Montag, 3. März 2008

Wir homeschoolen nicht!

So, dann möchte ich auch mal schnell die Zeit nutzen und uns kurz vorstellen. Danke auch von uns an Dagmar, die diese wunderbare Idee hatte, den Blog für andere Autoren freizuschalten.
Wir leben in Süddeutschland und haben 3 Kinder, davon eines schulpflichtig. K. (7 Jahre) kam im September in die Schule. Nicht in unsere Wunsch-Schule (es gibt in der nächstgelegenen Stadt eine kirchlich getragene freie Schule mit einem relativ offenen Lernkonzept), sondern in die Grundschule hier im Ort.
Zu unserem Glück erwischten wir eine sehr junge, engagierte Klassenlehrerin und K. fühlte sich einigermassen wohl. Zu unserem Unglück ist sie den anderen weit voraus. Sie konnte bereits zu Schulbeginn alle Buchstaben und las kurze Sätze. Sie rechnete bereits im Zahlenraum bis 20. Den gesamten Stoff der ersten Klasse hatte sie sich selber durch Nachfragen und einfach durch Tun in ihrem letzten Kindergartenjahr angeeignet!
Gegen Weihnachten merkten wir, dass sie immer unzufriedener wurde. Sie kam oft völlig entnervt von der Schule. Auf Nachfrage erzählte sie, dass ihr in der Schule langweilig sei. Wir suchten nach Alternativen und zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten. Am Ende der Weihnachtsferien schlugen wir ihr vor, zu Hause zu lernen. Sie entschied sich für die Schule!
Nun nutzen wir die freien Nachmittage und die Ferien und leben in dieser Zeit unsere kleine Version des Unschooling. K. entscheidet sich oft für irgendwelche Ferienkurse (in den Faschingsferien ging sie jeden Tag 3 Stunden zu einem Kurs bei einer Weberin; in den Osterferien lernt sie Schwimmen; für die Pfingstferien hat sie sich einen Theaterkurs ausgesucht) und die Nachmittage verbringt sie mit Büchern für die zweite Klasse. Im Moment erfinden sie und ihr jüngerer Bruder J. (5 Jahre) sowie auch die kleinere Schwester R. (3 Jahre) Gesellschaftsspiele zu Hause. Sie malen Spielfelder, denken sich Regeln aus, spielen, verändern die Regeln....
Ich erzählte bereits von unserem Glück mit der Lehrerin. Nach einem Gespräch Anfang Februar stimmte diese nämlich zu, für K. schwerere Aufgaben (Zitat: "gerne auch Zweitklass-Stoff!") mitzubringen, die sie machen darf, wenn sie die Aufgaben für die gesamte Klasse gemacht hat. Ich bin ihr sehr dankbar dafür, denn selbstverständlich ist das nicht!

Nun sind wir zwar immer noch weit entfernt von meiner persönlichen Idealvorstellung des Vollzeit-Unschooling (das wäre, was ich mir für meine Kinder wünschen würde), aber wir haben einen guten Kompromiss gefunden, in dem vor allem die Bedürfnisse unseres Kindes gewahrt werden. Was ich will, ist nebensächlich, die Hauptsache ist, meinem Kind geht es gut.
Und wer weiss, wenn erstmal Sommer ist und ich meine Zeit im Freibad verbringen werde....oder wenn in etwas mehr als einem Jahr ein Klassenlehrerwechsel ansteht...oder einfach so aus heiterem Himmel... wer weiss, vielleicht entscheidet sie dann doch, dass ihr jetzt zu Hause lernen lieber ist. Sie weiss, dass ich für ihren Wunsch offen bin - aber ich werde ihr weder die Entscheidung abnehmen noch versuchen, sie in eine Entscheidung zu drängen.......