Freitag, 1. Februar 2008

Offline und offroad auf La Palma

Hallo, jetzt sind wir wirklich am aeussersten Zipfel Europas angekommen, vor uns liegen nur noch ca. 6000 km Atlantik, und dann kommt Amerika, auf der anderen Seite auch ziemlich viel Wasser, einige Inseln, und dann kommt Afrika.

In unserem kleinen umgaerteten Appartment haben wir weder Telefon noch TV noch PC noch Internet, was dazu fuehrt, dass Moritz und Thomas uns taeglich mit "Vorfuehrungen" ueberraschen, wenn wir vom Organisieren und unserer "Pflegefinca" wiederkommen. Gestern Mittag hatten sie ein Theaterstueck einstudiert, wo sie zwei alte Damen spielten, die sich aufs Gekuenstelte bei einer Tasse Kaffee unterhielten ("Ach, Dorothee hat einen neuen Ring, meine Liebe? Das ist ja hochinteressant! wie sah er denn aus?" - "Nun, was soll ich Ihnen sagen: Er war rund!"), dann staendig stuerzten, es aber nicht schafften, den Arzt zu rufen, weil immer jede behauptete, die andere sei mehr hilfsbeduerftig. Sie fanden das typisch fuer alte Damen, "die wollen doch immer anderen helfen!"
Davor haben sie uns abends mit einer ellenlangen Rap-Session beglueckt, Thomas spielte Gitarre, und dazu sangen sie abwechselnd improvisiert gereimte Zweizeiler, in denen sie sich die graesslichsten Sachen androhten. Da reimte sich gefaehrlich auf ehrlich, Himmel auf Schimmel, Hintern auf ueberwintern, Besen auf lesen, Schwein auf Rhein,Eiffelturm auf Wurm, hypnotisieren auf marodieren und das alles in schnellem Tempo, es war beeindruckend, uns Eltern aber nach einem anstrengenden Tag zu lang. Sie waren dann beleidigt, weil ihr Programm noch viel laenger gegangen waere, inklusive Posaune, und wir hatten noch eine Diskussion ueber Kuenstlertum und inwieweit Kuenstler es in der Hand haben, wie sich ihr Publikum benimmt und ob es mitsingen darf. (Wir hatten versucht, freundlich beendende Reime anzubringen ...)

Gestern abend fuehrten sie uns dann Kartentricks vor, wir hatten ihnen aus der Finca eine alte Spielesammlung mitgebracht. Zuletzt las Thomas uns allen aus dem ersten Narnia-Band vor, "Onkel Dagobert - sein Leben, seine Milliarden" hat er Tilman naemlich zu seinem groessten Bedauern fertig vorgelesen. Und wir haben ein ellenlanges grandioses Scrabblespiel gespielt, bei dem Moritz noch vor mir Zweiter wurde. (Ich bin gar nicht gut in Scrabble, Tilman ist exzellent, dabei bin ich doch die Sprachenfrau... )
Jetzt muss ich schliessen hier im Internetcafe...
Bis demnaechst

Kommentare:

Lia hat gesagt…

Schön zu hören, dass es Euch gut geht. Ist bestimmt nicht einfach, so abgeschnitten von allem zu leben. Aber Ihr packt das schon!
Kennt Ihr übrigens "Topwords"? Das ist eine Scrabble-Erweiterung, bei der man nicht nur Buchstaben anlegen sondern auch auf vorhandene Wörter drauflegen kann - um damit neue Wörter zu schaffen. Wir lieben dieses Spiel!

Liebe Grüße
Lia
aus Salzburg ;-)

Anonym hat gesagt…

die azoren liegen um einiges weiter ausserhalb europas..nur mal so zur info

Lia hat gesagt…

Die Azoren gehören genau so wie die Kanaren zu den Makaronesischen Inseln. Sieht man es also als Inselgruppe stimmt die Aussage durchaus. *ggg*
Von den Kanaren aus müsste man übrigens tatsächlich nordwestlich reisen um auf die Azoren zu kommen.
Geht man noch weiter nördlich trifft man auch noch auf Island und vor allem auf Grönland, das noch westlicher liegt als die Azoren, politisch aber zu Dänemark gehört.
Ist also alles nur Ansichtssache, lieber anonym, wo man mit der I-Tüpfel-Reiterei ansetzt.

Anonym hat gesagt…

wieso soll ich meinen namen hier hinschreiben? blog hab ich keinen und kennen tut mich eh keiner...

hab nich an grönland und das ganze nordzeugs gedacht, wollte ja auch nur sagen, dass la palma ned der äusserste punkt europas is wie es in dem post dagestellt is

Anonym hat gesagt…

Wow,
ich dachte für Geographie-Unterricht muss ich in die Schule gehen. Dabei gibt es das jetzt schon in Blogs.

Vielleicht um der ganzen Diskussion noch eine kleine Facette hinzuzufügen, meinten sie es gar nicht so geographisch, sondern eher gefühlt.
Ansonsten Danke lia und anonym.

Noch eine geschichtliche Facette:
Soweit ich weiß wurde Südamerika für eine Inselgruppe gehalten vor Europa gehalten, bis man nach Kolumbus entdeckte, dass es doch eher ein Kontinent war. (Ich glaube diese Fehlerkenntnis kam von Schiffern die durch den Humboldt-Strom zu weit westlich abgetrieben wurden).
Jeder der es besser weiß, verbessere mich bitte.

Wichtig ist nicht die Freiheit Homezuschoolen, wichtig ist die Freiheit sich entscheiden zu können.
Und unbedingt ist die Pflicht sich selbst entscheiden zu wollen zu müssen.

stinecv hat gesagt…

....und ich setze noch eines drauf: die Kanaren gehören geographisch zu Afrika, also sitzt Fam. Neubronner inzwischen in Afrika :-) ... funktioniert so nicht unschooling?

Eigentlich wollte ich nur mal sagen, dass ich seit langem, mit großem Interesse und regelmäßig diesen Blog verfolge - Danke, Dagmar, fürs Teilhabenlassen! Oft fehlen mir einfach die Worte für das, was da in D abgeht. Hätte man keine Berührung mit dem Thema, würde man es nicht glauben. Ich wünsche Euch Vieren (und auch allen anderen Un-, Home-, Garnicht- und auch Sonstwasschoolern) alles, alles Gute und dass Ihr Eure Wege gehen könnt, wie Ihr sie gehen möchtet. Eure Kinder sind klasse!

Liebe Grüße vom Ende der Welt auf den Kapverdischen Inseln - nicht nur durch den Blog, auch geographisch steht Ihr mir inzwischen sehr nahe :-)

Stinecv

Lia hat gesagt…

Ist einfach leichter an einen Menschen mit Namen zu schreiben als an einen „anonym“. Noch dazu wo jetzt zwei „anonym“ hintereinander stehen und niemand weiß, ob das eine oder zwei Personen sind. Gibt doch eh die Möglichkeit mit dem Spitznamen. Ei-nen Blog hab ich auch nicht und kennengelernt hat mich noch jeder, der das wollte.

Kolumbus war ja eigentlich auf dem Weg nach Indien, traf aber „nur“ auf die karibi-schen Inseln. Er war der Meinung, einen Weg nach Hinterindien entdeckt zu haben. Dass er nicht in Indien gelandet war, dürfte ihm bewusst gewesen sein.
Da gibt’s übrigens ein tolles Buch dazu: Der Sohn des Kolumbus von Hans Baumann.

Wenn man wirklich die Schule brauchen würde um lernen zu können, dürfte ich nicht hier sitzen und am Computer schreiben. Ich saß erst nach der Matura das erste Mal an einem PC. Grad Geographie lernt man in der Schule nicht richtig, weil meist der Bezug zur Realität fehlt. Geographisch gesehen wäre Latrabjarg auf Island der westlichste Punkt Europas. Politisch gesehen müsste das eigentlich Qaanaaq auf Grönland sein, das frühere Thule. Sind Blogs nicht dazu da, um Informationen auszutauschen? *ggg*

Wenn Fam. Neubronner geographisch also jetzt in Afrika gehören, wäre das zuständige Land wohl Marokko. Dort gibt es zwar eine Schulpflicht von 7 – 13 Jahren, diese wird aber nicht kontrolliert.

Anonym hat gesagt…

(nebenbei bemerkt: anonym muss man nicht bleiben, aber auch nichts verstehen, wie diesen Einträge funktionieren.

wie bei jeden Briefwechsel den Namen UNTEN angeben.

etwas so
Anitz
(also, diesmal "anonym", normalerwiese nicht!)

Dagmar Neubronner hat gesagt…

Das ist ja ein prima Erwachsenen-Homeschool-Beispiel hier mit den Kommentaren. (Meiner Meinung nach ist das gesamte Internet eine einzige gigantische Homeschool-Plattform)
ALso die Kanaren gehören geografisch wirklich zu Afrika, politisch zu Spanien, und ich könnte jetzt viel erzählen, weil hier im Karneval gerade gestern das große Fest der "Indianos" war, bei dem die Einwohner sich ganz in weiß mit dicker Havanna und Strohhut kleiden wie die reichen Rückkehrer aus Amerika, und tonnenweise bewerfen sich alle mit Mehl aus Kanonen, weil die Spanier den Ureinwohnern mal anlässlich einer Hungersnot verdorbenes Mehl geliefert haben...
Danke für den Scrabble-Hinweis, wussten wir noch nicht.

Artur hat gesagt…

Liebe Grüsse aus Halle. Finde gut was ihr getan habt und tut. Hat mir Mut gemacht. Denke auch schon über Umzug nach. Vielleich nach Osten, ist nicht ganz soweit.

Alles Gute
Artur
aus Halle/Saale

Dagmar Neubronner hat gesagt…

Tja, auch im Osten hast du ja die freie Auswahl, Tschechien und Polen als nächste Länder haben gute Regelungen.