Dienstag, 5. Februar 2008

Wieder in Las Palmas

So, unser Offroad- und Offline-Abenteuer ist beendet, und die Ankunft in "unserer" Wohnung in Las Palmas war schon fast ein bisschen wie Nachhausekommen. Die Finca auf La Palma war nicht internetfähig (nur Funktelefon), und auch wenn der Sternenhimmel dort ebenso atemberaubend ist wie die Stille, die Natur und vieles andere, wissen wir aus Erfahrung, dass wir ebenso wie unsere Kinder auf die Dauer Kultur, Konzerte und "den Duft der großen weiten Welt" brauchen. Vor 20 Jahren hätte es mich zutiefst gereizt, so ganz abgeschieden am Ende der Welt zu leben, heute nicht mehr.


  • Wir haben das Hundeproblem mit Hilfe der örtlichen Tierschützer, des dubiosen Herrn und einer Spende des Fincabesitzers gelöst. (Die Tiere werden versorgt, geimpft etc, und weitervermittelt). Wir haben mit dem Fincabesitzer besprochen, dass und warum der Ort für uns als Wohnsitz nicht in Frage kommt, und er hat bei der Gelegenheit beschlossen, sie wieder zu verkaufen. (Hat jemand Interesse? Wunderbare hochgelegene Finca auf La Palma mit Nebengebäude, zwei Bädern mit herrlich verrückten Mosaiken, alten Dielen und der traditionellen herrlichen holzgetäfelten Decke, ca. 3 ha Land inkl. Erdkeller, Mandelbäume, Organgenbäume usw. gehören dazu, Telefon und Fax vorhanden, Internet erst im nächsten Ort, ich glaube 270.000 €).

  • Tilman und der freundliche schwäbische Nachbar haben neue Türschlösser eingebaut/einbauen lassen, wir haben mit den Kindern ein paar wunderbare Ausflüge gemacht, zu riesigen alten Drachenbäumen, Höhlenwohnungen am Meer, historischen Höhlen mit uralten Steinzeichnungen (leider voller zweckentfremdeter Papiertaschentücher - die Kinder haben sich sehr empört, wieso Touristen solche Orte als Toiletten missbrauchen). Wir haben einen großen Wochenmarkt besucht und (in einer uralten Presse frisch gepressten) Zuckerrohrsaft getrunken, uns Zuckerrohr gekauft und abends beim Whist-Spielen genüsslich darauf herumgekaut (und haben jetzt ein Gefühl dafür, wieso es Rohrzucker heißt). Wir haben abends den unglaublich leuchtenden Sternenhimmel bewundert und den Kindern die wichtigsten Sternbilder gezeigt, außerdem anhand der deutlich sichtbaren Milchstraße die Lage unseres Sonnensystems in der Galaxie erläutert (Thomas sagte andächtig: "Wenn man bedenkt, dass das alles Sonnen sind!"). Wir haben dann noch die Verlängerung der soeben ablaufenden Versicherung des Toyota-Jeeps organisiert. Die Kinder haben auf der Straße gebolzt, die Orangen auf Erntbarkeit geprüft, viel gelesen und gespielt. Und wir haben einfach nur dagesessen und auf das Meer geschaut, das zu dieser Jahreszeit nicht so zum Baden geeignet ist (zu viele Steine und zu hohe Wellen).

  • Außerdem war gerade Carnevale. An unserem abgelegenen Ort haben wir nichts davon mitbekommen, aber Nachbar Kurt warnte uns, am Faschingsdienstag seien überall die Geschfte geschlossen. Er brachte uns mit dem alten Toyota morgens um 6 zum Flughafen (der Toyota wird auch verkauft...), und in Los Llanos wanderten tatsächlich noch die letzten Nachtschwärmer durch die Straßen, viele weiß gekleidet mit Panama-Strohhut und Havanna-Zigarre, denn am Montag war das Fest der "Indianos", der reich aus Amerika auf die Inseln zurückgekehrten Guancheros, wie die palmerischen Einwohner sich selbst nennen. Viele waren auch mit Mehl bestäubt - es hat, wie unser Nachbar erzählte, wohl mal eine wüste Hungersnot gegeben, und die spanischen Besatzer haben verdorbenes Mehl geliefert, das ihnen die Guancheros dann um die Ohren gehauen haben. Zur Erinnerung daran wird auch heute noch jedes Jahr ganz viel Mehl mit Kanonen verschossen.

  • Einem dieser Carnevale-Freunde wurde dann bei der Landung auf Las Palmas furchtbar schlecht, gottlob spritzte es nicht in unsere Richtung, und die Kinder waren tiefbeeindruckt von den grässlichen Folgen übertriebenen Alkoholkonsums, hin- und hergerissen zwischen Ekel, Unverständnis und Mitgefühl, vor allem für die Reinigungsmannschaft des Flugzeugs, die wir noch anrücken sahen .
  • Hier in der Stadt waren gestern tatsächlich die meisten Geschäfte geschlossen, Feiertagsstimmung am Faschingsdienstag, heute "Aschermittwoch" ist hier wieder alles normal, und erstaunlicherweise gehen hier die Faschingsfeiern noch weiter, die Fastenzeit ist hier offenbar kürzer. Die Kinder bereiten seit gestern eine andere Feier vor, Tilman hat morgen Geburtstag, und es wird gemalt und posaunt/Gitarre gezupft, während Tilman Augen und Ohren fest verschlossen hält, damit er morgen auch überrascht sein kann. Jetzt sind sie zum Surfen an den Strand gefahren, Tilman und ich wechseln uns angesichts des einzigen PCs mit Bürodienst ab.

  • Die Freunde der Bildungsfreiheit und viele andere wache Eltern befassen sich jetzt mit dem neuen Gesetzesentwurf der Bundesregierung, in dem unter Hinweis auf vernachlässigende Eltern die Elternrechte insgesamt empfindlich beschnitten und die des deutschen Jugendamtes, die ja jetzt schon international bis ins EU-Parlament hinein mit Befremden diskutiert werden, nochmals ausgeweitet werden sollen. Sorgerechtsentzug soll in Zukunft ratzfatz gehen - dabei krankten die zuletzt bekanntgewordenen Fälle nicht an mangelnden gesetzlichen Möglichkeiten, sondern an der Untätigkeit überforderter Behörden trotz deutlicher Hinweise auf Missstände. Nähere Infos auf der interessanten Seite http://www.kinderrechte-infos.de/.