Samstag, 19. April 2008

Zwischenbericht von Neubronners

Liebe Leute, endlich bin ich mit meinem Freilerner-Buch soweit fertig, und Tilman sitzt am Layout. So wie es aussieht, hat das Buch nun mit allen Anmerkungen, Zitaten aus Behördenschreiben und Gesetzestexten, Briefen an uns suw. doch gut 300 Seiten. Der größte Teil des Buches beinhaltet natürlich meinen Bericht.Wir sind seit kurz nach Ostern hier in Südfrankreich. Leider ist das Internet hier so langsam (Modem), dass ich es nicht mal schaffe, mich in diesen BLog hier einzuloggen. Dabei haben Tilman und sein neuer Nachbar schon Stunden auf dem Dach vebracht, um die Satellitenschüssel auszurichten, während ich im Büro mit die Computerstimme angehört habe, die ständig"Null... Null...Null" sagte. Wenn sie was anderes gesagt hätte, wäre es meine Aufgabe gewesen, laut zu schreien.Es geht uns wunderbar, wir wohnen bei Freunden auf einem großen Hof und haben mehr Platz als vorher. Wir haben zwar den Plan, uns auch noch England und Irland anzuschauen und vor allem dort all die vielen Freilerner kennenzulernen, noch nicht aufgegeben, aber da muss es schon sehr schön sein, um Tilman und die Kinder hier wieder wegzulocken. Die Kinder und ich sind dabei, reiten zu lernen, Moritz übt täglich Bogenschießen und hat angefangen, eine lange lange Geschichte zu schreiben. In den ersten Tagen lud er mich täglich ein zu lesen, was er neu geschrieben hatte, allerdings nur unter der Bedingung, dass ich auf keinen Fall veröffentliche oder darüber erzähle. Beide arbeiten gemäß einer Vereinbarung mit unseigenständig mit dem PC-Programm "Martins Lernwerkstatt", damit sie in Mathejahrgangsgemäß fit bleiben. Da gibt es ein Protokoll, aus dem ersichtlich ist, wann sie was gearbeitet haben, so dass sie und wir jederzeit den Überblick haben, was noch zum Stoff der jeweiligen Klasse gehören würde. Jetzt, wo der Druck weg ist, entwickeln sie von sich aus den Wunsch, auf dem LAufenden zu bleiben. Der Sohn unseres deutschen Nachbarn ist elf wie Moritz, und die Drei haben schon komplexe neue Spiele enwickelt. Wie es darüber hinaus weitergeht, wissen wir noch nicht. Jetzt sind wir erstmal hier und genießen die Freiheit, die Schönheit, den Platz, die Natur und all das in vollen Zügen. Unsere Petition an die Bremische Bürgerschaft, bis zur gerichtlichen Klärungunseres Anliegens der Bildungsfrieheit verfolgungsfrei in Bremen bleiben zukönnen, ist abgelehnt worden. Es sei deutlich geworden, dass wir im Falle einer negativen Gerichtsentscheidung uns dieser nicht beugen, sondern ins Ausland gehen bzw. dort bleiben wollten, und insofern gebe es keinen Anlass für eine Übergangsregelung. Schade! Wir würden nach wie vor am liebsten in Bremen leben, keine Frage. Aber vorerst müssen Tilman und die Kinder sich wohl im Exil einrichten. Es ist, wie gesagt, ein Luxus-5-Sterne-Exil, aber Zuhause ist Zuhause... Herzliche Grüße soweit von Dagmar

Kommentare:

Stefan hat gesagt…

hört sich ja ganz gut an! ich wünsche euch eine schöne zeit in südfrankreich - da sollte ich auch mal wieder urlaub machen..

1000Sunny hat gesagt…

Toll,
wieder was von euch hier auf dem Blog zu hören.
Wir liebäugeln auch mit Südfrankreich. Besonders, da nicht nur Bildung und Freiheit hier in Deutschland problematisch sind. Es folgen auch noch Krankenversorgung und Lebensmittel mit in den Graben.
Bei Beckmann fand ich die Bemerkung witzig, dass die Deutschen immer nur meckern. Das hat er genau den Falschen gesagt. Ihr tut ja etwas dagegen ! - die Behörden meckern und alle Eltern, die weiterhin am System der politiklastigen Schulen festhalten und dafür jeden Tag klagen.

In welcher Stadt seid ihr eigentlich ?

Liebe Grüße
1000Sunny

Tilman hat gesagt…

In gar keiner Stadt, sondern völlig abseits auf dem Land, viel Natur, Pferde etc., Kultur, Musikschule etc. nur mit viel Autofahren, das ist ein bisschen der PFerdefuß, weswegen wir uns auch trotzdem weiter umschauen werden.

Lia hat gesagt…

Was ich nicht verstehe bei den deutschen Behörden, ist, dass kein Unterschied gemacht wird zwischen Homeschoolern und Schulschwänzern. Da wird wirklich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Bei den Familien, bei denen ein Eingreifen wirklich notwendig wäre, geschieht in den meisten Fällen am wenigsten. Wenn dann müsste in beiden Fällen gleich hart durchgegriffen werden. Aber bestraft werden die Leute, die offen nach außen zeigen, dass sie einen alternativen Weg einschlagen und den auch bewusst gehen. Ich frage mich, ob die Behörden selbst einen Sinn in ihrem Handeln sehen oder nur stur den vorgegeben Amtsweg einhalten.