Donnerstag, 6. März 2008

Kurzer Nachruf

Ich muss das einfach ganz kurz schreiben:
dieses Posting widme ich einer Familie die diesen Monat unser Ländle verlassen wird! Zum Glück mit Job und zum Glück noch mit grade so abgewendetem Behördenärger. Das ist vor allem der Tochter zu verdanken, die trotz Krankheiten und Fehlzeiten sich immer wieder zur Schule quälte. Und der Mutter, die sich trotz unsrer vielen Ratschläge immer wieder auf ihr Gefühl verließ und auf die Wendung hoffte. Zwar gehen sie nun, aber sie flüchten nur indirekt. Sie haben Arbeit und werden sicherlich Freilernen können, haben ein deutschsprachiges Land erwischt was auch für die Kinder einfacher werden wird und sogar einen ihnen durch langen Urlaub bekannten Ort was ein wenig Heimatgefühl mitbringt. Ich freute mich heute morgen so sehr und gratulierte von Herzen und doch blieb ein Wehgefühl zurück. Wir kennen uns seit so langer Zeit - doch nur per Telefon! Haben Leid und Freude geteilt, kennen Familiengeschichte und Behördengeschichten, die Direktoren und Lehrer. Wussten schon, vor den Ferien wird es wieder losgehen. Oder vor Weihnachten wird es ruhiger. Überlegten Strategien und ärgerten uns gemeinsam über unverständliche Ämter. Ihr Lieben, ihr werdet mir fehlen!

Aber es spornt auch wieder an weiter zu machen für alle die noch da sind - ich summe schon den ganzen Tag unser Lieblingslied: " Eine Änderung braucht unser Land, eine Änderung dafür sind wir bekannt, eine Änderung wär allen Recht, eine Änderung fänd keiner schlecht. Wir bringen euch Europaideen, ein völlig reformiertes Schulsystem. Wir gehn an den Start! Fangen einfach an! Es ist an der Zeit zu tun was man kann."
Ein guter Freund hat einmal am Telefon gesagt,:... weißt du ich liebe mein Land und deshalb lasse ich mich auch nicht hinauswerfen.

Nun lieber kurz zum Lernen.
M. beschäftigt sich ja zur Zeit viel mit einem Spiel im Internet. Heute musste er fast 40.000 Goldstücke für eine Hose ausgeben. Eigentlich wollte er sich das Geld sparen um sich im Spiel fortzubilden. Aber heute war unser neuer Versuch der Familienentlastung für einen Tag in der Woche zu Besuch um zu schauen ob und wie sie wohl mit M. sich verstehen würde. Sie fragte interessiert nach seinen Interessen weil ihr Sohn ebenso alt sei wie er, also 12 und wir machten aus, sie kommt einmal die Woche um mit M. Karten zu spielen. Er liebt das und ich hasse das, ich spiele gern, nur eben nicht Karten und ich finde es prima jemanden gefunden zu haben, die dies mit ihm machen wird. (Zur Erklärung, Gleichaltrige und überhaupt andere Jugendliche mag M. nicht besonders gerne um sich, ) nun auf alle Fälle fragte sie M. nach dem Spiel im Internet und er zeigte auf eine Figur und sagte:...das bin ich nur ohne Hose. - Äh, wie ohne Hose. - Na eben ohne Hose,die habe ich mir gespart.
Ich hatte das Gefühl M. merkte wie seltsam das klang und kurze Zeit später fragte SIE: ...du hattest doch grade noch so viel Guthaben bei dem Spiel was hast du denn gemacht? - Eine Hose gekauft?!

Die beiden Kleinen haben derweil ihren Geschäftssinn weiter ausgebaut und Monopoli Junior gespielt. Ich habe wiederholt verloren! Keine Ahnung was ich verkehrt mache. Als ich die letzten Euros hergeben musste sagte L.:...das kann ich dir nicht antun Mama. Behalte das mal!

Was lernen wir daraus? Eine Hose ist unwichtiger alsw Fortbildung und Mamas bauchen immer einen Notgroschen!

Jetzt wird es zwar wieder so lange, aber ich bin noch die Antwort nach Leistungserhebung schuldig.
Also wir hatten vor zwei Jahren einem Schulpsychologen zugestimmt einen Test zu machen. Er jammerte weil ich dabei blieb und M. einmal half und zwar als er in Deutsch nicht die Wortarten verstand. Er kannte nur die lateinischen Begriffe und sollte so was wie Zeitwort usw. einsetzten. Als ich ihm den Tip gab sich zu errinnern, dass wir solche Worte beim Lernen mal in Klammern auf Plakaten im Wohnzimmer stehen hatten, war dann alles klar für ihn. Und in Mathe sollte er eine Skizze zeichnen für eine geometrische Aufgabe. Nun, er rechnete das Ganze in einen guten Maßstab um und schrieb ihn dazu, und zeichnete das Ganze schnell hin. In der Beurteilung stand später, er würde sprunghaft sein und seine Aufgaben nicht wie vorgegeben erledigen können! Beim Lesen gab er zu verstehen: ich lese nicht laut. Der Psychologe versuchte es mit selber lesen. Doch M. bleib dabei, da war nichts zu machen. Obwohl wir eine LRS Testung hatten, war das Urteil,es müsse unbedingt getestet werden ob er denn lesen und schreiben könne. Zum Glück haben wir nun nach Umzug letztes Jahr bessere Pädagogen um uns herum.

In diesem Jahr gab man uns nun den Jahrgangsstufentest 6 den man Anfang der 7. Klasse macht. Also wir bekamen ihn nach Hause. Mathe war zu easy! M. machte ihn freiwillig in 43min, in der Zeit war auch enthalten, dass ich die Aufgabenstellung für ihn wörtlich umschreiben muss, weil es für ihn sonst zu abstrakt ist. Jetzt möchten alle, dass er den der 8. macht um zu sehen wo er wirklich steht. Deutsch machte er ein paar Sachen, dann schob er auf die Seite und sagte: muss ich das machen? Nein natürlich muss er nicht. Er schreibt nicht mehr per Hand und schafft das einfach dann nicht in solchen Tests sich durchzuringen.

Wenn er in den letzten 4 Jahren eines gelernt hat, dann auf alle Fälle , "Nein" zu sagen. Früher sagte er zu allen, "naja oder eventuell". Dann verstand er, dass für Behörden dies soviel wie ein "Ja" ist. Nun sagt er deutlich und bestimmt "Nein" zu den Dingen die er nicht machen möchte. und es gibt zwar ein Gesetz zur Schulpflicht aber keines, das unsere Kinder zum Lernen zwingt. Auch keines das zu Prüfungen zwingt. Da wir versuchen von Nachteilsausgleichen zu profitieren müsste es reichen wenn ein Lehrer sich ab und an seine Sachen anschaut die er daheim gemacht hat. Ich schreibe teilweise Bericht aber nicht immer. Zur Zeit weniger, weil er ja Hausunterricht bekommen soll und zwar mit Lehrer. Ich finde wenn der Staat sich die Arbeit schon zu eigen macht, dann soll er auch schauen wie er zu seinen Berichten kommt. Meistens sind die Lerher völlig erschlagen von dem was wir lernen. Obwohl das fast alles im Leben direkt passiert ist. Wenn dann noch einige Arbeitsblätter aus dem Internet gedruckt dabei sind die M. ausgefüllt hat, ist das scheinbar zu viel. Wir wissen eigentlich auch nicht genau wo die Klasse steht in der er wäre. Da er aber Material bearbeitet das dem Jahrgang entspricht gehen einfach alle davon aus, dass wir auch die 4 Jahre gelernt haben daheim. Und auf der anderen Seite glaube ich, haben sie Angst, denn wir stellen doch einen ganzen Berufszweig mit dem was unsere Kinder fast alleine schaffen in Frage.
Im März kommt wohl der neue Bildungstest heraus, ich habe zugestimmt M. zu fragen ob er ihn machen möchte. Noch ist er dagegen, er meinte aber er schaut mal drauf ob er interessant genug ist.
Jetzt aber Ende, mein Jüngster ist zwar müde aber noch nicht im Bett und ich glaube unsere Glastüren sind in Gefahr wenn ich jetzt nicht zu ihm gehe. Sonst muss ich nächste Mal schreiben wie wir lernten auf welche Arten (außer vor ein paar Wochen beim Wettrennen) noch solche Türen kaputt gehen können:)