Sonntag, 30. März 2008

Sozialisation und Fundamentalismus

Immer wieder werden Bedenken angemeldet, ob Sozialisation mit oder ohne Schule besser gelingt. Immer wieder stellen sich Fragen zu Fundamentalismus als gewaltträchtig auch in Deutschland. Diesen Fragen gilt es nachzugehen und Widersprüche und vermeintlich Unvereinbares aufzulösen.

Hier mein Beitrag: Schule, Sozialisation, Streetschooling, Homeschooling und Unschooling

Kommentare:

1000Sunny hat gesagt…

Ein Problem der Schule und damit der Vermischung von Bildung und Sozialem ist, dass dadurch die Nachbarschaftsstrukturen so aufgeweicht und schon fast aufgelöst werden, dass nachdem die Menschen die Schule verlassen, sie meistens in ein soziales Loch fallen.
Wenn wir Bildung und Sozialisation trennen würden, das wäre doch schön.
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Die Aufgaben der Schule sind (Def. auf Wikipedia):

* Qualifikation - Vorbereitung auf spätere Lebensanforderungen in Beruf, Privatleben und gesellschaftlichen Funktionen
* Sozialisation - Vermittlung gesellschaftlich erwünschten Verhaltens
* Selektion - Auslese und Zuweisung einer sozialen Position oder Berechtigung
* Legitimation - Vermittlung gesellschaftlicher Grundwerte zur Sicherung der Loyalität und Integration (Soziologie)

Sind das nicht sehr viele Nebenwirkungen, die uns da unter dem Produktnamen "Bildung" verkauft werden ?

Lia hat gesagt…

Wenn denn die Schule für die Sozialisation zuständig ist, warum gibt es dort dann so viele unsoziale Menschen (und ich rede absolut nicht nur von Kindern)?
Es dürfte doch eigentlich gar keine unsozialen Schulabgänger geben, wenn die Schule ihren Auftrag richtig durchführt.

Chili hat gesagt…

Naja, Lia, die Frage ist, was ist SOZIAL?
Ich vermute, für dich bedeutet es etwas Ähnliches wie für mich, aber man kann es auch anders sehen, wie Wikipedia zeigt.

Sieht man es so:
"* Sozialisation - Vermittlung gesellschaftlich erwünschten Verhaltens"
- dann wären Menschen, die sich mit Ellenbogen durchboxen, koste, was es wolle; die nur den eigenen (Geld-)Vorteil sehen, koste es, was es wolle (und wenn's den Planeten kostet); und die nicht bis übermorgen in größeren Maßstäben denken können ja durchaus sehr "sozial" - sie zeigen absolut das gesellschaftlich erwünschte Verhalten, welches meiner bescheidenen Beobachtung nach größtenteils darin besteht, brav zu sein, Angst zu haben, nicht aufzufallen und möglichst gedankenlos und blöd möglichst viel Zeug zu konsumieren... :-(

1000Sunny hat gesagt…

Sozialverhalten bedeutet das, was wir alle immer verstehen, sobald einer von den Schulvertretern Sozialisation meint.
Also Sozialverhalten ist der Umgang mit den anderen Menschen.
Sozialisation ist das Aufprägen von Werten und Normen der Gesellschaft (Mainstream-Konsens).
Sozialverhalten ist in der Schule Fehlanzeige (bestes Beispiel: Handys sind verboten, da sonst nur Gewaltvideos ausgetauscht werden) - Bravo Schule!

Wer Schüler mit Gewalt in die Schule zwingt und sich dann über Gewalt wundert, der hat den Spruch mit dem Wald, in dem man hineinschreit noch nicht verstanden. Oder den: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Oder: Wer Wind sät, ...

Aber das geht jetzt ein bisschen Weg vom Thema.

Sozialisation: Aufprägen von Werten und Normen. Jedoch verweigert die Politik eine Wertediskussion. Also sollen wir unsere Kinder in eine unklar definiertes Erziehungsziel geben.
Zudem scheinen die Werte der Schule: Unterdrückung von Minderheiten, und Hass gegen Fremdes zu sein (Deutschland ist PISA Gewinner in Ausländerfeindlichkeit).

Muss ich meine Kinder dort sozialisieren lassen ?

Anitz hat gesagt…

Mir fällt immer bei der Erwähnung "Sozialverhalten" in Verbindung mit Schule:

Wir (die Gesellschaft global gesehen) meinen, eine kliquenhafte Umgang mit deines Gleichen und eine aufgemotzte, meckernde Umgang, mit deiner Familie und "sonstige" Menschen, die deiner Klique nicht angehören...

Und wie erfolgreich die Sozialization in der Schule gelehrt/gelebt wird (als "ausgleich für die Kiddies, die zu Hause NICHT gut aufgefangen werden"), können wir in der Zeitung lesen...

Ich denke dabei an der wunderschöne Geschichte von den Affen, der hier kürzlich in den Kommentare geschrieben wurde...

Lia hat gesagt…

Mal überlegen, was Kindern an Sozialisation in der Schule lernen:

- es gibt eine/n, die/der alle Macht hat und dich beurteilen darf (oder wozu sind Noten da?)
- es gibt viele, die dieser Machtperson relativ hilflos ausgeliefert sind (versuch mal, dich gegen eine ungerechte Behandlung durch einen Lehrer zu wehren)
- dein Status steigt mit der Menge an Geld, die du frei verfügbar ausgeben kannst (cool ist wer coole Sachen hat)
- starke Persönlichkeit führt zu Schwierigkeiten (welcher Lehrer liebt schon klare Worte, wenn sie von einem Kind oder dessen Eltern kommen)
- angepasstes, unterwürfiges Verhalten führt zu Akzeptanz (ist für Lehrer ja auch viel einfacher)
- Nächstenhilfe ist nicht erwünscht (abschreiben lassen ist kein Teamwork)
- Teamwork ist besser als Einzelarbeit (wohlgemerkt: dann ist abschreiben erlaubt)
- Innerhalb eines bestimmten Zeitschemas mit vielen anderen genau dasselbe zu machen (macht durchaus Sinn für spätere Fabrikarbeiter)
- In einem bestimmten Zeittakt von einer Tätigkeit zur nächsten zu wechseln (Ak-kordarbeit?)
- Obrigkeitshörigkeit (das Schulamt sagt den Direktoren, die den Lehrern, die den Schülern – Widerspruch ist nicht erlaubt)
- Wettbewerbsdenken (es kann nur einen Besten geben)
- Mittelmäßigkeit ist nie genug (na ja, du hast halt wieder nur eine Drei geschrie-ben)
- Abwertendes Verhalten von Vorgesetzten ist kommentarlos hinzunehmen (wir erinnern uns bestimmt alle an diverse Sprüche unserer LehrerInnen)
- Monarchistische Denkweise (oben thront König Direktor, neben ihm seine Vas-salen, die Lehrer und sie herrschen über die Untertanen, die Schüler)

Natürlich sind solche „Grundwerte“ für einen Staat recht praktisch. Lernt man diese schon als Kind sind sie natürlich wesentlich besser in den Menschen verankert als würde man sie erst als Erwachsener vermittelt bekommen. Zu Denken gibt einem das aber schon.

Fragmentadora de Papel hat gesagt…

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Wort Bild Gedanke hat gesagt…

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