Freitag, 13. Februar 2009

Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages antwortet

Da verschlägt es mir doch glatt die Sprache:


Nachstehend die interessante Korrespondenz des zwölfjährigen Moritz Neubronner mit einer Mitarbeiterin der Kinderkommission des Deutschen Bundestages. Das erste Schreiben von Moritz an die Kinderkommission des Deutschen Bundestags ist nicht erhalten, weil er es einfach in das Internet-Formular eingetippt hat. Er hatte drei Wochen zuvor angefragt, wie es denn mit dem Thema Homeschooling sei und ob die Kinderkommission da nicht etwas tun könne.



Von: Kinderkommission Gesendet: 28.01.09 18:16:31 Betreff: Homeschooling

Hallo Moritz, "homeschooling" ist in Deutschland ein schwieriges juristisches Problem. Nicht umsonst ist das Bundesverfassungsgericht mit dieser Thematik befasst und wird demnächst hierzu ein Urteil fällen. Diese Entscheidung ist dann umzusetzen. Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages kann hierauf keinen Einfluss nehmen. Mit freundlichen Grüßen G. P.


Sehr geerte Frau P.,selbsverständlich kann die Kinderkomission nicht auf dasBundesverfassungsgericht einfluss nehmen aber dieses Thema vieleicht imBundestag ansprechen und diskutieren. Wie stehen sie denn persönlich zu dem Thema? Mit freunlichen Grüßen Moritz Neubronner


Von: Kinderkommission Gesendet: 04.02.09 09:15:17Betreff: Re: Homeschooling

Hallo Moritz, also irgendwie geht deine Vorstellung vom Bundestag und seinen Abläufen etwas an der Realität vorbei: Dort wird nicht irgendein "Thema angesprochen und diskutiert". Wenn du dich etwas über das Parlament informierst - der Bundestag bietet mit seinem Internetauftritt für Interessierte hierzu sehr lehrreiche Informationen -, wirst du feststellen, dass dort Gesetzentwürfe oder Anträge beraten werden. Auch deine Vorstellung von der Zuständigkeit des Deutschen Bundestages geht an der Realität vorbei: Dieser ist weder für die Gesetze der Länder zuständig noch für die Auslegung des Grundgesetzes. Der zuletzt genannte Punkt ist Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts. Es gibt also noch vieles über unseren Staatsaufbau, die Gewaltenteilung, den Föderalismus usw. zu lernen. Mit freundlichen Grüßen G. P.


Sehr geerte Frau P., selbsverständlich werden im Plenarsaal nur Gesetze verabschiedet. Ich meinte das sie dieses Thema eventuell mit den anderen vier Damen der Kinderkomission besprechen oder mit der Bildungskomission beratschlagen sollten. Aus ihrer Website nun ein kleiner Teil der Erklärung was die Kinderkomission macht: "Die Kinderkommission gibt es seit 1988. Aus jeder Fraktion ist ein Abgeordneter oder eine Abgeordnete Mitglied in der KiKo. Die Abgeordneten möchten Politik machen, die gut für Kinder und deren Familien ist. Bei jedem Gesetz, dass der Bundestag macht, überlegen sie: Ist dieses Gesetz gut für Kinder? Welche Folgen hat es für Kinder? Die Kinderkommission gehört zum Familienausschuss im Bundestag. Ein Ausschuss ist im Bundestag eine Gruppe von Abgeordneten,die sich mit einem Thema besonders gut auskennen. Die Mitglieder der KiKo sind sozusagen Spezialistinnen für Kinder und Jugendliche." http://www.kuppelkucker.de/index.php/Entdecke/Kinderkommission/Beitrag/Was+macht+die+KiKo Daraus entnehme ich das bei jedem Gesetz das verabschiedet wird unter den KiKo Spezialistinnen "überlegt" wird was dieses Gesetz für folgen für die Kinder und Jugendlichen hat. Ich fände es schön wenn sie meine letzte Frage aus der anderen E-Mail beantworten würden.
Mit Freundlichen Grüßen M.Neubronner


Von: Kinderkommission Gesendet: 09.02.09 11:11:11Betreff: Re: Homeschooling

Hallo Moritz, bei einem Schulgesetz handelt es sich um ein Landesgesetz, das nicht vom Bundestag verabschiedet wird. Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages befasst sich also nicht damit. Vielleicht können dir ja deine Eltern den föderalen Staatsaufbau Deutschlands erklären.Aber auch den angemessenen Umgang mit Menschen musst du noch lernen. Wenn auf die Frage nach einer "persönlichen" Meinung keine Antwort kommt, dann heißt das doch, der andere möchte seine persönliche Meinung nicht äußern. Diese Entscheidung hat man im Umgang miteinander zu respektieren. Du erwartest ja auch Respekt. Zum letzten Mal mit freundlichen GrüßenG. P.

Kommentare:

mizoal hat gesagt…

da verschlägt es mir auch die sprache! und sowas von der KINDERkommission - an ein kind.

nicht zum letzten mal ;-)

lg
anke

Lia hat gesagt…

Uii, da hat Moritz die Dame von der Kinderkommission aber ganz schön in die Enge getrieben.
Finde ich super! Wofür ist denn eine Kinderkommission da, wenn nicht zur Vertretung eben dieser Kinder, die sie im Namen führt?

Ihr Ton ihm gegenüber ist leider genau der Ton, den viele Erwachsene Kinder gegenüber haben: belehrend und sehr von sich selbst überzeugt. Was will dieses Kind, das nichts weiß und nichts kann, auch von ihr, bitte schön? Da könnte ja jeder kommen und sie mit Fragen belästigen. Und dann ist das nicht mal ein Erwachsener, den man vielleicht ernst nehmen müsste....

Liebe Grüße
Lia

Gurgi hat gesagt…

Wow, da bin ich sprachlos.
Und so unfreundlich
im Ton!
Soviel zum Thema
"Respekt gegenüber Anderen"!

Gurgi hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Jule hat gesagt…

Hallo,
nachdem die Unterzeichnende nach den Initialen offensichtlich KEINE der Abgeordneten sondern die Sekretariatsleiterin war, würde ich eine PERSÖNLICHE e-mail an die fünf Mitglieder der Kinderkommission schicken und um eine Stellungnahme zu Inhalt und Umgangsformen einem Kind gegenüber bitten. Und den ganzen Vorgang würde ich auch dem Deutschen Kinderhilfswerk zur Kenntnis schicken. Die Reaktionen, die Moritz da erfahren hat, führen die Arbeit der Kinderkommission ad absurdum.
Liebe Grüße, Jule

jumping-blueberry hat gesagt…

Also naja, ganz ehrlich finde ich, dass man lieber gar keine Antwort geben sollte, bevor man so eine Antwort gibt.
Gerade, dass sie nicht noch schreibt: "Aber weil du ja nicht zur Schule gehst, kannst du so wichtige Dinge ja nicht wissen."

Bei aller Liebe, aber auch ein 12jähriger, der zur Schule geht, kennt sich nicht mit komplexen politischen Zusammenhängen aus.

Also ich denke, dass die Dame sehr genervt war, jedoch ein bisschen zu Unrecht. Die Ausdrucksweise von Moritz war seinem Alter angemessen und auch recht respektvoll. Auch wenn ein Kind etwas altklug redet sollte man der Tatsache, dass es sich überhaupt mit überhaupt mit politischen Themen beschäftigt, doch etwas mehr Anerkennung engegen bringen.

Dass sie keine persönliche Meinung abgeben will, verstehe ich. Aber das hätte sie auch besser formulieren können.

Pro-Lernen hat gesagt…

Unglaublich, wie arrogant die Kinderkommission antwortet. Man glaubt es wirklich kaum. Gibt es immer noch solche Leute in Deutschland?

cecilia hat gesagt…

liebe jule,

tolle idee, machst du das?

sonnigen gruss

cecilia

Katrin hat gesagt…

Also ich bin 32 Jahre alt und ganz normal zum GHymnasium gegangen, habe "sogar" Abitur gemacht - und ich möchte mal behaupten, daß ich mich mit den "komplexen Zusammenhängen", die Moritz da anspricht, deutlich wneiger auskenne als er....
Traurig, die Antwort von Frau G.P. - ich schließe mich voll und ganz meinen Vorrednern an!
Grüße,
Katrin

Rene Drescher-Hackel hat gesagt…

In Deutschland stirbt die Hoffnung zu letzt, die Hoffnung der Kinder zuerst. Abwrackprämien für 9 Jahre alte Autos - wenn sie könnten, die täten wahrscheinlich auch noch für andere Sachen Prämien geben, wenn sich dadurch Probleme lösen (beseitigen) ließen. Filme wie "Ihr könnt euch niemals sicher sein" hätten das Dilemma nicht besser darstellen können. In meinen Augen gehört diese ganze "Mischpoke" abgeschafft. Wir haben doch nur noch riesige Wasserköpfe am Ruder. Parlamentarier, die ihre "Nebeneinkünfte" nicht offen legen wollen, weil sie dem Aufsichtsrat mehr verpflichtet sind, als ihrem Gewissen und ihrem Mandat. Da werden Gesetze verabschiedet (Zweitwohnungssteuer) und es sind wieder Parlamentarier, die diese brechen. Man kann schauen, wo man nur will - es regiert nur noch die Unvernunft und Selbstherrlichkeit. Da ist das Kind, das Zuwendung, Aufmerksamkeit und Bestätigung braucht, da ist die Schule, die Unterstützung sucht, daß das Kind verhaltenstherapeutisch betreut wird – und die Gesetze, die Krankenkassen, die Gemeinden, die sich alle ins Nichtstun flüchten und hinter Rechtsverordnungen verstecken. Es wird langsam Zeit, daß in diesem Land wieder die Vernunft Einzug hält. Mich wundert es nicht mehr, wenn der eine oder andere „Ausrastet“ – sie alle tun ihren Teil dazu – so gut sie es können.

Anonym hat gesagt…

Jungejunge;
das ist das Land!

Moritz, das hast Du phantastisch gemacht - obwohl ich sicher bin, daß Du dich auch geärgert hast.

"Du erwartest ja auch Respekt. Zum letzten Mal mit freundlichen Grüßen."
Frau Dingens, Sie sollten sich eher der Raumpflege, als dem Publikumsverkehr widmen. Sicherlich ist da weniger Schaden zu erwarten.

Moritz, bleib stark!
Denen gehört die Welt nicht, sie tun bloß so.