Dienstag, 29. Januar 2008

Erster Tag auf La Palma

Gestern mittag flogen wir mit einer kleinen Propellermaschine von Gran Canaria nach La Palma. Es dauerte 45 Minuten, und wir konnten die ganze Zeit wunderbar aus dem Fenster schauen und die Kanarischen Inseln bewundern, weil das Flugzeug nicht so hoch flog. Auch das oekologische Gewissen schlug etwas weniger heftig als bei einem Duesenjet. Wir hatten unser ganzes Gepaeck dabei, inklusive Playmobil, Gitarre und Posaune, denn wir wissen nicht, ob wir in naechster Zeit nochmal nach Gran Canaria zurueckkehren.

Nach der Ankunft auf La Palma (warm, ruhig, klein, vertraeumt, fast ein Drittel Deutsche, grandiose Landschaft) suchte Tilman zunaechst den alten Toyota-Allradantrieb-Wagen, der hier fuer uns bereitstehen sollte. Er fand ihn auf einem Parkplatz, der schon wegen Umbau abgesperrt war und ein Zettel an der Scheibe bat dringend um Entfernung des Wagens, der sonst abgeschleppt wuerde - wie gut, dass wir gerade kamen! Tilman schaffte es tatsaechlich nach einiger Zeit, dass der Wagen ansprang, und wir bejubelten unser Gefaehrt, das schon ueber 300.000 km auf dem Buckel hat und eher wie ein Traktor klingt als wie ein Auto.

Es folgte eine beeindruckende Fahrt nach Los Llanos im Westen der Insel durch die wunderbare Landschaft mit schroffen Bergmassiven, saftigen Terrassen mit Bananenplantagen, ueberall bluehen die Mandelbaeume, es ist wirklich wunderschoen hier.
Als wir ueber den Pass kamen, begannen die Kinder vor Begeisterung laut zu singen, und wir brachten ein kraeftiges Hoch auf Frau Senatorin Juergens-Pieper und die Bildungsbehoerde aus, die durch ihren extremen Druck dafuer gesorgt hat, dass wir dieses wunderbare Freilern-Intensivtraining hier erleben. Das heisst natuerlich, nicht, dass wir hier bleiben wollen, aber als Homeschool-Exkursion, bis die Bildungsfreiheit Deutschland erreicht hat, ist unsere Reise bisher einfach grossartig. Auch ich hatte noch nie so richtig von nahem Bananenblueten und Fruchstaende gesehen (siehe ein erstes Fotoalbum) im Gestern abend gingen wir dann zur Feier dieser neuen Reise-Etappe im "Hidalgo" essen - vorzuegliche Kueche, deutsche Inhaber. Vorher kauften wir Sandalen fuer Thomas - deutsche Inhaberin. Jeder zweite Laden, den wir betraten, wurde von Deutschen gefuehrt, Deutsch ist hier noch vor Englisch zweite Hauptsprache, davon hatten wir keine Ahnung. Trotzdem wird unser Spanisch taeglich besser.

Fuer zwei Naechte sind wir jetzt hier im Hotel Eden im 4. Stock ueber der Stadt, um erstmal Organisatorisches zu regeln, bevor wir in die Berge ziehen. Heute haben wir zusammen mit den Nachbarn unseres Freundes "unsere" Finca angeschaut. Ein geradezu traumhaft schoener Ort, siehe Fotos, voellig abgelegen in den Bergen, im Nationalpark von La Palma, den wir auf den zahlreichen Wanderwegen erkunden werden. Dort ist einiges zu tun, Moebel fehlen weitgehend, und zu allem Ueberfluss leben dort 10 (zehn!) Hunde unklarer Herkunft, und eine Katze, die derzeit von einem etwas dubiosen Herrn gefuettert werden, der hier auch mal gewohnt hat und wohl auch mit dem Verschwinden der Moebel in Zusammenhang steht. 6 dieser Hunde sind niedliche Welpen, vor einer Woche geboren. Was tun?

Wir versuchen jetzt ueber den Tierschutzverein eine Bleibe fuer die Tiere zu finden, denn weder wir noch der eigentliche Besitzer der Finca will/wollen den Ort mit zehn (Tendenz steigend...) Hunden teilen. Das wird nicht so einfach, aber wir haben das Gefuehl, auf diese Weise das grosszuegige Wohnrecht ein bisschen zu rechtfertigen. Die Kinder waren natuerlich fasziniert von den Welpen, aber auch sie sahen ein, dass 10 Hunde, die sich weiter vermehren, einfach nicht das Richtige sind. Man merkt dem Grundstueck ihre Aktivitaeten und ihre Verdauungstaetigkeit auch durchaus an. Zunaechst haben wir dem erwaehnten dubiosen Herrn, der zufaellig gerade zum Fuettern der Hunde da war, geholfen, die Welpen in einem Nebengebaeude unterzubringen, damit die Mutter sich nicht von uns bedroht fuehlt. Diese Hunde sind ganz anders als wir es aus Deutschland kennen, sehr aengstlich und scheu, trotzdem wollen wir es nicht darauf ankommen lassen.

In den naechsten Tagen werden wir gruendlich saubermachen und pruefen, ob diese Finca als laengerfristiger Wohnort fuer uns in Frage kommt, ggf. die notwendigsten Moebel kaufen, PC-Anschluss herstellen - und auf Wunsch des Besitzers die Schloesser austauschen. Die Kinder strahlen und freuen sich schon darauf, das riesige, wunderschoene Gelaende zu erkunden, sogar einen alten Brunnen gibt es, und das Wasser hier auf La Palma ist koestlich und trinkbar, waehrend wir auf Gran Canaria auf grosse 5l-Kanister mit Trinkwasser angewiesen waren. Die Flora hier ist wieder nochmal ganz anders als auf gran Canaria, es ist viel feuchter und gruener alles, herrliche Pinienwaelder, Weihnachtsstern-Straeucher und vor allem immer wieder, besonders in den Ortschaften, riesige Benjaminien. Jetzt sehen wir erst, was die Zimmer-Benjaminienbaeumchen, die wir so kennen, fuer armselige, verhungerte Gesellen sind, denn eigentlich sind das riesige, unglaublich dicht belaubte Baeume, die direkt ins Auenland zu gehoeren scheinen. Ich werde mal versuchen, einen zu fotografieren.

Tja, ist das jetzt Homeschooling? Die Kinder lernen und erfahren sehr viel und sind voller Begeisterung, aber es geschieht ja nichts so richtig extra nur damit sie was lernen, es ist mehr das pralle Leben selbst. Moritz wollte heute nicht mit ins Internetcafe zum Blogschreiben, er sitzt mit Thomas und Tilman im Hotel und schaut Werder Bremen gegen aehm da hab ich wohl nicht so zugehoert. Vorher wollte er nach dem aufregenden Tag mit Finca-anschauen, Nachbarn kennenlernen, auf dem Rueckweg noch Baden usw. erstmal ein bisschen in Ruhe lesen. Er verschlingt gerade "Das Bernstein-Teleskop" von Phillip Pullman.

Die schwaebischen Nachbarn, bei denen wir auch die naechsten Tage wohnen werden, sind schon seit 23 Jahren auf La Palma. Ihre Kinder sind hier aufgewachsen (die Grundschule umfasste 12 Kinder, ohne Strom und Heizung) und studieren heute in Las Palmas auf Gran Canaria.

1 Kommentar:

rauhtierchen hat gesagt…

Ich liebe Eure Bilder und Berichte !

Wir suchen auch nach einer neuen Heimat, aber uns fehlt es an Mut und Geld - oder der Druck ist (noch) nicht groß genug ?

Unsere älteste Tochter braucht intensive medizinische Betreuung.
Da fallen ganz viele Orte für uns aus.

Auf der anderen Seite sind wir keine Stadtmenschen - die Kinder haben hier 5.000 qm zur freien Verfügung ...
Nova Scotia würde uns ja reizen, aber das säuft wohl als erstes ab, wenn die Erderwärmung anhält - wovon auszugehen ist.
Oder wie sehen die geographisch gebildeten Menschen das ? Kriege ich eine Nachhilfestunde ?

Anitz, kennst Du Dich in der Gegend aus ?