Dienstag, 5. Februar 2008

Wieder in Las Palmas

So, unser Offroad- und Offline-Abenteuer ist beendet, und die Ankunft in "unserer" Wohnung in Las Palmas war schon fast ein bisschen wie Nachhausekommen. Die Finca auf La Palma war nicht internetfähig (nur Funktelefon), und auch wenn der Sternenhimmel dort ebenso atemberaubend ist wie die Stille, die Natur und vieles andere, wissen wir aus Erfahrung, dass wir ebenso wie unsere Kinder auf die Dauer Kultur, Konzerte und "den Duft der großen weiten Welt" brauchen. Vor 20 Jahren hätte es mich zutiefst gereizt, so ganz abgeschieden am Ende der Welt zu leben, heute nicht mehr.


  • Wir haben das Hundeproblem mit Hilfe der örtlichen Tierschützer, des dubiosen Herrn und einer Spende des Fincabesitzers gelöst. (Die Tiere werden versorgt, geimpft etc, und weitervermittelt). Wir haben mit dem Fincabesitzer besprochen, dass und warum der Ort für uns als Wohnsitz nicht in Frage kommt, und er hat bei der Gelegenheit beschlossen, sie wieder zu verkaufen. (Hat jemand Interesse? Wunderbare hochgelegene Finca auf La Palma mit Nebengebäude, zwei Bädern mit herrlich verrückten Mosaiken, alten Dielen und der traditionellen herrlichen holzgetäfelten Decke, ca. 3 ha Land inkl. Erdkeller, Mandelbäume, Organgenbäume usw. gehören dazu, Telefon und Fax vorhanden, Internet erst im nächsten Ort, ich glaube 270.000 €).

  • Tilman und der freundliche schwäbische Nachbar haben neue Türschlösser eingebaut/einbauen lassen, wir haben mit den Kindern ein paar wunderbare Ausflüge gemacht, zu riesigen alten Drachenbäumen, Höhlenwohnungen am Meer, historischen Höhlen mit uralten Steinzeichnungen (leider voller zweckentfremdeter Papiertaschentücher - die Kinder haben sich sehr empört, wieso Touristen solche Orte als Toiletten missbrauchen). Wir haben einen großen Wochenmarkt besucht und (in einer uralten Presse frisch gepressten) Zuckerrohrsaft getrunken, uns Zuckerrohr gekauft und abends beim Whist-Spielen genüsslich darauf herumgekaut (und haben jetzt ein Gefühl dafür, wieso es Rohrzucker heißt). Wir haben abends den unglaublich leuchtenden Sternenhimmel bewundert und den Kindern die wichtigsten Sternbilder gezeigt, außerdem anhand der deutlich sichtbaren Milchstraße die Lage unseres Sonnensystems in der Galaxie erläutert (Thomas sagte andächtig: "Wenn man bedenkt, dass das alles Sonnen sind!"). Wir haben dann noch die Verlängerung der soeben ablaufenden Versicherung des Toyota-Jeeps organisiert. Die Kinder haben auf der Straße gebolzt, die Orangen auf Erntbarkeit geprüft, viel gelesen und gespielt. Und wir haben einfach nur dagesessen und auf das Meer geschaut, das zu dieser Jahreszeit nicht so zum Baden geeignet ist (zu viele Steine und zu hohe Wellen).

  • Außerdem war gerade Carnevale. An unserem abgelegenen Ort haben wir nichts davon mitbekommen, aber Nachbar Kurt warnte uns, am Faschingsdienstag seien überall die Geschfte geschlossen. Er brachte uns mit dem alten Toyota morgens um 6 zum Flughafen (der Toyota wird auch verkauft...), und in Los Llanos wanderten tatsächlich noch die letzten Nachtschwärmer durch die Straßen, viele weiß gekleidet mit Panama-Strohhut und Havanna-Zigarre, denn am Montag war das Fest der "Indianos", der reich aus Amerika auf die Inseln zurückgekehrten Guancheros, wie die palmerischen Einwohner sich selbst nennen. Viele waren auch mit Mehl bestäubt - es hat, wie unser Nachbar erzählte, wohl mal eine wüste Hungersnot gegeben, und die spanischen Besatzer haben verdorbenes Mehl geliefert, das ihnen die Guancheros dann um die Ohren gehauen haben. Zur Erinnerung daran wird auch heute noch jedes Jahr ganz viel Mehl mit Kanonen verschossen.

  • Einem dieser Carnevale-Freunde wurde dann bei der Landung auf Las Palmas furchtbar schlecht, gottlob spritzte es nicht in unsere Richtung, und die Kinder waren tiefbeeindruckt von den grässlichen Folgen übertriebenen Alkoholkonsums, hin- und hergerissen zwischen Ekel, Unverständnis und Mitgefühl, vor allem für die Reinigungsmannschaft des Flugzeugs, die wir noch anrücken sahen .
  • Hier in der Stadt waren gestern tatsächlich die meisten Geschäfte geschlossen, Feiertagsstimmung am Faschingsdienstag, heute "Aschermittwoch" ist hier wieder alles normal, und erstaunlicherweise gehen hier die Faschingsfeiern noch weiter, die Fastenzeit ist hier offenbar kürzer. Die Kinder bereiten seit gestern eine andere Feier vor, Tilman hat morgen Geburtstag, und es wird gemalt und posaunt/Gitarre gezupft, während Tilman Augen und Ohren fest verschlossen hält, damit er morgen auch überrascht sein kann. Jetzt sind sie zum Surfen an den Strand gefahren, Tilman und ich wechseln uns angesichts des einzigen PCs mit Bürodienst ab.

  • Die Freunde der Bildungsfreiheit und viele andere wache Eltern befassen sich jetzt mit dem neuen Gesetzesentwurf der Bundesregierung, in dem unter Hinweis auf vernachlässigende Eltern die Elternrechte insgesamt empfindlich beschnitten und die des deutschen Jugendamtes, die ja jetzt schon international bis ins EU-Parlament hinein mit Befremden diskutiert werden, nochmals ausgeweitet werden sollen. Sorgerechtsentzug soll in Zukunft ratzfatz gehen - dabei krankten die zuletzt bekanntgewordenen Fälle nicht an mangelnden gesetzlichen Möglichkeiten, sondern an der Untätigkeit überforderter Behörden trotz deutlicher Hinweise auf Missstände. Nähere Infos auf der interessanten Seite http://www.kinderrechte-infos.de/.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Scheiße, da will die Regierung den teufel mit dem Beelzebub austreiben ...

Als ob zu geringe Strafen die *wirkliche* Ursache für solche erschütternden Fälle der Vernachlässigung und tiefen Verletzung von Kindern durhc ihre Eltern wären ...

Vielmehr zeigt sich hier, wozu die Ächtung von Fürsorglichkeit und Liebe im gesellschaftssystem und der Usus des Verschweigens eigener Probleme und Beschränktheit führen können :( ...

Die Ausweitung des Sorgerechtsentzugs halt ich für genauso unsinnig wie die Verschärfung des Jugendstrafrechtes.

Vielmehr ist Hinterfragen angesagt, zuallererst von sich selbst und dann von gesellschaftlichen Verdrängungen, die schließlich zwangsläufig zu solchen Gewaltausbrüchen führen :( ...

Die Notwendigkeit elterlicher Fürsorge, aber auch die Beschränktheit und Hilflosgikeit vieler Eltern dürfen nicht länger verdrängt werden.

Schonungslose Ehrlichkeit ist angesagt.

Ich bin ja mal gespannt, wie die Pressefritzen von Frau Merkel auf diese Frage zur Kriminalisierung des Freilernens (Heimunterricht is imho zu eng)
antworten ...

Herzlichen Gruß
und alles Gute :)
Max.

Anonym hat gesagt…

Das sind ja eine Menge tolle Sachen in eurem Beitrag.

Eine erste Sache jedoch verstehe ich nicht. Ihr habt kein Internet, aber Telefon? Internet gibt es durch die Telefondose (hier braucht man ein Modem, ist nicht so schnell, wie DSL, aber früher hat man das nur so gemacht).
Für abgelegene Finken gibt es aber auch Internet per Satellit.

Anonym hat gesagt…

Eine Regierung, die wirklich an einer Problemlösung interessiert wäre, könnte doch folgendes machen.

Besuch vom Jugendamt alle 2 oder 3 Monate (ab Geburt des Kindes). Sollte die Familie Probleme haben (manchmal sind wir auch überfordert) Hilfe schicken. z.B. Einen Babysitter für ein paar Stunden wöchentlich, um Eltern mal eine Verschnaufpause zu geben. Fortbildungsseminare an den Pädagogischen Fakultäten der Universitäten kostenlos.

Wenn man Überforderten hilft, anstatt sie zu bestrafen, und eine Atmosphäre des Vertrauens schafft, dann entlastet das Familien.

Anonym hat gesagt…

Wie wäre es mit einem Extra-Bildungsgeld für Familien, die ihre Kinder zu Hause unterrichten ?
Wir wären zum Beispiel gewillt sogar noch ein paar andere Kinder UMSONST!! mitzuunterrichten.

Der Staat spart Milliarden, Frau Merkel. Und das Bildungssystem wird gerechter und verbessert sich für alle. Schulklassen werden automatisch kleiner.

Lia hat gesagt…

Es gäbe eine Menge Möglichkeiten, „Schule“ ganz anders aussehen zu lassen als jetzt. Mir persönlich gefällt ja ein flexibles System aus Homeschooling und Kursen, die man an unterschiedlichen Einrichtungen belegen kann. Ich würde noch nicht mal den Eltern mehr Geld geben, da nicht alle Eltern so verantwortungsbewusst sind, Geld immer zweckgebunden auszugeben.
Stattdessen sollte es „Bildungskonten“ für Kinder geben auf denen ein jährliches Budget festgelegt wird. Von diesem Konto könnten Unterrichtsmittel, Kurse, Vereinskosten oder eben auch die Kosten für eine Schule bezahlt werden. Eltern, die ihre Kinder ent-sprechend fördern, könnten einen „Bonus“ für ihr eigenes Bildungskonto bekommen. Zweimal im Jahr ein Gespräch mit Kind und/oder Eltern bei einem „Bildungsberater“, der überprüft, ob alles in Ordnung ist und das Kind sich weiter entwickelt hat. Der viel-leicht auch eine Liste mit interessanten Kursangeboten oder neuen Vereinen anbietet.
Fälle wie Jessica, Robin oder Lea-Sophie wird man weder mit der einen Beschulungs-methode noch mit einer anderen jemals verhindern können. „Der Staat“ (ich dachte ja immer, dass wir alle gemeinsam das sind) sollte aber doch fähig sein, zwischen den ein-zelnen Fällen unterscheiden zu können. Immerhin gibt es ja in Deutschland die absolute Schulpflicht und trotzdem eine ungeheure Menge an misshandelten, missbrauchten und vernachlässigten Kindern. Bei den meisten solchen Fällen hört man dann von den Leh-rern des Kindes, es wäre ja in der Schule vollkommen unauffällig gewesen. Als ob der Schulbesuch schon jemals ein solches Kind vor den Grausamkeiten bewahrt hätte, de-nen es zu Hause ausgeliefert war.
Ein System, in dem Familien regelmäßig besucht werden, hätte da viel mehr Sinn. Das Bildungskonto für ein Kind könnte auch schon relativ früh angelegt werden. Immerhin gibt es Kinder, die relativ früh schon lesen lernen möchten und Sprachkurse für nicht deutschsprachige Kinder wären dann auch gleich abgedeckt. So könnte man echte Chancengleichheit schaffen, die es beim derzeitigen Schulsystem sowieso noch nie ge-geben hat.

Anonym hat gesagt…

Mit so einem Bildungskonto wäre eine tolle Bildungslandschaft möglich. Zum Beispiel könnten sich auch Schüler zusammentun und sich einen Privatlehrer stundenweise mieten (oder ähnliches).
Nehmen wir ein monatliches Geld von 300€ für Bildung (soweit ich weiß kommen Schulen aktuell teurer) pro Kind. Dann könnten schon 4 Kinder (wenn sie wollen sich 120 Bildungsstunden monatlich leisten).
Wenn sie lieber so lernen und sich Bücher und Medien kaufen und gegenseitig leihen, haben sie nach ein paar Monaten eine richtig kleine Bibliothek zusammen.
Wissen, Bildung und Freude wären im Einklang und auf dem Vormarsch.
Wer wünscht sich nicht so eine Welt?
Guy Inkognito

Anonym hat gesagt…

Gibt es in München Homeschooler, oder Menschen die es planen ? Wir fühlen uns so alleine in Bayern.

kleine-familie@gmx.de

Lia hat gesagt…

Und der Staat hätte über dieses Bildungskonto immer noch genug Möglichkeiten, eine gewisse Kontrolle auszuüben. Versäumen Kinder und/oder Eltern unentschuldigt die Termine beim Bildungsberater kann man immer noch Konsequenzen setzen (wie auch immer die dann aussehen mögen). Kursbestätigungen etc. könnten als Bildungsnachweis dienen.
Ich verstehe ja immer noch nicht, welches Problem deutsche Politiker mit dem Hausunterricht haben. In Österreich wird der Erfolg des Hausunterrichts durch eine Prüfung am Jahresende kontrolliert. Besteht das Kind die Prüfung nicht, muss es das Jahr in einer Regelschule wiederholen. Diese Regelung führt anscheinend dazu, dass noch kein Kind die Prüfung nicht bestanden hätte. *ggg*
Schlimmstenfalls würde ein Kind also ein Jahr "verlieren". Das könnte durch sitzenbleiben genauso passieren. Wo ist also das große Problem?
Die Idee mit dem Bildungskonto gefällt mir allerdings viel besser als die Regelung in Österreich. Kinder würden dadurch auch einen ganz anderen Zugang zu Geld und Marktwirtschaft bekommen. Geld zu sparen indem man als Gruppe einen Kurs bucht oder auch nur indem man als Gruppe in ein Museum geht, leuchtet schnell ein. Das ist angewandte Mathematik, wenn man ausrechnet, wie man am meisten aus dem Jahresbudget rausholen kann. Und genau solches Wissen ist in der Wirtschaft heute gefragt.
So etwas nennt man dann learning by doing, was eine der besten Lernmethoden überhaupt darstellt.

Anonym hat gesagt…

Oder im Päd-Jargon:
Situatives Lernen - oder ?

Ich glaube in Deutschland geht es im Bildungssystem aber nicht darum allen Kindern was beizubringen.
D ist ja PISA-Letzter bei Ausländerfeindlichkeit (oder eher erster).
Heutzutage sind die Bücher ja soweit fortgeschritten (besonders Kinderbücher), dass selbst das dümmste Kind alles Wissen kann - selbst gefährliches Wissen wie Chemie oder Geschichte.
Aber woher soll man dann die Leute nehmen, die im Baumarkt die Säge bedienen oder Bus fahren.
Dafür braucht man eine Mainstream-Bildung, die ein Schulzwang garantiert.
--
Ich verstehe eh nicht, warum Eltern deren Kinder durchfallen, 5er und 6er bekommen ihre Kinder weiterhin als Kanonenfutter für die Glockenkurve in die Schule schicken.

Guy Inkognito

Anonym hat gesagt…

Sehr fruchtbare Diskussion hier, aber wenn Homeshooling und vor allem Unshooling in D, dann bitte ohne bürokratisches Kontrollgeflecht, das ist nur im Weg.
Und bitte keine Kapitalistischen Pro-Argumente, da kommt mir gleich wieder die Angst ...

Ich lese grade das heute eingetroffene Teenager-Befreiungs-Handbuch, vielen vielen Dank, liebe Verleger :). Ach hätt ich nur eher davon erfahren :( ...
Naja, ich denk, bei mir ist vor allem ein Abwerfen des Schulballastes fällig, damit ich zumindest als Rrwachsener frei und unbeschwert lernen kann ...

Herzlichen Gruß und
Vielen Dank euch
Max.

Anonym hat gesagt…

Ich möchte übrigens bei den Worten
"selbst das dümmste Kind" das "dümmste" in Extra-Anführungsstriche gesetzt wissen.

Hi Max,
schön das Du auch wieder hier bist.
Bürokratie und Kapitalismus sind nicht nur schlecht, im Befreiungshandbuch sind bestimmt ein paar Literaturangaben dazu.

Wasser kann gut und schlecht sein- habe ich mal gelesen.

Ein Kontrollgeflecht ist natürlich nicht schön, und der Kapitalismus ist nur dann gut, wenn er den Menschen dient (gleiches gilt ja auch für die Gesetze:).


Guy Inkognito

Lia hat gesagt…

Ich denke mal, dass ein wenig Kontrolle nicht schlecht ist. Es gibt genügend "Familien", die tatsächlich ein sehr schlechtes Umfeld für Kinder bieten. Bei solchen Familien sollte man eingreifen können bevor es zu spät ist.
Über Kapitalismus mag man streiten können, aber viele "wirtschaftliche" Kenntnisse wie Zeitmanagement, Budgetierung oder Controlling kann man gewinnbringend auch für sich selbst zu Hause im persönlichen Umfeld anwenden. Eine der wichtigsten Eigenschaften ist meiner Meinung nach der gesunde Menschenverstand, der so vielen Leute heute fehlt.
Und den bekommt man in einer durchschnittlichen Schule absolut nicht beigebracht. Wozu auch, gesunder Menschenverstand kommt in keinem Schulbuch vor, also ist er nicht wichtig, oder?
Das Befreiungshandbuch lese ich auch grade. Es regt sehr zum Denken an und erklärt so einiges, was mir schon während meiner Schulzeit spanisch vorkam.
Was ich der Schule am meisten vorwerfe ist, dass sie die Kinder abstumpft bis sie jegliche Freude am lernen verloren haben. Dann wird sturheil auswendig gelernt, was im Buch steht, denn mehr ist nicht sinnvoll. Man muss ja nur durch die Schule kommen....

Anonym hat gesagt…

"Gesunder Menschenverstand"

Mit Verlaub, aber da schüttelts mich ...

Vielleicht hat man die Phrase ja schon verwendet, um mir zu verstehen zu geben, dass man mir selbigen, anerziehen muss, ich weiß es nicht mehr ...

Verstand verbinde ich mit Rationalität, diese wiederum mit Gefühlsarmut und Gefühlsverdrängung und das wünsche ich niemandem, auch wenns bei uns weit verbreitet is ...

In dieser Disziplinierungsgesellschaft (Ich sag nur Strafrecht, Strafvollzug) brauchen wir denke ich zuallererst Slebstkritisches Hinterfragen staatlicher Maßnahmen, Unterstützung, Hilfe, Ursachenforschung.
Dazu dann meinetwegen Kontrolle. Aber nich als Nonplusultra, bitte nicht, was wir dann kriegen, sehn wir an der Politik einer Frau Merkel, eines Herrn Schäuble und Co. ...

Ach, wir bräuchten mal ein Forum, schon das Textfeld hier is mir zu winzig :D, ich kenn da nur die unerzogen-Mailingliste, und da gehts ja nich primär um unshooling ...

Max.

Anonym hat gesagt…

P.S.: Bitte nich persönlich nehmen, lia, ich will nur ehrlich sein.

Deinen Gedanken zum TBH, wie ichs jetzt mal abkürze, schließ ich mich mal so an :)

Am meisten denk ich mir grade, Scheiße, was für eine Zeitverschwendung ...
Und einer verpasste Gelegenheit; darf ich jetzt alles nachholen und therapieren , was damals und in der Frühkindheit verpfuscht wurde :( ...

Aber macht auch viel Mut, besonders die Art wie Grace Llewellyn das schreibt, find ich geil :).

Max.
Die Zukunft ist frei :)

Anonym hat gesagt…

Der Begriff "gesunder Menschenverstand" drückt doch eigentlich eine der schönsten Sachen aus. Verstand ! und dann noch ein gesunder. Wie schön.
Leider wird es von allerlei Leuten und besonders Lehrern verwendet um einen runterzumachen.
Meistens, wenn sie mit einer Idee konfrontiert werden, die nicht im Lehrplan steht. Oder die irgendwas mit Freiheit zu tun hat.

Gegen den gesunden Menschenverstand ist einzig und alleine Eltern das Recht auf ihre Kinder abzuerkennen. Und Kindern das Recht auf Ihre Eltern streitig zu machen und das zu kriminalisieren.
Keiner meint hier schlimme Mißbrauchsfälle. Wir meinen liebevolle Eltern mit gesundem Menschenverstand.
Diese ihrer Kinder zu berauben, und die Kinder ihrer zu berauben, das ist krank.

Sich dann auf ein Amt oder ein Gesetz herauszureden, das ist krank.
Und ohne Verstand, und somit eines Menschen nicht würdig.

Was wir brauchen sind Gesetze, Kontrollen und Bürokratie mit gesundem Menschenverstand. Kapitalismus mit Herz.

Und das aus solchen Dingen, wie dem gesunden Menschenverstand, keine Schimpfwörter mehr gemacht werden, bei denen viele "ehemalige Schüler" eine Gänsehaut bekommen.

Und Bildungsgerechtigkeit, und Jugendamt, usw. Das alles sollen wieder Wörter werden, vor denen man keine Angst haben braucht.
Sondern auf die man Stolz sein kann, und die einem Hoffnung geben.

Guy Inkognito

Dagmar Neubronner hat gesagt…

Liebe Leute, also wenn ihr ein Forum sucht, dann geht doch bitte zu dem extra kürzlich eingerichteten Forum des Netzwerks Bildungsfreiheit. Das ist nur auf den ersten Blick etwas unübersichtlich, wenn man es in sein heimisches Email-Programm einbindet (Outlook oder so), ist es sehr praktisch, und dort gibt es "public" Foren und "interne" Foren, für die man sich anmelden kann und dann natürlich nicht anonym bleiben kann, das Netzwerk muss da natürlich vorsichtig sein. Warme Empfehlung, das Netzwerk ist ein sehr effektiv arbeitender Zusammenschluss von Freilernen und Homeschoolern aller Coleur, und auf der Seite gibt es viele Links zu den vielen anderen tollen Seiten zu diesem Thema.
Oder ihr erobert das ziemlich brachliegende deutsche Forum auf www.learningfreely.net...

Was nicht heoßt, dass ich mich nicht über viele Kommentare freue, aber Diskutieren kann man natürlich besser in einem richtigen Forum.

Zu den Fragen: Für einen Verlag kommt man heutzutage mit einer Modem-Verbindung nicht weit, wir brauchen schon schnelles DSL. Daher nützt uns ein Funktelefon nichts, und Satellit ist teuer, und überhaupt.

rauhtierchen hat gesagt…

Tolle Ideen habt ihr !

Verknüpft das ganze mit einem Credit-System für abgeschlossene Kurse, die für einen späteren Abschluß gesammelt werden (ähnlich wie beim Studium) - und Deutschland hätte das fortschrittlichste Bildungssystem und jede Menge begeisterte und gebildete junge Leute.
Die EUR 300 sind ganz gut gerechnet: die Deutsche Fernschule berechnet ungefähr so viel.
Wenn ich mir allerdings die amerikanischen Curricula ansehe, dann komme ich für eine Grundbildung ungefähr mit einem Zehntel aus: bleibt also viel Geld um Talente und Interessen zu fördern - und Schwächen in aller Ruhe anzugehen.
Will keiner von euch Politiker werden ?! ;->

Lia hat gesagt…

Keine Bange, Max, ich hab Deine Kommentare nicht als Angriff verstanden. :-) Jeder hat eine eigene Meinung, die er auch vertreten sollte.
Ich sehe den gesunden Menschenverstand eher wie Guy, als ein Mittel, Probleme mit Hirn und Herz anzugehen.
Rauhtierchen hat auch gute Ideen. Mit Credits wäre auch das Argument widerlegt, dass Homeschooling zu keinem anerkannten Abschluss führt. Ob und welche Kurse mit solchen Abschlüssen man belegt, steht ja dann jedem frei. Auch die Richtung, in der man sich orientiert, wäre dann weniger starr und könnte jederzeit geändert werden. Wo doch Flexibilität heute als so wichtig angesehen wird.
Ist das in Deutschland wirklich so reglementiert, dass man nur über die Schule einen anerkannten Abschluss machen kann?
In Österreich kann ich per Studienberechtigungsprüfung selbst dann studieren, wenn ich faktisch vorher noch nie eine Schule von innen gesehen habe. Und man kann so ziemlich jede Art Schule später als Abendschule absolvieren. Ich kenne genügend Leute, die das so gemacht haben.
Die Idee mit einem Bildungskonto und entsprechenden Credits wäre auch in anderer Hinsicht hilfreich. Wer sich heute beruflich umorientieren möchte ist meist auf die finanzielle Hilfe des Betriebes oder des Arbeitsmarktservices angewiesen. Grad zweitere genehmigen einem so eine Umschulung nur im Seltenheitsfall. Mit dem Bildungskonto könnte man hier viel einfacher zu einer zweiten Ausbildung kommen. Und es wäre eine Möglichkeit, Formen des "Talentetauschmarktes" mit einfließen zu lassen. Ein "ich bring dir Spanisch bei, dafür bringst du mir Japanisch bei" würde Geld sparen helfen und wohl auch zum multikulturellen Austausch beitragen. Von fehlender Sozialisation könnte man dann auf keinen Fall mehr reden. *ggg*
Ich glaub, ich mach mich nachher mal auf die Suche nach diesen Foren. *ggg*

Anonym hat gesagt…

Hallo Dagmar,

ich werde auch mal mit dem Netzwerk Bildungsfreiheit Kontakt aufnehmen.
Allerdings denke ich jeder Widerstand braucht auch ein paar "Ikonen", um den sich die Kraft formieren kann.

--
Generell bin ich die Anschuldigung der fehlenden Sozialisation total satt. Dann sollen sie halt die Pausenhöfe öffnen. Fertig.
Was das ganze mit der Unterrichtsteilnahme und so weiter zu tun hat entzieht sich meiner Kenntnis. Das ist doch eine total lächerliche Argumentation, an den Haaren herbeigezogen. Einfach nur falsch.
Ein Vorurteil ohne Realität.
Ich kann da nur lachen darüber, die Kinder vernetzen sich heutzutage so stark über lokalisten.de und ähnliches, das sie bestimmt keine Zelle brauchen um sich kennenzulernen.

Guy Inkognito

Lia hat gesagt…

Dieses Argument mit der Sozialisation ist in vieler Hinsicht klasse. Wenn ein Kind nämlich erst in der Schule sozialisiert würde, was ist dann in den Jahren vorher in den Familien passiert, in denen die Kinder aufwuchsen?
Ich war nie in einem Kindergarten, was eigentlich bedeutet, dass mir mit Schulanfang schon einiges an Sozialisation fehlte. *ggg* Ich hab halt mit den Nachbarskindern gespielt, aber das zählt ja anscheinend nicht als Sozialisation. Zumindest nicht, wenn man den deutschen Schulbehörden Glauben schenken darf. Wieso soll Sozialisation erst in einer riesigen Gruppe Gleichaltriger entstehen? So sind Kinder eigentlich nie aufgewachsen. Üblicherweise wuchsen Kinder immer schon in Familien auf und dort waren die Mitglieder logischerweise nie alle gleich alt.
Das Schlimme ist, dass sich die Welt verändert hat, die Schule aber nicht. Eigentlich könnte man eine Schule so nehmen wie sie ist mit allen Lehrern und 100 Jahre zurück in die Vergangenheit versetzen. Die Leute würden sich vielleicht ein wenig über die seltsame Mode an der Schule wundern, sonst aber über rein gar nichts.
Ich frage mich nur, wie Kinder in Zeiten sozialisiert wurden als es gar keine Schulpflicht gab.

Anonym hat gesagt…

Dann sollen sie halt eine Pausenhofpflicht von einer halben Stunde am Tag einführen (oder zwei Stunden am Freitag) und die Pausenhöfe für alle öffnen.
Was hat das denn mit dem Unterricht zu tun ? Geschweige denn mit dem Stoff ?

Guy Inkognito

Freie Bildung hat gesagt…

..also ich persönlich finde immer das Argument mit den sich bildenden Parallelgesellschaften klasse. Wir Homeschooler könnten eine echte Bedrohunng für Deutschland darstellen. ;-)

Ansonsten: sehr schöne Disskussion

lg, Isla

Anonym hat gesagt…

Das Argument der Parallelgesellschaft.

Es erinnert ja eigentlich sehr an den Ägyptischen Pharao dem es zu viele Ausländer wurden.

Auf der anderen Seite gibt es ja immer mehr Parallelgesellschaften - in den Augen der Politiker. Ausländer führen ja zahlenmäßig.

Vor 10 Jahren gab es nur eine Parallelgesellschaft. Nämlich die Politiker, von denen man sagte, sie hätten den Kontakt zum Volk verloren.

Naja, jetzt geben sie sich volksnah und bezichtigen alle Randgruppen und Minderheiten als Parallelgesellschaften.
Gutes Ablenkungsmanöver. Allerdings sehr gefährlich.

Guy Inkognito

PS: Kennt jemand die English-Only Bewegung?

Lia hat gesagt…

Ja, das mit den Parallelgesellschaften ist auch ein wunderbar exquisites Argument. Als ob's davon nicht ohnehin jede Menge gäbe. Selbst wenn die Erwachsenen alle eine einheitliche Gesellschaft bilden würden, wäre das bei den Jugendlichen doch auf alle Fälle anders. Soziologisch gesehen haben heute nicht mal Mitglieder derselben Gesellschaftsgruppe ein und dieselbe Gesinnung, gehören also mentalitätsmäßig schon zu diversen Subkulturen.
Was ist die Englisch only Bewegung? Davon habe ich im Leben noch nichts gehört. Ich weiß nur, dass es hier in Österreich eine Pro-Monarchie-Bewegung gibt (Österreich zurück zur Monarchie *kicher*), die tatsächlich befürwortet, dass Englisch als Amtssprache in Österreich eingeführt werden sollte. *ggg* Damit hat das vermutlich nichts zu tun, oder?

Anonym hat gesagt…

Die English-Only Bewegung war (oder ist) in Amerika. Alle sollen Englisch lernen, Formulare sollen nur noch in Englisch sein, Steuerdokumente usw.

In Amerika meinen die meisten, dass das nur rassistische Polemik sei und es wichtig für die verschiedenen Kulturen sei ihre Muttersprache zu pflegen.

In der Mathematik berühren sich Parallen übrigens im Unendlichen (sehr philosophisch, wenn man den menschlichen Verstand (den gesunden nicht den beschränkten) als unendlich betrachtet).
Die Erde ist aber eine Kugel (genauer eine verschrumpelte Kartoffel), hier berühren sich Parallelen an den Polen.

Guy Inkognito

Das mit Österreich finde ich interessant. Leider gibt es keine international unabhängige Institution, die bewertet, welches Land eine Demokratie ist und welches nicht, selbst Bayern und Rußland sind Demokratien.

Lia hat gesagt…

Ööhhmm, ich dachte eigentlich schon, dass Bayern eine Demokratie ist - gehört das nicht zu Deutschland? *lach*
So ganz ernst nehmen darf man die Monarchisten-Fans nicht. Wenn es nach denen geht, müsste die alte österreichisch-ungarische Monarchie wiederbelebt werden. Dazu würde auch gehören, dass Ungarn wieder zu Österreich gehört und Deutschland, Italien usw. alle Anteile der ehemaligen Monarchie wieder rausrücken. Interessanterweise sind da recht viele junge Leute dabei. Der Wunsch nach dem starken Mann, der alles regelt, scheint wieder recht groß geworden zu sein.
Solche Bewegungen, wie auch English only, vereinheitlichen alles zu sehr. Die Natur bevorzugt Vielfalt und nur aus der Vielfalt heraus kann sich Leben weiterentwickeln. Insofern stimmt eben auch die Darwin'sche Theorie vom Recht des Stärkeren nicht, weil das eine viel zu einseitige Überlebensstrategie wäre.

Artur hat gesagt…

möchte mich mal zum Thema parallelgesellschaften einklinkern, warum fürchtet sich der staat davor,weil er(patriarchalisch) angst hat, ein stück macht zu verlieren. ich finde aber das das bilden von parallelgesellschaft einen zutiefst menschliche existensform darstellt, nämlich der drang sich mit gleichen zu verbinden und sich von den "anderen" zu distanzieren, um sich selbst weiterentwickeln zu können. beispiel: ich finde eine familie oder gemeinschaft und löse mich aus der alten, oder ich iniziere ein internetforum um mich mit gleichdenkenden auszutauschen und lasse alte denkmuster, die aus alten beziehungskisten kommen (schule z.b.) hinter mir. es gibt eigentlich keine legitimation seitens des staates parallelges. zu verhinderen, er sollte sich nur darauf beschränken, zu schauen, dass keine regeln des zusammenlebens gebrochen werden (gewalt, unrecht usw.) ebensowenig sollte auch niemand sagen welche bildung für wachsende menschen richtig oder falsch ist, womit wir auch schon beim unschooling sind. zum glück haben wir ja die möglichkeit zu wählen auf welchem staatsterritotium wir leben wollen. das hatten wir im osten leider nicht.ich persönlich fühle mich keinem staate angehörig, möchte mich auch von niemandem kontrollieren lassen (ausser von freunden, die ich sowieso einlade), möchte auch niemanden kontrollieren.
lg artur

Anonym hat gesagt…

Darwin hat auch nie etwas von einem Recht des Stärkeren gesagt. Es gibt eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass der, der besser an die Umwelt angepasst ist die höhere Fortpflanzungs- und Überlebenswahrscheinlichkeit hat. Jeweils auf seine Art und Weise, eine Ameise also anders als ein Elefant.

Die Vielfalt ist das tragende Element auch in Darwins Theorie. Zusammen mit Mendels Erkenntnissen erklärt sie sogar die maximal mögliche Vielfalt ohne das Chaos (also überlebensunfähige Spezien existieren). Später haben kranke Menschen das Überleben des Stärksten daraus pervertiert. Die konnten keine Vielfalt vertragen (mangels Intelligenz?).

Guy

Artur hat gesagt…

der singular zu vielfalt ist wahrscheinlich doch einfalt

artur

rauhtierchen hat gesagt…

Liebe Grüße an alle Mitleser,

Morgen ist Elternsprechtag.

Ich werde die Klassenlehrerin damit konfrontieren müssen, daß die Deutsche Fernschule besser für unsere Kleine ist, als der Unterricht im Klassenverband.

Okay, das Thema wurde bereits intensiv vorbereitet - aber halt nur theoretisch. Nun wird es ernst, denn zum Schuljahresende wollen wir (mit ärztlicher und schulärztlicher Unterstützung) den Wechsel durchsetzen.

Denkt bitte morgen an uns ...

Lia hat gesagt…

Rauhtierchen, da wünsch ich Euch ganz viel Glück! Wenn ich das hier so mitkriege, stehen Eure Chancen nicht allzu gut, dass der Unterricht per Fernschule genehmigt wird. Es kommt wohl auch immer darauf an, wie die jeweilige Schule selbst dazu einge-stellt ist. Und warum sollte es eine Schule drauf ankommen lassen, weniger Schüler und damit auch weniger Geld vom Staat zu bekommen? Die sägen sich nicht gerne selbst den Ast ab auf dem sie sitzen.
Könnt Ihr aus Eurer Kleinen keinen Kinderstar, Zirkusstar oder eine Schwerverbreche-rin machen? In dem Fall würdet Ihr die Fernschule unter Umständen sogar vom Ju-gendamt bezahlt bekommen. *ggg*
Ich bin mir sicher, hier drücken Euch alle die Daumen, dass es ausnahmsweise mal klappt.

rauhtierchen hat gesagt…

Wir zweckentfremden hier doch irgendwie den Blog der Neubronners ...

Sorry ...

Schwer*krank und schwer*behindert trifft es eher. :-(

Und ja, da wird sich ein Amt finden müssen, daß die Fernschule finanziert - denn wir leiden schon an dem zusätzlichen Lehrmaterial, das wir anschaffen, weil wir mit den Schulbüchern nicht auskommen.

EUR 3.000 + für die Fernschule sind absolut utopisch !

Deshalb auch die viele Vorbereitung, in der Hoffnung, alle Entscheidungsträger überzeugen zu können.

Anonym hat gesagt…

Hallo Rauhtierchen,

das Problem mit den zusätzlichen Lernmaterialien haben wir gänzlich abgeschafft.
Wir gehen fast jede Woche in die Bibliothek (und mit den beiden Kinderausweisen - beide umsonst) dürfen wir insgesamt 40 Medien ausleihen.
Das tun wir auch und die Kinder haben absolut freie Wahl - nach dem Motto lieber 5 Bücher zu viel, als eines zu wenig.
Dort gibt es auch Computerspiele /Spiele und für behinderte Kinder etwas.
Zusätzlich kannst Du auch Wünsche äußern.

Für morgen wünsche ich euch viel, viel, viel Erfolg.

Guy

rauhtierchen hat gesagt…

Das nimmt etwas Überhand an dieser Stelle.

Reden wir hier weiter ?

http://www.homeschoolblogger.com/rauhtierchen/

Danke, liebe Dagmar, fürs hosten :-)