Donnerstag, 29. Oktober 2009

Lernfenster

Es soll ja während der Entwicklung des Gehirns sensible Phasen für das Erlernen bestimmter Fähigkeiten & Kenntnisse geben. Sogenannte Lernfenster. Kürzlich habe ich gelesen, dass das Kleinkind-/Vorschulalter die beste Zeit für das Lernen von Wissen aus dem Bereich der Biologie sei. Macht ja auch Sinn, denn bei naturgemässem Leben sind das überlebenswichtige Kenntnisse - Tiere erkennen & ihre Gefährlichkeit einschätzen zu können. Zu wissen, welche Pflanzen giftig, welche essbar sind. Die meisten Kinder dieses Alters kennen tatsächlich mehr Tiere als ihre Eltern. Und viele entwickeln sich zu Experten für bestimmte Arten. Meine Tochter (4) z. B. für Pferde, ihr dreijähriger Freund für Dinosaurier. Was dann nicht nur zu umfassenden, teilweise unglaublich spezifischen Kenntnissen führt, sondern auch der Ausgangspunkt für das Erlernen angrenzender Themen & auch anderer Fachbereiche ist. Wie z. B. Mathematik (Vergleich der Grössen/Gewichte der Tiere), Erdgeschichte (wann haben welche Saurier (oder die Urzeitpferde) gelebt? Wie sah die Erde damals aus?...), Schreiben/Lesen beim Ansehen von Büchern oder Spielen von Spielen zum jeweiligen Thema. usw usw ... sicher fällt euch auch eine Menge dazu ein, bei euren Kindern beobachtet. Erzählt doch mal!

Freitag, 2. Oktober 2009

mathematische entdeckungen

c., 4 jahre alt: "2 x 3 sind 6. das weiß ich schon immer. weil es nämlich zwei reihen gibt, und in jeder reihe sind 3. und das sind 6." - "ach, du meinst auf dem würfel?" - "ja, und auch auf papier. und überall."

beim autofahren vertreiben wir uns die zeit gern mit dem zählen von autos. jede sucht sich eine farbe aus, und wer zuerst 50 (manchmal auch 16 oder 20 oder 100) gefunden hat, hat gewonnen.
"mama, ich hab 13 autos gezählt. und du 4. wieviel mehr habe ich?" - "9." - "Und wieviel weniger als ich hast du?" - "9." - "Genau gleich! *staun* *denkpause* *freu* oh mama, das ist ja genauso wie bei m.'s alter und meinem!" - "was meinst du?" - "er ist 13 und ich 4, und er ist auch genau 9 jahre älter als ich!" (Egal, ob es um Autos, Birnen oder Lebensjahre geht, der Abstand zwischen 13 und 4 ist immer 9. Das nennt sich wohl Abstraktion. Und der Abstand zwischen 4 und 13 ist derselbe wie umgekehrt. Wie spannend, solche Erkenntnisse mitzuerleben!)

Donnerstag, 27. August 2009

Neue Band!

Heute mal neues von den Freilernern aus dem Hause Neubronner:

Thomas & Moritz haben ein Gesangsduo gegründet und imitieren zu zweit eine fünfköpfige "Hardcore-A-capella-Band" , die "U-Bahnkontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern". Sie machen ziemlich schräge und stellenweise ziemlich lustige Musik, Moritz hat eine eigene Website erstellt - nun wünschen sich die Jungs natürlich haufenweise Besucher dieser Website, die die aus Youtube eingebetteten Hörproben-Videos anschauen und den Kanal abonnieren (denn da kommen noch viele weitere Videos...), bewerten, die frisch erschienene DVD bestellen (5 €), Kommentare abgeben, das Gästebuch füllen, in den Foren diskutieren und den Ruhm der "Fahrscheinlosen Fahrscheinkontrollöre" verlinkend in die Welt tragen.

Also bitte, herzliche Einladung zu www.dffmff.homepagestart.de

Und für alle, denen das nun wirklich nicht gefällt, gibts auf der Homepage auch noch die "Schaut Boks", also Shout Box zum Schimpfen...

Mittwoch, 15. Juli 2009

Bernicia Schröder - Spendenaufruf!

Ein Brief von Bianca Schröder an Dagmar Neubronner - bitte helft der Familie, auch kleine Beträge sind hilfreich & unterstützend!

"Hallo Dagmar,

ich hatte mich ja an das Bildungsministerium und den (eigentlich sehr engagierten) Landrat des Nachbarkreises gewandt. Den Reaktionen auf meine Bitte um Hilfe kann ich nunmehr entnehmen, dass wir politisch unerwuenscht sind. Eine neue Welle von Anzeigen wegen Kindeswohlgefaehrdung rollt auf uns zu.

Sowohl ich als auch Sven wurden in den letzten Wochen unter Druck gesetzt, uns wurden Straftaten unterstellt. Ich sehe das gelassen, alle diese Anschuldigungen lassen sich leicht entkraeften. Dennoch stehen uns nun einige neue Verfahren bevor.

Die Behoerden machten unmissverstaendlich klar, dass wir kontinuierlich ueberwacht werden. Datenabgleich erfolgt bei Hartz-IV-Empfaengern sowieso. Es wird versucht, uns wirtschaftlich zu vernichten. Inzwischen hat Sven einen Bescheid erhalten, dass er kein Geld mehr bekommt und das Geld vom letzten Monat zurueckzahlen soll. Soweit ich weiss, steht es aber noch nicht unter Strafe, Kinder zur Schule zu fahren und sparsam zu leben.

Am 14.07. ist die naechste Gerichtsverhandlung. Eine weitere Psychologin wird ihre Aussage machen: keine Schulphobie, keine Therapienotwendigkeit.

Der Rechtsanwalt des Schulamtes, Herr Strack, laesst sich durch eine Staranwaeltin vertreten. Da soll noch mal einer sagen, es wird kein Geld in Bildung investiert. Es mag jeder spekulieren, ob das die freie Entscheidung des Rechtsanwaltes war, oder ob ihm das „von oben“ verordnet wurde.

Um den Besuch des Gymnasiums fuer Bernicia kaempfen wir immer20noch. Das Schulamt (Frau Kittel) und das Jugendamt (Frau Hesse) sind dagegen. Sie wollen Bernicia in eine Grundschule schicken, entgegen den Empfehlungen von zwei Psychologen, die sich klar fuer den Besuch des Gymnasiums ausgesprochen haben. Das Schulgesetz haben wir auch hier auf unserer Seite, allein um den Antrag auf den Schulbesuch ranken sich mehrere Verfahren.

Es waere schoen, wenn Du einen Spendenaufruf starten koenntest. Ich habe mich erkundigt und weiss inzwischen, dass zweckbestimmte Spenden nicht angerechnet werden. Es ist aber wichtig, dass im Betreff der Ueberweisung etwas steht wie "Spende fuer juristische Auseinandersetzungen".

Bianca Schroeder
Kontonummer: 848119203
BLZ: 20010020

Danke und viele Gruesse
Bianca Schroeder"

Freitag, 8. Mai 2009

wie kleine kinder schlau werden

ich schätze die beobachtungen von john holt sehr, aber den titel dieses buches mag ich eigentlich nicht: kinder "werden" nicht schlau sondern sind es von geburt an, finde ich. dennoch kann ich - natürlich - mit verschiedenen beispielen seine beobachtungen & schlüsse bestätigen. dass kinder nicht belehrt werden müssen, sondern dass sie durch beobachten, nachahmen, ausprobieren ... alles selbst herausfinden. hier ein paar mehr oder weniger aktuelle beispiele:

  • sprachliche entwicklung: bei ansonsten sehr guter sprache hat c (4 j.) jahrelang das 'ch' nur in der "harten" form, wie in "auch", gesprochen. auch in worten, in denen es sonst weich (wie in "weich" ;) ) gesprochen wird. das hat niemals jemand kommentiert oder gar verbessert, glücklicherweise. wir haben einfach alle ganz normal gesprochen. inzwischen klingt auch bei ihr das 'ch' in immer mehr worten so wie bei allen anderen.

  • das interesse für buchstaben, schreiben, ist schon lange vorhanden. was c noch fehlt, sind die feinmotorischen fähigkeiten zum schreiben. schon vor ein paar monaten hat sie ihre begeisterung für das "schreiben" am computer entdeckt & zunächst einfach lange zeichenketten eingetippt. mittlerweile hat sie den zusammenhang zwischen bestimmten zeichenfolgen & deren ausgesprochener form entdeckt. häufig bittet sie mich, das von ihr geschriebene vorzulesen. beim spielen eines computerspiels sollte sie dann neulich als erstes ihren namen eintippen ... beim ersten mal hat sie mich noch um ansage der einzelnen buchstaben gebeten, die sie dann auf der tastatur selbst gefunden hat. inzwischen schreibt sie ihren namen selbstständig.

  • umgangsformen: nun ja, ich gebe es zu: wenn ich allzu unfreundlich herumkommandiert werde, äussere ich auch schon mal meinen unwillen bezüglich solcher behandlung & erkläre (belehre), wie es mir lieber wäre. aber im wesentlichen besteht mein ansatz auch hier darin, möglichst vorzuleben, was ich für richtig halte. und auch das zeigt wirkung: immer öfter bekomme ich jetzt freundliche bitten, herzliches danke oder auch mal eine entschuldigung zu hören.

  • m., schulgeschädigt, hat jahrelang bei ungefragten erklärungen nicht nur nicht hingehört, sondern sie sogar mehr oder weniger heftig zurückgewiesen. wenn er mich um hilfe, z. b. am computer, bittet, tue ich daher einfach, was er möchte. er sitzt daneben und passt offensichtlich sehr gut auf, was ich tue ... und macht es beim nächsten mal selbst. nach über 2 jahren unschooling (deschooling) ist er inzwischen übrigens wieder in der lage, nach erkärungen zu fragen bzw. sie auch anzunehmen.

  • ...


... ich bin gespannt, was euch noch für beispiele hierzu einfallen!

musik zum thema

vielleicht kennt ihr das schon, aber mich berührt es immer wieder sehr ... die erinnerung daran, was m. ein paar jahre lang durchgemacht hat:


Samstag, 21. März 2009

Gutachten zur Sozialisation

Brauchen Kinder den täglichen mehrstündigen Aufenthalt in einem Raum mit einer Klasse / Gruppe anderer Gleichaltriger, um sich gesund zu sozialisieren? (PDF, 44 KB)


Ein Gutachten von Prof. Dr. Franco Rest, Professor für Erziehungswissenschaften am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften der FH-University of applied sciences and arts, Dortmund (Januar 2009)

Die Kinderkommission - Teil 2

Heute erreichte mich eine Nachricht von Dagmar Neubronner:

"[...] Offenbar hat sich jemand die Mühe gemacht, die Kinderkommission darüber [= über den untenstehenden Briefwechsel] zu informieren, denn die betreffende Mitarbeiterin der Kinderkommission hat sich inzwischen schriftlich bei Moritz entschuldigt, und die Vorsitzende der Kinderkommission hat ihn sogar nach Berlin eingeladen, damit er über seine Homeschool-Erfahrungen sprechen kann. Dieser Termin wird nächste Woche stattfinden, Moritz freut sich sehr und ist natürlich auch aufgeregt.

Für ihn war es eine wichtige Erfahrung, dass "die Kinderkommission" seine Bemühungen um einen Dialog nun doch aufnimmt. Er fährt begleitet von seinem Vater und seinem Bruder nach Berlin, und ich wünsche mir für ihn, dass es ein wirkliches, konstruktives Gespräch gibt.
Bitte berichtet, wenn ihr die unsäglichen Antworten weitergegeben hattet, nun fairerweise auch über diese Entwicklung - wir wollen ja die Regierungsmitarbeiter nicht besiegen oder bekämpfen, sondern inhaltlich überzeugen. Es hat eine schöne Symbolik, dass ausgerechnet ein Zwölfjähriger der erste ist, der mit Mitgliedern des Bundestages über (sein) Freies Lernen sprechen darf."

Freitag, 13. Februar 2009

Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages antwortet

Da verschlägt es mir doch glatt die Sprache:


Nachstehend die interessante Korrespondenz des zwölfjährigen Moritz Neubronner mit einer Mitarbeiterin der Kinderkommission des Deutschen Bundestages. Das erste Schreiben von Moritz an die Kinderkommission des Deutschen Bundestags ist nicht erhalten, weil er es einfach in das Internet-Formular eingetippt hat. Er hatte drei Wochen zuvor angefragt, wie es denn mit dem Thema Homeschooling sei und ob die Kinderkommission da nicht etwas tun könne.



Von: Kinderkommission Gesendet: 28.01.09 18:16:31 Betreff: Homeschooling

Hallo Moritz, "homeschooling" ist in Deutschland ein schwieriges juristisches Problem. Nicht umsonst ist das Bundesverfassungsgericht mit dieser Thematik befasst und wird demnächst hierzu ein Urteil fällen. Diese Entscheidung ist dann umzusetzen. Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages kann hierauf keinen Einfluss nehmen. Mit freundlichen Grüßen G. P.


Sehr geerte Frau P.,selbsverständlich kann die Kinderkomission nicht auf dasBundesverfassungsgericht einfluss nehmen aber dieses Thema vieleicht imBundestag ansprechen und diskutieren. Wie stehen sie denn persönlich zu dem Thema? Mit freunlichen Grüßen Moritz Neubronner


Von: Kinderkommission Gesendet: 04.02.09 09:15:17Betreff: Re: Homeschooling

Hallo Moritz, also irgendwie geht deine Vorstellung vom Bundestag und seinen Abläufen etwas an der Realität vorbei: Dort wird nicht irgendein "Thema angesprochen und diskutiert". Wenn du dich etwas über das Parlament informierst - der Bundestag bietet mit seinem Internetauftritt für Interessierte hierzu sehr lehrreiche Informationen -, wirst du feststellen, dass dort Gesetzentwürfe oder Anträge beraten werden. Auch deine Vorstellung von der Zuständigkeit des Deutschen Bundestages geht an der Realität vorbei: Dieser ist weder für die Gesetze der Länder zuständig noch für die Auslegung des Grundgesetzes. Der zuletzt genannte Punkt ist Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts. Es gibt also noch vieles über unseren Staatsaufbau, die Gewaltenteilung, den Föderalismus usw. zu lernen. Mit freundlichen Grüßen G. P.


Sehr geerte Frau P., selbsverständlich werden im Plenarsaal nur Gesetze verabschiedet. Ich meinte das sie dieses Thema eventuell mit den anderen vier Damen der Kinderkomission besprechen oder mit der Bildungskomission beratschlagen sollten. Aus ihrer Website nun ein kleiner Teil der Erklärung was die Kinderkomission macht: "Die Kinderkommission gibt es seit 1988. Aus jeder Fraktion ist ein Abgeordneter oder eine Abgeordnete Mitglied in der KiKo. Die Abgeordneten möchten Politik machen, die gut für Kinder und deren Familien ist. Bei jedem Gesetz, dass der Bundestag macht, überlegen sie: Ist dieses Gesetz gut für Kinder? Welche Folgen hat es für Kinder? Die Kinderkommission gehört zum Familienausschuss im Bundestag. Ein Ausschuss ist im Bundestag eine Gruppe von Abgeordneten,die sich mit einem Thema besonders gut auskennen. Die Mitglieder der KiKo sind sozusagen Spezialistinnen für Kinder und Jugendliche." http://www.kuppelkucker.de/index.php/Entdecke/Kinderkommission/Beitrag/Was+macht+die+KiKo Daraus entnehme ich das bei jedem Gesetz das verabschiedet wird unter den KiKo Spezialistinnen "überlegt" wird was dieses Gesetz für folgen für die Kinder und Jugendlichen hat. Ich fände es schön wenn sie meine letzte Frage aus der anderen E-Mail beantworten würden.
Mit Freundlichen Grüßen M.Neubronner


Von: Kinderkommission Gesendet: 09.02.09 11:11:11Betreff: Re: Homeschooling

Hallo Moritz, bei einem Schulgesetz handelt es sich um ein Landesgesetz, das nicht vom Bundestag verabschiedet wird. Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages befasst sich also nicht damit. Vielleicht können dir ja deine Eltern den föderalen Staatsaufbau Deutschlands erklären.Aber auch den angemessenen Umgang mit Menschen musst du noch lernen. Wenn auf die Frage nach einer "persönlichen" Meinung keine Antwort kommt, dann heißt das doch, der andere möchte seine persönliche Meinung nicht äußern. Diese Entscheidung hat man im Umgang miteinander zu respektieren. Du erwartest ja auch Respekt. Zum letzten Mal mit freundlichen GrüßenG. P.

Samstag, 3. Januar 2009

lehrmaterialien & mustererkennung

neues aus unserer leselern-werkstatt:

aus irgendeinem grund sammelt sich bei uns immer unglaublich viel altpapier an. gerade jetzt zum jahreswechsel kommen mit der post ausserdem noch jede menge kataloge. die meisten wandern auch direkt in die altpapier-kiste. dieses jahr allerdings bleiben sie dort nicht lange. c (4) ist nach wie vor sehr am lesen interessiert & fokussiert sich dabei momentan auf die einzelnen ziffern bzw buchstaben. ihr "lesen" einer katalogseite sieht daher z.b. so aus, dass sie die gesamte seite nach ziffern absucht - erst alle einsen, dann alle zweien usw.. während in büchern ja meist nur seitenzahlen zu finden sind, ist so ein katalog mit spaltenweisen artikelnummern da viel ergiebiger :)

die ziffern kann sie schon alle erkennen, buchstaben erst einige wenige. da kommt sie dann meistens zu mir und lässt sich etwas aufschreiben oder fragt nach einzelnen buchstaben, die sie dann irgendwo (in geschriebenen texten, bei den magnet-buchstaben an der tafel oder bei den buchstaben-kärtchen im lese-lern-spiel) sucht. auch hier ist die altpapierkiste wieder eine wahre fundgrube, da aus deren inhalt die buchstaben sogar ausgeschnitten werden können.

mustererkennung steht auch sonst hoch im kurs bei ihr momentan. so puzzelt sie beispielsweise stundenlang. da die zahl unserer puzzle natürlich begrenzt ist & sie längst alle mehrfach durch hat, fängt sie jetzt an, die puzzles "von links" zusammenzusetzen. also mit der rückseite nach oben, ohne bild.
andere "muster", die sie faszinieren, sind spielregeln. sie liebt gesellschaftsspiele, lässt sich die regeln erklären & spielt stundenlang. besonders spannend wird es, wenn da mehrere ihrer vorlieben zusammenkommen. so haben wir kürzlich fast 3 stunden lang monopoly gespielt - ich hätte niemals erwartet, dass eine vierjährige da so lange mithält! die meisten spiele hingegen, die für ihre altersgruppe gemacht sind, findet sie total langweilig ... naja, das mag aber auch daran liegen, dass alle anderen, potentiellen mitspielerInnen, sie auch langweilig finden & ungern mitspielen. es macht halt viel mehr spass, sich mit dingen des wahren lebens zu beschäftigen als in die kinderecke abgeschoben zu werden :)

kompakte, interdisziplinäre lerneinheit ... oder so

gestern hat m (13) sich innerhalb von ca. 1,5 stunden mit diesen fächern (oder besser: sachgebieten) beschäftigt: geographie, heimatkunde, geschichte, mathematik, internetrecherche, recht, geschäftsabläufe im online-b-to-c-handel. was er gemacht hat? oh, keine grosse aktion, nur eingekauft. online. ein videospiel. dem einkauf voraus gingen mehrtägige recherchen zur ermittlung von bezugsquellen & preisen. was eine grössere herausforderung war, als es vielleicht klingt, da das spiel in deutschland nicht angeboten wird. aber wer sucht, der findet. nebenbei hat m sich dabei mit den rechtlichen fragen beschäftigt: wer entscheidet, was wo verkauft wird/werden darf? und wie lassen sich solche vorgaben dann doch umgehen? ausserdem galt es, sich zwischen zwei spielen zu entscheiden - auch dies auf basis von recherchierten informationen. im wesentlichen lief es auf die entscheidung zwischen spiel a = interessantere geschichte, bessere features etc. und spiel b = nicht so spannend, aber bessere möglichkeiten, online mit anderen zusammen zu spielen hinaus. nach der entscheidung (für a) dann also der einkauf.
  • anlegen eines kundenkontos. hierbei musste u.a. das bundesland angegeben werden. was uns zum thema der bundesländer, was ist das, wo ist der unterschied zu den bundesstaaten der usa, wieso ist in unserem fall das bundesland gleich der stadt, in der wir leben, was ist ein stadtstaat, hansestädte, die hanse ... führte.
  • artikel in den warenkorb legen, zur kasse gehen
  • auswahl der versand- und der zahlweise. abwägung der vor- und nachteile von vorkasse/überweisung vs paypal. paypal kostet einen prozentual berechneten aufschlag. müssen wir erstmal rechnen, um zu gucken, ob das budget dafür reicht. prozentrechnung also. ich skizziere das system und die rechenschritte kurz auf einem zettel. alles klar, system verstanden. preis berechnet. m entscheidet sich für paypal. im nächsten schritt des bestellvorgangs erfahren wir, dass wir uns die rechnerei hätten sparen können, da das shopsystem das natürlich auch errechnet. allerdings kommt es zu einem anderen ergebnis als wir. aber das klärt sich schnell - wir haben die versandkosten mitgerechnet. was uns auch logischer erscheint, aber was soll's.
  • bestellvorgang abschliessen - und nun beginnt das warten :)

Homeschool-Artikel im "Spiegel" und Termin für die Berufungsverhandlung für Neubronners

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wird, so wurde uns angekündigt, in seiner morgigen Montagsausgabe vom 5.Januar 2009 einen ausführlichen Artikel zum Thema Homeschooling enthalten, in dem es wohl auch um die Situation von Familien wie Dudeks und Neubronners geht.

Familie Dudek hat ja erfreulicherweise mit ihrem Antrag auf Revision Erfolg gehabt - gegen die Eltern von sieben Kindern waren wegen Homeschooling Haftstrafen ohne Bewährung verhängt worden, während der älteste Sohn gleichzeitig nach 9 Jahren Homeschooling seinen Realschulabschluss mit einem Spitzenzeugnis ablegte.
Bei Familie Neubronner findet im Februar die mündliche Verhandlung der "Verwaltungsrechtssache Dagmar und Tilman Neubronner gegen Stadtgemeinde Bremen" vor dem Oberverwaltungsgericht statt. (Dienstag, 3.2.09, 9:30 im Justizzentrum Am Wall, Am Wall 198, 28195 Bremen, Sitzungssal 4, Erdgeschoss). Die Urteilsbegründung in erster Instanz ist unter http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de/pdf/Urteilsbegr_VerwG_Bremen.pdf zugänglich.

Wir Neubronners haben ja das letzte Jahr überwiegend im Ausland verbracht und hoffen sehr, dass diese Verhandlung uns einen Weg eröffnet, mit unseren frei lernenden Kindern wieder in Bremen zu leben. Unser Auslandsjahr hat zwar stellenweise geschmerzt, weil wir lieber in Bremen gewesen wären, aber es hat uns auch deutlich gezeigt: Das freie, informelle Lernen, wie in meinem Buch "Die Freilerner" beschrieben, ist für unsere Kinder und für uns als Familie der optimale Weg.

Damit dieser Weg als einer von vielen möglichen Bildungswegen in Zukunft auch deutschen Familien im Inland offensteht, wäre es gut, wenn möglichst viele Personen und Institutionen die "Berliner Erklärung" unterzeichnen würden. Die Webseite http://bildunginfreiheit.de/ , auf der dies möglich ist, befindet sich noch im Aufbau (und die Links im Text funktionieren noch nicht), aber das Unterzeichnen der Erklärung ist bereits möglich.

Mit herzlichen Grüßen

Dagmar Neubronner

P.S. Im Mai 2009 erscheinen im Genius Verlag zwei wichtige Bücher zum Thema :
1) John Holt, Pat Faranga "Lernen zu Hause",
die deutsche Erstausgabe des Homeschool-Klassikers "Teach your Own".
Der berühmte, früh verstorbene Pädagoge John Holt, Autor mehrerer auch in Deutschland vielgelesener Bücher ("Aus schlauen Kindern werden Schüler", "Wie Kinder lernen", "Wie Kinder scheitern" u.a.) und sein Schüler Pat Farenga, beide Pioniergestalten der US-Unschooling-Bewegung, schildern fundiert und mit unzähligen bewegenden Falbeispielen, wie und warum eigenständiges familiäres Lernen funktioniert.

2) John Taylor Gatto "Der unsichtbare Lehrplan - was Kinder in der Schule wirklich lernen."
Dieses Buch ist die deutsche Erstausgabe des US-Titels "Dumbing Us Down - the Hidden Curriculum od Compulsory Schooling", der sich in den USA hunderttausendfach verkauft hat. John Gatto war 35 Jahre lang mit Leib und Seele Lehrer und zog anlässlich mehrfacher Auszeichnungen als "Lehrer des Jahres" in New York eine überraschende, geradezu schockierende Bilanz für seinen Beruf und die individuellen und gesellschaftlichen Folgen von allgemeiner Schulpflicht.
Vorbestellungen für beide Bücher an info@genius-verlag.de