Donnerstag, 27. März 2008

Buch-Tipp: Der talentierte Schüler und seine Feinde

Dieses Buch von Andreas Salcher ist zur Zeit einer der Bestseller in unserem Land.

Andreas Salcher zeigt die Probleme in der Schule aus der Sicht des talentierten Schülers... einem Wesen von dem viele Lehrer behaupten, dass es so was gar nicht gibt. Er zeigt auch auf, wie wichtig es ist, dass Eltern die Verantwortung für ihr Kind und dessen Talente übernehmen. Ein insgesamt recht interessant zu lesendes Buch.

Unter anderem stellt er folgende Theorie auf:
Würde man einen Chirurgen 50 Jahre in die Vergangenheit schicken und verlangen, dass er in einem OP-Saal eine Operation durchführt, würde er das wohl als Aufforderung zur fahrlässigen Tötung auffassen.
Versetzt man einen Lehrer 50 Jahre zurück in ein Klassenzimmer, könnte er nahtlos weiterunterrichten, denn geändert hat sich seither nicht so viel: Die Anordnung im Klassenzimmer ist meist immer noch dieselbe und auch die Anforderungen an die Schüler.

An der Theorie könnte schon was Wahres dran sein.
Das Diktat der Mittelmäßigkeit, das an unseren Schulen herrscht, ist schon so eingefahren, dass es wohl ein Wunder braucht, um es zu ändern.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich erwachte letzten Sonntag und fühlte mich schon etwas verfolgt.
;o)
Irgendwie dachte ich mir: Hey, das hast du doch schomal gehört.

Ich find die Einstellungen ein bisschen übertrieben.
Aber euch interessiert es sicher.

Zitat: "Ein 7jähriger Junge muss keine Schönschrift lernen und stillsitzen können." Nein, der Nutzen dieser Fähigkeiten ist mir auch echt ein Rätsel. *Ironie aus*

Hier zum Nachhören das "Frühstück bei mir" mit dem Andreas Salcher auf Ö3.

http://static.orf.at/podcast/oe3/oe3_fruehstueck.xml

mfg
jumping-blueberry

Lia hat gesagt…

Hi jumping-blueberry,

nunja, über Schönschrift lässt sich bestimmt diskutieren. Ich kenne nur wenige Erwachsene die - trotz langjährigem Schulunterricht - eine schöne Schrift haben. Am Schlimmsten sind dabei Ärzte... vielleicht tut das Studium der Schönschrift nicht gut. ;-)
Ich denke mal, dass beinahe alle Menschen mit der Zeit eine gut lesbare Schrift entwickeln. Meist deswegen, damit sie selbst lesen können was sie schreiben. Das Schriftbild entwickelt sich mit den Jahren. Ich kenne niemanden, der als Erwachsener noch so schreibt wie in der Volksschule.
Wir hatten damals in der Volksschule noch ein extra Fach namens "Schönschreiben". Zweimal pro Woche durften wir unter Anleitung einer Lehrerin mit Persönlichkeitsproblemen die Kunst der schönen Schrift lernen. Als Mädchen hatte ich da bei ihr noch recht gute Karten, die Jungs hatten nicht mal den Anflug einer Chance, es ihr recht machen zu können. Aber man stelle mal fest: früher war es den Bildungsministerien tatsächlich mal zwei Stunden pro Woche wert, dass Schüler schön schreiben lernen.
Ich hatte übrigens auch die Fächer "Lesen" und "Schreiben" und das mehrmals pro Woche. Das waren damals also drei verschiedene Fächer in denen es ausschließlich um die deutsche Sprache ging. Durch Stundenstreichungen und Lehrplanveränderungen wurde daraus erst mal Deutsch und dann ging das Fach in den hiesigen Gesamtunterricht über. Was bedeutet, dass ich dreimal so viel Deutsch pro Woche hatte wie mein Sohn.
Mich wundert es nicht, dass die Kinder heute mehr Probleme mit ihrer Muttersprache haben als wir damals.

Zum Thema "Still sitzen" möchte ich mal anmerken, dass es auffällig viele Klagen darüber gibt wie unbeweglich, unsportlich und übergewichtig heute schon viele Volksschulkinder sind. Durch still in der Schule sitzen - und dazu sind sie halt mal einen großen Teil des Tages gezwungen - wird das bestimmt nicht besser. Nach dem Heimkommen geht es dann nahtlos weiter mit Hausaufgaben machen und lernen. Viel Zeit für Sport bleibt den Kindern neben der Schule nicht und der Schulsport ist in den letzten Jahren krass gekürzt worden. Wozu auch Schulsport, die Kinder sollen doch bitte lieber was lernen in der Schule.
Mit den Spätfolgen aus der Bewegungslosigkeit dieser Jahre dürfen sich dann später diverse Ärzte herumschlagen.

Also, ganz ehrlich, ich denke auch, dass es für 7 Jahre alte Kinder wichtigere Dinge zu lernen gibt als "still sitzen" und "schön schreiben"!

Wort Bild Gedanke hat gesagt…

Ob bereits ein 7-jähriger Stillsitzen oder Schönschrift können muß, ist ja gar nicht die Frage.
Die Frage ist, ob ALLE mit 7 genau das können müssen - und die zweite Frage ist, wer sich anmaßt, überhaupt so etwas vorzuschreiben.
Ein Bildungsplan für ausnahmslos ALLE ist nun einmal totalitär - Demokratie hin oder her. Und wer wissen will, warum die modernen Herrschaftssysteme nicht einmal ein oder zwei (an Zahl oder in Prozent) Abweichler dulden, der lese einmal von Ernst Jünger "Der Waldgang". Ist nur ein kleines Büchlein, vom Preis nicht teuer und vom Inhalt wertvoll. Auch um eben das, was hier in Bildungssachen geschieht (und das was verunmöglicht wird und warum) zu verstehen.