Freitag, 7. März 2008

Auswandern und Arbeitssuche in Österreich

Nachdem das Thema hier durchaus immer wieder aktuell werden kann, hier ein kleiner Tipp zur Arbeitssuche in Österreich:

Unser Arbeitsamt (www.ams.at) hat sich in den letzten Jahren zu einer recht guten Servicestelle entwickelt. Man kann sich hier auch dann als arbeitssuchend melden, wenn man in einem Arbeitsverhältnis steht oder z.B. auch noch nicht in Österreich wohnt.
Auf der Seite des AMS hat man die Möglichkeit online nach Stellen zu suchen und selbst mehrere Profile (also für unterschiedliche Berufsbilder) für suchende Arbeitgeber zu erstellen.
Wohnt man in Österreich, bekommt man dann auch interessante (und damit meine ich auch wirklich interessante) Stellenangebote zugeschickt.
Die Leute sind (zumindest hier in Salzburg) sehr freundlich und hilfsbereit.

Die meisten Stellenangebote und offene Wohnungen findet man in Salzburg in der Wochenendausgabe der "Salzburger Nachrichten", in Kärnten und Steiermark in der "Kleinen Zeitung" und in Wien im "Standard". Für die anderen Bundesländer weiß ich leider nicht so genau Bescheid.
Die Salzburger Nachrichten haben auch eine online-Präsenz: http://www.salzburg.com/nwas/index.php

Links in der Leiste findet man unter "Marktplatz" sowohl den Stellenmarkt als auch den Immobilienmarkt.

Heute hab ich in der Zeitung gelesen, dass sich hier in Salzburg einige Familien für eine montessorigeführte Homeschool-Gruppe zusammengeschlossen haben. Sie haben Räume angemietet und wollen versuchen, nächstes Jahr als Privatschule anerkannt zu werden. Vorläufig gilt der Unterricht dort als Hausunterricht und die Kinder müssen die Prüfungen ablegen am Schulende. Leider stand keine Kontaktadresse in dem Artikel.

Kommentare:

Lia hat gesagt…

Ich habe den Artikel doch noch gefunden:

In den Schulen herrsche das „Diktat der Mittelmäßigkeit“. Die Talente der Schüler würden „vernichtet“. Andreas Salcher, der Gründer der „Sir Karl Popper Schule“, übt in seinem neuen Buch massive Kritik am österreichischen Schulsystem. Und er ist nicht allein. „Ich habe gemerkt, wie die Persönlichkeit meiner Tochter gelitten hat“, sagt Anneliese Jandl aus Salzburg. Ihre Tochter sei kreativ und musikalisch, nur in Mathematik habe sie sich schwer getan. Die Folge: „Es hat sich Schulfrust eingestellt.“

Jandl wollte das nicht hinnehmen. Mit einer Gruppe gleich gesinnter Eltern gründete sie den Verein „Lernwerkstatt Salzburg“. Die Eltern mieteten ein Haus in der Kendlersiedlung, sanierten es und machten daraus eine Schule. Seit Herbst werden dort fünf Schulkinder und fünf Kindergartenkinder betreut – zum einen von Eltern, zum anderen von externen Lehrkräften. „Man lernt hier viel mehr“, sagt Magdalena (8). „Im Gymnasium habe ich mich gelangweilt“, sagt Gregor (11). „Es gab Mitschüler, die brauchten so lange, um etwas zu verstehen.“

Im Klassenzimmer im ersten Stock wird nach Montessori unterrichtet. Jeden Dienstag gibt es ein „Schülerparlament“. Ein Turnsaal ist zwar nicht im Haus. Dafür können die Schüler jederzeit in den Garten.

Der Preis ist freilich hoch: Die Eltern müssen selbst Hand anlegen, um das Haus in Stand zu halten. Zudem fällt ein monatliches Schulgeld von 200 Euro an. Trotzdem sieht Jandl darin die bessere Alternative. „In einer Klasse mit 25 Schülern kommt das Individuelle zu kurz.“

Die Leistung der Schüler wird am Ende des Schuljahres in einer öffentlichen Schule geprüft. Als Nächstes strebt die „Lernwerkstatt“ den Privatschulstatus an. Offiziell handelt es sich derzeit um „häuslichen Unterricht“. Vom Staat, den sie durch die Herausnahme der Schüler entlasten, fühlen sich die Eltern im Stich gelassen. Jandl: „Unsere Kinder bekommen nicht einmal die Schülerfreifahrt.“

gelesen in den "Salzburger Nachrichten" v. 6.3.08

jumping-blueberry hat gesagt…

Hier der Link zu der Homeschool-Gruppe.
http://www.lernwerkstatt-salzburg.at/
(Recht leicht zu finden über Google)

Was ich mich jetzt interessieren würde: Wenn die Gruppe dann als Schule anerkannt würde, käme sie für Homeschooler ja gar nicht mehr in Frage, oder?

Oder ist das Ganze auch so schon zu schulähnlich, weil man das Haus verlassen muss und irgendwo hingeht, um da zu lernen?

Oder gilt das nur für "Unschooler"?
(Homeschooling kann ich vielleicht noch verstehen, aber Unschooling ist mir viel zu alternativ...)

Lia hat gesagt…

Da siehst Du mal wie viele unterschiedliche Typen von Home-, Un-, Alternativ- und sonstwie-Schoolern es gibt. *ggg*
Genau davon schreiben wir hier ja alle, dass Bildung nicht per Monopol sondern per Vielfalt vermittelt werden sollte. Und wo das Lernen stattfindet, sollte eben jeder Mensch selbst entscheiden dürfen.

1000Sunny hat gesagt…

Unschooler werden ja für "die ganz Alternativen" gehalten.
Das witzige ist, das wir Unschooler sind und ich in der Hightech-Sparte arbeite, sowie A. die ganze Zeit Stammzellenforschung betreibt.
Also gar nicht Alternativ (oder doch?).
Damit scheinen wir für die meisten Menschen das Russelsche Paradoxon schlechthin darzustellen. Und so erleben wir immer wieder staunende Gesichter.
Ich glaube, die grundlegende Erkenntnis, die jeder Mensch (regulär beschult) erst noch machen muss ist: "Menschen sind verschieden!"
So bizarr das auch klingt in Zeiten der KultusMinisterKonferenz.
Und ich glaube erst, wenn man den Satz: "Menschen sind verschieden" wirklich kapiert hat, dann kann man sich über SchulSYSTEME Gedanken machen.

Lia hat gesagt…

Ich denke, die Zeiten in denen Homeschooler/Unschooler nur aus alternativ lebenden Menschen und religiösen Fanatikern bestanden haben, sind lange vorbei.
Die Gründe, warum Familien ihre Kinder nicht in reguläre Schulen stecken, sind inzwischen so vielfältig geworden wie Menschen eben verschieden sind.
Sollten wir uns letztendlich für Homeschooling entscheiden, wären wir auch weder der einen noch der anderen Gruppe zugehörig. Bestimmt hat jede Familie ihre ganz eigenen Gründe, die sich mit denen keiner anderen decken.
Ich kann dieses Schubladen-Denken sowieso nicht leiden, in denen jeder Mensch klassifiziert und zugeordnet wird. Das funktioniert heutzutage auch nicht mehr so wie es früher vielleicht mal war.
Vielleicht bringt diese Vielfalt aus unterschiedlichen Gründen auch irgendwann eine Vielfalt an unterschiedlichen Bildungsformen hervor.

Artur hat gesagt…

das mit dem schubladen-denken seh´ ich (hallo) auch so, hier mein tipp: schublade auf, denken rauslassen und (besonders wichtig) schublade schnell schliessen, weil das denken oft mit der neuen dimension nicht klarkommt und zurück in die 3-dimensioninale schublade flüchten will. jetzt hängt das denken nur noch am elefantenseil, kann aber leicht zerschnitten werden, ist eigentlich nur ein faden, aber je mehr daran gedacht wird umso dicker wird er. (falls wer das elefantenseil nicht kennt, hier kurz erläutert: in indien werden oft junge elefanten mit einem strick am bein festgebunden, wenn sie dann erwachsen sind haben sie noch den selben strick am bein und könnten ihn ohne mühe zerreissen und davonlaufen, aber da sie das in ihrer jugend oft vergeblich versucht haben, denken sie nun das geht nicht und versuchen es gar nicht mehr, sie würden sogar verhungern)
glück auf
artur

1000Sunny hat gesagt…

Das mit dem Elefantenseil ist ja echt heftig. Aber logisch, so funktioniert ja die Schule auch. Bring den Leuten bei, dass sie Mathematik, Physik, Chemie und Geschichte nicht können und sie lassen es ein ganzes Leben lang bleiben. (Geschichte wäre auch wirklich zu gefährlich, das meine ich ernst - und ich meine nicht die Deutsche Geschichte).
Anstatt der gefährlichen Wissensgebiete schauen sie sich nur noch dicke Versandhauskataloge an, Werbeflyer und lesen alle Texte, die auf der Rückseite von Zahnpasta-Tuben stehen:)
Das ist nämlich auch das Problem. Lebende Organismen sind neugierig. Wären sie es nicht, wären sie tot.
Sogar aus Ratten kriegt man die Neugier nicht einmal mit Stromschlägen raus (ist bewiesen), wie dann erst aus Menschen. Einziges Mittel: Erlernte Hilflosigkeit (siehe Elefanten) und umleiten auf irgendetwas anderes.

--
Das mit den Kategorien ist auch ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Leider! Man muss sich nur mal ein Photo von einem Menschen anschauen, dem man nicht ansieht ob es Mann oder Frau ist, der Geist verhakt sich richtig in diese primäre Kategorisierung.
Somit haben Menschen, die ihre Vorgehensweise auf Klischees und Vorurteile stützen leichtes Spiel.

Ohhh. Viel zu lange.
Aber das Elefantenseil und die Kategorisierung sind einfach Reizwörter.

jumping-blueberry hat gesagt…

Alle Menschen, die zur Schule gehen/gegangen sind/ihre Kinder zur Schule schicken (ein deutlich höherer Prozentsatz, als die Un/home/anders-schooler!!) denken in Schubladen, also darf man sie auch in eine solche stecken???

Denkt mal drüber nach!

@1000sunny
Wenn man in der Schule gesagt bekommt, man kann kein Mathe muss man es trotzdem lernen. Und pädagogisch richtig ist es wohl nicht, dass man einem Kind sagt: Du hast einmal ein 5 - Du hast immer eine 5. Und ich denke nicht, dass das die Regel ist. (Auch wenn ihr dieses Bild von Schulen und Noten wahrscheinlich gern mögt.) Eine schlechte Note kann doch durchaus auch zu besserem anspornen. Hier müssen die Eltern vielleicht auch etwas Aufbauarbeit leisten. (Ist das schlimm, dass die Eltern von Regelschülern auch um die Bildung ihrer Kinder kümmern müssen?)
Aber wenn ein Un/Home/Anders-schooler keine Lust oder Motivation für Mathe hat, wird er nicht gezwungen und wird es auch sein ganzes Leben lang nicht benutzen, weil ihm gesagt wurde, dass er es nicht lernen muss. Ist das jetzt besser?

Werden denn nur die "nicht beschulten" Kinder einsehen, dass Mathe nützlich ist?

1000Sunny hat gesagt…

Dass immer gleich das Thema auf Mathe kommt ist echt interessant.
Bei mir war es eigentlich das Fach Geschichte.
Heute weiß ich, ich hatte in der Schule weder Geschichte, noch Mathe (obwohl ich im Stundenplan Fächer hatte, die so hießen).
Mathematik für mich ist eine Sprache, mit ihr kann ich mich mit jedem Computer unterhalten, oder auch sehr logisch strukturierten Menschen (über alle anderen Grenzen hinweg - man sehe sich nur mal einen Chinesischen oder Russischen Text an, das einzige, was man erkennt sind die Zahlen).
Allerdings lernt man in der Schule nur kaufmännisches Rechnen auf Sonderschulniveau. Nicht einmal die original indischen Rechenregeln bringt man einem dort bei, weil sie schon zu viel Zahlenverständnis voraussetzen.
Und dennoch, für manche kommt dort die Mathematik zu früh. Vor kurzem hat mir eine Verfechterin der Schule erklärt, wie sie sich das Wort "Looser" wieder und wieder in die Arme geritzt hat - nach jedem einzelnen Mathetest.
Nachhilfe um Nachhilfe, Übung um Übung nichts haben geholfen. Eines Tages, nachdem sie die Schule ohne Abschluss verlassen hatte, hatte sie es auf einmal kapiert. Dann machte sie einen externen Abschluss.
Als ich sie fragte, was sie machen würde, wenn ihre Kinder mit aufgeritzten Armen von der Schule nach Hause kämen, hat sie geantwortet: Mehr Nachhilfe.

--
Abgesehen davon ist Mathematik ironischerweise eigentlich die allereinfachste Wissenschaft (natürlich gibt es auch hier verschiedene Schulen, die miteinander im Krieg liegen).
Ich glaube Stand der Wissenschaft ist sogar: Zahlen gab es vor Schriftzeichen.
Ich weiß auch nicht, warum alle Welt denkt dieses Fach sei das schwerste.
Das ist nicht wahr. Wo habt ihr das denn gelernt ? (was frag ich denn:)

Lies mal ein echtes Mathebuch, oder ein echtes Geschichtsbuch. Egal welches.

1000Sunny hat gesagt…

Ich glaube, wenn ein Mensch keine "Lust" auf Mathe hat, dann ist das eine enorme Abweichung von der menschlichen Gehirnstruktur.
Mathematik war zu Zeiten der französischen Revolution noch an die Philosophische Fakultät angegliedert (man sehe sich nur die chirurgische Präzision der mathematischen Logik in Platons "Der Staat" an- der für die Ausbildung der Kinder die Mathematik an die erste Stelle stellte).
Wenn ich meine Kinder ansehe, dann lernen sie korrekt zählen lange bevor sie korrekt sprechen können.
Und sie wollen es auch von sich aus. Sie zählen alles, was mehr als 3 ist. Sie bauen es von selbst in Spiele ein.
Ah, ich muss stoppen. Genug der Lobhudelei auf die echte Mathematik. Die wir aus vollen Kelchen trinken mögen :)
Aber was wäre das für eine Welt, in der jeder Hans Schmidt und jedes Lieschen Müller ihre Kreditkosten korrekt berechnen könnte.
Schrecklich, nicht vorzustellen.

jumping-blueberry hat gesagt…

Ich denke übrigens nicht, dass Mathe schwer ist. Okay, ich hatte keine super Noten in Mathe... 3-4 - Realschule. Aber das logische Verständnis, das die Mathematik lehrt, brauche ich schon, da ich Webseiten programiere und man hier schon eine gewisse Denkstruktur braucht... Auch in der Grafik arbeite ich sehr genau, dass ich die Platzierung von Elementen ab und zu sogar berechne.

Aber du hast recht: Besonders bei Mathematik kommt es sehr auf den Lehrer an. Meine Schwester stand meistens eher zwischen 4 und 5 in Mathe. Auf die Abschlussprüfung lernte sie mit Ihrem Freund, der zwischen 1 und 2 stand. In der Prüfung schrieb Sie eine 1. Mathe ist ein System... Aber jeder hat eine andere Struktur und man muss eben die Erklärungen in sein System übersetzen können.

Bei der Programmierung habe ich es auch gut gesehen. Für mich ist es absolut logisch... 90% meiner Mitschüler haben es nicht verstanden. Ich denke aber nicht, dass sie zu dumm waren.

Aber wahrscheinlich denke ich nur, dass ich Mathe verstehe, weil von den indischen Rechenregeln hatte ich noch nie gehört. Aber da werd ich mich mal informieren... Kopfrechnen ist nämlich nicht so meins.

Lia hat gesagt…

Also ganz ehrlich, mathematisch gesehen bin ich grenzdebil. Und das nach 12 Jahren Schule mit Mathematikunterricht. Meinem Sohn geht's immerhin noch ein wenig besser als mir damals, aber auch er hat so seine Schwierigkeiten.

zu der Frage ob Unschooler freiwillig Mathematik lernen: wenn's keiner ausprobiert, werden wir es nie wissen! Es muss wohl Unschooler geben, die das machen, denn sonst könnten nicht welche an die Uni gehen. Es muss wohl auch genügend Mathematik vermittelt werden, sonst würden die Homeschool-Kinder in Österreich die staatlichen Tests nicht bestehen.

Aber gehen wir noch mal zu meinen Erfahrungen in der Mathematik. In der Schule hab ich nicht wirklich kapiert worum es da geht. Durchgekommen bin ich bestenfalls mit einer vier. Interessiert hat es mich kein bisschen und das tut es auch heute nicht. Mathematisches Denken fällt mir sehr schwer - heute nennt man das Phänomen "Dyscalculie".
Dann fing ich an zu arbeiten und benötigte dafür Prozentrechnen. Nach einigem Gefluche und Nachfragen bei anderen Leuten hatte ich mir ein System gebastelt mit dem ich arbeiten konnte.
Ich benötige bis heute Excel-Tabellen und auch das hab ich (nach einigem Gefluche und Nachfragen bei anderen Leuten) gut hinbekommen.
Und nach einer 15-Minuten-Pause in einem Computerkurs hat mir ein Waldorf-Lehrer die Berechnung des Kreises erklärt und mit meinen damals 32 Jahren hatte ich sie endlich verstanden.
All das kam nach der Schule in der ich mathematisch fast völlig versagt hatte.

Ich weiß nicht, ob ich nicht leichter Mathematik gelernt hätte, wenn ich die Teile davon, die ich reell auch benötige, einfach selbst und mit eigenen Nachfragen gelernt hätte (also per Unschooling).

Ich kann bis heute Flächen in den meisten Fällen nicht richtig berechnen (zumindest nicht wenn's mehr als viereckig ist). Ich kann weder mit Sinus noch mit Cosinus umgehen. Ich weiß über die Integralrechnung nur noch wie man sie buchstabiert.... und nichts davon fehlt mir wirklich im Leben.
Das was ich brauche, lerne ich dann schon auf meine Weise und in meinem Tempo.

Warum sollten also Kinder, die nicht in die Schule gehen, genau so Mathematik lernen können wie ich? Die meisten tun sich damit bestimmt leichter und haben vielleicht sogar wirklich Interesse daran. Ich kenne viele Leute, denen Mathematik einfach Spaß macht und die mich absolut nicht verstehen können mit meinem unmathematischen Hirn.

Außerdem verstehe auch ich nicht, warum gerade Mathematik immer als das Fach genannt wird, das Kinder wohl am allerwenigsten lernen würden, wenn es keine Schule gäbe. Was ist dann mit den ganzen Kindern, die sich mit der deutschen Sprache schwer tun? Besteht da nicht die Gefahr, dass sie nie lernen werden wie das Wort Rhythmus richtig geschrieben wird? Warum machen sich Homeschool-Gegner darüber viel weniger Gedanken? Oder ist dieses "Lernfach" so viel weniger wichtig als Mathematik?

1000Sunny hat gesagt…

Ich bin jetzt mal ganz frech und behaupte: Mathematik ist das Fach, das Kinder am wenigsten lernen, wenn sie in die Schule gehen :)

Großes Problem: Schule steigert diese Mathe-Abstinenz zu einem Mathehass.
Mit 16 haben also eigentlich die Mehrzahl der Schüler mit Mathe lebenslang abgeschlossen (ist nachgewiesen).
Bei Mädchen steigert sich dieser Effekt noch in gemischten Klassen (Shocking, aber auch nachgewiesen - Man vermutet Rollendenken und Gruppenzwang dahinter, nach dem Motto: Die mag Mathe, dann ist sie wohl eher ein Junge)

Aber damit nicht immer nur Mathe durchgenudelt wird, mach ich jetzt mal einen Fächer-Rundumschlag -

Deutsch ist eh ein lächerliches Schulfach: Nachkriegsliteratur bis zum Abwinken (zumindest zu meiner Zeit am Gymmi). Ich war aber nie im Krieg! Ich muss nichts aufarbeiten ? Ich will Dickens, und Schiller und Platon und Adam Smith und Dürrenmatt und je nach Alter wahrscheinlich auch Die Schlümpfe und Harry Potter, Stephen King und Heldensagen! Ich mag kein Lesen in der Gruppe (besonders nicht, wenn in der 13. Klasse Leute sind, die immer noch kein Alphabet können, und bei jedem Satzzeichen ganz überrascht wirken, wenn sie es überhaupt bemerken :)!

Biologie: Noch schlimmer. Wir sind in Bayern und da gibt es das böse Gen (Diplo-Y Chromosom). Und Konrad Lorenz (der Mensch ist so aggressiv, dass er eigentlich dauernd polizeiliche Betreuung braucht).
Und wenn das alles mittlerweile schon widerlegt wurde, dann interessiert uns das nicht. In Deutschland hat die Wissenschaft der Politik nicht reinzureden. Und schon gar nicht mit Fakten. Und gleich dreimal nicht im Lehrplan.

Geschichte:
Zusammenhänge, geschichtsbasierte Extrapolation der Gegenwart in die Zukunft, Regierungsentwicklung im Vergleich mit philosophischen Denkrichtungen, Rückentwicklung des Status Quo durch Wegnahme von sozialen Errungenschaften, Soziologie ? Fehlanzeige.
Fakten, Fakten, Fakten. Und Zahlen.
Und Reime: 333 bei Issus Keilerei.
Na toll, und wer ?

Sprachen:
Vokabellisten und Grammatik. Ich kenne Kinder, die haben noch keine einzige Sprache in der Schule gelernt, aber Japanisch auf YouTube. Und Thailändisch vom Kumpel.
Natürlich ohne Vokabellisten.
Ich frage mich, wie der Kultusminister seine Muttersprache gelernt hat.

Wirtschaft:
2 Wochen Aktien Rallye in Zusammenarbeit mit den Stadtsparkassen. Die Kultivierung von kurzfristigem Gewinndenken der Eliten. Hier ist der Grund und die Ursache. Eine Siemens bringt da nichts. Rezept um am Ende Gewinner zu sein: Kaufe einen Turbo-Put auf Malayische Kühlschränke und stoße ihn 3 Stunden später mit einem Hebel von 2000 wieder ab.
Dafür kann der Otto-Normalbürger nicht mal seine Kreditfähigkeit berechnen und seine Ausfallrisiken.
Es gibt ja vertrauenswürdige Anlageberater, die müssen auch was verdienen -> Subprime Krise (und die ist nicht das erste Mal)
Später mal Aktienprogramme am Unternehmen, um die Stimme der Mitarbeiter zu stärken.
Bloß nicht. Wir haben ja Gewerkschaften. Die tun schon das ihrige.

Naturwissenschaften:
Zeig mir einen Schüler, das einen Motor konstruieren kann. Ist kein Lehrplanziel ? Und einen Videorekorder reparieren ? Gabs nicht, als die Lehrer ausgebildet wurden ? Kann es dann einen wissenschaftlichen Versuch korrekt durchführen und protokollieren ?
Auch nicht, schade ?
Kann es einen OLED Bildschirm mit einem Solarantrieb verbinden ? OLE-Was ???
Was kann es dann bitte ? Formeln und Definitionen. Wofür ?

Lia hat gesagt…

Hi 1000sunny,

ich hab mich grad schief gelacht über Deinen Beitrag. Genau solche Diskussionen führe ich auch immer wieder.

Übrigens: 333 Issos Keilerei war der Kampf 333 vor Christus zwischen Alexander dem Großen (Griechen) gegen den persischen Großkönig. *ggg* Allerdings weiß ich das nur, weil ich diese Frage immer gerne an Leute stellen, die der Meinung sind, dass man ohne Schule überhaupt keine Allgemeinbildung hätte. 99% der Leute kennen die Antwort nicht. *lach*

Mathe: Du könntest recht haben. Zu meiner Unfähigkeit, mathematische Konzepte zu erfassen, kommt natürlich nach vielen Jahren des erzwungenen Mathe-Unterrichts eine beinahe schon phobie-artige Abneigung gegen dieses Fach. Wie schon gesagt, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich bei Homeschooling heute auf dem gleich Stand wäre wie ich jetzt durch die herkömmliche Schule bin.

Deutsch: Nachkriegsliteratur? Ja mei, da wären wir schon froh gewesen. Wir haben das Thema grad mal kurz über Borchert, Brecht und Frisch gestreift. Nein, nein, bei uns war das Goethe, Schiller und Shakespeare in der Unterstufe und dann in der Oberstufe - als Wiederholung für alle die noch nichts davon gehört haben - Goethe, Schiller und Shakespeare. Und ich hatte noch nicht mal so schrecklich schlechte Lehrer in Deutsch.

Geschichte: Schon dumm, dass man sich diese ganzen auswendig gelernten Fakten nur bis zum nächsten Test merkt, sonst könnte ich heute immerhin bei der Millionenshow antreten oder so.
Von gegenwartsbezogenem Unterricht hat man in der Schule leider noch nichts gehört. Also lehrt man die Kinder weiter wunderbar theoretisches Wissen über die Steinzeit während nur einen halben Kilometer entfernt Ausgrabungsarbeiten der Universität stattfinden. Wäre ja auch viel zu mühsam, da mit den Kindern mal hinzugehen.

Mein Favorit an Unaktualität ist aber Physik: Stephen Hawking? Der steht nicht im Physikbuch, also muss man auch nichts über ihn wissen. Wir haben seit Neuestem einen Planeten weniger? Wie, echt, gar nicht mitbekommen! Und für Experimente ist meist gar keine Zeit übrig. Das wäre ja auch noch schöner, wenn die Kinder vielleicht auch noch Spaß am Unterricht hätten.

Biologie: bei uns kommt man mit der Langzeitform des Gymnasium auf 12 Jahre Biologieunterricht. Trotzdem gibt's Leute, die nicht mal die grundlegendsten Kenntnisse darin haben. Was sagt das über die Effektivität dieses Unterrichts aus?

Schule ist veraltet. Schon als ich in der Schule war, hieß es, dass das Schulsystem schwer renovierungsbedürftig wäre. Außer einigen kosmetischen Veränderungen und einer Menge Stundenstreichungen ist bis heute aber nichts geschehen. Das heißt, dass das heute vorhandene System bestenfalls noch das besagte tote Pferd ist, das von einigen Liebhabern der herkömmlichen Schulpflicht mit allen Mitteln wieder zum Leben erweckt werden soll.
Tote Pferde zu reiten ist ja auch in anderen Wirtschafts- und Polit-Bereichen eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

Kann mir übrigens mal einer der Schulpflicht-Verfechter den Unterschied zwischen Mitose und Meiose erklären (ohne nachzugooglen *ggg*). Haben wir auch mal in der Schule gelernt, das weiß ich ganz bestimmt!

1000Sunny hat gesagt…

Bravo Lia,

Alexander der Große (übrigens selbst Homeschooler - weswegen er Lesen so liebte, dass auch die Große Bibliothek in Alexandrien gebaut wurde). Griechenland gab es zu der Zeit nicht. Hellenismus ist da das Wort. Alexander selber war Makedonier.
Alexander kam bis Indien.
Man stelle sich diesen Moment vor, als er auf das Ende der Welt hoffte (mit dem festen Glauben, die ganze Welt in Frieden geeint zu haben) und dann auf einmal diesen unglaublich weiten, blühenden Subkontinent mit all seinen Düften überblickte.

Also Preisfrage: Aus welchem Kultureinfluss stammt die Buddha-Statue ? Wer hat die große Bibliothek vernichtet ? Welche Kultur hat (heute immer noch) die größte friedliche Ausbreitung ? Tipp: In Deutschland wird vor der Islamisierung gewarnt, jede zweite Frau macht aber schon bald Yoga :)

Hier noch ein schöner Beitrag zu Biologie (auf unserem Blog):
http://pro-bildung.blogspot.com/2008/03/inner-life-of-cell.html

Die KulMinis kommen mir auch vor, als ob sie auf einem Dinosaurier (Zwangsschulsystem) reiten würden und mit Pfeilen auf einen Meteoriten (Freiheit, Bildung) schießen.

Artur hat gesagt…

ich öffne nochmal die matheschublade: und finde das buch von Alan Thomas -"bildung zu hause -eine sinnvolle alternative", eine studie über 100 homeschool-familien (ganz frisch von der leipziger buchmesse) und zitiere:
"wir haben mathebücher verwendet, hauptsächlich um die lücken in dem zu füllen, was sie ohnehin lernen; aber sehr viel mathematik findet in `wirklichen dingen´ statt, eher konkret-praktisch als abstrakt... kürzlich haben sie mit freunden eine burg aus pappe gebaut. dabei wurden türme gebaut, grundflächen berechnet, eine wendeltreppe wurde ausgeschnitten... und niemand erwähnte das wort `mathematik´."
oder:
"viel mathematik ergibt sich einfach durch etwas, das auftaucht...mathe taucht einfach auf. die kinder sind immer viel weiter, als man es von ihnen erwartet."
hier ein beispiel aus unsere familie: c.(namen geändert) ist 5 jahre jung und sagt es kann schon bis 29 zählen. wenn ich mit ihm üben würde könnte es sicher auch schon weiter zählen, aber wozu? neulich hat es ein puppentheaterstück inszeniert, da wurden stühle aufgestellt(genau abgezählt), eintrittskarten geschrieben (eine musste sein grösseres geschwisterkind vorschreiben, hat es dann 8mal fehlerfrei abgeschrieben), und geld zum bezahlen wurde angefertigt und verteilt, ich als erwachsener sollte mehr bekommen als das kind(`ihr habt ja auch mehr geld´) und ich sollte auch nachzählen und bestätigen ob das stimmt(stimmte auch). das ganze dauerte den ganzen vormittag, dann wurden karten gekauft und es ging los. das eigentliche stück ist bei der vorbereitung leider etwas zu kurz gekommen, denn es fing während des puppentheaterspiels erst an sich die geschichte auszudenken, was den grösseren geschwisterkindern dann zu langweilig wurde und a. (11 jahre) dann einsprang und aus dem stegreif eine geschichte spielte. a. will mal sänger(in) oder schauspieler(in) werden, hat schon des öfteren mit anderen kindern theaterstücke inszeniert und sich auch eigene lieder ausgedacht. a. geht in eine schule und beschäftigt sich zu hause kaum mit mathe (ausser vielleicht hausaufgaben). a. konnte schon als 3-4. jähriges kinderbilderbücher und das gedicht `das bucklige männlein´ (8 strophen) auswendig vortragen, nur vom zuhören erlernt, spielt mit unserer bekannten akkordeon, strickt für sich und seine geschwister mützen, hörte gerne musik und singt dazu mit (anett louisan), schaut gerne filme, (sollte ihm neulich mal einen text aus dem film `once´ aus dem internet ziehen, den es schon auswendig konnte, ohne ihn zu verstehen da englisch). wozu muss sich dieses kind in der schule mit abstrakter mathematik herumärgern??? obwohl wir ihm den schulbesuch freistellen, geht es in die schule (`in der 6. klasse führen wir ein theaterstück auf, da will ich mitmachen´).
ich finde mathematik gehört zu den kulturtechniken, wie lesen und schreiben an denen niemand vorbeikommt ohne sie früher oder später zu lernen (ausnahmen bestätigen die regel), egal ob mit oder ohne schulbesuch. die erfahrung mit meinen 4 kindern zeigt mir allerdings, dass es ohne schulbesuch schneller geht und nachhaltiger ist.
mich selbst hat das thema (höhere) mathematik (nach langer abstinenz) nach der lektüre des buches "gottes geheime formel- der primzahlencode" von Peter Plichta wieder interessiert, weil dort mathematik im universalen gesamtzusammenhang erläutert wird (auch relativitätstheorie) - sehr zu empfehlen das buch (gibts auch als vierbändiges werk für tiefgänger)
oh es ist schon spät - nein früh (alles ist absolut relativ), ich muss schliessen, die kinder werden zeitig wach.

es grüsst artur

Lia hat gesagt…

Artur, da muss ich Dir zustimmen. Selbst wenn man Mathe nicht leiden kann - so wie ich - kommt man trotzdem nicht drumrum.
Vielleicht sollte ich dieses Buch mal lesen, es klingt ganz interessant.

Das mit dem Auswendig lernen habe ich auch erlebt. Eines von E. Lieblingsbüchern war "Das kleine Ich-bin-ich" (meiner Meinung nach immer noch eines der besten Kinderbücher überhaupt). Mit vier Jahren konnte dann nicht nur E. das ganze Buch auswendig aufsagen, sondern auch ich. Teile davon kann ich bis heute.
Leider setzt die Schule nicht an dem an, was die Kinder bei Schuleintritt schon können, sondern behandelt alle gleich unabhängig von ihren Interessen oder Vorkenntnissen.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto unsinniger kommt mir das ganze System vor.

Übrigens von wegen Eselsbrücken: "Feldspat, Quarz und Glimmer, die vergess ich nimmer" - schön, dass ich mir den Spruch tatsächlich bis heute gemerkt habe, ABER: was genau ergeben die drei Komponenten??? Marmor? Granit?? Eine zu kleine Pokerrunde??? *lach*

Lia hat gesagt…

Wenn ich an das herrschende Schulsystem denke, fällt mir immer wieder das besagte tote Pferd ein:

Eine Weisheit der Dakota-Indianer besagt: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!”

Hört sich doch so simpel an, oder? Aber statt vom toten Pferd abzusteigen wurden in unserem beruflichen (und schulischem) Leben viele Methoden und Strategien - zum Teil bis zur Perfektion - entwickelt, um dem Unausweichlichen doch ausweichen zu können. Kommt Dir die eine oder andere der folgenden Strategien vielleicht bekannt vor?

1. Wir besorgen uns eine stärkere Peitsche.
2. Wir sagen: „So haben wir das Pferd schon immer geritten”.
3. Wir gründen einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren.
4. Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
5. Wir erhöhen die Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde.
6. Wir bilden eine Task-Force, um das Pferd wiederzubeleben.
7. Wir kaufen Leute von außerhalb ein, die angeblich tote Pferde reiten können.
8. Wir schieben eine Trainingseinheit ein um besser reiten zu können.
9. Wir stellen Vergleiche unterschiedlicher toter Pferde an.
10. Wir ändern die Kriterien, die besagen, dass ein Pferd tot ist.
11. Wir schirren mehrere tote Pferde gemeinsam an, damit wir schneller werden.
12. Wir erklären: „Kein Pferd kann so tot sein, das wir es nicht mehr reiten können.”
13. Wir machen eine Studie, um zu sehen, ob es bessere oder billigere Pferde gibt.
14. Wir erklären, dass unser Pferd besser, schneller und billiger tot ist als andere Pferde.
15. Wir bilden einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung von toten Pferden zu finden.
16. Wir richten eine unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein.
17. Wir vergrößern den Verantwortungsbereich für tote Pferde.
18. Wir entwickeln ein Motivationsprogramm für tote Pferde.
19. Wir erstellen eine Präsentation in der wir aufzeigen, was das Pferd könnte, wenn es noch leben würde.
20. Wir strukturieren um damit ein anderer Bereich das tote Pferd bekommt.


Quelle: [leider unbekannt]

Ähnlichkeiten sind rein zufällig und vollkommen ungewollt!

1000Sunny hat gesagt…

Ja, und wir erklären lebende Pferde für nicht-existierend. Zusätzlich werden sie erschossen, falls es sie doch gibt (was aber ja eh nicht der Fall ist)

--
Mathe war bei mir eindeutig der Computer (ich bekam damals einen C64 ohne Bildschirm, Laufwerk, usw).
Ich musste also alles, was ich spielen wollte selber programmieren (und zwar innerhalb von drei Stunden, dann war wieder alles weg, denn meine Mutter wollte dann fernsehen und ich konnte ja nichts abspeichern :)
Das Buch "Brücken ins Unendliche" haben mich zum Mathematiker gemacht (und dann später das Studium:)

Anitz hat gesagt…

11. Wir schirren mehrere tote Pferde gemeinsam an, damit wir schneller werden.

DAS ist genial, Lia, danke, dass du es uns hier mitgeteilt hast...

Ich habe dein Kommentar bei mir zitiert

Artur hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
artur hat gesagt…

ich habe noch eine version der weisheit entdeckt, stand mal im rundbrief der initiative (freilerner), von Peter Wahl (attac-vorstand) ursprünglich im `freitag´ erschienen (3.3.2000), oben auf artur klicken.