Mittwoch, 27. Januar 2010

Deutsche Homeschool-Familie erhält politisches Asyl in den USA!

Bahnbrechende Entscheidung der US-Gerichtsbarkeit

Familie Romeike aus Bissingen floh 2008 vor der in Deutschland immer noch üblichen Verfolgung durch die Behörden in die USA und beantragte dort politisches Asyl. Ihrem Antrag wurde nach einer Anhörung in Memphis, Tennessee, am 26. Januar 2010 stattgegeben. Aus der Urteilsbegründung:
„Die Rechte, die hier verletzt werden, sind grundlegende Menschenrechte, und kein Land hat ein Recht, sie zu verletzen... Homeschooler sind eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe, und die deutsche Regierung versucht sie zu unterdrücken... Die Familie hat eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung... daher hat sie Anspruch auf Asyl .... und das Gericht gewährt Asyl.“

Michael Donnelly, Anwalt der „Homeschool Legal Defense Association“ äußerte sich zufrieden über den Ausgang des Verfahrens. „Diese Entscheidung erkennt endlich an, dass deutsche Homeschooler eine gesellschaftliche Gruppe sind, die von einer westlichen Demokratie verfolgt werden. Es ist peinlich für Deutschland, denn ein westliches Land sollte grundlegende Menschenrechte achten, und dazu gehört der Erlaubnis für Eltern, ihre eigenen Kinder großzuziehen und zu bilden... Wir hoffen, dass Deutschland nach dieser Entscheidung aufhören wird, Homeschooler zu verfolgen.“
Auch das deutsche Netzwerk Bildungsfreiheit (www.netzwerk-bildungsfreiheit.de) geht davon aus, dass diese Entscheidung eine Liberalisierung der deutschen Rechtssprechung zur Folge haben wird. "Diese Entscheidung verdeutlicht dem Rest der Welt, dass der deutsche Staat hier außerhalb des für westliche Staaten üblichen Standards agiert... Die Entscheidung für Romeikes ... ist eine ernste Warnung an die deutschen Behörden, ihre Vorgehensweise zu ändern und die Elternrechte zu respektieren. Wir hoffen, dass die Entscheidung ein deutliches Signal an die Behörden in Deutschland sendet, rasch etwas zu ändern!”

Homeschool-Mutter Dagmar Neubronner (www.bildunginfreiheit.de) rief Eltern dazu auf, sich im Interesse aller Kinder für Bildungsfreiheit einzusetzen, von der das gesamte deutsche Bildungssystem nur profitieren werde: "Solange es kein Entrinnen vor dem Besuch deutscher Schulen gibt, werden diese nicht grundlegend besser werden - Monopolrechte sind nie gut für die Qualität."

Kommentare:

Jim Bennett hat gesagt…

Die Debatte ist sicherlich sinnvoll, aus eigenen Erfahrungen (bin in den USA aufgewachsen) halte ich aber das deutsche System für überlegen. Viele Homeschool-Familien in den USA sind Anhänger radikaler ideologischer Sekten wie z.B. die Assemblies of God, die Andersdenkende dämonisieren und sogar Gewalt gegen Kinder (z.B. im Rahmen von Exorzismus) befürworten und konkret praktizieren - in Texas zumindest mit Zustimmung der Gerichte. Die Anhänger solcher Gruppen wollen nicht zulassen wollen, dass ihre Kinder anders als sie denken lernen. Das ist der Hauptgrund, weshalb sie den Schulbesuch ablehnen. Deutschland hat wie fast alle Länder der Welt das UNO-Abkommen zum Schutz der Kinderrechte unterschrieben, und er Staat hat sich dabei sich verpflichtet, Kinder gegen physische und mentale Gewalt zu schützen. Homeschooling verbirgt in sich viele Risiken; aus meiner Sicht muss der Schutz der Kinder im Vordergrund stehen. Die USA haben das UNO-Abkommen nicht unterschrieben. Sofern steht auch in den USA eine wichtige Debatte an.

Anonym hat gesagt…

Nur weil das Deutsche System überlegen ist, ist es nicht gut. Homeschooler sind überall auf der Welt nicht nur Extremisten und auch nicht nur religiös motiviert. Mir persönlich ist ganz ohne religiösen Hintergrund die Deutsche Schule zu uniform, zu einengend und zu festgefahren. Die nächsten Generationen sollen mit innovativen Ideen Lösungen zu den Problemen unserer Zeit finden - wie sollen sie das erreichen, wenn ihre Kreativität und ihr Individualismus in der Schule eher unterdrückt als gefördert werden? Von Lehrern, die sich als Beamte alles herausnehmen können, ohne um ihre Stellung zu fürchten. Es müssen neue Wege in der Bildung gefunden werden und das Legalisieren des Homeschoolings (bitte zum Schutz der Kinder vom Staat beaufsichtigt) ist ein Schritt in die richtige Richtung! Ein Monopol ist niemals gut. Die Vielfalt kann nur Verbesserung bringen.

Miriam Löwe hat gesagt…

Relevant ist nicht wie gut oder schlecht das jeweilige Schulsystem ist, sondern das Recht der freien Entscheidung die Bildungsvariante frei zu wählen. Ein grundlegendes demokratisches Menschenrecht, das in Deutschland, als fragwürdiges Relikt der NS- Zeit (!), noch immer auser Kraft ist.
Homeschooling oder Freilernen ist eine grundnatürliche Art der Bildung. Aktuellen Studien zufolge sogar hinsichtlich der Sozialisierung und der akademischen Erfolge vielen Regelschulen überlegen.
Nur aus Angst Homeschooling könnte von Extremisten und sektösen Gruppen missbraucht werden um Kinder uniform zu erziehen, das Recht der Bildungsfreiheit an sich in Frage zu stellen, wäre wie das Recht der freien Versammlung zu beschneiden, nur weil auch extremistisch Gruppen davon Gebrauch machen könnten.

Zumal in allen seriösen Homeschoolländern der Hausunterricht staatlisch betreut und kontrolliert ist.

Und im Übrigen: Die Kinderrechtskonvention und deren Unterzeichner sind kein gutes Kriterium für diese Diskussion: zumal auch Deutschland nur eingeschränkt ratifiziert hat, dagegen aber quasi alle menschenrechtlich zweifelhaften Länder und dann auch wiederum Länder wie Kanada, die eine sehr erfolgreiche Homeschooling Geschichte aufweisen. Kaum aussagekräftig für diese Debatte also!

Anonym hat gesagt…

Herr Bennet, ich komme aus den USA, und ich machte meine ganze Bildung zu hause mit meinen Eltern, und jetzt bin ich eine Studentin an der Uni. Ich bin katholikerin (es gibt hier immer mehr und mehr katholische Homeschooler), aber ich habe viele fundamentalistische Freunde, und sie sind nicht extremisch. Vielleicht haben sie einen Vorurteil gegen Religion? Normalerweise sind die Fundamentalistische Christen ganz politischlich informiert, viel mehr als andere Menschen. Ihre Kinder wissen genau, was in der Welt passiert. Und warum sollen alle Kinder wie ihre Lehrer oder wie der Staat denken? Das heißt ,,Konformität."
Heimunterrichtende Kinder sind normalerweise Froher und haben besser psychologische Gesundheit als andere Kinder. Heutzutage gibt es zu viele Hetze in den Schulen. Die Schulen sind nicht mehr wie die Schulen an ,,Leave it to Beaver."
Es gibt auch andere Grunde, warum Eltern ihre Kinder unterrichten möchten. Meine Familie ist streng Christlich (mein Vater ist Katholiker und meine Mutter ist Protestantin), aber wir werden Homeschooler für akademische Grunde und und Grunde der psychologische Gesundheit. Wir haben noch nicht gewusst, dass es so viele Vorurteile gegen der Christenheit in den Schulen gibt. Mein Bruder und ich konnten nicht wie andere Menschen lehrnen. Ich bin dyslexisch, und er ist nur anders. Wenn wir in der Schule gegangen wären, würden wir in den dummen Klassen sein waren. Aber wir sind intelegent.
Die Vorurteile gegen der Christenheit sind auch ein akademisches Problem. Die meisten großen Literaturstücke im Abendland sind Christlich, und Lehrer können nicht über diesen Geschichten gut unterrichten, wenn sie große Vorurteile gegen den Vertrauern der Dichtern haben.
Ich danke die Fundamentalisten für den Opertunität solche gute Bildung zu bekommen. Wenn sie extremisch sind, vielleicht ist das nicht so schlimm extremisch zu sein. Ich hoffe, dass die deutsche Homeschooler sieghaft in diesem Kampf für Bildungsfreiheit in Deutschland sein werden. Ich wünsche, dass ich ihnen helfen könnten, aber was könnte ich mache? Ich bin nur eine Amerikanerin.

Jessica Esolen hat gesagt…

Das Letzte Post war mein. Ich heiße Jessica Esolen, und ich will nicht Anonym heißen.

Humanist at Home hat gesagt…

Tatsache ist, dass mittlerweile die Mehrheit der Homeschoolers in Amerika nicht aus religioesen Gruenden zu Hause unterrichten. Fuer mich, ich bin Atheistin, sind die Gruende hauptsaechlich das schlechte Schulsystem, Gewalt an den Schulen, der ewige Zwang cool sein zu muessen und mehr. Man muss ich nur die Statistiken anschauen, um zu erkennen, dass Homeschooler ihren Altersgenossen in allen Faechern voraus sind. Was die soziale Umgebung angeht, so sind meine Kinder viel mit anderen Kindern verschiedener Altersgruppe und mit Erwachsenen zusammen und haben nie das Problem von Einsamkeit erleben muessen.

Das deutsche Schulsystem mag dem amerikanischen ueberlegen sein, das macht es aber noch nicht gut. :)

Sie sind herzlich eingeladen, bei mir mitzulesen. Einfach auf meinen Namen klicken.

Anonym hat gesagt…

Hi Jim,
I know a lot of religious homeschooling families here in Florida and their children are adorable: sweet, fun and bright. That the children do not dress like Hannah Montana is great.
Yes, they are taught to believe that every word in one version of the Bible is true, but school children are taught all kinds of nonsense, too. For example, they teach school kids that our capitalist healthcare system, with rich doctors and fat-cat insurance companies, is perfect and cannot be questioned. They even have the kids raise money to give to (wealthy) doctors--I kid you not.