. (Zur Erklärung, Gleichaltrige und überhaupt andere Jugendliche mag M. nicht besonders gerne um sich, ) nun auf alle Fälle fragte sie M. nach dem Spiel im Internet und er zeigte auf eine Figur und sagte:...das bin ich nur ohne Hose. - Äh, wie ohne Hose. - Na eben ohne Hose,die habe ich mir gespart.
Ich hatte das Gefühl M. merkte wie seltsam das klang und kurze Zeit später fragte SIE: ...du hattest doch grade noch so viel Guthaben bei dem Spiel was hast du denn gemacht? - Eine Hose gekauft?!

Die beiden Kleinen haben derweil ihren Geschäftssinn weiter ausgebaut und Monopoli Junior gespielt. Ich habe wiederholt verloren! Keine Ahnung was ich verkehrt mache. Als ich die letzten Euros hergeben musste sagte L.:...das kann ich dir nicht antun Mama. Behalte das mal!

Was lernen wir daraus? Eine Hose ist unwichtiger alsw Fortbildung und Mamas bauchen immer einen Notgroschen!

Jetzt wird es zwar wieder so lange, aber ich bin noch die Antwort nach Leistungserhebung schuldig.
Also wir hatten vor zwei Jahren einem Schulpsychologen zugestimmt einen Test zu machen. Er jammerte weil ich dabei blieb und M. einmal half und zwar als er in Deutsch nicht die Wortarten verstand. Er kannte nur die lateinischen Begriffe und sollte so was wie Zeitwort usw. einsetzten. Als ich ihm den Tip gab sich zu errinnern, dass wir solche Worte beim Lernen mal in Klammern auf Plakaten im Wohnzimmer stehen hatten, war dann alles klar für ihn. Und in Mathe sollte er eine Skizze zeichnen für eine geometrische Aufgabe. Nun, er rechnete das Ganze in einen guten Maßstab um und schrieb ihn dazu, und zeichnete das Ganze schnell hin. In der Beurteilung stand später, er würde sprunghaft sein und seine Aufgaben nicht wie vorgegeben erledigen können! Beim Lesen gab er zu verstehen: ich lese nicht laut. Der Psychologe versuchte es mit selber lesen. Doch M. bleib dabei, da war nichts zu machen. Obwohl wir eine LRS Testung hatten, war das Urteil,es müsse unbedingt getestet werden ob er denn lesen und schreiben könne. Zum Glück haben wir nun nach Umzug letztes Jahr bessere Pädagogen um uns herum.

In diesem Jahr gab man uns nun den Jahrgangsstufentest 6 den man Anfang der 7. Klasse macht. Also wir bekamen ihn nach Hause. Mathe war zu easy! M. machte ihn freiwillig in 43min, in der Zeit war auch enthalten, dass ich die Aufgabenstellung für ihn wörtlich umschreiben muss, weil es für ihn sonst zu abstrakt ist. Jetzt möchten alle, dass er den der 8. macht um zu sehen wo er wirklich steht. Deutsch machte er ein paar Sachen, dann schob er auf die Seite und sagte: muss ich das machen? Nein natürlich muss er nicht. Er schreibt nicht mehr per Hand und schafft das einfach dann nicht in solchen Tests sich durchzuringen.

Wenn er in den letzten 4 Jahren eines gelernt hat, dann auf alle Fälle , "Nein" zu sagen. Früher sagte er zu allen, "naja oder eventuell". Dann verstand er, dass für Behörden dies soviel wie ein "Ja" ist. Nun sagt er deutlich und bestimmt "Nein" zu den Dingen die er nicht machen möchte. und es gibt zwar ein Gesetz zur Schulpflicht aber keines, das unsere Kinder zum Lernen zwingt. Auch keines das zu Prüfungen zwingt. Da wir versuchen von Nachteilsausgleichen zu profitieren müsste es reichen wenn ein Lehrer sich ab und an seine Sachen anschaut die er daheim gemacht hat. Ich schreibe teilweise Bericht aber nicht immer. Zur Zeit weniger, weil er ja Hausunterricht bekommen soll und zwar mit Lehrer. Ich finde wenn der Staat sich die Arbeit schon zu eigen macht, dann soll er auch schauen wie er zu seinen Berichten kommt. Meistens sind die Lerher völlig erschlagen von dem was wir lernen. Obwohl das fast alles im Leben direkt passiert ist. Wenn dann noch einige Arbeitsblätter aus dem Internet gedruckt dabei sind die M. ausgefüllt hat, ist das scheinbar zu viel. Wir wissen eigentlich auch nicht genau wo die Klasse steht in der er wäre. Da er aber Material bearbeitet das dem Jahrgang entspricht gehen einfach alle davon aus, dass wir auch die 4 Jahre gelernt haben daheim. Und auf der anderen Seite glaube ich, haben sie Angst, denn wir stellen doch einen ganzen Berufszweig mit dem was unsere Kinder fast alleine schaffen in Frage.
Im März kommt wohl der neue Bildungstest heraus, ich habe zugestimmt M. zu fragen ob er ihn machen möchte. Noch ist er dagegen, er meinte aber er schaut mal drauf ob er interessant genug ist.
Jetzt aber Ende, mein Jüngster ist zwar müde aber noch nicht im Bett und ich glaube unsere Glastüren sind in Gefahr wenn ich jetzt nicht zu ihm gehe. Sonst muss ich nächste Mal schreiben wie wir lernten auf welche Arten (außer vor ein paar Wochen beim Wettrennen) noch solche Türen kaputt gehen können:)

Mittwoch, 5. März 2008

Kunst mal anders...

Heute müssen alle mal ein bisschen aufs Abendessen warten weil ich mir vorgenommen habe auf alle Fälle einmal die Woche Zeit zu finden etwas auf Dagmars Blogg zu schreiben. Meistens sitze ich wie jetzt davor und überlege was es eigentlich war...mein Güte man sollte sowas wie Dumbledore besitzen, wo man seine übervollen Gedanken speichern kann:)
Erst mal - die Kinder haben sich mit mir darauf geeinigt, dass ich ihre Anfangsbuchstaben als Namen benutzen kann. Ist doch doof, dass wir uns zum Schutz der Kinder in irgendeiner Weise immer wieder etwas verstecken wollen oder müssen, aber ich hoffe auf Besserung.
Also heute haben wir Holzostereier bemalt, aber nicht einfachso! Wir haben uns Miró als Vorbild genommen. Mit Filzstiften habe ich die nachempfundenen Gebilde und Schnörkel auf die Eier gezeichnet und L.(6) und F.(4) haben sie bund nach Vorlagen der Bilder von Miró angemalt. sie sind so großartig geworden, dass wir überlegen noch welche im Hundertwasserstil zu fertigen. Noch nie waren die Kids so still und eifrig beim Ostereier malen! Sie schienen total begeistert davon echte Künstler nachzumalen und selbst der Kleinste hat die Eier bemalt als würde er selten etwas anderes machen. Konzentriert und den Stift still in der Hand, dass ich nur fasziniert zusehen konnte wie so kleine Kinderhände solche Kunstwerke fertigbringen können.

Am Samstag war im Kiga Tag der offenen Türe. L. durfte Kinderflohmarkt in seiner Gruppe machen und wir sortierten am Tag zuvor Spielzeug aus. Mich hat eins dabei echt erstaunt, es waren die Babysachen wie ein altes Holzwürmchen und eine Spieluhr die auf keinen Fall in die Flohmarktkiste durften. Dagegen etliche Autos und Playmobil. L. verkaufte mit Begeisterung und wir Eltern und die Kigaleiterin schauten zu und griffen abwechselnd ins Geschehen ein. L. verkaufte nämlich etwas für 1,- Euro und erwiderte jedes Mal:... und 2 bekommst du wieder raus.
Da lief doch was verkehrt dachte ich zuerst nur. Wir hatten seit längerem daheim mit Spielgeld geübt und er weiß genau das zwei 1Euro Stücke 2,- Euro ergeben oder zwei 50cent Stücke ergeben 1,- Euro. Kein Problem für ihn. Ich versuchte es mit Erklärungen wie: ...Du wenn du 1 Euro möchtest und den auch bekommst, dann hast du doch genau erhalten wie viel es kostete, oder? Ja wenn ich das so lese ist das sehr verwirrend. Kein Wunder also die Antwort die da kam:...ja und dann geb ich also gar nicht zwei zurück sondern nur einen Euro.....
die Kigaleiterin gab dazu keine päd. Kommentare sie zuckte die Schultern, sie wisse auch nicht wie man es erklären könne. Es sei bei allen Kindern dasselbe. Sie bekommen Spielgeld und geben doppelt so viel heraus beim Spielen. Es sei wohl ein sehr komplexes Thema.

Am Ende mit viel Hilfe hatte unser Sohn stolze 17,50 verdient, was brüderlich mit F. geteilt wurde. Mit Hilfe des guten amazons wurden noch am selben Abend die erwünschten Legoteile bestellt und heute mittag als der Postbote klingelte hallte es durchs gesamte Treppenhaus vor lauter Jubel. Der GLSBote lachte und meinte:...wow ist das toll wie sich diese Kinder freuen!

Beide Kinder sind sich einige auf dem nächsten Flohmarkt machen sie mit und haben schon wieder einige "alte" Sachen aussortiert.

Getrübt wurde unsere Woche eigentlich nur durch das Formular für die Schulanmeldung von L.: Geburtsgewicht - hä was hat das mit der Schulbildung zu tun??? Oder wo ist das Kind überall angemeldet, Sport und Musik und Theater usw. Und in welche Mutter-Kind-Gruppen ging es.
Wir musizieren und machen Sport und wandern und spielen zusammen daheim und mit Freunden, nur bisher nicht in Gruppen. Ist auch in dem Alter echt unnötig gewesen, sie hatten alle dennoch eine Menge Spaß. F. möchte mal ins Fußball, darf er aber erst mit Schulbeginn und L. hat seit gestern den Wunsch Karate zu lernen - mal sehen ob es das an unserem Ort gibt. Ich denke wenn der Wunsch von selber kommt ist ers völlig in Ordnung, dann sollen sie das machen. Aber in der Schulanmeldung hatte das doch wohl wenig zu suchen. Dann kam noch das Übliche, gelbes Heft wegen der U9 (ist in Bayern Pflicht sonst muss man zum Gesundheitsamt und das wollte wir L. ersparen, nachdem der kinderarzt uns sagte und wenn man da nicht erscheint holt man das Kind ab). Naja und das Impfhelft wollen sie auch. Ich sagte mein Ständchen auf: (zur kigaleiterin)... sie bekommen die kopien aber Sie wissen schon, dass wir keine Impfpflicht in Deutschland haben ich es für äußerst bedenklich halte im Rahmen des Datenschutzes diese Daten meines Kindes an die Schule zu geben. Immerhin weise ich damit jeden darauf hin und ich hoffe immer, dass etwas davon hängen bleibt. Das Letze was mich noch beschäftigt ist, hier findet die Vorschuluntersuchung im Kiga ohne Eltern statt! Ich finde Eltern sollten dabei sein. Mal schaun was da noch draus wird.

M. beschäftigt sich zur Zeit am meisten mit dem PC, er hat wieder an seinem Buch geschrieben, dass er im Sommer begonnen hat. Er schreibt im Monat so etwa 2 Seiten und will fertig sein wenn er erwachsen ist. Fragt lieber nicht nach dem Thema es ist ein PC Spiel, dass ich ihm verboten hatte. Meine Brüder haben ihn "zuschauen lassen" wie sie mir vor einem Jahr beichteten, dass sei ja wohl nicht spielen gewesen. Warum ich so grollte und sprachlos war verstehen sie bis heute nicht - Brüder eben! Auf alle Fälle beschloss ich dann, es sei wohl besser kontrolliert über dieses uralte zum Glück mit miserablen Grafiken Spiel zu reden und dossiert zuzulassen. Er spielt es aber tatsächlich nur um ein Buch darüber zu schreiben. Ich glaube er verarbeitet seine Schulagressionen darin aber auch Gefühle die er durch seine Emotionsschwierigkeiten nicht äußern und verstehen kann. Immer wenn er seine Seite fertig hat holt er mich dazu, dann lese ich es und sage ihm was nicht zu verstehen ist oder wo etwas fehlt und wir suchen gemeinsam nach besseren Worten und überlegen was die Personen sprechen könnten. Da M. Welt eher über mails und chats und nonverbales funktioniert fällt ihm das Reden lassen der Buchfiguren sehr schwer. Wir haben drei Lehrer seine Texte lesen lassen und sie waren allesamt baff. Er hat sogar ihre Tipps beherzigt und findet zu ihnen über sein Buch telefonisch Zugang. Aber nur telefonisch , naja und außerdem sind zwei von ihnen Freilernerakzeptierer. Eine nicht sie meint mit dem Talent muss der Junge auf die Schule, schnell und sofort. Da es jemand älteres ist, gebe ich die Hoffnung zur Erkenntnis auf, außerdem - sie ist meine Schwiegermutter.:))

Noch eine positive Begegnung von heute will ich euch nicht vorenthalten: vom Pflegedienst war heute jemand bei uns weil ich mal wieder das Telefon auf leise gestellt hatte und sie mich unbedingt erreichen wollte kam die Dame vorbei. Ich entschuldigte mich weil ich nun auch wieder am Telefon hing (habe diese Woche jeden morgen HS auf dem AB die Rückrufe möchten) und sagte zu ihr, tut mir leid ich hatte noch ein Telefonat wegen Homeschooling, ist ja grade Schulanmeldungszeit und da fragen viele Leute an wie man das umgehen könnte sie suchen Alternativen. Die Dame nickte und meinte sie habe 4 Kinder großgezogen und die Regelschule verkorkse die Kinder nun schon seit Jahrzehnten. Sie könne die Sorge der Eltern gut verstehen. ich finde es klasse so viele Leute kennen zulernen die nichts gegen Freilerner haben. Eines Tages schafffen wie die 20% die wir brauchen um einen Volksentscheid zu gewinnen. Mir fehlt nur noch ein Faltblatt habe ich heute bemerkt, dass bunt und ansprechend ist uund ich den Leuten immer sofort in die Hand drücken kann.
So nun jammern alle nach Essen, M. ist freiwillig aus dem Büro gekommen wo er am Internet recherchiert hat wie er sagte und die Kleinen "sterben" gleich wenn ich nicht das Essen mache und die Katze heult.
Ach ja ich wurde gebeten mal zu erzählen wie Bewertungen von M. zustande kommen. Mache ich das nächste Mal oder vielleicht später noch. Geht schnell weil man dazu fast nur eines sagen kann: mein Sohn kennt das nicht existierende Gesetz zum Lernen müssen in der Schule:).
Ciao

Keine Zeit....

Was ich der Schule eigentlich am meisten ankreide, ist, dass sie den Kindern so immens viel Zeit wegnimmt. Zeit, die sie für andere Dinge, wichtigere Dinge, brauchen würden.
Es bleibt neben Schule, Hausaufgaben und für Tests und Schularbeiten lernen, keine Zeit übrig für spielen, Hobbies, vor sich hin träumen, lesen, im Park nach den ersten Frühlingsblumen suchen usw.
Irgendwie geht für den Bereich Schule auch immer mehr Zeit drauf. Ich kann mich einfach nicht daran erinnern, ob ich auch schon so viel Zeit für Schule aufwenden musste.
Wenn die Kinder wenigstens in der Schule so effizient lernen würden, dass sie zu Hause nicht mehr zusätzlich lernen müssten. Von den Hausaufgaben will ich gar nicht reden, deren Unsinnigkeit wurde schon in vielen Studien nachgewiesen. Wenn sie wenigstens den Zeitraum nach der Schule und vorm Schlafen gehen nur alleine für sich hätten. Aber selbst das klappt spätestens ab dem Schulwechsel in eine höhere Schule nicht mehr.
Verheißungsvoll wird uns dann erzählt, dass das mit den Ganztagsschulen alles besser würde, weil die Kinder da ja Hausaufgabenbetreuung hätten und durch die Verteilung der Stunden über den ganzen Tag, der Lehrstoff viel besser vertieft werden könnte. Allerdings hat niemand gesagt, dass es in diesen Stunden pro Fach wieder mehr Stunden geben soll. Die Stundenkürzungen werden ja nicht rückgängig gemacht, nur die Stunden anders verteilt. Und mehr Freiraum bleibt auch nicht, wenn ich den ganzen Tag in der Schule zubringe. Hobbies kann man dann völlig vergessen.
Kein Wunder, dass immer mehr Kinder Stresssymptome zeigen und sich auch nicht mehr richtig entspannen können. Dann bekommt man vom Arzt nette kleine Pillen verschrieben, die das Kind gegen seine Schulangst, gegen seine Nervosität oder gegen seine Hyperaktivität nehmen soll. Ist ja auch viel einfacher, Kinder mit Psychopharmaka ruhig zu stellen als an einem eingefahrenen (verfahrenen) System etwas zu ändern.

schöneaussichtaufjenapostkarte vom freilernertreffen in jena

liebe freilerner(das sind wir eigentlich alle, weil unter zwang lernt es sich nicht wirklich),
viele grüsse vom frühjahrstreffen der initiative für selbstbestimmtes lernen ohne schulpflicht und des bundesverbandes für natürliches lernen , die regelmässig stattfindenden treffen sind ein gute gelegenheit für grosse und kleine leute erfahrungen auszutauschen und menschen kennenzulernen. das nächste sommercamp findet wahrscheinlich auf der eudec statt. infos unter bvnl.de
lg artur




Montag, 3. März 2008

Wir homeschoolen nicht!

So, dann möchte ich auch mal schnell die Zeit nutzen und uns kurz vorstellen. Danke auch von uns an Dagmar, die diese wunderbare Idee hatte, den Blog für andere Autoren freizuschalten.
Wir leben in Süddeutschland und haben 3 Kinder, davon eines schulpflichtig. K. (7 Jahre) kam im September in die Schule. Nicht in unsere Wunsch-Schule (es gibt in der nächstgelegenen Stadt eine kirchlich getragene freie Schule mit einem relativ offenen Lernkonzept), sondern in die Grundschule hier im Ort.
Zu unserem Glück erwischten wir eine sehr junge, engagierte Klassenlehrerin und K. fühlte sich einigermassen wohl. Zu unserem Unglück ist sie den anderen weit voraus. Sie konnte bereits zu Schulbeginn alle Buchstaben und las kurze Sätze. Sie rechnete bereits im Zahlenraum bis 20. Den gesamten Stoff der ersten Klasse hatte sie sich selber durch Nachfragen und einfach durch Tun in ihrem letzten Kindergartenjahr angeeignet!
Gegen Weihnachten merkten wir, dass sie immer unzufriedener wurde. Sie kam oft völlig entnervt von der Schule. Auf Nachfrage erzählte sie, dass ihr in der Schule langweilig sei. Wir suchten nach Alternativen und zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten. Am Ende der Weihnachtsferien schlugen wir ihr vor, zu Hause zu lernen. Sie entschied sich für die Schule!
Nun nutzen wir die freien Nachmittage und die Ferien und leben in dieser Zeit unsere kleine Version des Unschooling. K. entscheidet sich oft für irgendwelche Ferienkurse (in den Faschingsferien ging sie jeden Tag 3 Stunden zu einem Kurs bei einer Weberin; in den Osterferien lernt sie Schwimmen; für die Pfingstferien hat sie sich einen Theaterkurs ausgesucht) und die Nachmittage verbringt sie mit Büchern für die zweite Klasse. Im Moment erfinden sie und ihr jüngerer Bruder J. (5 Jahre) sowie auch die kleinere Schwester R. (3 Jahre) Gesellschaftsspiele zu Hause. Sie malen Spielfelder, denken sich Regeln aus, spielen, verändern die Regeln....
Ich erzählte bereits von unserem Glück mit der Lehrerin. Nach einem Gespräch Anfang Februar stimmte diese nämlich zu, für K. schwerere Aufgaben (Zitat: "gerne auch Zweitklass-Stoff!") mitzubringen, die sie machen darf, wenn sie die Aufgaben für die gesamte Klasse gemacht hat. Ich bin ihr sehr dankbar dafür, denn selbstverständlich ist das nicht!

Nun sind wir zwar immer noch weit entfernt von meiner persönlichen Idealvorstellung des Vollzeit-Unschooling (das wäre, was ich mir für meine Kinder wünschen würde), aber wir haben einen guten Kompromiss gefunden, in dem vor allem die Bedürfnisse unseres Kindes gewahrt werden. Was ich will, ist nebensächlich, die Hauptsache ist, meinem Kind geht es gut.
Und wer weiss, wenn erstmal Sommer ist und ich meine Zeit im Freibad verbringen werde....oder wenn in etwas mehr als einem Jahr ein Klassenlehrerwechsel ansteht...oder einfach so aus heiterem Himmel... wer weiss, vielleicht entscheidet sie dann doch, dass ihr jetzt zu Hause lernen lieber ist. Sie weiss, dass ich für ihren Wunsch offen bin - aber ich werde ihr weder die Entscheidung abnehmen noch versuchen, sie in eine Entscheidung zu drängen.......

Sonntag, 2. März 2008

Wie Schulbücher entstehen (können)

Ein in Österreich recht bekannter Kinderbuchautor namens Thomas Brezina (Tom Turbo, Knickerbockerbande..) wurde eingeladen an einem Physik-Schulbuch mitzuarbeiten. Als Moderator des "Forscherexpress" hat ihn das natürlich brennend interessiert und er sagte zu. Zusammen mit zwei Physikern gestaltete er das Buch und gab es dann an eine Reihe Kinder zum Testen. Der Schulbuch-Verlag fragte daraufhin sehr erstaunt bei ihm nach, wie er denn auf diese Idee gekommen wäre. So etwas hätte man mit Schulbüchern noch nie gemacht und auch nicht vor, das jemals so zu machen. Nichtsdestrotrotz nahm er die Kritiken der Kinder zum Anlass das Buch noch mal ein wenig zu überarbeiten in Hinsicht auf Übersichtlichkeit und besseres Verständnis.
Beim entsprechenden Schulbuchverlag nahm man das schulterzuckend hin. Wenn er sich das einbildet... ist halt ein Kinderbuchautor.
Dieses Schulbuch ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen und ausnahmsweise auch verständlich geschrieben. Von den Lehrern wird es so gut wie gar nicht akzeptiert und verwendet, weil da so ein Kinderbuchautor mitgearbeitet hat. So einer kann doch bitte keine ernsthaften Schulbücher schreiben, da könnte ja jeder kommen!

Welch ein Wahnsinn, wenn man überlegt, dass anscheinend noch kein einziges Schulbuch jemals vor Erscheinen von Kinder getestet wurde. Kein Wunder, dass die oft so unverständlich sind. Schon als Kind hab ich manches aus meinen Schulbüchern nur durch die Erklärung eines Erwachsenen verstanden. Und vielleicht ist das sogar Absicht. Sonst könnte man ja vielleicht völlig ohne Lehrer lernen??? *ggg*

Es zahlt sich also aus, grad als Homeschooler keine richtigen Schulbücher zu verwenden. Meiner Meinung nach gibt's zu jedem Thema eine Menge guter Bücher, die leichter lesbar und verständlicher geschrieben sind.... und das gleiche Wissen vermitteln.

Lernen: Homeschooling

Homeschooling müssen die deutschen Bürokraten noch lernen. Übrigens: Müssen ist ja das Lieblingswort von Politikern.

Bei uns ist das so: Sogar Politiker können und dürfen (der Deutsche braucht ja eine Erlaubnis) Homeschooling kennenlernen. Seien Sie so frei und lernen Sie Homeschooling kennen. Lernen Sie Homeschooler kennen. Seien Sie neugierig!
Auf Erfolg, auf Wohlfühlen, auf Frieden, auf Entspannung, auf eigene Leistung, auf Zusammenhalt, auf Kooperation, auf freien Handel und freies Handeln, auf Rücksichtnahme, auf Vertragen, auf Vorsicht und Nachsicht, auf Liebe, auf Lernen, auf Wissen vermögen, Glauben können und auf erfahren.

Bleiben Sie nicht stehen.
Lernen Sie mehr.

Zuhause und anderswo.

Donnerstag, 28. Februar 2008

auch von uns ein Hallo....

..und ein Danke schön an Dagmar, dass wir hier schreiben dürfen. Denn Homeschooler sind wir nicht, wenn wir auch in Österreich wohnen, wo das theoretisch möglich wäre. Praktisch scheitert das oft, wie auch bei uns, an den finanziellen Möglichkeiten und natürlich muss man eine jährliche Prüfung über den Stoff des Schuljahres ablegen. Das hat meinen Sohn E. bisher auch von solchen Plänen abgehalten. Für ihn besteht da wenig Unterschied ob er zu Hause oder in der Schule denselben Stoff lernen muss, weil er ihn eben für die Prüfung braucht. Momentan haben wir auch eine Schule gefunden, die so ziemlich passt und in der er sich auch wohlfühlt. Das war nicht immer so. E. ist 12, unwillig gegen den Zwang, lernen zu müssen, aber glücklicherweise noch fähig, sich für Dinge zu interessieren - aus sich heraus, was viele Schulkinder heute nicht mehr schaffen.
Ich sehe es auch als meine wichtigste Aufgabe, ihm diese Neugier auf das Leben und seine Umwelt zu erhalten. Leicht ist das nicht. In der Schule findet das Leben in den Schulbüchern statt, festgeschrieben auf vielen Blättern und der großen Tafel. Der Blick über die Schulbücher hinaus geht den Kinder schnell verloren, wozu auch etwas lernen, was nicht im Schulbuch steht, das kommt ja nicht zum Test.
Für mich ist der Unterschied zwischen dem gezwungenen Lernen in der Schule und dem freiwilligen und unbewussten Lernen in den Ferien und an den Wochenenden gewaltig. Da kann mein Kind plötzlich ganz freiwillig beschließen, Flöte zu lernen. Denn nächstes Jahr möchte er anfangen, Querflöte zu spielen. In der Schule ist er in Musik übrigens ein schlechter Schüler. Oder mit Karate anfangen und nach nicht ganz drei Jahren als frischgebackener Braungürtel da stehen. Weil ihn das eben wirklich interessiert und er mit Herz bei der Sache ist. In der Schule funktioniert das nur selten. Da ist das Klima einfach anders und offenbar weniger geeignet zum Lernen.
Es gibt immerhin Lichtblicke. Da wird in Deutsch plötzlich das freie Lernen eingeführt, in der Bibliothek und in kleinen Gruppen. Zitat von E: "Da kommt's endlich mal nicht drauf, wer der Beste oder Schlechteste ist!"
Seit ich das Teenagerbefreiungsbuch lese, wird mir auch einiges mehr klar über Schule und Lernen. Ich frage mich seit Jahren wohin Schule eigentlich will mit dem Ziel, jedes Kind zu bewerten und in eine Schublade zu stecken.
Und ich bin gespannt, wohin unser Weg uns noch führt. Zur Zeit besteht E. darauf, an seiner Schule zu bleiben. Also unterstütze ich ihn dabei. Sollte er sich dazu entscheiden, irgendwann frei lernen zu wollen, werde ich ihn auch dabei unterstützen. Eine Option wäre wohl auch noch die Clonlara Schule, ich bin mir aber immer noch nicht sicher, ob die hier anerkannt wird.
Ich glaube, so eine Entscheidung fällt niemals leicht, weder Kindern noch Eltern und wird bestimmt nie aus einer reinen Laune heraus gefällt.

Sonntag, 24. Februar 2008

unser leben ohne schule

auch ich möchte mich erstmal bei dagmar bedanken für die einladung zum mitschreiben - ich hoffe, ich werde etwas zeit dafür finden. heute möchte ich uns kurz vorstellen, wobei ich wie auch lena aus offensichtlichen gründen ;) unsere anonymität wahren möchte: ich lebe mit einem 12jährigen (m) und einer 3jährigen (c) zusammen und wir alle 3 lernen & arbeiten überwiegend zuhause. überwiegend heisst: c geht meistens ein paar stunden am tag in den kindergarten.

m hat sich vor etwa einem jahr entschieden, nicht weiter zur schule zu gehen & lebt & lernt seitdem zuhause. nach einigem hin und her, u a seinem versuch mit einer freien (sudbury) schule (war nicht das richtige für ihn) sind wir jetzt seit einigen wochen "angekommen" & ich hoffe, wir können über die nächsten jahre hier in d so weiterleben. für die weitere zukunft, besonders auch für die zeit, wenn c schulpflichtig wird, planen wir aber weiterhin unseren umzug in ein anderes land.

m, der vor dem verlassen der schule bereits 4,5 jahre beschulung hinter sich hatte, befindet sich noch immer in der deschooling-phase: "lernen" heisst für ihn, vorgekaute häppchen abzuarbeiten; aufgabenzettel zu erledigen u ä. ... wie lange es wohl noch dauern wird, bis er wieder ein natürliches, entspanntes verhältnis zum lernen entwickeln wird? 

was wir so machen zur zeit? m's interesse liegt vorrangig im medienbereich, er spielt sehr viele computer- & konsolenspiele (und lernt dabei viel über strategie, lösungsfindung, gestaltung, trainiert sein räumliches vorstellungsvermögen, setzt sich, bedingt durch die themen der spiele mit themen wie gut/böse etc auseinander). ausserdem ist er viel im internet unterwegs & hat seine fähigkeiten im umgang mit der technik, in der internet-recherche sowie seine englisch-kenntnisse &, wie mir neulich aufgefallen ist, auch seine rechtschreibung im laufe der letzten monate deutlich verbessert. ausserdem interessiert er sich sehr für (raum-)schiffe, flugzeuge etc und konstruiert gerade mal wieder ein neues modell.
c macht grade sehr viele "kunst-projekte": sie formt, malt, klebt ... ausserdem beschäftigt sie sich ausgiebig mit "zerlegen und zusammensetzen": alles mögliche wird auseinandergenommen/zerschnippelt, sie kann stundenlang puzzles zusammensetzen, lego bauen usw ... nun ja, und sie macht natürlich auch alles andere, was wir sonst so machen, begeistert mit :)

soweit für heute von uns. hoffentlich bald mehr. auch ich bin gespannt auf die vielfältigen möglichkeiten des freien lernens, die wir hier hoffentlich zeigen werden :)



Bildungspflicht statt Schulpflicht

Dankeschön, Dagmar und Tilman, daß ihr mich hierhin eingeladen habt, etwas zu Eurem Blog beizutragen. Zum Thema 'Freies Lernen' habe ich mir schon oft Gedanken gemacht und auch schon das eine oder andere Wort gefunden. Auf

www.bildungspflicht-statt-schulpflicht.de

habe ich einige meiner in Worte gebrachten Gedanken gesammelt. Ich hoffe und bin zuversichtlich, daß diese gleichsam eines Samen sich auf gutem Grund und Boden entfalten mögen und reiches Korn und vielfältige Früchte tragen vermögen.

Bei allen Gedanken, die unser Herz bewegen, lassen wir nie vergessen, was wir tun können. Wir entscheiden selbst: wir können uns beugen und bleiben, wir können fliehen an neue Ufer, wir können uns wehren und streiten. Wir können nur gewinnen, welchen Weg wir auch gehen. Weil wir wissen, wolang wir gehen.

Freies Lernen gibt es nicht. Der Mensch ist nicht frei, er ist bedingt. An zig Bedingungen geknüpft. Auf die Wirklichkeit verwiesen. Und doch kann er sich befreien, kann gestützt werden in Solidarität, befreit werden im Kampf und mit List, immer lernend, liebend und lebendig.

Das wünsche ich Ihnen, sehr verehrte Leserin, sehr geehrter Leser, von ganzem Herzen.

Ihr
Stefan Sedlaczek