Mittwoch, 5. März 2008

Keine Zeit....

Was ich der Schule eigentlich am meisten ankreide, ist, dass sie den Kindern so immens viel Zeit wegnimmt. Zeit, die sie für andere Dinge, wichtigere Dinge, brauchen würden.
Es bleibt neben Schule, Hausaufgaben und für Tests und Schularbeiten lernen, keine Zeit übrig für spielen, Hobbies, vor sich hin träumen, lesen, im Park nach den ersten Frühlingsblumen suchen usw.
Irgendwie geht für den Bereich Schule auch immer mehr Zeit drauf. Ich kann mich einfach nicht daran erinnern, ob ich auch schon so viel Zeit für Schule aufwenden musste.
Wenn die Kinder wenigstens in der Schule so effizient lernen würden, dass sie zu Hause nicht mehr zusätzlich lernen müssten. Von den Hausaufgaben will ich gar nicht reden, deren Unsinnigkeit wurde schon in vielen Studien nachgewiesen. Wenn sie wenigstens den Zeitraum nach der Schule und vorm Schlafen gehen nur alleine für sich hätten. Aber selbst das klappt spätestens ab dem Schulwechsel in eine höhere Schule nicht mehr.
Verheißungsvoll wird uns dann erzählt, dass das mit den Ganztagsschulen alles besser würde, weil die Kinder da ja Hausaufgabenbetreuung hätten und durch die Verteilung der Stunden über den ganzen Tag, der Lehrstoff viel besser vertieft werden könnte. Allerdings hat niemand gesagt, dass es in diesen Stunden pro Fach wieder mehr Stunden geben soll. Die Stundenkürzungen werden ja nicht rückgängig gemacht, nur die Stunden anders verteilt. Und mehr Freiraum bleibt auch nicht, wenn ich den ganzen Tag in der Schule zubringe. Hobbies kann man dann völlig vergessen.
Kein Wunder, dass immer mehr Kinder Stresssymptome zeigen und sich auch nicht mehr richtig entspannen können. Dann bekommt man vom Arzt nette kleine Pillen verschrieben, die das Kind gegen seine Schulangst, gegen seine Nervosität oder gegen seine Hyperaktivität nehmen soll. Ist ja auch viel einfacher, Kinder mit Psychopharmaka ruhig zu stellen als an einem eingefahrenen (verfahrenen) System etwas zu ändern.

Kommentare:

Artur hat gesagt…

genau, dass sehe ich auch so! und was am schlimmsten ist, den kindern wird die zeit für bewegung und spiel geraubt, denn im spiel lernen die kinder wirklich, in dem sie das erfahrene nachspielen und sich so damit identifizieren. unsere beiden grossen gehen mehr oder weniger in die schule und spielen zuhause oft schule nach, ich glaube sie versuchen das in der schule versäumte lernen (weil unmöglich) nachzulernen. die beiden kleinen (3 u. 5) spielen gern mit und stellen sich so schule vor obwohl deide bereits beschlossen haben nie zur schule zu gehen.
nach meiner meinung geht es hier im schulsystem nur darum lehrerarbeitsplätze zu erhalten, und lehrer haben eine starke lobby - schulamt, jugendamt, politik(massiv von lehrern unterwandert), ja selbst die meissten eltern stehen bei schulproblemen ihrer kinder hinter den lehrern- an freien schulen meisst noch viel deutlicher. das ist meine erfahrung mit dem schulsystem.
lg artur

Lia hat gesagt…

Wenn die Kinder wenigstens in den Ferien Ruhe und Zeit hätten.
Bei uns sind jetzt Osterferien. Zusammen mit den schulautonomen Tagen sind das immerhin zwei Wochen. Zwei Wochen zum ausspannen, spielen, Zeit für die eigenen Wünsche haben....
Denkste, denn nach den Ferien wartet schon die nächste Schularbeit, der nächste Test und mindestens eine Prüfung. Im Endeffekt müssen die Kinder froh sein, wenn sie nicht über die Ferien die allseits so beliebten (und so ungemein sinnlosen) Hausaufgaben aufbekommen.
Natürlich bliebe jetzt endlich trotzdem genügend Zeit für Hobbies... wenn, ja wenn nicht die Sportvereine, Freizeitgruppen nicht auch über die Ferien geschlossen hätten. Dann, wenn die Kinder endlich mal Zeit und keinen Stress hätten, können sie erst recht wieder nicht ihren eigenen Interessen nachgehen.
Immerhin bleibt so genügend Zeit, das Referat für ... vorzubereiten, für die Schularbeit und den nächsten Test zu lernen. Hauptsache man verhindert, dass die Kinder vielleicht auch nur einen einzigen Tag mal nicht an die Schule denken.

Artur hat gesagt…

wir geniessen auch gerade die ferien, die (schul)kinder fangen wieder an sich zu entfalten und sich tiefer mit den 3 wirklich wichtigen dingen in ihrem leben zu beschäftigen, 1.spielen, 2.spielen und 3.spielen. wo der "ernst des lebens" aufhört, fängt das wahre leben an (das spiel beginnt). ich glaube aber, dass kinder von natur aus nicht zwischen dem, was wir grossen das leben nennen und dem spielen unterscheiden. für sie ist alles spiel oder alles das wahre leben. ich glaube kinder unterscheiden aber stärker zwischen selbstbestimmtem und fremdebestimmtem leben. ich beobachte solange kinder selbstbestimmt leben fangen sie an sich mit irgendetwas zu beschäftigen, wir sagen dann sie spielen. egal ob beim essen, bei der autofahrt, auf dem klo - überall, solange wir grossen nicht eingreifen. in der schule wird hier sehr massiv eingegriffen. aber auch zu hause: ich will ruhe, konzentrier dich bitte auf das was du tust (z.b. essen), wir müssen jetzt gehen... usw.
lg artur

Lia hat gesagt…

Auch bei uns wirken die Ferien ähnlich. E. hat dann auch letzten Sonntag seine stark vernachlässigten (wann hätte er auch Zeit dafür gehabt) Lego-Sachen rausgesucht und sie jetzt auch zu den Großeltern mitgenommen.
Es ist wirklich schlimm, dass den Kindern in diesem Alter so wenig Zeit zum spielen bleibt. Mich wundert's nicht, wenn viele dann als altersmäßig Erwachsene so wenig erwachsen sind. Schließlich konnten sie das Kind-sein nie richtig ausleben. Ich denke schon, dass die vielfach bemängelte Unreife junger Menschen heute damit zusammen hängt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in der Unterstufe während irgendwelcher Ferien für die Schule hätte lernen müssen. E. bleibt nichts anderes übrig. Knapp nach den Ferien ist schon der nächste Test und die nächste Schularbeit, beides in Fächern, in denen er sich eine schlechte Note nicht leisten kann.
Tja, und dann bekommt man immer den guten Rat mit der Nachhilfe. Ist ja auch toll für die Lerninstitute, dass die Schulen ihren Lehrauftrag so lasch auffassen. Die verdienen eine Menge Geld damit.
Für die Kinder bedeutet das noch weniger Zeit als vorher, noch mehr Einschränkung beim Spielen.
Aber vermutlich ist spielen eben nicht wichtig solange die Kinder später die perfekten, braven, überall einsetzbaren Arbeitnehmer sind.