Dienstag, 17. Juni 2008

Schulpflicht vs Recht auf Lernen

Einen schönen Text zum Thema 'Schule' von Jan Moewes habe ich heute entdeckt, dank eines Hinweises auf der unerzogen-Mailingliste ... Den ich gern mit euch teilen möchte. Hier mal ein Auszug:

" Tatsächlich hat die Regelschule von heute das Lernen zum Vorwand degradiert. Was auf dem Stundenplan steht, ist egal - gelernt wird immer das Gleiche, und das taucht nicht einmal im Lehrplan auf. Gelernt wird zum Beispiel, egal ob bei Mathe, Erdkunde oder Handarbeit, dass die Stunde erst zu Ende ist, wenn es klingelt. Und dass man bis dahin sitzen zu bleiben hat. Gelernt wird, dass man sich keine Gedanken machen muss, was man morgen tun möchte, weil es sowieso klar ist. Gelernt wird, dass es nicht darum geht, was du willst, sondern um das, was man von dir verlangt. Gelernt wird, dass eine musikalischer Einfall in der Mathestunde nichts zu suchen hat und dass es völlig egal ist, ob du weißt, dass der Typ da vor dir doof ist.
Hält denn jemand im Ernst unsere Kinder für so blöd, dass sie nicht alleine rausfinden würden, wie die Hauptstadt von China heißt - falls es sie interessieren sollte.[...]
Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass es hier anders aussehen würde, hätten wir nicht alle so brav gelernt, jeden Morgen um die gleiche Zeit an den gleichen Ort zu rennen und das Gleiche wie Gestern zu tun. Von alleine käme kein Mensch auf so was!
Wahrscheinlich käme kaum jemand auf die Idee, im Winter vor Sonnenaufgang aufzustehen. Was würden wir Strom sparen, wahrscheinlich mehr als mit der Sommerzeit. Kein Mensch würde von alleine stundenlang etwas tun, was ihn anödet; niemand ruhig anhören, was ihn ankotzt. Kaum ein Mensch würde bei schönem Wetter drinnen sitzen und noch weniger würden bei schlechtem Wetter rausgehen.
Hätten wir nicht alle in der Schule gelernt, die Eigenverantwortung gleich mit dem Mantel an der Garderobe aufzuhängen und uns in das Unvermeidliche zu fügen, hätten wir wahrscheinlich ganz andere Fabriken - oder gar keine. Wir hätten auch keine Schulen - oder ganz andere. Ohne diese Schule hätten wir auch diesen Staat nicht - und deshalb haben wir die Schulpflicht statt des Rechts auf Lernen. "

Kommentare:

sumpffuss hat gesagt…

ich muss grad für Prüfungen lernen. "Muss" insofern, dass ich den Studienabschluss bescheinigt haben will, und die Prüfung für das Abschlusszertifikat unerlässlich ist.

Alles, was ich in der Schulzeit gelernt habe, steht mir bei meinem Lernen für die Prüfungen wieder im Wege. "Alles" insofern, dass es das Wesentliche ist, was ich in meiner Schulzeit gellernt habe, was mir jetzt im Wege steht. Das Wesentliche ist genau das, was Jan Moewe beschreibt.

jumping-blueberry hat gesagt…

Dieser Post verlangt die Abschaffung der einzigen positiven Tugenden, die man im Ausland an den Deutschen schätzt: Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Gründlichkeit.

Der Autor würde sich schnell beklagen, wenn die Handwerker nicht rein kämen, weil es zu schönes Wetter ist und drinnen bleiben würden, wenn es regnet.

Wenn man sich darauf verlassen kann, dass die Leute immer um die gleiche Zeit aufstehen und zur Arbeit gehen (was manche vielleicht sogar gern tun!!!) weiß man auch, wo man wen erreicht, wenn man mal etwas braucht.

Hier wurde vergessen: Wir leben in einer Gesellschaft. Die Menschen arbeiten nicht (nur) für sich sondern für andere, die ihre Hilfe brauchen.

In der Schule werden also Regeln für unsere Gesellschaft gelehrt, ja und? Unsere Gesellschaft ist nun mal keine Anarchie sondern beruht auf dem Miteinander.

Und da muss man manchen Kindern eben auch sagen, dass es nicht in Ordnung ist, durch die Klasse zu schreien, dass der andere doof ist. Das ist ja anders rum auch nicht okay. (Also wenn ein "freidenkendes Kind" angegriffen wird)
Haben wir nicht alle gelernt, dass genau solche Äußerungen dazu führen, dass Kindern ungern zur Schule gehen???

Tilman hat gesagt…

Zu Jumping-blueberry: Ich stelle immer wieder fest, dass unsere Kinder für die Dinge, zu denen sie sich entschieden haben, zu absoluter Pünktlichkeit willens und in der Lage sind - okay, Thomas müssen wir noch an Termine erinnern, weil er ohne Uhr im Hier und jetzt schwebt, aber Moritz erscheint schon seit Jahren zu allen seinen Terminen pünktlich und verabschiedet sich dafür (auch durchaus mit Seufzen), aber konsequent aus anderen schönen Aktivitäten. Unsere kinder sind pünktlich, verlässlich und gründlich, wenn sie sich für eine Sache entschieden haben.

Was in der Schule verlernt wird, ist, sich selbst bewusst zu entscheiden, WAS man denn "pünktlich, verlässlich und gründlich" tun will. Stattdessen wird eine "Dienst-nach-Vorschrift"-Mentalität gefördert.
Ich habe noch nie gehört, dass die ehemaligen Homeschooler in ihrer Berufstätigkeit durch Schlampigkeit auffallen, eher im Gegenteil.

Lia hat gesagt…

Abgesehen davon, dass sich das Modell "Gleitzeit" in immer mehr Betrieben durchsetzt und den Mitarbeitern so wesentlich mehr eigene Entscheidung zugestanden wird als jedem Schulkind. Ich glaube nicht, dass es Probleme mit besagten Tugenden gibt, wenn ein Mensch etwas aus voller Überzeugung und mit Zufriedenheit macht.
Dagegen kenne ich viele Leute, die sich unwillig und genervt in eine ungeliebte Arbeit schleppen um dort Punkt 17 Uhr den Bleistift fallen zu lassen. Auf deren Pünktlichkeit könnte so mancher Betrieb bestimmt gerne verzichten.

Übrigens: wenn Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Gründlichkeit die einzigen Tugenden sind, deretwegen Deutsche im Ausland geschätzt werden, ist das für mich ein bisschen wenig. Fehlen da nicht Eigenschaften wie Kreativität, Ideenreichtum, die Fähigkeit zum Querdenken und Leidenschaft? Ein Herr J.W. Goethe wurde und wird vermutlich nicht gerade wegen besagter deutscher Tugenden geschätzt. Und ich hab mir mal erzählen lassen, dass Manager eine Menge Geld dafür ausgeben, um genau diese anderen Fähigkeiten in sündhaft teuren Seminaren wieder zu lernen. *lächel*

sumpffuss hat gesagt…

was ich in der Schule gelernt habe: war NICHT Pünktlichkeit - ich finde auch nicht, dass es eine Tugend wäre -,
NICHT Verlässlichkeit - die Lehrer haben uns nach Gutdünken bewertet, gelobt und getadelt, z.B.
ich habe gelernt, dass Lernen anstrengend und eine Quälerei ist, ich habe gelrnt, nach dem Munde zu reden, ich habe gelernt, die Zeit einzuteilen in Schule, wo ich lernen muss, und in die Zeit danach, wo ich auf keinen Fall irgendwas mit Goethe oder Schiller oder Newton oder Mozart oder Michael Jackson (denn von dem mussten wir in Musik auch ein Lied singen) zu tun haben wollte
und: Gott, ich bitte dich, lass mich dumm werden, damit ich nicht als Streber gelte! das hab ich gelernt
ich habe trotz übelster Hänseleien nicht gelernt, Leid zu ertragen und aus den Demütigungen Stärke zu beziehen
Ich habe aus meiner Zeit in der Schule das beste gemacht, was mir möglich war, und DENNOCH war es gestohlene LEBENSZEIT
andere aus meiner Abschlussklasse, die ihre Energien nicht wie ich darauf gewandt haben, sich anzupassen und den Anforderungen der Schule bestmöglich zu entsprechen (die "schlechten" Schüler) kamen nach der Schule besser im wirklichen Leben zurecht.

sumpffuss hat gesagt…

Tugenden

Gründlichkeit: "Die Deutschen" haben ihre Geschichte gründlich verdrängt.

Pünktlichkeit: zu jeder politischen Wende wenden "die Deutschen" pünktlich ihre Hälse

Darin sind sie verlässlich.

Meine Lehrerinnen und Lehrer (die meisten, nicht alle) geben dafür ein schönes Beispiel ab.

scatty hat gesagt…

Lol, nach 12 Jahre Schule, bin ich eine der unpünktlichsten Personen, die ich kenne (ein oder zwei meiner Freundinnen - auch geschult - sind auch vielleicht so wie mich). Meine zwei ältere Kinder, die nur ein Jahr bzw. nie in der Schule waren, sind ganz anders. "Komm, Mommy, ich will nicht NOCHMAL wegen dir spät kommen!" Ich denke, pünktlichkeit ist eher eine Persönlichkeitssache. Webseiten wie diese http://www.sandradodd.com/
und diese http://joyfullyrejoycing.com/
und diese
http://www.unschooling.info/forum/forum.asp?FORUM_ID=5
haben mir geholfen, meine Kinder zu vertrauen (und meine Kinder selbst haben viel geholfen)

jumping-blueberry hat gesagt…

Liebe Un-/Home-/Anders-schooler-Eltern-Gemeinde,

ich bin mal wieder vollkommen falsch verstanden worden.
Ich meinte doch gar nicht, dass jeder Mensch der in der Schule ist automatisch dies "Tugenden" erwirbt.

Eigentlich wollte ich nur kritisieren, dass es als etwas schlechtes angepriesen wird, dass Kinder in der Schule lernen, sich innerhalb von Grenzen zu bewegen.

Und generell werden die "Tugenden" (eigentlich ein doofes Wort) selbst auch gleich schlecht gemacht und als überflüssig degradiert.

Wenn diese Grenzen zu Hause gesetzt werden und das selbe bewirken, wären sie doch genauso schlimm...

Gemäß des Artikels ist es absolut fürchterlich, dass wir gezwungen sind, uns an gesellschaftliche Regeln zu halten und dass Kinder diese schon erlernen.

Demnach wäre es auch schlimm, dass Unschooling-Kinder ja überhaupt Termine haben, die sie einzuhalten haben.

Irgendwie geht mir diese Theorie etwas zu weit. Würden diese Ideen umgesetzt, wären Personen, die nach diesem System leben würden wohl doch etwas unzuverlässiger.

Oder gibt es hier jemanden (im Angestelltenverhältnis) der absolut 100% jeden Tag gerne zur Arbeit geht? Mir macht meine Arbeit Spaß, aber auf so manchen Montag könnte ich schon verzichten. ;)

Lia hat gesagt…

Jumping Blueberry, wieso gehst Du eigentlich davon aus, dass Unschooling oder Homeschooling ohne Regeln stattfindet? Denkst Du, dass es in den betreffenden Familien keine Regeln gibt? Dass jede Familie, die sich für diesen Weg entscheidet, grundsätzlich gegen jede Art von Regeln egal wofür ist?

Meiner Meinung nach engt die Schule die Kinder zu massiv im Denken ein. Da werden stur heil nach Rezept verschiedene Dinge auswendig gelernt, statt dass man lernt etwas anzuwenden, sinnvoll zu verwenden und damit sein Wissen zu vertiefen. Ich erinnere mich, dass ich es mal gewagt habe, in Mathematik zu fragen, wieso dieses mathematische Gesetz eigentlich so ist wie es ist. Die Antwort war: "Weil das eben so ist". Damit war jede Diskussion abgewürgt und ich habe gelernt, mathematische Gesetze so anzuwenden wie sie sind, weil sie eben so sind.

Ich glaube nicht, dass Homeschooling-Familien irgendein Problem mit den gesellschaftlichen Regeln in den Schulen haben sondern eher mit einengenden Lernstrategien, die ein freies Denken schon aus Zeitgründen nicht zulassen können. Schließlich dauert eine Stunde so und so lange, wir fangen pünktlich damit an, hören pünktlich damit auf, das ist verlässlich und tugendhaft, nicht wahr? Damit geht viel Spaß und Freude an der Sache verloren, die in einer freieren Lernumgebung vorhanden bleibt. Dann kann man nämlich einfach mal drüber diskutieren wie solche mathematischen Gesetze entstanden sind und worauf sie beruhen.

Vielleicht solltest Du einfach mal genauer hinsehen und nachlesen, wie das Familienleben in Unschooling/Homeschooling-Familien abläuft. Vorläufig gehst Du bei Deinen Theseen nämlich nur von Deinen eigenen, völlig unbewiesenen Theorien aus. *lächel* Ist das nicht auch ein wenig gegen die Gesetze der Wissenschaft?

jumping-blueberry hat gesagt…

Ich sag doch gar nicht, dass ihr ohne Regeln lebt...

Ich sage genau das Gegenteil.
Dass jeder Regeln lernen muss. Ob nun in der Schule oder zu Hause.

Der Artikel zeigt meiner Meinung nach einfach die Probleme der Schule viel zu übertrieben auf und geht von der Anarchie als Optimum aus.
Und das ist doch Blödsinn.

Deshalb ist mir auch klar, dass es in der Realität nicht so aussieht, dass sich die Kinder alle Regeln selber machen dürfen. Deswegen schrieb ich doch auch "würden... wäre".... *grmpf*

Ich bewundere ja, dass ihr so viel wisst und so viel Zeit habt, dass ihr euren Kindern alles bis zum Abitur selbst beibringen könnt.
Ich könnte es nicht und hätte auch nicht die Zeit dazu. Wenn ich einmal Kinder habe, werden diese natürlich eine Schule besuchen.
Trotzdem denke ich, dass man Kinder dazu erziehen sollte, dass die Neugier etwas gutes ist und man ihr gerne nachgehen kann. (Ich meine jetzt in Bezug auf z.B. alte Gebäude erforschen nicht auf Mamas Unterwäsche ;o) )

Ich denke nicht, dass ich in der Lage wäre, komplett neue Lebens- und Erziehungsregeln aufzustellen. Deswegen würde ich mir lieber von ausgebildeten Fachkräften helfen lassen... Ich meine Lehrer und ähnliches. Ich halte es nämlich für unwahrscheinlich, dass ALLE Lehrer unkompetente Vollidioten sind und denke nicht, dass ich schlauer bin, als sie.

Lia hat gesagt…

Wenn Du mal eigene Kinder hast und sie lange genug zur Schule gehen, kann es Dir locker passieren, dass sie auf Deine Vorschläge zur Bereicherung ihres außerschulischen Wissens mit einem "ich muss heute nichts lernen, heute ist keine Schule" oder "das muss ich nicht wissen, das kommt nicht zum Test" antworten. Wenn Du die "richtige" Schule erwischst, interessiert sie bald rein gar nichts mehr außerhalb des schulisch aufgezwungenen Wissens.
Ich glaube auch nicht, dass man klüger als ein Lehrer sein oder mehr wissen muss, um seinen Kindern die Möglichkeit auf eine vielfältige Bildung zu bieten.
Jumping Blueberry, wie machst Du das denn, wenn Du z.B. eine Sprache lernen willst? Machst Du einen Kurs im nächsten Institut zusammen mit 25 anderen, der eine bestimmte festgelegte Zeit dauert und keinen Erfolg sondern nur eine Bewertung Deiner Fähigkeiten am Ende verspricht? Oder kaufst Du Dir vielleicht erst mal einen Lehrgang für zu Hause via PC oder zum Hören (je nachdem welcher Lerntyp Du bist), suchst Dir dann eine kleine Gruppe bei einem Native-Speaker und machst nach Möglichkeit mal einen Urlaub in einem Land mit dieser Sprache? Ich vermute mal, dass Du mit der zweiten Methode wesentlich mehr Erfolg haben wirst als mit der ersten.
Den Kindern wird aber in der Schule jede Wahlmöglichkeit genommen. Egal, ob sie übers Hören oder übers Sehen besser lernen, alle müssen auf die gleiche Art, zur gleichen Zeit dasselbe Kapitel lernen. Auch dann, wenn sie eigentlich schon lieber drei Kapitel weiter wären oder umgekehrt das letzte Kapitel noch nicht so richtig durchhaben.
In der Schule geschieht viel Gleichmacherei, da ist viel Einförmigkeit.
Leben hat aber nichts mit Gleichförmigkeit und Einheitsbrei zu tun, sondern mit Vielfalt. Und die fehlt eindeutig in der Schule, weil man das in einem Massenlernbetrieb eben nicht machen kann. Gewisse Lernformen sind in einer Klasse über 20 Schüler nicht mehr möglich, was aber nicht heißt, dass diese Lernformen deshalb schlechter wären.
Es gibt eine Menge Schulwissen, das ich nach der Schule schlicht und einfach vergessen habe (und jetzt manchmal erst nachlesen muss, wenn mein Sohn eine Frage hat). Meine Allgemeinbildung blieb von diesen Fakten und Zahlen völlig unberührt. Es gibt anderes Schulwissen, das ich eigentlich erst nach der Schule richtig gelernt habe, weil da erst richtig Zeit dafür war und ich das Thema viel stärker vertiefen konnte als das aus Zeitmangel an den Schulen überhaupt möglich gewesen wäre.
Im übrigen, Jumping Blueberry, als Fachmann für Dein eigenes Kind bist Du selbst am besten geeignet. Kein Lehrer kennt Dein Kind so lange wie Du. Die ausgebildeten Fachkräfte gehen sehr oft nur auf ihren im Studium auswendig gelernten Wegen "spazieren" und sind in ihrer Meinung oft recht festgelegt. So manch ausgebildete Fachkraft hat schon Kinder auf die Sonderschule abgeschoben, bei denen man später festgestellt hat, dass ihr IQ den des ausgebildeten Fachmanns bei weitem übertrifft.
An Deiner Stelle würde ich mich später mal nicht zu sehr auf das ausgebildete Fachpersonal verlassen, sondern Deinem Kind das geben, was das Beste für es ist: nämlich Du selbst. Oder hast Du Fahrrad fahren in der Schule gelernt?

Wir sind übrigens (noch) keine Homeschooler-Familie. Gerade deshalb kenne ich die Probleme, die durch die Schule entstehen können, nur zu genau. Natürlich gibt es auch gute Schulen, allerdings haben auch die nur eine bestimmte Menge Plätze und dadurch kann nicht jedes Kind auf eine solche Schule gehen. Leider!

freiebildung hat gesagt…

Hi Jumpy,

es ist echt so lieb von Dir, wie Du uns zu verstehen versuchst. Wo hast Du das gelernt :) ?
Die meisten Leute, die ich kenne bewundern erst unsere Kinder eine Stunde lang, ob ihrer Disziplin und Vernunft und sobald wir dann sagen, dass die Kinder z.B. Computerspielen dürfen, wann und wieviel sie wollen. Päng! Flippen Sie aus, bemitleiden die Kinder aufs Ärgste und verfallen fast in eine Raserei. Hätten sie halt nicht gefragt, wie wir das machen.

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Zu einem anderen wichtigen Punkt. Ich war nie in meinem Leben pünktlich und nie ordentlich. Obwohl ich 13 Jahre in der Schule war, mit anschließender Sicherheitsverwahrung in der Uni.
Trotzdem habe ich eine Musterkarriere gemacht, und konnte mit ca. 30 Jahren in "Rente" gehen.
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Vielleicht solltest Du Dich nicht so viel auf das konzentrieren, was Du "MUSST", sondern auch auf das was Du willst. Das Hobby zum Beruf machen, frei und kreativ hobbyien, wie ein Berserker und dann die Früchte genießen.
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Übrigens, an die Uni kann man (außer in Medizin) auch einfach so gehen und an Vorlesungen teilnehmen. Das Verbot gilt nur für die, die sich abschrecken lassen. Wenn man einfach reingeht und sich in die großen Hörsääle setzt sagt keiner was :)
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Auf der Seite meinprof.de findest Du auch alle Studiengänge, Professoren und die Lektüre für die Vorlesungen. Die kannst Du Dir in der Bibliothek ausleihen und durcharbeiten.
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Diese Post verlangt die Einführung der "deutschen Tugenden". Die Politiker haben sie abgeschafft.

Lia hat gesagt…

Ich denke auch nicht, dass man neue Regeln erfinden müsste. Man kann doch sämtliche gesellschaftlichen und erzieherischen Regeln auch außerhalb einer Schule anwenden, oder? Oder wird die richtige Anwendung dieser Regeln tatsächlich nur in der Schule gelehrt? Vermutlich eher nicht, sonst wären Kinder, die nicht in die Schule gehen ja wirklich nicht gesellschaftsfähig. Ich rede noch nicht mal von den vielen Familien in Deutschland bei denen das so gelebt wird, sondern von einer Menge Familien weltweit, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Homeschooling betreiben. Da müsste es eine Menge gesellschaftsunfähiger Kinder in Australien, Amerika, Europa... geben.

Ich verstehe immer noch nicht, was nun genau die Vermittlung erzieherischer und gesellschaftlicher Regeln und Werte mit dem Schulunterricht zu tun haben sollen. Der große Teil dieser Erziehungsarbeit wird in den Familien erledigt, lange bevor die Kinder in die Schule kommen. Natürlich gibt es Familien, die diese Werte nicht vermitteln können oder wollen, aber dann ist sehr oft auch die Schule machtlos, diese Entwicklung bei solchen Kindern auszugleichen. Wie sollte das auch gehen in einer Klasse mit 25 Kindern? Wären Kinder nicht schon entsprechend sozialisiert könnte man sie wohl kaum in eine Schule schicken, damit sie dort lernen sollen.

Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Fleiß sind im Berufsleben meiner Meinung nach auch nicht immer die erfolgreichsten Tugenden. Im Management herrschen vollkommen andere Gesetze, um Karriere machen zu können. Da zählt eher Ellbogentechnik (Konkurrenzkampf genannt), die Fähigkeit zur Selbstdarstellung (obwohl man eigentlich nicht lügen soll) und delegieren können (also anderen die Arbeit aufzubürden, die man selbst nicht machen möchte). *ggg*

jumping-blueberry hat gesagt…

Ihr seid süß.
Ne, wisst ihr, ich diskutiere einfach gerne und lass mich auch gerne von anderen Standpunkte überzeugen.
bzw. versuche ich Gemeinsamkeiten zwischen Menschen unterschiedlicher Meinungen aufzuzeigen und dass das Ziel meist das selbe ist, nur die Wege sich unterscheiden.

Wisst ihr, ich habe auch schon von Lehrern gehört, wo ich schon allein wegen denen nicht in diese Gemeinde ziehen würde, weil ich das meinen Kindern nicht zumuten würde. (z.B. eine Rektorin, die Kinder statt sie einzuschulen scheinbar reihenweise auf die Förderschule schickt)

Am liebsten wäre mir der Teil der Gemeinde, in der die Forscher-Grundschule (G.R.I.P.S-projekt) ist... Aber das ist mir fast zu ländlich oder wegen der perfekten Idylle auch wieder schön unbezahlbar.
(Bedenke: ich bin 25 und habe nicht vor, innerhalb der nächste 2 Jahre schwanger zu werden)

Wie man Sprachen gut lernt... hm... Ich brauche oft einen Tritt in den Hintern, dass ich in die Gänge komme.
Deshalb habe ich Spanisch in 6 Semestern VHS gelernt + 1 Intensivkurs für Fortgeschrittene an einer anderen Einrichtung.
Die Gruppe hatte immer maximal 8 Schüler. In den letzten Semestern meist nur 3-5, weswegen wir eine sehr intensive Einzelförderung hatten. Ich vertiefe meine Sprachkenntnisse durch das Lesen von Büchern - zur Zeit lese ich (mein erstes spanisches Buch) Manolito Gaffotas. Gar nicht so leicht, aber es macht Spaß und natürlich bringt ein Urlaub sehr sehr viel. Der letzte Urlaub bei meinen - spanischen - Schiegereltern hat sehr viel gebracht für mein Sprachverständnis. Zuhause sprechen wir ausschließlich Deutsch, da das die Sprache ist, die wir eben im den ganzen Tag lang auch mit anderen Menschen sprechen.

Kinder möchte ich 2sprachige erziehen. d.h. mein Freund soll spanisch sprechen und ich deutsch... Damit sich das Kind wenigstens ein bisschen mit der spanischen Verwandtschaft unterhalten kann.

Ach ja, zum Thema: konzentrier dich nicht immer nur das was MUSS.
Ich bin von Beruf Grafikerin, d.h. ich MUSS Spaß an der Gestaltung haben. ;) Ich habe den Beruf nicht gewählt, weil ich MUSS sondern, weil ich es WILL. Mein freier Wille wurde nicht zerstört. Stellt euch vor!

Noch ein kleiner Satz zu dem, dass Kinder durch die Schule das Interesse an außerschulischem Wissen verlieren:
Das Problem ist, dass ich Wissen ziemlich in mich aufsauge und das deshalb nicht so nachvollziehen kann. Andererseits ist "Unschooling" ja die Vermittlung von Wissen auf nicht schulischer Ebene. Wenn also die Kinder einfach so aus dem Alltag lernen, sehen sie es doch gar nicht so als lernen. Sagen Kinder denn auch: "Ist mir egal, ob das eine Eiche ist, das muss ich in der Schule nicht wissen." Ich denke einfach, dass man mit Kindern schon vor der Einschulung viel unternehmen sollte, wo sie etwas entdecken können... Zoos, Ruinen, andere Länder und Kulturen.
Ich weiß nicht, warum aber meine Schwester und ich haben uns schon immer in jedem Urlaub für alte Kirchen, Ruinen und Museen interessiert, weil es einfach etwas anderes war. Heute gehe ich mit meinem Freund in alte Kirchen (besonders in Italien) und wir analysieren die Gemälde und Baustile einfach so zum Spaß - manchmal aber auf kindliche Art... z.B. wenn man an die Decke starrt, durch den Raum läuft und schaut welcher Engel einem mit dem Blick (oder dem Hintern - gibts auch) folgt.

Es wäre schön, wenn man Kindern diese Begeisterung weitergeben könnte.
Vielleicht diskutiere ich deshalb mit euch... weil ich mir irgendwie viel vorgenommen hab und dafür wohl selbst viel für die Bildung der Kinder tun muss. Ganz allein schaffe ich es nicht, vielleicht auch, weil ich Angst hätte zu nachgiebig zu sein. Aber einen gewissen Teil und ein Extra an Bildung möchte ich schon vermitteln.

Lia hat gesagt…

Bis zur Einschulung sind Kinder an allem interessiert, da mach Dir mal keine Sorgen. Erst danach fängt bei vielen die Unlust am Lernen und an irgendeiner Art von Bildung an. Und von Jahr zu Jahr wird es dann schwerer, Ihnen (für einen selbst interessante) Dinge nahe bringen zu wollen.

Find ich toll, dass Du einen Beruf hast, den Du auch gewollt hast und nicht nur machen musst. Und stimmt natürlich, genau deswegen wurde dein freier Wille nicht zerstört. Nicht jeder hat diese Chance im Leben. Sieh mal, ein Studium oder irgendeine Art von Ausbildung, die Geld gekostet hätte, war bei mir nicht drin. Meine Familie hätte nie das Geld dafür gehabt. Nach der Matura habe ich gearbeitet... und mich dann weiterentwickelt und Chancen genutzt. Ein Studium wirds trotzdem vorerst nicht geben. *lächel*
Wieso machst Du einen Unterschied zwischen dem Lernen in der Schule und dem Lernen außerhalb der Schule? Nur weil die Methoden unterschiedlich sind, heißt es noch lange nicht, dass nicht trotzdem beides Lernen ist. Die Vermittlung des Wissens ist nur unterschiedlich, der Effekt kann der selbe sein.

freiebildung hat gesagt…

Hi Jumpy,

Du hast mich auf eine wirklich gute Aussage gestoßen. Die meisten Menschen verstehen ja gar nicht, was Unschooler so fordern. Sie denken wir fordern die Auflösung von allem was gut und schön ist.
Mit Deinem Input glaube ich, kann ich die Forderung ganz einfach sagen:
Mach Dein Hobby zum Beruf - fang nur schon als Kind damit an.