Sonntag, 2. März 2008

Wie Schulbücher entstehen (können)

Ein in Österreich recht bekannter Kinderbuchautor namens Thomas Brezina (Tom Turbo, Knickerbockerbande..) wurde eingeladen an einem Physik-Schulbuch mitzuarbeiten. Als Moderator des "Forscherexpress" hat ihn das natürlich brennend interessiert und er sagte zu. Zusammen mit zwei Physikern gestaltete er das Buch und gab es dann an eine Reihe Kinder zum Testen. Der Schulbuch-Verlag fragte daraufhin sehr erstaunt bei ihm nach, wie er denn auf diese Idee gekommen wäre. So etwas hätte man mit Schulbüchern noch nie gemacht und auch nicht vor, das jemals so zu machen. Nichtsdestrotrotz nahm er die Kritiken der Kinder zum Anlass das Buch noch mal ein wenig zu überarbeiten in Hinsicht auf Übersichtlichkeit und besseres Verständnis.
Beim entsprechenden Schulbuchverlag nahm man das schulterzuckend hin. Wenn er sich das einbildet... ist halt ein Kinderbuchautor.
Dieses Schulbuch ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen und ausnahmsweise auch verständlich geschrieben. Von den Lehrern wird es so gut wie gar nicht akzeptiert und verwendet, weil da so ein Kinderbuchautor mitgearbeitet hat. So einer kann doch bitte keine ernsthaften Schulbücher schreiben, da könnte ja jeder kommen!

Welch ein Wahnsinn, wenn man überlegt, dass anscheinend noch kein einziges Schulbuch jemals vor Erscheinen von Kinder getestet wurde. Kein Wunder, dass die oft so unverständlich sind. Schon als Kind hab ich manches aus meinen Schulbüchern nur durch die Erklärung eines Erwachsenen verstanden. Und vielleicht ist das sogar Absicht. Sonst könnte man ja vielleicht völlig ohne Lehrer lernen??? *ggg*

Es zahlt sich also aus, grad als Homeschooler keine richtigen Schulbücher zu verwenden. Meiner Meinung nach gibt's zu jedem Thema eine Menge guter Bücher, die leichter lesbar und verständlicher geschrieben sind.... und das gleiche Wissen vermitteln.

Kommentare:

1000Sunny hat gesagt…

Hi,

ich glaube auch, dass die Qualität der Schulbücher so beabsichtigt ist.
Anders kann man sich das nicht erklären, wenn man den Verlagen irgendeine Art von Verstand unterstellt.
Ich persönlich bin ja sehr Mathematik nah und was ich da früher (als ich Schüler im alten System unterstützt habe, oder unterdrückt?) in den Schulbüchern gesehen habe war ein Grauen.
Manche Mathematik-Bücher schienen gezielte Verwirrtechniken einzusetzen. So waren manche Seiten mit kaleidoskopischen Hintergründen versehen, was die Schrift an manchen Stellen unlesbar machte.

Wieso ??!!
Falls hier jemand aus einem Schulbuchverlag dabei ist: Bitte erklärt es mir. Ich versteh es nicht!
Setzt Euch der Lehrerverband unter Druck ?

Anitz hat gesagt…

Warum die Verläge mittelmäßige bis schlechte Bücher herausgeben? Weil gute Lehrbücher taugen nicht für die Schule und werden nicht von den Lehrern gekauft. Es ist rein eine wirtschaftliche Überlegung. Siehe diesen Beitrag von Lia.
Warum die Lehrer die gute Lehrbücher nicht kaufen? Sie werden daran gehalten, einen mittelmäßige Schülertum zu produzieren. Gesetzlich, also ein Folge von politischen Wille.
Ich zitiere:
"Liebe Anitz,
wir wollen bei der ganzen leidigen Sache der Notengebung auch nicht vergessen, dass man uns anhält, die Noten anhand einer Normalverteilung zu erstellen: es soll nicht zu viele gute und schlechte Noten geben. Aber dafür viele “mittlere”. Bei uns ist es so, dass zu viele Einser nicht gerne gesehen werden, dann setzt man sich dem Verdacht aus, die Tests wären nicht schwierig genug… soviel also zur Objektivität des ganzen Geschäfts. :-("
Dies war Teil einer Antwort auf der Frage, ob es notwendig sei, Schüler mittels Notenzwang zum lernen zu animieren. Der ganze Beitrag ist sehr interessant, sowie diese bloggende Lehrerschaft, zeigt sich doch, dass es Hoffnung besteht, da es auch engagierte Lehrer gibt (!noch!), die das Schulsystem durchschauen, kritisch betrachten und versuchen ihren Weg durch diesen Dschungel zu bahnen.
Eine weitere Vermutung meinerseits (habe bislang keine Beiträge, um diese Behauptung zu untermauern): Die "Wirtschaft" und die "Politik" wollen es so. Wenn wir zu viele Intellektueller in Deutschland aus der Schule kommen haben, haben wir keine "Fließband"-arbeiter mehr. Wir brauchen eine größere Bevölkerungsschicht, dass weniger "denkt, reflektiert und danach handelt" und brav seine stupide Arbeit nachgeht, dann fließt das Geld--> in die Wirtschaft, in den Steuertopf.
Was wäre hier in Deutschland los, wenn eine Mehrheit der Bürger mündiger wäre? Die Politik sowie Wirtschaft wären lahm gelegt. Vielleicht sind jetzt sowieso zu viele "mündig" (aus der Sicht der Wirtschaft und Politik), so dass es eigentlich gewollt ist, dass diese Bevölkerungsschicht auswandert und ihr Glück woanders sucht?

Anitz

rauhtierchen hat gesagt…

Na kommt, ganz so schlimm ist es ja nun doch nicht !
Klar, manche Schulbücher sind gruselig. Aber es gibt auch gute Bücher.
Mir würde es schon reichen, wenn ich aus dem großen Angebot wählen könnte.

Zu manchen Büchern gibt es auch zusätzliche Arbeitshefte und CDs.

Ich bin eigentlich auch ein Zahlenmensch. :-) Und das, finde ich, sollte ein guter Rechenunterricht leisten: nicht stupide Techniken zu lehren, sondern den Kindern vermitteln, daß die Mathematik dazu dient, das reale Leben zu beschreiben.
Rechnen (oder Buchhaltung) sollte nicht dem Selbstzweck dienen, sondern das Zahlenverständnis, daß man sich durch die Anwendung der Mathematik erwirbt, sollte tiefere Einblicke in die Zusammenhänge der Welt und des Lebens ermöglichen.

Aber vielleicht ist das ja auch der grundlegende Unterschied zwischen Un- und Homeschoolern, der hier deutlich wird ?

Lia hat gesagt…

Ich denke, dass bei der Schulbuch-Misere auch die Finanzen mitspielen. Lehrer meinen es vielleicht oft sogar gut damit, nicht das teuerste (obwohl beste) Schulbuch vorzu-schreiben, sondern ein günstiges, dass auch irgendwie o.k. ist. Schließlich sollen die El-tern nicht gar so viel zahlen müssen, womöglich noch für 3-4 Kinder.
In Österreich wurde das merkbar, als die Schulbuchaktion abgeschafft wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es Schulbücher für alle Kinder gratis. Kurz bevor E. in die Schule kam wurde das Gesetz geändert und seither müssen Eltern einen Selbstbehalt zahlen. Wohlgemerkt nicht die gesamte Summe, sondern einen sehr geringen Prozentsatz.
Damals ging ein Aufschrei durchs Land, nicht nur bei den Eltern (was verständlich war) sondern auch bei den Lehrern. Man könne den Eltern ja keine solchen Summen zumu-ten, da solle man doch besser auf die meisten Schulbücher verzichten und lieber mit Arbeitszetteln arbeiten. Nicht, dass diese Arbeitszettel gratis gewesen wären, ich bin mir sicher, dass an Kopiergeld im Laufe des Jahres mehr Geld anfiel als für den Selbstbe-halt bei den Schulbüchern. Jedenfalls gab es dann bei meinem Sohn erstmal knappe 4 Schulbücher (Deutsch und Mathe) und den horrenden Selbstbehalt von 0,92 Euro. Wir Eltern mussten das übrigens überweisen, wir konnten das nicht mal bar einzahlen. *seufz* Die Kontozeile hat mich bestimmt mehr gekostet als der Selbstbehalt. Der Amtsschimmel wieherte laut und es gab große Diskussionen zu diesem Thema.
Inzwischen ist er am Gymnasium, hat wesentlich mehr Schulbücher und so musste ich heuer ganze gewaltige 9,60 Euro zahlen. Dabei finde ich gute Lehrbücher immens wich-tig, vor allem auch solche, in denen die Kinder selbstständig arbeiten können.
Lehrer sind übrigens teilweise immer noch der Meinung, dass diese Summe zu hoch ist. Möglicherweise haben die Schulen hier aber bestimmte Budgetvorgaben, die die Lehrer bei der Schulbuchauswahl gewaltig einschränken. Jedenfalls hab ich ganz bestimmt 10,- Euro schon für dümmere Sachen ausgegeben, als für Lehrbücher.
Die vorhandenen E-Learning-Seiten nutzt leider kaum ein Lehrer. Dabei könnten die Kinder hier bei smx. angemeldet werden. Die Seite finde ich recht gut und überlege grade, ob ich E. da nicht einfach selbst anmelde. Möglich ist das nämlich wie ich inzwi-schen festgestellt habe.
Rauhtierchen, es gibt eine große Auswahl an Schulbüchern und fast alle kann man auch als Privatmensch bestellen. Es gibt ein paar wenige Verlage, die bei Privatpersonen ein wenig zicken, aber mit dem Hinweis auf ein verloren gegangenes Buch kann man diese Bücher trotzdem bekommen. Ich hab grad letzthin für E. ein Physikbuch plus Arbeits-buch nachbestellt. Hat etwa 8,- Euro gekostet zusammen und beide Bücher hatte er vorher nicht. Wenn Du gebrauchte Bücher suchst, schreib doch mal, was Du da so brauchen kannst.

rauhtierchen hat gesagt…

Die Arbeitshefte müssen wir hier voll bezahlen. (CDs sowieso, weil sie ja nicht zum Standard gehören.)
Bücher können ausgeliehen oder gekauft werden. Die Schule ist für ausleihen (wegen der unterschiedlichen Auflagen).

Wir haben eine Kundennummer bei Klett und bei Westermann. Klett hat uns auch schon einmal Material umsonst zur Verfügung gestellt.

sbx / bildung.at habe ich mir angesehen. Die beziehen sich auf aktuelle österreichische Schulbücher, richtig ?

Momentan sind wir mit Büchern und Software-Lösungen gut ausgestattet.
Sollten wir die Befreiung für unsere Tochter genehmigt bekommen, dann haben wir ab dem Sommer Bedarf für Material der Klassenstufe 3. Klappt es nicht, muß ich mich ja doch wieder an die örtliche Schule anpassen.
Oder auch wir machen uns auf die Reise ...

Lia hat gesagt…

Rauhtierchen, sbx. ist natürlich eine österreichische Seite, ich schätze aber mal, dass zumindest der Lehrplan in der Grundschule (bei uns Volksschule) recht ähnlich sein wird. Auf der Seite findet man nicht nur Schulbücher, sondern auch jede Menge „Ar-beitsblätter“ im E-Learning-Bereich. Wir konnten das im vorigen Jahr von der Schule aus nutzen für Englisch und Biologie.
Eine andere gute Seite ist: www.schule.at. Dort findet man zu jedem möglichen Schul-gegenstand Aufsätze, Referate, E-Learning-Bereich, Schulbücher usw.
Für Englisch findet man auch viele Materialien auf http://www.youandmelink.com/
Eigentlich zeigt schon die Vielfalt an Lernmaterial für zu Hause den schlechten Stan-dard vieler Schulen an. Dass Kinder zu Hause noch nachlernen müssen, die Eltern Nachhilfelehrer spielen sollte ja eigentlich gar nicht notwendig sein. Immerhin sind die Kinder jeden Tag einige Stunden in der Schule. Nur das System passt halt nicht mehr auf die Menschen, die darin eingesperrt sind, Lehrer wie Schüler. Das Schulsystem ist zum Selbstläufer geworden an dem keiner wirklich was verändern will, weil er zu viele Nachteile dabei fürchtet. Ist ja klar, bei einem Kurssystem, in dem sich Kinder frei zwi-schen verschiedenen Angeboten entscheiden können, werden einige Lehrer bestimmt keinen Unterricht mehr geben, oder unter einem ständigen Schülerschwund zu leiden haben.

Lia hat gesagt…

Ach ja, und dann gibt es noch den Veritas Verlag (www.veritas.at), der auf seiner Seite nicht nur Schulbücher sondern auch Lernmaterial zum Runterladen hat.

Anitz hat gesagt…

Heute entdeckt bei Schwellenpädagogik entdeckt... Korruption durch Annahme von Freiexemplaren, wo uns bestätigt wird: es geht ums Geldmacherei (seitens der Schulbuchverlage).

Lia hat gesagt…

Da ich mal eine Zeit lang in einer Buchhandlung gearbeitet habe, kenne ich diese kostenlosen Leseexemplare. Sie dienen den Verlagen natürlich als sehr effiziente Werbeträger. Grad in Buchhandlungen ist es ja auch wichtig, dass man ein Buch ein wenig kennt noch bevor es tatsächlich am Markt erscheint.
Bei Schulbüchern stellt sich die Frage wie sinnvoll diese Taktik ist. Ich weiß nicht, wie frei ein Lehrer bei der Entscheidung hinsichtlich der Schulbücher ist, welche Vorgaben er da hat.
Eigentlich kann jeder Lehrer aus einer größeren Auswahl an verschiedenen Lehrbüchern zu seinem Fach wählen. Vielleicht gibt es da aber von der Schule her Vorschriften, welche verwendet werden dürfen oder nicht.
Letzthin hab ich eine Aussage zu einem Englisch-Schulbuch mitgehört, die ich auch klasse fand. Da wurde behauptet, dieses Buch wäre schlecht, weil es "vom Aufbau her so gemacht ist, dass die Kinder da alles selbst erarbeiten können. Da kann der Lehrer faul sein und muss ja gar nichts mehr machen". Schulbücher werden also anscheinend schon mal als minderwertig angesehen, wenn sie so klar strukturiert aufgebaut sind, dass Kinder alleine damit zurecht kommen. Demnach müssen Schulbücher, die kompliziert und unverständlich gestaltet sind am besten sein. Denn anscheinend ist ein Schulbuch ja nur dann gut, wenn der Lehrer noch möglichst viel dazu erklären muss.
Das würde meiner Meinung nach eine Menge erklären, was im Unterricht so alles schief läuft.

Fontanefan hat gesagt…

@lia: Du weist drauf hin, dass jemand ein Lehrbuch kritisiert hat, weil es "vom Aufbau her so gemacht ist, dass die Kinder da alles selbst erarbeiten können."
In sich klingt diese Kritik in der Tat relativ unsinnig, denn dass jeder Mensch lernen muss, sich Dinge selbst zu erarbeiten, gilt unabhängig von jeder Lerntheorie.
In der Praxis können Bücher, die so geschrieben sind, dass die Kinder da alles selbst erarbeiten können sollen, allerdings recht schlecht sein. Wenn der Lehrbuchautor nämlich voraussetzt, dass alle Kinder sehr motiviert sind und Informationen selbst herausfinden können und er ihnen deshalb nur noch Anregungen zu geben brauche, was sie tun könnten, kann das für Schüler recht frustrierend sein.
Was tun mit einem Englischbuch, das den Vorschlag macht, sein Englisch in Interviews am Flughafen zu schulen, wenn der nächste Flughafen 100 km entfernt ist? Was mit einem Politikbuch, das dazu auffordert, Passanten auf der Straße über ihre Kenntnisse zu Erst- und Zweitstimme zu befragen, aber selbst dazu keine Angaben macht, was der Unterschied ist? Natürlich kann man das irgendwo im Internet finden und kann es auch der Lehrer erklären. Aber für den, der sich über den Unterschied nicht mehr ganz sicher ist, sollte es doch auch die Möglichkeit geben, nachzulesen.
Schüleraktivierende Methoden sind das A und O. Aber ein Lehrbuch muss schon noch mehr bieten als nur Anregungen zu Aktionen.

Lia hat gesagt…

@fontanefan:
Nein, so kompliziert aufgebaut ist diese Reihe gar nicht. Sie bietet Geschichten, Übungen, zusätzliche CD's und E-Learning.
Es ist also nicht so, dass von den Kindern unmögliches verlangt würde. Bis jetzt wäre mir auch kein Englisch-Schulbuch für die Unterstufe aufgefallen, das Interviews am Flughafen oder ähnliches verlangt hätte. Vielleicht gibt's das doch erst in der Oberstufe.
Aber wenn mir so eines in die Finger fällt und ich wohne fern jedes Flughafens würde ich meinen gesunden Menschenverstand zusammenkratzen und die Aufgabe entsprechend abwandeln. Oder die Aufgabe zum Anlass nehmen, zum nächst gelegenen großen Flughafen zu fahren und das Interview mit einer großen Besichtigungstour verbinden. Ganz so buchstabentreu muss man da ja wirklich nicht vorgehen.

Anonym hat gesagt…

Die schlechte Qualität der Schulbücher ist definitiv Absicht.
Aus dem Gespräch mit einem Lektor weiss ich:
Das Schulbuch dient nicht dem Selbstlernen der Schüler sondern ist ein Arbeitsmittel für den Lehrer. Es darf nicht zu viel drin stehen, sonst kommt es in Österreich nicht durch die Schulbuchkommission.
Dürre Erklärungen und viele Aufgaben - das macht ein Schulbuch aus.
Wenn es gut geht, gibt es ein Lösungsbuch.
Als Lehrer wurde ich angehalten die dinge nur 1* zu erklären. Es müsse für die Industrie selektiert werden.
In der Industrie schimpft man über die schlechten Lehrer.
Wenn die Schüler zu gut werden, soll man die Noten eingaussen.
Knapper erklären, schwierigere Beispiele.