Freitag, 8. Mai 2009

wie kleine kinder schlau werden

ich schätze die beobachtungen von john holt sehr, aber den titel dieses buches mag ich eigentlich nicht: kinder "werden" nicht schlau sondern sind es von geburt an, finde ich. dennoch kann ich - natürlich - mit verschiedenen beispielen seine beobachtungen & schlüsse bestätigen. dass kinder nicht belehrt werden müssen, sondern dass sie durch beobachten, nachahmen, ausprobieren ... alles selbst herausfinden. hier ein paar mehr oder weniger aktuelle beispiele:

  • sprachliche entwicklung: bei ansonsten sehr guter sprache hat c (4 j.) jahrelang das 'ch' nur in der "harten" form, wie in "auch", gesprochen. auch in worten, in denen es sonst weich (wie in "weich" ;) ) gesprochen wird. das hat niemals jemand kommentiert oder gar verbessert, glücklicherweise. wir haben einfach alle ganz normal gesprochen. inzwischen klingt auch bei ihr das 'ch' in immer mehr worten so wie bei allen anderen.

  • das interesse für buchstaben, schreiben, ist schon lange vorhanden. was c noch fehlt, sind die feinmotorischen fähigkeiten zum schreiben. schon vor ein paar monaten hat sie ihre begeisterung für das "schreiben" am computer entdeckt & zunächst einfach lange zeichenketten eingetippt. mittlerweile hat sie den zusammenhang zwischen bestimmten zeichenfolgen & deren ausgesprochener form entdeckt. häufig bittet sie mich, das von ihr geschriebene vorzulesen. beim spielen eines computerspiels sollte sie dann neulich als erstes ihren namen eintippen ... beim ersten mal hat sie mich noch um ansage der einzelnen buchstaben gebeten, die sie dann auf der tastatur selbst gefunden hat. inzwischen schreibt sie ihren namen selbstständig.

  • umgangsformen: nun ja, ich gebe es zu: wenn ich allzu unfreundlich herumkommandiert werde, äussere ich auch schon mal meinen unwillen bezüglich solcher behandlung & erkläre (belehre), wie es mir lieber wäre. aber im wesentlichen besteht mein ansatz auch hier darin, möglichst vorzuleben, was ich für richtig halte. und auch das zeigt wirkung: immer öfter bekomme ich jetzt freundliche bitten, herzliches danke oder auch mal eine entschuldigung zu hören.

  • m., schulgeschädigt, hat jahrelang bei ungefragten erklärungen nicht nur nicht hingehört, sondern sie sogar mehr oder weniger heftig zurückgewiesen. wenn er mich um hilfe, z. b. am computer, bittet, tue ich daher einfach, was er möchte. er sitzt daneben und passt offensichtlich sehr gut auf, was ich tue ... und macht es beim nächsten mal selbst. nach über 2 jahren unschooling (deschooling) ist er inzwischen übrigens wieder in der lage, nach erkärungen zu fragen bzw. sie auch anzunehmen.

  • ...


... ich bin gespannt, was euch noch für beispiele hierzu einfallen!

1 Kommentar:

Robert hat gesagt…

Den deutschen Titel empfinde ich sehr ungünstig. Der originale Titel "How children learn" trifft es hingegen sehr.